„Außer Spesen nichts gewesen!“ So dürfte wohl die übereinstimmende Meinung der Deutschen zum so abrupt in dieser Woche zu Ende gegangenen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lauten. Zwanzig Jahre waren unsere Frauen und Männer in Uniform fern von zu Hause im Einsatz. Immerhin stellte die Bundesrepublik mit insgesamt 160.000 Soldaten im Laufe von zwei vollen Jahrzehnten das nach den USA größte Kontingent bei der Ausschaltung des Al Qaida-Terrorismus. Die Täter und Hintermänner des bislang größten Terroranschlags auf die freie Welt, des Angriffs auf die Twin Towers und das Pentagon, wurden bestraft und die Organisation neutralisiert. In der Heimat fast verschämt verschwiegen, von ihren Kameraden, gerade der US-Armee vor Ort, ob ihres Mutes und ihrer Tapferkeit hochgeschätzt, verloren dabei auch 59 Deutsche nicht einfach ihr Leben, sondern sind für die Sicherheit von uns allen gefallen. Nicht wenige davon waren Angehörige der zuhause immer wieder übel beleumdeten KSK-Kräfte, die gerade wegen ihres Einsatzes in Afghanistan mehr Anerkennung und Achtung verdient hätten.

Ende des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr
Erbärmlich: Niemand aus der Polit-„Elite“ begrüßt die heimkehrenden Soldaten

Doch die Bilanz dieses Einsatzes geht im Sinne der Afghanen weit über die Beseitigung des Al Qaida-Unterschlupfes und deren Infrastruktur hinaus. Schulen wurden gebaut, Straßen gelegt, eine Stromversorgung geschaffen und Krankenhäuser eingerichtet. Tag für Tag zeigten auch unsere Soldaten, dass es noch eine andere Welt gibt als die mittelalterlichen Vorstellungen des radikalen Islam. Diese Eindrücke werden bleiben, selbst wenn jetzt eine Rückkehr der Taliban-Herrschaft mit all ihren Grausamkeiten droht.Stellt sich die Frage nach einer Alternative. Um auf Dauer dem gepeinigten Land und seinen Menschen wenigstens eine Art von Frieden zu garantieren, hätte es der ständigen Präsenz westlicher Truppen am Khyber-Pass bedurft. Man hätte einen Schrecken ohne Ende in Kauf nehmen müssen, der von den Bevölkerungen des demokratischen Westens dauerhaft nicht mitgetragen worden wäre. Die Lehre daraus kann nur eine neue Art von Realismus sein. Schon die Sicherheitsberaterin von George W. Bush, Condoleeza Rice, zeigte zu Beginn des zweiten Irak-Krieges mit ihrer Einschätzung, man habe ja auch in Japan und Nazi-Deutschland eine Demokratie aufbauen können, und das ginge nun auch im Irak, eine erstaunliche Naivität und wenig Sinn für Geschichte und Kultur in anderen Teilen der Welt. Die Schlussfolgerung daraus kann nicht zukünftige Untätigkeit sein. Nur, ein bißchen mehr langfristige Strategie, Analyse und operative Planung für den Tag danach wären angebracht.Übrigens, nicht überall ist zur Befriedung von Konflikten die langfristige Anwesenheit ausländischer Kräfte auszuschließen. Gelungene Beispiele sind Südkorea, Zypern, aber auch Bosnien-Herzegowina und das Kosovo. Als ich nach 20 Jahren in der vergangenen Woche zum ersten Mal wieder in den kosovarischen Städten Pristina und Prizzen war, erkannte ich so gut wie nichts wieder. Entstanden sind dort prosperierende Wirtschaftskreisläufe, ein sichtbarer Wohlstandszuwachs für große Teile der Bevölkerung und ein gesellschaftliches Klima, das nur mit Gewalt von außen wieder vernichtet werden könnte. Als Deutscher hört man immer wieder großes Lob für die Rolle, die gerade die Bundeswehr bis heute durch ihre Anwesenheit spielt. Einigkeit besteht aber auch darüber, daß ohne diese Präsenz, und besonders die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten im Kosovo ihren größten militärischen Stützpunkt in Europa eingerichtet haben, der Frieden schon morgen wieder vorbei sein würde. Das gilt übrigens auch für andere Teile des Balkan. Ein Grund mehr, unseren Soldaten Achtung und Anerkennung zu erweisen – auch bei der zur Zeit gefährlichsten Mission im Kampf gegen den organisierten islamistischen Terror in Mali und an vielen anderen Stellen der Welt.Es lohnt sich eben doch, Verantwortung zu übernehmen, denn es geht beim Kampf gegen die hybride Kriegsführung des Terrors auch um die Sicherheit in unseren Städten und Gemeinden. Zur Verantwortung gehört aber jetzt auch, diejenigen vor Ort, die uns zur Seite standen, nicht im Stich zu lassen. Das wäre schäbig und würde den Einsatz mit einem schalen Nachgeschmack versehen.