Kurioses von der Nato, deutliche Worte aus Russland

Eskalation in der Ukraine

Die Nato ist immer wieder für kuriose Überraschungen gut und in Russland findet man immer wieder erstaunliche Antworten. Das zeigt eine Episode von heute, die in deutschen Medien wahrscheinlich keine Erwähnung finden wird.

von Anti-Spiegel 7. April 2021 20:35 Uhr

Es ist eine bemerkenswerte Geste, von der ich jetzt berichten werde. Die Nato hat derzeit 30 Mitglieder, aber ihre Internetseite war bisher nur in drei Sprachen verfügbar: Englisch, Französisch und Russisch. Offenbar will die Nato sichergehen, dass man ihre Seite auch in Russland problemlos lesen kann, während es der Nato offensichtlich nicht so wichtig ist. dass man die Seite auch in den meisten ihrer Mitgliedsstaaten versteht.

Nun wurde eine vierte Sprache hinzugefügt, und zwar nicht etwa zum Beispiel Deutsch, weil Deutschland nach den USA der größte Zahler der Nato ist, sondern Ukrainisch. Und das obwohl das Land weder Nato-Mitglied ist, noch in naher Zukunft werden kann. Das fügt sich ein in die Symbolik, mit der der Westen der ukrainischen Regierung das Gefühl gibt, die Nato werde Kiew bei einem Krieg gegen Russland unterstützen. In Kiew scheint man das tatsächlich zu glauben, wie ich hier in einer Analyse mit Begründung für meine These ausgeführt habe.

Nato: „Lehnsherr und Vasallen“

Der Chef des russischen Sicherheitsrates, Nikolaj Patruschew, hat heute in einem Interview gesagt, dass ein Beitritt kleiner Staaten zur Nato zwangsläufig das Ende eines Großteils ihrer Souveränität bedeutet. Weiter sagte er, dass viele europäische Länder hinter vorgehaltener Hand zugeben, dass sie den anti-russischen Kurs von Nato und EU sinnlos finden, aber sie könnten nichts dagegen tun, weil die Entscheidungen in Washington und Brüssel getroffen würden.

Daher, so Patruschew, könne man die NATO kaum noch als militärisch-politischen Block bezeichnen. Vielmehr sei es das Verhältnis eines mittelalterlichen Lehnsherrn zu seinen Vasallen. Aber während die Vasallen früher auf Kommando ihres Lehnsherrn eine Armee bereitstellen mussten, müssen sie heute Waffen von ihrem Herrn kaufen, wenn sie nicht wollen, dass ihre Loyalität in Frage gestellt wird. Über diese Aussagen Patruschews hat das russische Fernsehen berichtet.

Man kann Patruschew kaum widersprechen, wenn man sich ein wenig zurückerinnert. 2019 hat die EU einen 13-Milliarden-Fond aufgelegt, der die Entwicklung neuer Waffen finanzieren sollte und die Gelder sollten ausschließlich Firmen aus der EU zur Verfügung gestellt werden. Das fanden die USA gar nicht lustig und haben mit Sanktionen gegen die EU gedroht (Quelle weiter unten in diesem Artikel):

„Bevor diese Verträge sich weiterentwickeln, raten wir Ihnen, sie noch einmal mit einem Augenmerk auf unsere langfristigen Ziele für die transatlantische Sicherheitspartnerschaft zu überprüfen. (…) Umgekehrt verhängte Einschränkungen wären in Europa nicht willkommen, und wir würden es nicht genießen, diese zu erwägen.“

Im Klartext: „Wir würden es nicht genießen, Euch zu betrafen.“

Die USA lassen ihre Waffensysteme nur von US-Firmen entwickeln, sie würden nie ein Kampfflugzeug, einen Panzer oder ein Sturmgewehr für ihre Armee anschaffen, die nicht aus US-Produktion sind und natürlich würden sie auch nie europäischen Firmen die Chance geben, an die Fördergelder des Pentagon zur Entwicklung neuer Waffen, wie zum Beispiel eines Kampfflugzeuges, heranzukommen. Umgekehrt fordern sie jedoch ultimativ und unter Strafandrohung Zugang zu EU-Geldern.

Über diese kleine Anekdote aus dem Verhältnis der USA zu ihren Vasallen in Europa habe ich schon im Mai 2019 berichtet, den Artikel finden Sie hier. Und schon zwei Wochen später, im Juni 2019, haben die USA der EU ein Ultimatum gestellt, über das in Deutschland – außer beim Anti-Spiegel – schon nicht mehr berichtet wurde, den Artikel finden Sie hier. Danach gab es keinerlei Meldungen mehr dazu, offensichtlich ist die EU eingeknickt und hat ihren Fond für US-Firmen geöffnet.

Wegen dieses und anderer Beispiele bezeichne ich die EU und ihre Mitglieder oft als „Kolonien der USA.“ Aber wenn ich darüber nachdenke, dann könnte Patruschews Vergleich vom mittelalterlichen Lehnsherr und seinen Vasallen sogar noch passender sein.

Quelle

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