Mindestens 29 „Copy & Paste“-Funde im Buch von Baerbock

Plagiatsjäger Stefan Weber
Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin Bündnis90/Die Grünen
Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin Bündnis90/Die GrünenFoto: dpa/Fabian Sommer

Die Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock häufen sich.

Inzwischen sprechen mehrere Experten von möglichen Urheberrechtsverletzungen. Thomas Sabin

Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin Bündnis90/Die GrünenFoto: dpa/Fabian Sommer

Aus dem Buch „Jetzt“ von Annalena Baerbock werden immer mehr Stellen bekannt, die aus anderen Publikationen abgeschrieben sind. Am Montagnachmittag legte auch der Plagiatsjäger Stefan Weber nach.

Weber, dem die Grünen zuletzt Rufmord unterstellten, geht in einer Mitteilung in die Offensive. „Mittlerweile bestätigen die Experten Felix Zimmermann, Gerhard Dannemann und Volker Rieble wahrscheinliche Urheberrechtsverletzungen“, schreibt er in einer Mitteilung. Weber war vergangene Woche mit dem Vorwurf der Urheberrechtsverletzung an die Öffentlichkeit gegangen.

Zimmermann ist Rechtsexperte beim ZDF, Dannemann ist ebenfalls Plagiatsprüfer und Professor für Englisches Recht sowie britische Wirtschaft und Politik an der Humboldt-Universität Berlin und Rieble ist Plagiatsexperte und Rechtswissenschaftler an der Universität in München.

Die Grünen hatten sich daraufhin einen Anwalt für Medienrecht genommen, der hinsichtlich der vier damals erhobenen Plagiatsvorwürfe eine Urheberrechtsverletzung ausschloss.https://widget.civey.com/14331

Weber zitiert in seiner aktuellen Mitteilung weitere Plagiatsjäger. Die würden, wie er, davon ausgehen, dass die Grünen-Spitzenkandidaten in juristisch problematischer Weise abgekupfert habe.

„Die Grünen scheinen derweilen in einem anderen, ihrem eigenen Diskursuniversum zu leben. Textkonkordanzen wie die dokumentierten sprechen jedoch eine objektive Sprache“, schreibt Weber. Er legte am Montag insgesamt 29 Stellen im Buch vor, die er für Plagiate hält.

Auch der ZDF-Rechtsexperte Felix W. Zimmermann, der die Grünen-Kanzlerkandidatin zu Beginn der Plagiats-Debatte noch verteidigt hatte, revidierte nun seine Meinung und veröffentlichte am Samstag einen Beitrag, in dem er urteilte, dass „Urheberrechtsverletzungen nun naheliegend“ seien.

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Zimmerman schrieb auf Twitter: „Die neuen Plagiatsvorwürfe gegen #Baerbock betreffen nicht mehr nur banale Formulierungen und Fakten, sondern tw. auch kreative, originelle und subjektiv-formulierte Textpassagen. Insoweit liegen wohl Urheberrechtsverletzungen vor.“https://platform.twitter.com/embed/Tweet.html?dnt=false&embedId=twitter-widget-0&features=eyJ0ZndfZXhwZXJpbWVudHNfY29va2llX2V4cGlyYXRpb24iOnsiYnVja2V0IjoxMjA5NjAwLCJ2ZXJzaW9uIjpudWxsfSwidGZ3X2hvcml6b25fdHdlZXRfZW1iZWRfOTU1NSI6eyJidWNrZXQiOiJodGUiLCJ2ZXJzaW9uIjpudWxsfSwidGZ3X3R3ZWV0X2VtYmVkX2NsaWNrYWJpbGl0eV8xMjEwMiI6eyJidWNrZXQiOiJjb250cm9sIiwidmVyc2lvbiI6bnVsbH19&frame=false&hideCard=false&hideThread=false&id=1411330405094076416&lang=en&origin=https%3A%2F%2Fwww.tagesspiegel.de%2Fpolitik%2Fplagiatsjaeger-stefan-weber-mindestens-29-copy-und-paste-funde-im-buch-von-baerbock%2F27393574.html&sessionId=08a628be7f44049391ef46e0cef3d4b352903e3e&siteScreenName=tagesspiegel&theme=light&widgetsVersion=82e1070%3A1619632193066&width=565px

Auch Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder erhebt Vorwürfe gegen Annalena Baerbock

Mit Martin Heidingsfelder erhebt zudem ein weiterer Plagiatsjäger Vorwürfe gegen Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Darüber berichtete zuerst das Nachrichtenportal „T-Online“ am Montag. Es geht um eine Studie der Denkfabrik Agora Energiewende und des Wuppertal Instituts, die sich in Teilen in Baerbocks Buch wiederfinde. Heidingsfelder gründete die Internet-Rechercheplattform „VroniPlag“.

