Bahnschikane

Ein Reisebericht

Nachdem ich frustriert die Hauptstadt wieder in Richtung „Heimat“ (Tja – was ist das eigentlich inzwischen geworden?) verlassen hatte, war ich froh, unbehelligt in einem Zug der Deutschen Bahn sitzen zu dürfen.

Nicht so sehr lange – denn ein vorbeieilender Zugchef herrscht mich an, den Sitz meiner MASKE zu verbessern, um mir nach getaner Korrektur noch zu anzuraten:“Und so bleibt diese, bis Sie das Gelände der DB wieder verlassen!“ Diese Tonlage ist mir noch nach fast 60 Jahren von einem damals als „Spiess“ bezeichneten unmittelbaren Vorgesetzten bekannt!

Einen Augenblick lang war ich versucht, diesem Herrn nahezu bringen, was der Unterschied zwischen einem Kunden und einem Untergebenen ist, habe aber nachdem mir klar wurde, das ich von einem Monopolisten eine Personenbeförderung erstanden hatte, die diese danach unter Umständen nicht mehr ausführen möchte.

Nach den Eindrücken von Berlin nahm ich davon Abstand.

Das war – wie mir später klar wurde – ein sehr weiser Entschluss!

Der Zug war nicht sehr stramm besetzt, so kamen einige Personen in den Waggon und nahmen weiter vorne Platz. Darunter ein relativ junger Mann, welcher sich mit ein paar anderen Passagieren über das Vorzeigen eines „Maskenattestes“ unterhielt, welches der Zugchef wohl von ihm sehen wollte, er dieses aber in seinem Gepäck aufbewahrte, es also wohl nicht „Am Mann“ hatte. Er hatte wohl auch darauf hingewiesen, das es im Lande Berlin (da waren wir noch)bis dato wohl aktzeptiert wird, wenn man „Glaubhaft bekundet“ im Besitze eines solchen Attest zu sein.

Das sah der Zugchef wohl sehr anders, worauf ihm der Passagier anbot, doch mit ihm zu seinem Gepäck zu gehen und dort diese Dokument einzusehen, welches dieser wohl nicht einsah.

Der Zug fuhr an und nach einiger Zeit erschien der Zugchef wieder am Kopf des Wagens um nach dem Attest zu fragen. (Ich hatte den Eindruck, er vermutetet, das der Passagier über keines verfügte) Wie auch immer – nach ca. 10 Minuten Fahrt hielt der Zug dann in Spandau (Ich weiß nicht ob planmäßig) an, der Zugchef erschien und erklärte allen sinngemäß: wir könnten uns jetzt in Ruhe mit diesem Passagier unterhalten, wir hätten nun Zeit genug, denn der Zug führe nicht weiter, weil dieser sich „bockig“ angestellt hätte. Kurz darauf kam eine Durchsage in welcher mitgeteilt wurde, das das Zugbistro nun geöffnet sei und man sich Erfrischungen heißer und kalter Art zur Stärkung dort abholen könnte.

Bestimmt drei mal erschien der Zugchef danach um den Passagier dazu zu bewegen mit ihm den Zug zu verlassen und dort (draussen) sein Attest zu begutachten, was der junge Mann aber nicht wollte – er sagte – ich habe ein Attest hier vorliegen – sie können gerne kommen und diese einsehen, was der Zugchef aber nicht einsah und so blieb der gesamte EC in Spandau auf dem Bahnhof stehen.

In der Zwischenzeit versuchte eine (meiner Meinung nach rechtskundige Mitfahrererin „die Sache aus der Welt zu bringen“, ging zum Zugchef um ihm nahezubringen, das er doch das Attest einsehen möge, auf das wir alle unsere Anschlusszüge noch erreichen. Allerdings kam diese nach ca. einer Minute etwas frustriert wieder zurück ohne irgend etwas bewirkt haben zu können.

Bis dann ein Martinshorn zu hören war und kurz darauf vier Beamtinnen und Beamte im Zug erschienen.

