Irrwitzige (Kriegs-)Propaganda zum Thema Impfstoffe im Spiegel

„Der Feind in meiner Spritze“

von Anti-Spiegel 10. April 2021 20:11 Uhr

Der Spiegel hat einen Artikel mit der Überschrift „Coronavirus – die Woche – Der Feind in meiner Spritze“ veröffentlicht. Über diese ziemlich plumpe Propaganda-Überschrift hat die Redaktion anscheinend sogar eine Zeitlang nachdenken müssen, denn zuerst lautete die Überschrift (nicht weniger reißerisch) „Die irrwitzige Sputnik-V-Bestellung von Markus Söder„.

Die Qualifikation von leitenden Redakteuren beim Spiegel

Bei einem solchen Niveau kann einen eigentlich nichts mehr verwundern, denn – nur zur Erinnerung – der Spiegel betrachtet sich ja selbst als seriöses Nachrichtenmagazin. Aber der Artikel ist nicht etwa im Ressort Panorama erschienen, wo man Klatsch und Tratsch über Stars und Sternchen erfahren und allerhand niveauloses Zeug lesen kann, wo ein solches Niveau also noch irgendwie verständlich wäre, nein, der Artikel ist allen ernstes im Ressort Wissenschaft erschienen.

Und der Artikel war auch nicht der Fehler eines Praktikanten, sondern der Artikel ist von Michail Hengstenberg, dem „Ressortleiter Wissenschaft und Technik“ beim Spiegel. Wenn man sich dann noch in Erinnerung ruft, dass der Spiegel regelmäßig dazu aufruft, der Wissenschaft zu vertrauen und auf die Wissenschaft zu hören, dann kann ich Spiegel-Lesern des Ressorts Wissenschaft nur dringend empfehlen, die Zeitung zu wechseln, denn beim Spiegel verwechselt der Ressortleiter Wissenschaft und Technik, was Wissenschaft und was Propaganda ist.

Aber das kann nicht überraschen, denn seine beim Spiegel veröffentlichte Vita zeigt, dass er mit Wissenschaft in seinem Leben so viel zu tun hatte, wie eine fette Sau mit Weitsprung: Er ist Berufsjournalist, das meine ich nicht abfällig, es geht nur darum, ob er in Studium oder Beruf mal mit Wissenschaft zu tun hatte. Im Studium also schon mal nicht, aber vielleicht ja in seinem Berufsleben. Schauen wir uns also seine Vita beim Spiegel an, um zu verstehen, welche Qualifikationen man beim Spiegel mitbringen muss, wenn man für das Ressort Wissenschaft verantwortlich sein möchte (Hervorhebungen von mir):

Michail Hengstenberg
Jahrgang 1976. Volontierte 1999 bis 2001 bei „blond“, anschließend Redakteur bei „blond“. 2002 Neukonzeption und Chefredaktion des Corporate Publishings „Job&Future“, 2003 Aufbau und Chefredaktion des Videospielmagazins „GEE“. 2007 Aufbau und Chefredaktion der Oldtimer-Community „carsablanca.de“. Freier Autor für „Page“ und das Schweizer Nachrichtenmagazin „FACTS“. Seit Juli 2008 Ressortleiter bei einestages, seit Januar 2012 Ressortleiter Auto. Seit Januar 2018 Ressortleiter Wissenschaft, Gesundheit und Mobilität, seit September 2019 Ressortleiter Wissenschaft und Technik

Damit ist doch alles klar, oder? Der Mann ist wissenschaftlich hochqualifiziert.

(Kriegs-)Propaganda in Reinkultur

Der Artikel selbst ist Propaganda per Definition und da die Überschrift des (wissenschaftlichen!!!) Artikels über die Corona-Woche bereits von dem „Feind“ redet, ist das Wort Kriegspropaganda durchaus angemessen, vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Osteuropa. Und wo Propaganda drauf steht, da ist natürlich auch wenig Wahrheit drin. Daher will ich ein wenig auf das Machwerk eingehen, damit der wissenschaftlich interessierte Leser weiß, was der Spiegel unter „Wissenschaft“ versteht.

