Ist Corona gefährlicher als die Impfung oder die Grippe?

reitschuster.de

Die Corona-Impfkampagne

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Stephan Luckhaus, Universität Leipzig, Mathematisches Institut

Ist Corona gefährlicher als die Impfung oder die Grippe? Diese Frage bedarf einer dringend notwendigen Diskussion, die nicht durch Desinformation ersetzt werden sollte. Lassen Sie mich gleich sagen, beantworten kann ich die obige Frage bezüglich der Impfung natürlich nicht. Der Grund ist eigentlich ein positiver. Bei unter 70-Jährigen entwickelt sich nur sehr selten aus der Covid-19-Infektion die SARS-typische Erkrankung. Wir müssten also zwei seltene Ereignisse vergleichen, z.B. den Tod nach einer Impfung und den Tod nach der Covid-Infektion. Und für die Impfung haben wir noch keine guten Daten. Für Covid selbst dagegen schon.

Ich werde nicht müde, in diesem Kontext, die Genfer SEROCoV-Pop-Studie zu zitieren. Dort wurde durch Antikörpertests nachgewiesen, dass mindestens 10 Prozent der dortigen Bevölkerung Anfang Mai 2020 die Infektion durchlaufen hatte. In der Altersgruppe der 50-64-Jährigen hatten ca. 10300 Genfer eine Immunantwort in Form eines nennenswerten IgG-Antikörpertiters, spezifisch für Covid. In dieser Altersgruppe waren bis zum 6.6.2020 16 Covid-Tote zu beklagen, also Tote, die maximal 28 Tage vorher PCR-positiv getestet waren. Macht eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 1,6 Promille, an der Infektion zu sterben, wenn man sich infiziert hat. Das ist die sogenannte I(nfection) F(atality) R(ate). Wenn es manchen Virologen passt, werden solche seriösen Studien immer wieder in Frage gestellt oder unterschlagen. Oft werden dann andere Studien zitiert, in denen die Anzahl nachgewiesener Infektionen mit den Covid-Todesfällen verglichen werden, die sogenannte C(ase) F(atality) R(ate), ohne dass je eine Studie durchgeführt wurde, um die Gesamtzahl der Infektionen in der Bevölkerung zu bestimmen. Die Aussagekraft dieser Studien ist Null, solange man keine Schätzung für die Dunkelziffer der nicht entdeckten Covidinfektionen hat. Auf randomisierte Tests wie in Genf kann man nicht verzichten.

Was sagen die Genfer Zahlen über die Gefahr, die von Corona ausgeht

Als Erstes muss man bedenken, dass unter normalen Umständen 60 Prozent der Infizierten keine Symptome entwickelt – in Altenheimen sind es immer noch 40 Prozent. Und von diesen Personen entwickelt eine Mehrzahl keinen signifikanten Antikörpertiter. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Infizierten, innerhalb von 4 Wochen nach der Infektion zu sterben, auf 0,9 Promille. Wenn wir uns jetzt auf die Altersklasse der 50-59-Jährigen beschränken, kommt man – ohne auf die Einzelheiten einzugehen – auf ca. 0,6 Promille.

Die  IFR von Genf für die April-2020-Welle ist nach den vorliegenden Daten auch auf die April-2020-Welle in London, mit deutlich mehr Infektionen, übertragbar. Die Sommer-IFR ist mit Sicherheit niedriger (siehe II. Anhang).

Für die Grippe – genauer Influenza – haben wir Zahlen wie die  IFR nicht. Aber wir haben die monatlichen Sterbefälle in den verschiedenen Altersgruppen. Für die Grippemonate November 2017 – April 2018 waren das in der Altersgruppe der 50-64-Jährigen: 8702, 9092, 9587, 9152, 11036, 9130.

Demgegenüber ist die Zahl der Sterbefälle für den Covid-Monat April 2020: 7967, darunter 400 Covid-Tote. Genau kann ich das leider nicht sagen, da mir das RKI trotz Nachfrage bisher keine Covid-Sterbefalldaten für die 5-Jahres-Alters-Kohorten genannt hat. Nicht alle 400 Todesfälle gehen wirklich auf Covid zurück. Aber man kann davon ausgehen, dass die Fälle, die 7800 Tote pro Monat übersteigen, auf Infektionskrankheiten zurückgehen. Demnach wären 0,5 Promille der Deutschen im Alter von 50-64 Jahren zwischen November 2017 und April 2018 an der Grippe gestorben. Die Grippe von 2017-2018 war natürlich eine besonders schwerwiegende, und definitiv nicht harmloser als Covid.

