Endlich wieder russische Hacker

In den USA wurde am 8. Mai eine wichtige Pipeline durch einen Cyberangriff lahmgelegt. Schon zwei Tage später meldet CNN wenig überraschend: Die Russen waren´s!

von Anti-Spiegel 10. Mai 2021 15:19 Uhr

Darauf konnte man Wetten abschließen: Am 8. Mai, ein Samstag, wurde die Colonial Pipeline gehackt, die große Gebiete der USA mit Öl und Benzin beliefert. Durch den Cyberangriff wurde die Pipeline lahmgelegt. Der Spiegel meldete dazu:

„Bei der Cyberattacke setzten die Angreifer nach Unternehmensangaben eine sogenannte Ransomware ein. Mit einem solchen Schadprogramm versuchen Hacker, Computersysteme zu sperren oder zu verschlüsseln und von den Nutzern Geld für die Freigabe der Daten zu erpressen.“

Wie immer CNN

CNN sieht bekanntlich hinter allem die Russen. Daher war es nicht schwer zu erraten, dass CNN schnell russische Hacker melden würde. Und in der Tat meldete CNN schon am 10. Mai:

„Eine kriminelle Gruppe mit dem Namen „DarkSide“, die aus Russland stammt, soll laut einem ehemaligen hochrangigen Cyber-Beamten für einen Ransomware-Cyberangriff auf die Colonial Pipeline verantwortlich sein. DarkSide zielt typischerweise auf nicht-russischsprachige Länder ab, sagte die Quelle.“

Es ist das alte Spiel: CNN beruft sich auf nicht genannte Quellen, macht aber eine Tatsache daraus. Hinzu kommt, dass niemand weiß, der DarkSide tatsächlich ist. CNN stellt aber als Fakt in den Raum, die Gruppe käme aus Russland.

Dass CNN eine nicht allzu gute Quelle ist, wurde erst kürzlich erneut öffentlich, als ein führender CNN-Mitarbeiter mit versteckter Kamera gefilmt wurde, als er offen darüber gesprochen hat, wie CNN arbeitet. Er selbst bezeichnete die Arbeit von CNN als „Propaganda“. Die Details inklusive der Videos finden Sie hier.

Gibt es wieder eine Medienkampagne?

Deutsche Medien greifen die Geschichte bereits auf. Die Bild-Zeitung titelt „Russen-Hacker legen größte Pipeline der USA lahm“ und schreibt in der Einleitung:

„Inzwischen ist klar: Es sind offenbar Russen-Hacker, die schuld an allem sind.“

Der Widerspruch ist offensichtlich: Entweder ist etwas „klar“ oder nicht. Aber wenn es „offenbar Russen-Hacker“ waren, dann ist eben gar nichts klar. Woher die Bild die „Klarheit“ hat, kann man erst später in dem Artikel lesen:

„Wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichten soll hinter der Hackerattacke eine Bande stecken, die sich „DarkSide“ nennt und ihren Ursprung in Russland hat.“

Es ist wieder das alte Spiel: CNN (oder irgendein anderes „Qualitätsmedium“) setzt eine fragliche Meldung in die Welt, andere Medien greifen sie auf, und schon „berichten US-Medien übereinstimmend“ darüber und es wird als Tatsache dargestellt. Wie fraglich die ursprüngliche Meldung war und dass keine Belege geliefert wurden, fällt unter den Tisch.

Nun mögen Sie einwenden, dass man die Bild-Zeitung ohnehin nicht ernst nehmen kann. Ich habe aber diese Gazette bewusst als Beispiel ausgewählt, um zu zeigen, wie die Propaganda funktioniert: Ein Medium meldet etwas, andere berufen sich darauf und schon stellen deutschsprachige Medien es als Tatsache dar. Über den neuen „Russen-Hack“ dürften also auch andere deutsche „Qualitätsmedien“ demnächst nach dem gleichen Prinzip und mit ähnlichen Formulierungen berichten, wie es die Bild getan hat.

Und das fängt schon an: Die NZZ hat den Anfang gemacht und berichtet unter der Überschrift „«DarkSide»: Eine Gruppe russischer Hacker presst den amerikanischen Energiesektor aus“ in der Sache das gleiche, wie die Bild-Zeitung. Der Unterschied zwischen der Bild-Zeitung und anderen „Qualitätsmedien“ liegt nur in den Formulierungen: Die Bild schreibt so, dass es die Dümmsten verstehen, NZZ und andere formulieren gewählter, arbeiten aber ansonsten nach dem gleichen Muster, wie die Bild.

Die möglichen Folgen

Da die Medien in den USA eine enorme Macht haben, dürfen wir abwarten, wann die US-Regierung selbst Russland beschuldigt. Und dann wird die Sache ernst, denn sicher werden danach weitere Sanktionenn gefordert.

Die Folgen können aber noch viel schwerwiegender werden, denn die USA haben offiziell erklärt, dass Hackerangriffe auf die US-Infrastruktur aus dem Ausland für die USA ein Kriegsgrund sind. Und nicht nur die USA, die Nato hat schon 2018 erklärt, dass für sie auch Cyberangriffe ein Grund zur Aktivierung von Artikel 5, also ein Kriegsgrund, sind. Das hat die Nato danach immer wieder wiederholt, zuletzt hat Nato Generalsekretär Stoltenberg das im März 2021 öffentlich gesagt.

Es ist zwar nicht zu erwarten, dass USA und Nato nun zum Krieg gegen Russland blasen, aber man kann die Geschichte für eine weitere massive anti-russische Kampagne nutzen. So sind zum Beispiel Cyberangriffe gegen Russland denkbar, quasi als „Vergeltung.“ Dass die USA schon lange Cyberangriffe gegen Russland durchführen, wird in den USA schon lange offen gesagt. Schon 2019 hat die New York Times offen darüber berichtet, ohne dass man ihr jemand in Washington widersprochen hätte.

Und nach der Verhängung der letzten Russland-Sanktionen der USA wurde in Washington ebenfalls offen gesagt, man werde gegen Russland vorgehen. Details nannte man nicht, auf Nachfrage hieß es, die Presse würde bald sehen, wie die USA reagieren. Da könnte der Hack gegen die Pipeline für die dumme Öffentlichkeit als Vorwand für massive Cyberangriffe gegen Russland herhalten, schließlich braucht man für so ein Spiel mit dem Feuer für die Öffentlichkeit ja irgendeinen Vorwand.

Da die USA bei der Verhängung der neuen Sanktionen offiziell erklärt haben, sie wären an einer Entspannung mit Russland interessiert, werden wir an der Reaktion der USA auf den Pipeline-Hack bald sehen, ob das leere Worte für die Öffentlichkeit waren, oder ob es ernst gemeint war.

Dass Russland sich über DarkSide in den USA Geld erpressen will und dafür weitere Sanktionen riskiert, kann kein Experte ernst nehmen. Die Medien können die Geschichte aber verwenden und es wäre nicht die erste frei erfundene und von CNN oder anderen in die Welt gesetzte Geschichte, die zu einer weiteren Verschärfung des Konflikts zwischen den USA und Russland geführt hat.

Quelle

Ein Kommentar zu “Endlich wieder russische Hacker

  1. Ich sage es immer wieder die Presse ist der Drahtzieher. Die Presse ist auch in der Lage falsch Behauptungen aufzustellen. Dann drückt ein Land auf den Knopf. Und dann entzieht sich die Presse langsam und still aus der Gefahrenzone.

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