Glücklich das Land, das nicht ausreichend getestet wurde

Foto: Imago

Kaum einer weiß besser als RKI-Chef Wieler oder Professor Drosten, wie man auf eine durch erhöhte diagnostische Aktivitäten geschaffene Epidemie hereinfallen könnte. Und doch tappten sie in die Falle.„Ohne PCR-Tests wäre die Pandemie niemandem aufgefallen.“ (Franz Allerberger, 19.06.2021, Leiter des „österreichischen RKI“)Kaum einer weiß besser als RKI-Chef Wieler oder Professor Drosten, wie man auf eine „Pseudoepidemie“ hereinfallen könnte, die nach Definition des RKI-Lexikon auf „erhöhte diagnostische Aktivitäten“ zurückgeht und nicht durch eine echte Zunahme von Infektionen bedingt ist. In dieser Hinsicht gibt es ein aufschlussreiches Interview, das Christian Drosten der Wirtschaftswoche 2014 zur „Mers-Pandemie“ gegeben hat und schon mehrfach viral gegangen ist; meistens jedoch beschränkt auf einzelne Auszüge, die im Licht aktueller Entwicklungen besonders skandalös erschienen.Wer Drostens damalige Kritik am Wahrnehmen und -machen der „Mers-Pandemie“ durch Behörden in Saudi-Arabien mit der Corona-Politik hiesiger Apparate seit Frühjahr 2020 nüchtern abgleicht, kommt nicht umhin festzustellen, dass RKI-Chef Wieler und Drosten als die Hauptarchitekten der „nationalen Teststrategie“ nicht nur wiederholt haben, was damals Saudi-Arabien zu recht als Fehler angekreidet wurde. Sie haben es sogar verschärft. Jetzt, da kritische Erkenntnisse vermehrt mainstreamfähig werden, lohnt eine ausführlichere Beschäftigung mit Drostens damaligem medizinisch-epidemiologischen Wissensstand…Das Interview beginnt mit einer zunächst unscheinbaren Bemerkung. Auf die Frage nach den „regionalen Schwerpunkten der Erkrankung“ antwortet Drosten:„Auch die Fälle in Europa oder USA lassen sich alle auf Infektionen in der arabischen Region zurückführen. Allerdings [!] muss man auch [!] ganz klar [!] feststellen: In dieser Region und vor allem in Saudi-Arabien wird momentan am intensivsten getestet.“Damit zieht Drosten „ganz klar“ in Betracht, dass der Eindruck in Sachen Heftigkeit (oder Hotspot) eines Infektions- und Erkrankungsgeschehens auch von der Testintensität abhängt. Die Banalität, man habe beim Beobachten von (objektiver) Realität auch immer kritisch aufs (subjektive) Beobachtungsinstrument zu reflektieren, will der Interviewer nicht so richtig wahrhaben und insistiert, dass intensives Testen „ja an sich kein Fehler“ sei, „oder?“ Darauf Drosten:„Nun ja. Es ist eben so, dass es bisher eine klare Fall-Definition gab, also ein striktes Schema, das festlegte, welcher Patient als Mers-Fall gemeldet wurde. Dazu gehörte zum Beispiel, dass der Patient eine Lungenentzündung hat, bei der beide Lungenflügel betroffen sind. Als in Dschidda Ende März dieses Jahres…“Neue FalldefinitionenUnterbrechen wir kurz und erinnern uns, dass SARS-2 bzw. Covid-19 anfangs wie SARS-1 und MERS eine schwere virale Lungenentzündung sein sollte. Man hätte daher erwarten können, nur Patienten mit entzündeten Lungenflügeln als „Covid-19-(Verdachts-)Fälle“ in Erwägung zu ziehen, diese auf den entsprechenden Erreger zu testen und gegebenenfalls zu bestätigen. Stattdessen zählt das RKI jeden Menschen mit einem positiven PCR-Test – und zwar („In Einklang mit den internationalen Standards der WHO und des ECDC“): „unabhängig [!] vom Vorhandensein [!] oder der Ausprägung [!] einer klinischen Symptomatik“ als „Covid-19-Fall“. Hören wir – dies im Hinterkopf – wie der Gedanke Drostens weitergeht:„Als in Dschidda Ende März diesen Jahres aber plötzlich eine ganze Reihe von Mers-Fällen auftauchten, entschieden die dortigen Ärzte, alle Patienten und das komplette Krankenhauspersonal auf den Erreger zu testen. Und dazu wählten sie eine hochempfindliche Methode aus, die Polymerase-Kettenreaktion (PCR).“Drosten problematisiert hier erstens die (anlasslose und verdachtsunabhängige) Ausweitung der Testpopulation von Erkrankten mit zwei entzündeten Lungenflügeln auf Krankenhauspersonal und -patienten schlechthin sowie zweitens die dafür ausgewählte und zum Einsatz kommende „hochempfindliche“ Testmethode, nämlich PCR. 

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