An dieser Stelle muss ich auf einen besonders krassen Fall von Desinformation eingehen, das sogenannte John Snow Memorandum (siehe weiter unten „Eine historische Fußnote“) mit dem Titel: „Scientific consensus on the Covid-19 pandemic – we need to act now“. Dort steht wörtlich: „the infection fatality rate of Covid-19 is several fold higher than that of seasonal influenza“. Mit keinem Wort wird die SEROCoV-Pop-Studie erwähnt. Und das, obwohl eine der Koautorinnen, Isabella Eckerle, ehemalige Doktorandin von C. Drosten, auch Koautorin der SEROCoV-Pop-Studie ist – was immer das in der Medizin heißt.

Die andere Fehlinformation, die immer wieder verbreitet wird, z.B. im John Snow Memorandum: Es gäbe keine lang anhaltende natürliche Immunisierung gegen Covid und deshalb auch keine „Herden“immunität. Virologen wissen: wenn es eine spezifische Antikörperreaktion gibt, gibt es auch Immunisierung. Die Immunisierung bietet einen höheren Schutz, solange der Antikörpertiter hoch ist. Die Antikörperproduktion endet im Normalfall, wenn die Infektion vorbei ist. Die IgG-Antikörper, habe ich mir sagen lassen, besitzen eine Halbwertszeit von 3-4 Wochen. Nach dem Abbau von IgG sind die sogenannten Gedächtnis-B-Zellen für die adaptive Immunantwort zuständig. Wenn dies bei SARS-CoV-2 anders gewesen wäre, hätte es sich um eine große Überraschung gehandelt.

Der Begriff Herdenimmunität beschreibt das Phänomen, dass es von der Anzahl der Immunisierten in einer Bevölkerung und dem Grad des Immunschutzes abhängt, ob eingeschleppte Infektionen zu einer Epidemiewelle führen oder nicht. In der Sprache der Wahrscheinlichkeitstheorie ist eine Bevölkerung nicht immun, wenn ein einzelner Infizierter mit positiver Wahrscheinlichkeit eine Epidemie auslösen kann. Sonst ist sie immun. Wahrscheinlichkeiten kann man nicht messen, nur Häufigkeiten. Das empirische Äquivalent der vorhergehenden Definition ist: Eine Bevölkerung ist immunisiert, falls die Anzahl der lokalen Infektionen proportional zur Anzahl der eingeschleppten Infektionen bleibt. Langfristig bleibt eine Bevölkerung nie immunisiert, schon allein wegen der Geburten – aber für mehr als ein Jahr durchaus. Die Immunisierung ist daneben von weiteren Faktoren abhängig. Die effektive Reduktion der infektiösen Kontakte – z.B. nach positiven Antigen Tests – spielt ebenso eine Rolle, wie die Witterung. Nicht nur, dass man sich mehr oder weniger in geschlossenen Räumen aufhält, auch die UV-Strahlung spielt eine Rolle. Ganz wesentlich aber ist die genetische Variabilität des Virus; für Influenza ebenso wie für SARS-CoV-2.

Immunisierung gegen den Wuhan-Typ von SARS-CoV-2 ist weniger effektiv gegen den englischen Typ, und noch weniger gegen die südafrikanischen oder die brasilianischen Varianten. Das gilt für die Impfstoffe genauso. Speziell gegen den englischen Virustyp wirkt die Impfung erst, wenn der (unnatürlich) hohe IgG-Titer ca. 10 Tage nach der zweiten Impfung erreicht ist.

Die englischen Daten der letzten Corona-Welle zeigen für London, dass die dortige Bevölkerung auch im November noch gegen den Wuhan-Typ immunisiert war, aber nicht gegen den sogenannten englischen Typ. Es gab erneut – weniger stark als in den anderen Regionen Englands – eine Epidemiewelle.

