Rettet der Dudelfunk das Weltklima?

Wer die Hochwasserkatastrophe auf das Klima schiebt, argumentiert zynisch: Es geht um konkrete Verantwortung und konkrete Maßnahmen und Lösungen. 
Menschen ertrinken, werden von ihren einstürzenden Häusern erschlagen oder kommen sonstwie schauerlich ums Leben: Es ist schrecklich. Und es macht mich zornig, wenn jetzt wieder das Klima aus der Kiste gezogen wird. Warum?

Das ist, als wäre jemand auf der Autobahn verunglückt und schwer verletzt im Wagen eingeklemmt; die Feuerwehr und Sanitäter allerdings fahren vorbei und hinterlassen nur ein Schild mit der Aufschrift: „Wir demonstrieren in Berlin für Tempo 50 auf der Autobahn, damit sich derartige Unfälle nicht mehr wiederholen – und für den Ausbau des Bahnnetzes“.

Dem Unfallopfer wird das wenig helfen. Und den Hochwasseropfern an der Ahr, der Rur oder anderen Flüssen, hilft der Verweis auf das Klima, das angeblich in 30 oder 40 Jahren stabilisiert werden soll, wenig. Ein funktionierender Wetterdienst hätte mehr geholfen und nicht langatmige Erklärungen von stockenden Jet-Streams, und statt ellenlanger Vorträge zum Weltklima hätten Leben gerettet werden können, wenn der WDR als Regionalsender sich des Themas angenommen hätte, vom Geschehen berichtet und Warnungen vermittelt hätte. Hätte, hätte Fahrradkette – der WDR hat ungerührt seinen Dudelfunk gesendet, während in seinem Sendegebiet außerhalb des Kölner Funkhauses die Welt buchstäblich unterging. Aber die Reporter berichten lieber über Oma, die angeblich eine Klimasau ist, statt über steigende Pegelstände und abrutschende Straßen.

Viele kleine Fehler addieren sich zu einer Katastrophe. Jetzt wird mit dem Finger auf das Weltklima gedeutet; klar, das ist weit genug weg. Und es lässt sich auf diesem Gewitter das Wahlkampfsüppchen aufwärmen, das die Grünen so dringend brauchen angesichts einer lächerlichen „Kanzlerkandidatin“, die bislang nur ihre Inkompetenz bewiesen hat.

Schauen wir uns die Fakten an.

Deutschlands Beitrag zum weltweiten CO2-Ausstoß liegt unter 2 Prozent; ganz egal wie wir uns anstrengen: Wir beeinflussen das Klimageschehen nicht, auch wenn es uns immer vorgegaukelt wird. Man muss sich gar nicht auf die Debatte einlassen, wieviel vom Klimawandel, wenn es ihn gibt, überhaupt vom Menschen und wenn ja wie genau beeinflusst wird. Es ist, wie es ist. Plätschernde Bäche können zu reißenden Strömen werden, die alles vernichten, was sich ihnen in den Weg stellt, und ja: Das war so, das ist so, und das wird wieder so sein.

Es ist auch keine Rache der Natur an irgendwem, aber durchaus eine vorhersehbare Folge: Wer Flächen versiegelt, Flüsse begradigt, jeden Bach beschleunigt, damit er eine Turbine antreibt, Feuchtwiesen trockenlegt oder in Parks verwandelt – der produziert indirekt die nächste Katastrophe. Wer, wie in Ostbayern großflächig geschehen, Getreideland in Maiswüsten verwandelt, die dann zu Gas gemacht werden, um Strom zu erzeugen, trägt ebenfalls Mitschuld. Denn aus den festgestampften Böden der Maisplantagen kann das Wasser ungehindert zwischen den weit auseinandersetzenden Stängeln abfließen. Wiesen und Getreidefelder bremsen das Wasser.

Aber was gelten schon ökologische Argumente in einer Zeit, in der weltferne Stadtökologen ihre Ideologien der Natur aufzuzwingen versuchen. Kein Wort davon, dass sie mit riesigen, autobahnbreiten Schneisen aus Sand und Schotter durch die Wälder die Wasseraufnahme des Bodens verhindern; man braucht diese toten Schneisen für Windräder, die keinen Strom liefern, wenn er zum Leerpumpen volllaufender Keller gebraucht würde. Und vielleicht hätte den Menschen im betroffenen Katastrophengebiet mehr geholfen, wenn man Dämme erhöht, Straßen als Ersatz-Abflüsse vorbereitet, bedrohte Zonen ausgewiesen und das eine oder andere Fundament verstärkt hätte. Das alles ist komplex, verlangt Einsicht in lokale ökologische Zusammenhänge und ist konkret.

Und jetzt wird also das Klima zum Wahlkampfhit. Das ist praktisch. Denn beim nächsten Starkregen kann man darauf hinweisen, dass man es doch gleich gesagt und gewusst habe, und verdrängt die Antwort auf die Frage: Warum ist konkret an der Bundesstraße xy die Brücke so niederig, dass es zum Stau und dann in der Folge zur Überschwemmung kommt? Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit; und wenn es mehr regnet, warum auch immer, oder wenn das Wasser schneller kommt, weil man seine Abflussgeschwindigkeit erhöht hat aus dem einen oder anderen dummen Grund, dann muss man eben lernen, mit den Fluten umzugehen.

Aber statt sich dem Konkreten zu nähern, wird das Abstrakte gefeiert, denn dafür ist man nicht zuständig und kann seine Hände in der braunen Unschuldsbrühe des Hochwassers waschen. Dass es unanständig ist, mit Toten und den Folgen der Katastrophe Wahlkampf zu betreiben, dass es Missbrauch und Instrumentalisierung von Leid zum Zwecke des eigenen Fortkommens ist – geschenkt. Anstand gibt es nicht mit steigenden Pegelständen, sondern nur als versickerndes Rinnsal.

Quelle

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