Von Corona-Demos ins Katastrophengebiet: Wie „Querdenker“ die Fluthilfe instrumentalisieren

  • Zu Corona-Demos kommen immer weniger Menschen.
  • In der Flutkatastrophe haben „Querdenker“ nun ein neues Thema für sich entdeckt.
  • Sie sammeln Hunderttausende Euro von Spenden und wollen Parallelstrukturen zur staatlich organisierten Fluthilfe aufbauen – entgegen Bitten der Krisenstäbe, nicht auf eigene Faust anzureisen.
Felix Huesmann

Felix Huesmann | 19.07.2021, 22:58 Uhr

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Berlin. „Querdenker“ und Neonazis wollen in Rheinland-Pfalz eine eigene „Leitstelle“ für Fluthilfsaktionen aufbauen – trotz Bitten der Behörden, das nicht zu tun. Der Verschwörungsideologe Bodo Schiffmann sammelt dafür etwa 400.000 Euro Spenden auf seinem privaten Paypal-Account. Und ein Verein von Corona-Leugnern und Impfgegnern plant ein Kinderbetreuungszentrum für Flutopfer. Nachdem immer weniger Menschen zu Corona-Demonstrationen kommen, hat die Szene in der Flutkatastrophe ein neues Thema für sich entdeckt.

Der Verein „Eltern stehen auf“ hat sich im vergangenen Jahr als Teil der Protestbewegung gegen die Corona-Schutzmaßnahmen gegründet. Auf Flugblättern macht er gegen Masken und Corona-Tests an Schulen mobil, agitiert mit Falschinformationen gegen die Corona-Impfungen. Video Katastrophengebiet: Merkel und Dreyer versprechen schnelle Hilfe 1:55 min

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer zu Besuch im Katastrophengebiet in Schuld in Rheinland-Pfalz.  © Reuters

In der einen Krise entstanden, wollen die Vereinsmitglieder sich nun in der nächsten Krise einbringen: Sie begannen in den vergangenen Tagen, ein „Familienzentrum“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler aufzubauen, um von der Flut betroffene Kinder betreuen zu können. Professionelle Seelsorger und „Coaches“ kündigten sie dafür an. Es entstand der Eindruck, der Verein übernehme ganz offiziell die Kinderbetreuung, arbeite mit einem öffentlichen Auftrag.

Kreisverwaltung Ahrweiler distanziert sich – und wird beschimpft

Dass das nicht der Fall ist, stellte die Kreisverwaltung Ahrweiler am Sonntag auf ihrer Facebookseite klar – und wurde anschließend von Anhängern der „Querdenker“-Szene beschimpft. Auch das Landesfamilienministerium wies zur Sicherheit darauf hin, dass es sich um kein „mit der Einsatzleitung des Landes abgestimmtes Angebot“ handle. https://open.spotify.com/embed/show/193h7TOEnMlyMQLsivMqQv?si=dMhdHdrLSBmxUAFoGSgBCw Anzeige

Nicht nur in der Kinderbetreuung wollen die „Querdenker“ mitwirken. Mehrere prominente Akteurinnen und Akteure der Szene sammeln seit Tagen privat Spendengelder. Auf dem Paypal-Account des Arztes und Verschwörungsideologen Bodo Schiffmann waren bis Montag mehr als 390.000 Euro eingegangen. Das lässt sich auf der Seite des dafür eingerichteten sogenannten Paypal-Moneypools einsehen.

Das Geld der Sammlung gehe „zu 100 Prozent an die Hochwasseropfer“ verkündete Schiffmann zunächst. Später teilte er mit, dass das Geld nicht direkt an Flutopfer ausgezahlt, sondern etwa zur Unterstützung von Aufräumarbeiten verwendet werden solle. So würde damit etwa der Einsatz von Baggern und anderem schweren Gerät eines Privatunternehmens bezahlt.

„Schenkungen“ für den eigenen Lebensunterhalt

Wie andere prominente „Querdenker“ sammelte Schiffmann bereits seit dem vergangenen Jahr Spenden, etwa für angeblich geplante Klagen gegen die Corona-Maßnahmen, aber auch „Schenkungen“ für seinen eigenen Lebensunterhalt. Gegen Schiffmann wird derzeit nicht nur wegen falschen Maskenattesten, sondern auch wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt.

Quelle

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