Nun zur Impfkampagne

Was m.E. bei der Impfkampagne bisher schiefläuft ist folgendes:

Erstens: Es hat keine Aufklärung gegeben, dass die Nebenwirkungen vor der Notzulassung der Impfstoffe noch nicht umfassend untersucht werden konnten. Es hat zwar klinische Studien gegeben, aber keine bei der FDA angemeldeten. Eine solche Anmeldung ist an Auflagen geknüpft, die verhindern, dass eine Vorauswahl der Resultate erfolgt. Nicht angemeldete Studien haben i.A. weniger statistische Aussagekraft.

Zweitens: Nebenwirkungen werden trotz eindringlicher Mahnungen von Medizinstatistikern nicht systematisch erfasst. Vorgeschlagen wurde z.B. eine Erfassung von Impfungen mit Daten etc. auf der elektronischen Gesundheitskarte. Es hätte, wie für die Infektion selbst, eine Meldepflicht für Nebenwirkungen, wie z.B. Tod innerhalb von 28 Tagen nach der Impfung, geben müssen. Das Corona-Triumvirat Merkel, Spahn und Wiehler hat sich dagegen entschieden. Es ist also nur aus der Presse bekannt, dass es zu lokal massiv gehäuften Todesfällen nach Impfungen in Altenheimen kam. Wir wissen sogar – ebenfalls aus der Presse – dass Obduktionen nicht angeordnet wurden, und öfter der zeitliche Zusammenhang mit der Impfung gar nicht gemeldet wurde. Alles nach der Morgenstern-Logik, dass die Impfung mit dem Todesfall nichts zu tun haben kann.

Ich kann mir aber sehr wohl vorstellen, dass ein kurzfristiges Aufeinandertreffen der Impfung mit mRNA-Impfstoffen, die auf dem Wuhan-Antigen basieren, und einer Infektion durch eine andere Virusvariante, einen schweren Krankheitsverlauf auslöst. Daten, wenn wir sie hätten, könnten am Ende Leben retten.

Drittens: Man sollte nie einen klinischen Test, der diese Impfkampagne nun einmal ist, ohne Vergleichsgruppen durchführen. Wenn man erst in Bayern impft, und in NRW nicht, und gleichzeitig flächendeckend Daten erhebt, gewinnt man Erkenntnis. Alles überall einheitlich durchzuführen, bevor man gesicherte Erkenntnis hat, ist das Dümmste, was man tun kann.

Wenn wir wie bisher weitermachen, werden wir nie ausschließen können, dass die Impfung einer Frau unter 50 ein Todesrisiko von mehr als 1 pro 40000 nach sich zieht. Das ist ungefähr die IFR für Frauen unter 50, das halb so groß ist wie das von Männern.

Wirkt die Impfung überhaupt gegen den jetzt vorherrschenden englischen Virus?

Mit ziemlicher Sicherheit, wie gesagt, erst ca. 10 Tage nach der Zweitimpfung. Wie lange der Impfschutz dann anhält, wissen wir nicht. Wenn man IgG-Verlaufsdaten anschaut, wahrscheinlich ca. 3-4 Monate. Es scheint aber, dass die „asymptomatische“ Übertragung nur unzureichend verhindert wird. Also schützt die Impfung den Geimpften auch gegen die englische Virusvariante, verhindert aber die Ausbreitung nur unzureichend. Das lässt sich an RKI-Daten ablesen (siehe I. Anhang). Einer Bostoner Studie vom 18.2.2021 zu Folge, besteht kein Impfschutz gegen die südafrikanischen und brasilianischen Varianten, die jetzt aber noch wenige Prozent der Fälle ausmachen.

Wir brauchen also die natürliche Immunisierung, die sich in Schweden und London bewährt hat, auch in Zukunft. Und wir brauchen häufiger Antigen-Tests, auch nach der Impfkampagne, um die Übertragung neuer Varianten in die Altenheime zu verhindern. Zur Illustration des Effekts der natürlichen Immunisierung hier nochmal der Vergleich der Anteile von Covid-Toten an der Bevölkerung in unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlicher Immunisierung für den Zeitraum vom 1.10.2020-31.3.2021:

Bayern etwa 0,8 Promille, Sachsen etwa 2 Promille, London etwa 0,9 Promille, West Midlands (Birmingham) etwa 2 Promille, Schweden etwa 0,6 Promille.

