Schon wieder Besuch aus dem Vatikan

Kardinal Pietro Parolin, Staatssekretär von Papst Franziskus, kommt nach Deutschland.
Kardinal Pietro Parolin, Staatssekretär von Papst Franziskus – amtlich Staatssekretär Seiner Heiligkeit -, kommt nach Deutschland.
(Foto: Alessandra Tarantino/dpa/AP)

Mit Spannung erwartet die krisengeschüttelte katholische Kirche in Deutschland den Besuch von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, die Nummer zwei nach Papst Franziskus. Er kommt zu einem brisanten Stichtag.

Von Annette Zoch

Schon wieder Besuch aus Rom: Nach den beiden Apostolischen Visitatoren Anders Arborelius und Hans van den Hende, die im Auftrag von Papst Franziskus das Erzbistum Köln unter die Lupe nahmen, reist an diesem Dienstag Kardinal Pietro Parolin nach Deutschland. Der Kardinalstaatssekretär ist für alle politischen und diplomatischen Aufgaben des Heiligen Stuhls zuständig und damit nach Papst Franziskus gewissermaßen die Nummer zwei des Vatikans. Der offizielle Anlass seines Besuchs ist zwar nicht die kriselnde katholische Kirche in Deutschland – gleichwohl wird sie auch Thema sein, wenn Parolin mit Georg Bätzing, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, und dem Apostolischen Nuntius in Berlin, Erzbischof Nikola Eterović, zusammenkommt.Zunächst aber trifft Parolin in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – um 100 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl zu feiern. Streng genommen war der runde Jahrestag bereits 2020, wegen Corona mussten die Feierlichkeiten verschoben werden. Am 30. Juni 1920 hatte der erste Botschafter des Heiligen Stuhls in Berlin, Erzbischof Eugenio Pacelli (der spätere Papst Pius XII.), Reichspräsident Friedrich Ebert sein Beglaubigungsschreiben überreicht.

Und wenn alles nur inszeniert war?

Warum hat der Papst das Rücktrittsgesuch des Münchner Kardinals Reinhard Marx abgelehnt? Könnte sein, dass die Entscheidung eine Chance auf richtige Reformen ist – eine letzte.   K

Die Beziehungen zwischen beiden Staaten sind freundschaftlich. Merkel und Franziskus schätzen einander sehr. Franziskus lobte die protestantische Kanzlerin einst ausdrücklich für ihre Migrations- und Flüchtlingspolitik im Jahr 2015, und auch beim Thema Klimaschutz haben beide viele Gemeinsamkeiten. Schon zweimal hat Merkel Franziskus nach Deutschland eingeladen – zuletzt bei einem Telefonat im Mai vergangenen Jahres, als sie über die globalen Auswirkungen der Corona-Pandemie sprachen. Ob Parolin als Chefdiplomat des Papstes die Einladung in Franziskus‘ Namen annimmt?

Ein Papst-Besuch täte der katholischen Kirche in Deutschland gut

Der katholischen Kirche in Deutschland, die – das kann man ohne Übertreibung feststellen – derzeit in einer Krise steckt, täte ein Papst-Besuch durchaus gut. Die schwierige Missbrauchsaufarbeitung in vielen Bistümern ist da nur eine von etlichen Baustellen, wenn auch eine der größten. In vielen Punkten scheint die Haltung der Amtskirche und die der Gläubigen mehr und mehr auseinanderzuklaffen. Zum Beispiel beim Thema Segnungsfeiern für Homosexuelle, aber auch bei den Fragen, wie Pfarreien in Zeiten des Priestermangels künftig organisiert werden können und wie viel Macht bei einem einzelnen Priester konzentriert sein soll.

Der Synodale Weg, die Reformdebatte zwischen Klerikern und Laien in Deutschland, wird im Vatikan misstrauisch beäugt. Franziskus selbst hat nun die ganze Weltkirche auf einen „synodalen Weg“ geschickt. Aber ob dieser sich nun als Gegensatz zum deutschen Weg versteht, ihm gar übergestülpt werden soll, um die von konservativen Kirchenleuten als schismatisch kritisierte deutsche Kirche wieder auf den rechten Weg zu lenken – das weiß eigentlich niemand so genau.Papst Franziskus sei „gut im Bilde über die Lage der Kirche in Deutschland“, hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz Bätzing nach seinem überraschenden Besuch bei Franziskus in der vergangenen Woche vielsagend mitgeteilt. Bei dem Gespräch ging es unter anderem um „die schwierige Situation in mehreren Bistümern“. Gemeint war damit wohl vor allem das Erzbistum Köln, das im Juni sogar von päpstlichen Aufpassern besucht wurde.

Das Schicksal von Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki, der nach Fehlern im Umgang mit Missbrauchsgutachten massiv an Vertrauen verloren hat, ist noch offen – ebenso wie das des Hamburger Erzbischofs und früheren Kölner Generalvikars Stefan Heße, dem ein Gutachten Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchstätern nachgewiesen hatte. Heße hatte Franziskus um seinen Rücktritt gebeten, Woelki denkt an so einen Schritt allerdings nicht.Parolin wird bei seinem Besuch in Deutschland auch auf Woelki treffen: Zum katholischen Hochfest Peter und Paul an diesem Dienstag zelebriert Parolin in der Sankt-Johannes-Basilika in Berlin-Neukölln ein Lateinisches Hochamt. Bätzing, Woelki, Berlins Erzbischof Heiner Koch und Münchens Kardinal Reinhard Marx haben ihr Kommen angekündigt. Peter und Paul ist nicht nur der Gedenktag für die beiden Apostel, sondern läutet in Rom gewissermaßen auch die Sommerferien ein. Wichtige Personalentscheidungen fallen in Rom deshalb gerne vor diesem Stichtag. Allerdings: Bei Papst Franziskus weiß man nie.

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