Zuerst echauffiert sich der Autor ganz „wissenschaftlich“ über die bösen deutschen Ministerpräsidenten, die doch allen Ernstes den Lockdown lockern wollten. Danach schreibt er:

„Ein Vorgang in dieser Woche allerdings erhöhte den inzwischen pottwalhaften Ruhepuls dann doch: Der von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unterzeichnete Vorvertrag, der seinem Bundesland ein Kontingent des umstrittenen russischen Impfstoffs Sputnik V sichern soll. Um es mal mit einem landestypischen Idiom zu sagen: Seid’s ihr völlig deppert?
Dabei geht es nicht um die Frage, ob man mit Russland überhaupt Geschäfte machen oder einen Impfstoff kaufen sollte, von dem es heißt, er wäre vor allem eine geopolitische Waffe, kein Medikament. Das würde hier den Rahmen sprengen.“

Ob man mit Russland überhaupt Geschäfte machen“ sollte. Das ist eine gute Frage. Es ist schließlich gute deutsche Tradition, wenn man fordert: „Kauft nicht beim…“

… Russen, wollte ich sagen. Der Leiter des Spiegel-Ressorts Wissenschaft zeigt hier ein hervorragendes Verständnis für deutsche Geschichte und bewährte deutsche Traditionen. Die haben auch damals schon hervorragend funktioniert.

Der Autor schreibt in bester Tradition der in ihrem Paralleluniversum gefangenen Transatlantik-Covidioten. Das sind die, die einerseits Corona ganz gefährlich finden, weil wir alle bald daran sterben, wenn wir nicht geimpft werden, aber wenn es ein Impfstoff von denen ist, bei denen wir nicht kaufen sollen, dann sollen wir doch bitte alle ganz tapfer den Heldentod an der Coronafront sterben.

Ich frage mich, wie Spiegel-Leser ticken, die das schlucken. Einerseits die Corona-Panik wegen der „Seuche“, an der kaum jemand stirbt, andererseits die anti-russische Propaganda, bei der sogar der ehemalige deutsche Minister mit dem Klumpfuß noch begeistert etwas lernen könnte: „Wollt Ihr den totalen Lockdown?“ – „Ja, das ist besser, als von den Russen geimpft zu werden!“

Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Videospiel

Weiter schreibt Herr Hengstenberg, natürlich ganz wissenschaftlich:

„Vielmehr ist unerklärlich, warum Hardcore-Söder, der bislang in seiner Coronapolitik immer dicht an der Linie der Wissenschaft operierte, jetzt alle Vorsicht fahren lässt?“

Und dann erklärt uns der Wissenschafts-Redakteur, der seine wissenschaftlichen Berufserfahrungen bei „blond“, bei Videospielen und mit Oldtimern gesammelt hat, was Wissenschaft ist:

„Wir erinnern uns: Die Vakzine war von Anfang an vom Ruch des Unseriösen umgeben. Bei den ersten Veröffentlichungen der Studien wurden Vorwürfe laut, bei den Ergebnissen sei mit Photoshop nachgeholfen worden. Auch nach einer Veröffentlichung im Fachmagazin »The Lancet« blieben Zweifel an den Wirksamkeitsdaten“

Ich bin immer noch dem Leser aus der Medikamentenentwicklung dankbar, der für den Anti-Spiegel die „Zweifel an den Wirksamkeitsdaten“ kommentiert hat, über welche der Spiegel berichtet hat. Leider geht der Spiegel auf Kritik nicht ein, mich würde wirklich interessieren, wie dieser Videospiele-Redakteur auf die Argumente eines echten Wissenschaftlers antworten würde.

Ich könnte so weiter machen und jeden Absatz dieses „wissenschaftlichen“ Artikels sezieren, aber das bringt nichts. Ich hätte über dieses alberne Machwerk normalerweise gar nicht geschrieben, aber es ist Samstag und ich habe die ganze Woche mit ernsten Themen zu tun gehabt. Da wollte ich einfach mal ein bisschen Spaß haben. Normalerweise ignoriere ich ja Artikel aus der Bild-Zeitung.

Was? Der Artikel ist im Spiegel erschienen? Davon hat man beim Lesen gar nichts gemerkt.

Aber immerhin haben wir heute gelernt, welche fachlichen Qualifikationen Ressortleiter beim Spiegel brauchen: Keine, es reicht vollkommen aus, wenn sie transatlantische Covidioten sind…

Anmerkung zum Wort „Covidiot“: Das Wort wird in Deutschland oft falsch verwendet, denn Covidioten sind diejenigen, die an den Zirkus glauben und Lockdown bei gleichzeitigem Abbau der Anzahl der Intensivbetten für eine geniale Strategie halten, anstatt die Regierung für genau das zu kritisieren.

Quelle

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