Hier entsprechen die 0,9 Promille in der Metropolregion London eher den schwedischen 0,6 Promille als den bayrischen 0,8 Promille. Die Kontaktrate für die Infektion ist in der Londoner Metropole eben sehr hoch. So war bei der April-Welle 2020 der Anteil von Infizierten an der Bevölkerung Londons auch 1,5-mal so hoch wie in Genf.

RKI-Todesfälle in Altenheimen in der Altersgruppe 50-59-Jährige

Ich habe hier versucht, ein wenig von dem darzustellen, was wir über Covid wissen. Vieles könnte aber auch noch sehr viel besser mit statistischen Methoden und verfügbaren Testmethoden abgeklärt werden. Dazu benötigen wir die Bereitschaft, Untersuchungen durchzuführen, die möglicherweise den Sinn der Lockdowns in Frage stellen, oder den Wert der Impfkampagne relativieren können. Wir benötigen keinen „Konsens der Wissenschaft“. Wir benötigen eine Debatte.

Was wir erleben, gleicht eher einem Märchenspiel in drei Aufzügen, wie es früher in der Vorweihnachtszeit für Kinder in Theatern aufgeführt wurde.

Akt 1: Corona, das neue Ebola

Akt 2: Die wundersame Errettung durch den Impfstoff

Akt 3: (geplant für den Herbst) Der Dank des Volkes an seine Regierenden

Wie sang man noch in Berlin vor 1914:
Wir stehen an des Thrones Stufen, und halten uns in Treue fest. Wir sind bereit, Hurra zu rufen, wann immer es sich machen lässt.


I. Anhang: Zahlen zur Impfkampagne

Das Verhältnis von Covid-Todesfällen in Alten- und Pflegeheimen zu denen in der Altersgruppe der 50-59-Jährigen:

KW:123456789101112131415
Prozent:10,1109,91210,88,58,77,66,94,63,73,51,61,61,5
KW:67891011
Prozent:475561677073

Eine Reduktion in der zu erwartenden Größenordnung setzt frühestens in der KW 10 ein, also 4 Wochen nach der Zweitimpfung. Außerdem scheint es nur eine lineare und keine quadratische Reduktion des Verhältnisses zu geben, obwohl auch die Pflegekräfte geimpft wurden. Wenn sich dieser Trend erhärtet, müsste man schließen, dass die Übertragung der englischen Virusvariante durch Aerosolinfektion durch die Impfung nicht verhindert wird. Außerdem ist der Anstieg in KW 4 und KW 5 bemerkenswert. In KW 6 hatten bereits 74 Prozent der Altenheimbewohner die Erstimpfung. Es scheint tatsächlich statistisch nachweisbar zu sein, dass Erstimpfung plus Covid zu erhöhter Sterblichkeit führt.

Todesfallzahlen pro Kalenderwoche für verschiedene Bevölkerungen

II: Anhang: Die Sommer-IFR

Bis zum 30.6.2020 waren 317 Personen im Alter von 50-59 Jahren mit positivem Covid-Test verstorben. Wenn man von der IFR von 0,6 Promille für die März-April-Mai-2020-Welle ausgeht, dann heißt das, bis Anfang Juni hatte es in dieser Altersgruppe 530000 Infektionen gegeben. Das sind ca. 4 Prozent der Bevölkerung in diesem Alter. Danach haben sich mit Sicherheit noch sehr viel mehr Personen in den Sommermonaten infiziert.

Wir wissen, dass bei den Urlaubsrückkehrern Anfang August 2 Prozent PCR-positiv waren. Das entspricht ungefähr einer täglichen Neuinfektionsrate von 2-4 Promille unter den Urlaubern. Es ist ziemlich klar, dass bis Ende September mehr als 10 Prozent der Bevölkerung die Infektion durchlaufen hatte. Aber nur 54 Personen im Alter von 50-59 sind zwischen dem 30.6.2020 und dem 27.10.2020 mit positivem PCR-Test verstorben. Es ist offensichtlich, dass die Sommer-IFR ein Bruchteil der April-IFR war. Die Infektion im Winter ist auch für SARS-CoV-2 viel gefährlicher als im Sommer.