[Mehr zum Thema: Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock: Die Grünen schlagen hart zurück – bauschen sie die Affäre damit auf? (T+)] Jetzt kostenlos T+ testen

Baerbock schreibt auf den Seiten 97 und 98 ihres Buchs:

„Sollte der europäische CO2-Preis über die vertraglich festgelegten Vermeidungskosten steigen, muss das Unternehmen die Differenz an den Staat zurückzahlen. Eine Überförderung ist somit sehr unwahrscheinlich. Bei einer ambitionierten EU-Klimapolitik, die eine Steigerung des CO2-Preises nach sich ziehen würde, und hinreichend langer Vertragsdauer könnten dem Staat als geduldigem Investor über diesen Rückzahlungsmechanismus sogar zusätzliche Mittel zufließen.“

Technischer formuliert, aber doch sehr ähnlich liest sich eine Passage auf Seite 112 der Studie: „Wenn der CO2-Preis im EU-ETS über den im CfD festgelegten Preis (strike price) steigt, muss das Unternehmen die Differenz an den Staat zurückzahlen. Eine Überförderung ist somit sehr unwahrscheinlich. Bei einer ambitionierten EU-Klimapolitik und hinreichend langer Vertragsdauer könnten dem Staat als geduldigem Investor sogar zusätzliche Mittel zufließen.“

„Baerbock sollte in Sack und Asche gehen“

Heidingsfelder sagte „T-Online“: „Baerbock hat sich zusätzlich für ihre politischen Zwecke bei einer Studie von zahlreichen Wissenschaftlern bedient, und das geht einfach nicht. Sie sollte in Sack und Asche gehen.“

Einem Bericht der „Bild“ zufolge soll Baerbock zudem Passagen aus einem Interview des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer (Grüne) im Buch verwendet haben, ohne dies kenntlich zu machen. Vorsorge im Dienst Schützen Sie Ihr Einkommen mit der Berufs- und Dienstunfähigkeitsversicherung der Allianz.

Diese stammen aus einem Interview Fischers, dass er im Dezember 2020 der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) gab. Das Blatt stellt die Passagen gegenüber.

Demnach hieß es in dem Fischer-Interview: „Dieses Projekt war nie energiepolitisch, sondern immer geopolitisch motiviert seitens Russlands. Das Ziel war die Umgehung der Ukraine und Osteuropas, nicht Gaslieferungen nach Westeuropa.“

In dem Buch findet demnach auf Seite 202 folgendes Zitat: „Diese Pipeline war seitens Russlands nie energiepolitisch, sondern immer geopolitisch motiviert. Das Ziel ist die Umgehung der Ukraine und Osteuropas, es sind nicht die Gaslieferungen nach Westeuropa.“

Tagesspiegel-Text im Buch von Annalena Baerbock

Auch aus dem Tagesspiegel findet sich eine Stelle im Buch, die fast 1:1 übernommen wurde, ohne kenntlich gemacht zu sein. So steht im Text von Tagesspiegel-Autor Richard Licht geschrieben: „Vor zehn Jahren verwüstete der Zyklon Nargis hier alles. In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 2008 peitschte der Wirbelsturm mit Böen bis zu 240 Stundenkilometern hohe Wellen durch die weitverzweigten Flussarme des Irrawaddy bis zu 40 Kilometer ins Landesinnere. Nargis riss 140.000 Menschen in den Tod, zerstörte Dörfer und flutete die Felder der Reiskammer des Landes mit Salzwasser. 2,4 Millionen Menschen waren von dem Wirbelsturm betroffen, der bis heute als der tödlichste Tropensturm gilt.“

Im Buch von Annalena Baerbock heißt es auf Seite 220: „Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit dem Zyklon „Nargis“ im Irrawaddy-Delta in Myanmar. In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 2008 peitschte der Wirbelsturm mit Böen bis zu 240 Stundenkilometern hohe Wellen durch die weitverzweigten Flussarme des Irrawaddy tief ins Landesinnere hinein. Nargis riss 135000 Menschen in den Tod, zerstörte Dörfer und flutete die Reisfelder mit Salzwasser. Hunderttausende Menschen wurden obdachlos, und Millionen waren nach dem Wirbelsturm, der bis heute als der tödlichste Tropensturm gilt, auf medizinische und humanitäre Hilfe angewiesen.“

Die Debatte um ihr Buch schadet offensichtlich den Grünen im Wahlkampf. Laut einer Civey-Umfrage hält es eine Mehrheit der Wahlbürger für einen Fehler, dass die Grünen mit Annalena Baerbock und nicht mit ihrem Co-Vorsitzenden Robert Habeck als Kanzlerkandidaten in die Bundestagswahl ziehen.

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Demnach sagen 61 Prozent, dass sich die Grünen falsch entschieden haben, und nur 24 Prozent halten Baerbocks Kandidatur für richtig. Der Rest zeigte sich unentschieden in der Frage. Dies ergibt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der „Augsburger Allgemeinen“. (mit dpa)

Quelle

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