Nun vermuteten alle im Zug Wartenden (ich auch), das die Polizei nun klärt, ob ein Attest vorhanden ist und wenn, das wir alle unsere Fahrt fortsetzen könnten.

(Wobei mir nicht klar war warum der Zugchef das nicht selbst fertig gebracht hat – Gelegenheit war mehr als genügen vorhanden.)

Zu meiner Überraschung überprüften die Polizeibeamten zunächst überhaupt nicht das Dokument, sondern versuchten sofort den Passagier zum verlassen des Zuges zu bewegen, was dieser aber nicht einsah, denn er hatte seiner Meinung nach alles was er zum Benutzen der Bahn haben müsste.

Nun erklärte sich der Seniorpolizist bereit das Attest anzuschauen, wobei er zunächst bemängelte, das dort wohl eine Befreiung zum tragen einer Maske aufgeführt war, aber nicht der medizinische Grund. (Das Attest war elektronisch auf dem Mobilphone des Mannes gespeichert)

Weiter erklärte der Passagier, das die medizinischen Gründe für dieses Attest unter das Arztgeheimis fallen würden und außer ihm und seinem Arzt niemand etwas angingen. Das sah der Beamte zunächst anders, aüsserte dann aber, nachdem er das Originalattest in Augenschein genommen hatte, das wohl ein Attest vorläge.

Dabei entspann sich noch ein Disput daran, das der Beamte sowohl das Attest als auch das Mobilphon des Fahrgastes (Was für ein Ausdruck?“) in seine Hände nehmen wollte, derselbe aber Befürchtungen hatte, das er diese evtl. nicht wieder zurückbekommen würde (Ich habe in mindestens zwei Fallen von solchen Dingen gehört (Thorsten Schulte, Karl Hilz und Samuel Eckert) was aber den Beamten wiederum recht hartleibig werden ließ, weil er vermutetet, das man ihn des Diebstals bezichtigte wollte. Da nun (nach meinem Eindruck) das Attest wohl den Ansprüchen gerecht war, wollte der Beamte nun damit wohl zum Zugchef, was aber durch zwei in der Zwischenzeit zusätzlich eingetroffene Beamte und Beamtinnen der Bundespolizei verhindert wurde. Diese wollten erst den Fahrgast auf den Bahnsteig verfrachten – wohl in dem Ansinnen diesen dann nicht mehr weiter zu befördern.

Der Fahrgast nun wähnte sich nun einer Diskriminierung wegen seiner Krankheit und einer Willkür ausgesetzt, welcher er sich nicht erwehren könne.

Das wiederum brachte den Seniorbeamten zu der Äusserung, das mit so etwas seit 1945 hiernnicht mehr zu rechnen sei und er (der „Fahrgast“) mit seinen Äusserungen vorsichtig seine sollte.

Ich zählte sechs bewaffnete Beamte, einen Fahrtgast mit einem (soweit mir möglich zu beurteilen) gültigen Attest!

Der Verhältnismäßigkeit der Mittel ist also auf jeden Fall gerecht geworden. Nun wurde der „Fahrgast“ auf den Bahnsteig verbracht und kurz darauf ging die Fahrt nach 27 Minuten wieder an, wobei einer der Fahrgäste mit sowohl gültigem Ticket wie auch Attest alleine in Spandau verblieb.

Mehrere Anschlusszüge wurde deswegen verpasst, weil auch diese nicht länger warten konnten.

Irgendwie passte das Erlebte nahtlos an die vorher in Berlin gemachten Erfahrungen, so dachte ich – noch nicht wissend, was Boris Reitschuster noch an speziellen Behandlungsmethoden der Polizei in Berlin aufgenommen und am eigenen Leibe erfahren hatte!

Eins habe ich in Südafrica gelernt : „Mind your word!

Das diese Mentalität mal in meinem ehemahligen „Heimatland“ um sich greifen würde, hätte ich mir damals nicht vorstellen können – jetzt kann ich!

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