Eine historische Fußnote

John Snow, dessen Name für das John Snow Memorandum missbraucht wird, war ein Londoner Arzt, der sich vornehmlich mit Narkose beschäftigte. Berühmt geworden ist er durch eine empirisch – statistische Beobachtung bei einem Cholera-Ausbruch 1854. Er stellte fest, dass die Cholera-Opfer alle dieselbe Trinkwasserpumpe benutzten. Daraus schloss er, die Ursache der Cholerainfektion sei verseuchtes Trinkwasser und nicht schlechte Luft, „Miasmen“, die der wissenschaftliche Konsens seiner Zeit für Cholera, Malaria und vieles mehr verantwortlich machte. Snow war so fest von seiner Entdeckung überzeugt, dass er den Pumpenschlegel kurzerhand entfernte, und auf diesem Wege nicht nur vielen Londonern das Leben rettete, sondern seine Theorie vom heutigen Standpunkt aus bewies.

Die Entwicklung danach war rasant. Robert Koch wies zunächst für den Milzbrand nach, dass Erreger, die sich (in Kultur) vermehren für Infektionskrankheiten verantwortlich sind. 1884 beschrieb er in einem Artikel in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift auch den Cholera-Erreger.

1895 entdeckte Ronald Ross den für Malaria verantwortlichen Parasiten in Mikroskoppräparaten von Moskitos und klärte damit den Übertragungsmechanismus für Malaria auf. Ross war britischer Militärarzt im indischen Sanitätsdienst, wie auch der junge Anderson Gray McKendrick, der bei Dienstantritt 1900 zu einer Malaria Expedition nach Sierra Leone unter Ross‘ Leitung beordert wurde. Beide waren, was im britischen Englisch als „polymath“ bezeichnet wird: umfassend gebildete und begabte Wissenschaftler. Sie erkannten die Bedeutung mathematischer Modelle – und das hieß zunächst gewöhnlicher Differentialgleichungen – für die Untersuchung der Ausbreitung und Planung von Eindämmungsstrategien für Infektionskrankheiten. Mit ihren mathematischen Modellen gelang ihnen die Erklärung des Phänomens der Herdenimmunisierung. Lassen Sie mich McKendrick aus dem Protokoll einer medizinischen Malaria-Tagung von 1912 zitieren: „Die mathematische Klassifizierung epidemischer Krankheiten ist verschieden von der medizinischen.“ Äußerungen wie: „Covid ist ein medizinisches Problem und kein Problem der Mathematik“ hätte er als albern empfunden.

McKendrick war zwar kein Mathematiker, sondern in der zweiten Hälfte seines Berufslebens ein hauptsächlich im Tierlabor arbeitender Epidemiologe. Aber er war ein mathematisches Genie. Er fand das „missing link“ zwischen den Modellen für den zufälligen Infektionsverlauf im Individuum und den gewöhnlichen Differentialgleichungen für den Anteil der Infizierten in einer Bevölkerung. Das publizierte er 1914. Dies sind Gleichungen, die ich hier nicht beschreiben werde, und die man in einer Vorlesung „Mathematik für Mediziner“ i.A. nicht zu sehen bekommt. In meinen Augen ist das ein Fehler.

Von den hier erwähnten Wissenschaftlern haben Ross (1902) und Koch (1905) den Nobelpreis erhalten. Koch war wahrscheinlich der bedeutendste Medizinforscher seiner Zeit. Er war auch ein Medienstar, über den Karikaturen kursierten wie: „Professor Koch bringt den Spaltpilzen die Reinkultur bei.“ Aber seine schweren Charakterfehler können nicht wegdiskutiert werden. Mit so etwas wie einem passiven Impfstoff gegen Tuberkulose wollte er in die Fußstapfen seines eigenen Schülers, Bering, treten und das große Geld machen. „Tuberkulin“ brachte aber in Wirklichkeit Patienten um und hatte keine Schutzfunktion. Anlässlich seines 100-jährigen Nobelpreisjubiläums erschien dazu ein Artikel: „Der große Irrtum des Doktor Koch“ in der FAZ, dessen Lektüre ich empfehle.

Quelle

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