„Wir hören und lesen aktuell immer wieder von einer »Herdenimmunität«.

Wenn eine ganze Herde immun gegen eine Krankheit ist, so die Theorie hinter der These, dann können auch arg ansteckende Krankheiten sich nicht in dieser Herde ausbreiten. Den Deutschen wird ihre Verantwortung für die Herde eingebläut. (…)

Im Essay »Man zeige mir den Opa« vom 30.5.2021 arbeite ich heraus, was uns daran das ethische Bauchweh bereitet: »Man zeige uns doch den Opa oder die Oma, die wirklich verlangen, dass ihren Enkeln dieser mRNA-Impfstoff injiziert wird, dass also die Kinder alle Nebenwirkungen und potentiell lebenslangen Risiken auf sich nehmen, allein ›um die Alten zu schützen‹.«
Da wäre also die Thematik mit der Injektion eines neuartigen Stoffes ohne Langzeitstudien zur Reprogrammierung von Kinderzellen, um Erwachsene (und die Wirtschaft) zu schützen. Eine weitere Angelegenheit aber, ein (nicht nur) sprachliches Detail lässt mich jedes Mal, wenn ich es höre, mit den Zähnen knirschen: Gerade in Deutschland, wo man sonst mit einer in Fanatismus übergehenden Pedanterie jedes Wort auf die feinste Goldwaage politischer Überkorrektheit legt, ist es doch erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit das Wort »Herde« im Bezug auf das Menschenkollektiv verwendet wird. (…) Man will Kinder für die »Herdenimmunität« mit mRNA-Therapie impfen. Sollte man Kinder auch für die »Volksimmunität« impfen? Für die »Volksgesundheit« gar? Sie können ja, liebe Leser, zur Abendunterhaltung einmal durchprobieren, was sich ergibt, wenn man in diversen Begriffen wechselweise »Herde« und »Volk« austauscht. Wäre »Herdenwagen« eine attraktive Automarke? Worin unterscheiden sich »Volksmentalität« und »Herdenmentalität«?
Was ist denn hier der Unterschied zwischen »Herde« und »Volk«? Warum tun sich Politiker heute mit »Herde« so einfach und mit »Volk« so schwer?
Man könnte mit der NS-Zeit argumentieren, wo »Volk« als Wort wie auch als Begriff missbraucht wurde. Das allein ist es aber nicht. Urteile werden noch immer angeblich »Im Namen des Volkes« gesprochen. Politiker sprechen ihren juristisch wertlosen (weil nicht einklagbaren) Eid, dem Wohl des Volkes zu dienen.
»Herde«, das lässt uns an Schafe denken, die sich brav ins Wahllokal führen lassen, und dort wählen, was sie wählen sollen. »Herde«, das klingt nach Gehorsam. (…)

Die Herde, das ist das Nützliche. Schafe werden geboren, um nützlich zu sein. Der Hund steuert die Schafe, und schützt sie im Auftrag des Schäfers – damit und solange sie nützlich sind. Manche werden noch als Lämmer geschlachtet, weil ihr Fleisch dann noch lecker schmeckt. Man dürfen länger leben, wenn sie Wolle und Milch geben.
Auf dem Reichstag steht »Dem deutschen Volk«. »Der deutschen Herde« könnte nicht darauf stehen, denn die Herde ist nicht der Zweck, sondern das Mittel für die Zwecke anderer. (…)

Ich verstehe, wenn Politiker in ihrem kalten Zynismus den Begriff der »Herde« sympathisch finden, und den Begriff des Volkes am liebsten verbieten lassen würden. Es sind Völker, nicht Herden, die sich gegen Tyrannen und böse Regime erheben. Es sollte doch das Volk sein, das sich »Volksvertreter« wählt – die Herde hat keine Vertreter, sie hat nur Aufpasser und Profiteure. In Leipzig wurde »Wir sind das Volk« gerufen, nicht: »Wir sind die Herde!« (…)“

Quellehttps://www.dushanwegner.com/volk-oder-herde/

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