Worum geht es bei den Protesten auf Kuba wirklich?

Die deutschen Medien berichten von schweren Protesten auf Kuba und sie berichten von den üblichen Narrativen: Ein unterdrücktes Volk steht gegen seine Unterdrücker auf. Aber worum könnte es in Wahrheit gehen? von Anti-Spiegel 13. Juli 2021 20:08 Uhr Dass die USA die Proteste auf Kuba befeuern und unterstützen (und vielleicht sogar lenken), ist keine böse Verschwörungstheorie, selbst in einigen Artikeln der deutschen Medien klingt das manchmal unterschwellig durch. Und über die Aufforderung Russlands an die USA, sich nicht in inner-kubanische Angelegenheiten einzumischen, konnte man in Deutschland auch etwas lesen.Was in Deutschland kaum jemand weiß, ist, dass Kuba eine gute medizinische Versorgung und auch eine durchaus gute – allerdings staatliche und nicht private – Pharmaindustrie hat, die sogar einen eigenen Corona-Impfstoff herausgebracht hat. Und just in dem Moment, als dieser Impfstoff verfügbar ist und in Latein- und Mittelamerika zu einer Konkurrenz für die US-Impfstoffe von Pfizer & Co. werden könnte, begannen auf Kuba die Proteste.Das russische Fernsehen hat am Montag über die Proteste auf Kuba berichtet und ich habe den Bericht aus den russischen Abendnachrichten übersetzt. Wundern Sie sich dabei nicht über die russische Bezeichnung für Kuba, denn in Russland hat sich der Name der Insel, den sie zu Sowjetzeiten bekommen hat, bis heute gehalten. Kuba wird in Russland immer noch die „Insel der Freiheit“ genannt. Beginn der Übersetzung: Sich nicht in die inneren Angelegenheiten Kubas einzumischen, hat heute das russische Außenministerium gefordert. Die Erklärung wurde vor dem Hintergrund der Anti-Covid-Proteste abgegeben, die Havanna und andere kubanische Städte erfasst haben. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten finden auf der Insel der Freiheit regierungsfeindliche Demonstrationen statt. Was war der Anlass und warum wurde die Aktion der Massen von US-Präsident Joe Biden persönlich unterstützt? Aus den USA berichtet Valentin Bogdanov.Die Insel der Freiheit ist in den Abgrund der Zügellosigkeit hinabgestiegen. Kuba ist nicht wiederzuerkennen. Die Demonstranten haben sogar den revolutionären Slogan „Vaterland oder Tod“ an ihre Bedürfnisse angepasst.„Vaterland und Leben, keine Diktatur, kein Castro, keine kommunistischen Hunde!“, fordert ein Demonstrant.In der Stadt Cárdenas, in der Provinz Matanzas, ließen sie den Worten Taten folgen: Das Auto des ersten Sekretärs des örtlichen Zweigs der Kommunistischen Partei wurde umgeworfen. Steine wurden auf die Polizei geworfen, die versuchte, die Randalierer zu stoppen.Das verärgerte Volk marschierte in Kolonnen durch die Straßen Havannas. Seit 30 Jahren gab es keine solche Menschenmassen auf der berühmten Malecon-Promenade mehr.Im Jahr 1994 war der Aufstand auf dem Malecon, oder die „Maleconazo Rebellion“, wie er auch genannt wird, eine Reaktion auf die Nöte einer besonderen Zeit. Der sozialistische Block brach zusammen und Havanna blieb auf sich allein gestellt, aber die kubanische Regierung wollte nicht in Richtung der USA abdriften – daran, das Embargo aufzuheben, haben die USA nie gedacht. Die Sparmaßnahmen von Fidel Castro versetzten die Menschen, die auf die Straße gingen, in Angst und Schrecken.Aber es sind auch jetzt besondere Zeiten auf Kuba. Das amerikanische Embargo ist immer noch da: Hier ein Blick auf das Ergebnis der Abstimmung in der UN-Vollversammlung im Juni, wo sich Amerika zum 29. Mal gegen seine Aufhebung ausgesprochen hat. Die wirtschaftliche Not wurde durch die Covid-Beschränkungen noch verschärft. Die Zahl der COVID-19-Fälle steigt und die Medikamente werden knapp. Auf Kuba, das im Laufe der Jahre viel liberaler geworden ist, ist eine ganze Generation herangewachsen, die den Gürtel nicht mehr enger schnallen kann oder will.„Wir sind hier wegen der Unterdrückung des Volkes. Sie lassen uns verhungern. Havanna bricht zusammen“, geißeln junge kubanische Demonstranten die Regierung.Im Jahr 1994 schlug der damalige Verteidigungsminister Raul Castro – der jetzt angeblich nach Venezuela geflogen ist – vor, die Unruhen mit der Armee zu unterdrücken. Aber sein Bruder Fidel, der die Kubaner immer gespürt und verstanden hatte, zog es vor, zu den Menschen zu gehen.Der derzeitige Führer, Miguel Díaz Canel, tat dasselbe. Der Präsident des Landes ist hier im Epizentrum, in der Stadt San Antonio de los Baños, 24 Kilometer von Havanna entfernt. Von der Schwelle eines Hauses rief ihm eine Anwohnerin zu: „Impfstoffe sind das, was wir brauchen!