Hirnvenenthrombosen wohl auch bei mRNA-Impfstoffen: Biontech widerspricht

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Eine Sinusvenenthrombose ist der Verschluss einer großen Vene im Gehirn durch ein Blutgerinnsel. 

Berlin – Seltene Fälle von Hirnvenenthrombosen kommen wohl auch beim Einsatz der mRNA-Impfstoffe vor. Das geht aus einer Studie hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Demnach traten bei vier von einer Million Menschen, die mit den Mitteln von Biontech/Pfizer oder Moderna geimpft worden sind, Blutgerinnsel in den auch Sinus genannten Hirnvenen auf. Laut den Forschenden tauchte diese seltene, aber gefährliche Form der Thrombose bei Menschen, die den Astrazeneca-Impfstoff Vaxzevria erhielten, dagegen bei fünf von einer Million Menschen auf. Die Universität Oxford hat den britischen Corona-Impfstoff mit entwickelt.

Die Impfstoff-Hersteller Biontech und Pfizer haben den Ergebnissen der Studie nun widersprochen. Sie erklären in einem Statement am Freitag, dass die Universität Oxford „nicht sauber zwischen ‚normalen Thrombosen‘, die durch eine Impfung auftreten können, aber nicht lebensbedrohlich sind und Sinusvenenthrombosen unterscheide, die im Hirn und im Zusammenhang mit einer Impfung von Astrazeneca und Johnson & Johnson aufgetreten sind.“

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Nach bisher weltweit über 200 Millionen verabreichten Dosen habe Pfizer eine umfassende Analyse der fortlaufend gesammelten Sicherheitsdaten für den Impfstoff BNT162b2 durchgeführt. „In dieser gab es keine Hinweise darauf, dass arterielle oder venöse thromboembolische Ereignisse, mit oder ohne Thrombozytopenie, ein Risiko im Zusammenhang mit der Verwendung unseres Covid-19-Impfstoffs darstellen“, heißt es im Statement weiter. Im Rahmen der Analyse der bestehenden Daten aus der Sicherheitsdatenbank seien alle unerwünschten Nebenwirkungen überprüft worden, die bis zum 27. März für den Impfstoff Comirnaty eingegangen sind. „Auch die große Anzahl an Personen, die bisher geimpft wurden, hat keine medizinischen Beobachtungen ergeben, die das Sicherheitsprofil unseres Impfstoffs, das wir in den Phase-3-Studien beobachtetet haben, verändern würde.“

Symptome für Thrombosen

Zu den häufigsten Symptomen einer Sinusvenenthrombose zählen starke, anhaltende Kopfschmerzen, die ab dem vierten Tag und bis zum 16. Tag nach der Impfung auftreten. Bei derartigen Kopfschmerzen sollte man zum Arzt gehen. 

Wenn zusätzlich neurologische Ausfälle auftreten, also Seh- oder Sprachstörungen, taube Arme oder Beine, sollte man sich umgehend in die Notaufnahme eines Krankenhauses begeben. Weitere Anzeichen können eine Schwellung und bläuliche Verfärbung der Haut sein.

Die EMA empfiehlt allen, die nach der Impfung mögliche Symptome entwickeln, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

EMA prüft Impfstoff von Johnson & Johnson

Im März hatte Deutschland auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts Impfungen mit Vaxzevria, dem Produkt des Herstellers Astrazeneca, vorübergehend ausgesetzt, nachdem gehäuft Sinusvenenthrombosen aufgetreten waren. Bis zum 8. April wurden hierzulande 46 Fälle einer  nach Impfung mit Vaxzevria gemeldet. Fünf Frauen und drei Männer starben. Inzwischen wird der Einsatz von Astrazeneca hierzulande

. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hält an ihrer Einschätzung fest, dass der Nutzen des Impfstoffs das Risiko überwiegt.

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Mit dem in der EU seit dem 11. März zugelassenen und in den USA bereits im Einsatz befindlichen Corona-Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson entwickelt es sich ähnlich wie mit Vaxzevria. In den USA wurde der Impfstoff vorübergehend ausgesetzt, nachdem nach 6,8 Millionen Impfungen bei sechs Frauen zwischen 18 und 48 Jahren Sinusvenenthrombosen diagnostiziert worden waren. In diesem Rahmen habe die

 laut dem Statement von Biontech auch darüber berichtet, dass keine ähnlichen Fälle mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer beobachtet wurde. Die EMA will ihr Gutachten über die Thrombose-Fälle nach der Impfung mit dem Mittel von Johnson & Johnson nächste Woche bekanntgeben.

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Bei 11 Millionen verabreichten Dosen keine Fälle von Sinusvenenthrombosen

Auch die britische Medicines and Healthcare Regulatory Agency (MHRA) habe nach Berichten über Sinusvenenthrombosen in Zusammenhang mit Vaxzevria eine ähnliche Bewertung durchgeführt. Nach Verabreichung von elf Millionen Dosen des Pfizer/Biontech-Impfstoffs im Vereinigten Königreich wurden keine Fälle von Sinusvenenthrombosen in Verbindung mit dem Impfstoff festgestellt, so Biontech. Für den Adenovirus-Impfstoff von Astrazeneca wurden bei 16 Millionen Geimpften 22 Fälle gemeldet, heißt es weiter.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde am Freitag, den 16. April, um das Statement von Biontech/Pfizer ergänzt und aktualisiert.

Quelle

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