“„Wir produzieren sie, aber wir können nicht 12 Millionen Dosen für das ganze Land an einem Tag herstellen“, antwortete der kubanische Präsident Miguel Diaz-Canel der Frau.Die Impfungen haben begonnen, aber bisher sind nur 15 Prozent der Bevölkerung geimpft worden. Es gibt auch die Theorie, dass man sich an Kuba wegen des Impfstoffs rächen will. Wenn die Insel, die traditionell für ihre Medizin berühmt ist, die Produktion ihres eigenen Impfstoffs Abdala aufnimmt und ihn in Südamerika vertreibt, könnte sie die Interessen von Big Pharma, also der USA, schwer beschädigen. Jedenfalls wurden in der Menge amerikanische Flaggen geschwenkt.„Wir sprechen über eine Gruppe von Konterrevolutionären, Söldner, die von der US-Regierung bezahlt werden“, sagte der kubanische Präsident Miguel Diaz-Canel.Es läuft ein Informationskrieg. Unter dem Stichwort „Proteste in Kuba“ wurde Filmmaterial aus Buenos Aires veröffentlicht, wo Argentiniens Sieg im America’s Cup gefeiert haben, um den Eindruck von Massenprotesten auf Kuba zu erwecken.In einer Fernsehansprache und dem Beispiel Fidels folgend, rief Diaz-Canel dazu auf, die Errungenschaften der Revolution zu verteidigen. Er musste nicht zweimal rufen; Tausende strömten auf die Straßen.„Wir verteidigen heute, was wir vor 60 Jahren erreicht haben. Wir wollen, dass der Kapitalismus nie wieder hierher zurückkommt und dass diese vom amerikanischen Imperium bezahlten Söldner nie wieder auf unseren Straßen auftauchen. Sie werden uns alle zuerst töten müssen“, erklärten diejenigen, die zur Unterstützung der aktuellen Regierung auf die Straße gingen.Diejenigen, die ähnlich dachten, begannen im ganzen Land auf die Straße zu gehen. Zum Beispiel auf dem Prado-Boulevard in Havanna.„Cuba sí, Yanquee no!“, skandierten sie.Und das ist das andere Ende des Landes – Guantanamo Bay. Die kubanische Revolution wird in Cienfuegos, einer ihrer Wiegen, verteidigt. So geht es von Worten zu Taten: Anhänger des Regimes und der Polizei auf der einen Seite, und Gegner auf der anderen.Das ist ein perfektes Bild für diejenigen, die atemlos die Ereignisse im Havanna der Gegenwart vom anderen Ufer aus, von Little Havanna in Miami, verfolgen.„Wir bitten um eine internationale Intervention, angeführt von den Vereinigten Staaten, um die Menschen in Kuba vor dem Blutbad zu schützen“, forderte Miamis Bürgermeisterin Francis Suarez.Aus Kuba gibt es zwar nicht einmal Berichte von Schwerverletzten, aber für die Propaganda kann man auch schon mal auf sein Wochenende verzichten. Senator Marco Rubio zum Beispiel agitierte vom Steuer seines Wagens aus.„Das Embargo hat nichts damit zu tun, der Sozialismus ist schuld. Die Menschen sind es leid, unter der Tyrannei zu leben. Sie sind es leid, mit inkompetenten Machthabern zu leben“, sagte der republikanische Kongressabgeordnete Marco Rubio. „Das ist es, was das kubanische Regime ausmacht.“Rubio ist Republikaner, aber die Demokraten sind an der Macht. Er muss sich an Biden wenden.„Ich möchte, dass Präsident Biden jetzt etwas für die Kubaner tut! Denn dies ist der Moment, und wenn nichts getan wird, werden Menschen in Kuba getötet“, befürchtet Marco Rubio. Eine zweite Schweinebucht wird es in Washington nicht geben. Aber die Routine-Mantras ertönen bereits. Biden hat bisher mit einer schriftlichen Erklärung geantwortet.„Wir stehen an der Seite des kubanischen Volkes und seinem Ruf nach Freiheit und der Befreiung aus dem tragischen Griff der Pandemie, aus der jahrzehntelangen Unterdrückung und dem wirtschaftlichen Leid, das ihm durch das autoritäre kubanische Regime zugefügt wurde“, schrieb Joe Biden.Recht auf Zukunft, auf friedliche Proteste. Das Capitol in Havanna im Juli ist nicht das Capitol in Washington im Januar. Das ist etwas anderes. Abends war es in Havanna übrigens schon ruhig. Reporter des TV-Senders TeleSUR posten Bilder der friedlichen Stadt auf Twitter.Natürlich kam die Ruhe nicht von alleine. Armeepatrouillen wurden in den Straßen von Havanna gesichtet.Es ist nun einmal so, dass die Insel der Freiheit von jeder neuen amerikanischen Regierung geprüft wird. Manchmal endet es in einem Tauwetter, wie unter Obama, manchmal in einem Einfrieren, wie unter Trump. Bidens Vorteil ist, dass Kuba im Moment wirklich eine schwere Zeit durchmacht.Ende der ÜbersetzungIn meinem neuen Buch „Abhängig beschäftigt – Wie Deutschlands führende Politiker im Interesse der wirklich Mächtigen handeln“ habe ich mich sehr intensiv mit weiteren Themen rund um die komplexen Zusammenhänge der gesteuertern Politik im Westen und deren brisanten Verstrickungen mit einer ganzen Reihe von Organisationen beschäftigt und dabei einiges zu Tage gefördert.Das Buch ist aktuell in diesem Monat erschienen und ausschließlich hier direkt über den J.K. Fischer Verlag bestellbar.

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