August 6, 2021 Gegen alle Empirie: Von COVID-Genesene oder: Die Idiotie, die Impfzertifikat geworden ist

Wir machen heute mal ein neues Fass auf.

Das Bundesministerium für Gesunheit ist immer eine gute Adresse, wenn man Blödsinn sucht, solchen zum Beispiel zum digitalen Impfzertifikat:

“Der in der Verordnung genannte Zeitraum von maximal 180 Tagen und mindestens 28 Tagen bezieht sich nur auf die Ausstellung eines Genesenennachweises. Das heißt, eine Person, die die Erkrankung durchgemacht hat, kann nur innerhalb dieses Zeitraums einen solchen Nachweis ausgestellt bekommen. Nach Ablauf dieser Frist und bevor eine Impfung stattgefunden hat, gilt die Person als nicht vollständig geimpft und eben auch nicht als genesen.

Davon unabhängig gilt eine Person als vollständig geimpft, wenn sie entweder zwei Impfungen erhalten hat oder genesen ist und eine Impfung erhalten hat. Der Nachweis der Genesung wird mit einem positiven PCR-Test belegt.

Es kann also auch jemand nur einmal geimpft werden und als vollständig geimpft gelten, der die Krankheit durchgemacht hat ohne einen Genesenennachweis erhalten zu haben, z.B. weil die Erkrankung länger als 180 Tage zurücklag.”

In Kurz:
Wer mit SARS-CoV-2 infiziert war, keine Symptome hatte oder COVID-19 in welcher Intensität auch immer überstanden hat, der gilt den Helden im Bundesgesundheitsministerium als weniger geschützt als jemand, dessen Erstkontakt mit SARS-CoV-2 auf den Bauplan des Spike-Proteins begrenzt ist, der ihm in den Oberarm gespritzt wird. Zweifache Impfung, so behaupten Leute, die offenkundig ihre Informationen von Jens Spahn beziehen, dem sie vermutlich im Schlaf einfallen, schütze besser und länger vor einer Infektion durch SARS-CoV-2 bzw. Erkrankung an COVID-19 als eine zurückliegende Infektion/Erkrankung, von der man genesen sei.

Soweit der Blödsinn.
Nun zur Realität.

Beginnen wir mit Eamon O. Murchu, Paula Byrne, Paul G. Carty, Cillian De. Gascum, Mary Keogan, Michelle O’Neil, Patricia Harrington und Máirin Ryan, alle an Universitäten bzw. Kliniken in Dublin beschäftigt. Sie haben eine Meta-Analyse durchgeführt, in die 11 Studien eingegangen sind, in denen Daten von insgesamt 615.777 Personen verarbeitet wurden. Alle Studien haben die Frage, welche Gefahr für Re-Infektion nach einer Erkrankung an COVID-19 oder einer Infektion mit SARS-CoV-2 besteht, untersucht. Fünf der elf Studien kommen aus dem Vereinigten Königreich, die restlichen sechs Studien satmmen aus Österreich, Dänemark, Israel, Katar und den USA. In allen Studien wurden Personen, die bereits eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht haben, mit Personen verglichen, für die das nicht der Fall ist. Die Bestimmung einer Infektion in der Vergangenheit erfolgte in der Regel serotologisch bzw. mit Hilfe von RT-PCR-Tests. Alle Studien waren longitudinal angelegt, d.h. sie haben ihre jeweilige Studienpopulation über Zeit verfolgt. Der Zeitraum der Nachverfolgung variiert zwischen 131 Tagen und 306 Tagen. Die Literaturangaben für die Studien finden sich am Ende dieses Posts.

Die Frage, die die Autoren beantworten, richtet sich auf das Risiko einer Re-Infektion mit SARS-CoV-2 nach überstandener Infektion. Dieses Risiko wird generell als absolutes Risiko berichtet. Alle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass es ein entsprechendes Risiko so gut wie nicht gibt. Die Rate der Re-Infektion variiert zwischen 0 und 1,1%, beträgt im Mittel 0,27%. Das Risiko ist für 65+jährige mit 0,53 etwas höher als mit 0,19 für unter 65jährige. Zwei englische Studien untersuchen das Risiko einer Re-Infektion für Insassen von Altenpflegeheimen und kommen zum selben Ergebnis: ein Risiko auf Re-Infektion ist so gut wie nicht vorhanden. Zum selben Ergebnis kommen drei Studien unter Angestellten des NHS. Das Risiko, sich abermals mit SARS-CoV-2 zu infizieren, beträgt 0,17 für asymptomatische und 0,08 für symptomatische Fälle. Es ist somit nicht wirklich vorhanden.

Anders formuliert: Nach überstandener Infektion mit SARS-CoV-2, unabhängig davon, ob diese Infektion in COVID-19 gleichwelcher Schwere mündet oder nicht, ist eine effiziente Immunabwehr gegen SARS-CoV-2 vorhanden, die dem Virus kaum eine Chance auf Re-Infektion lässt. Unter den analysierten Studien findet sich eine aus Katar, die nicht nur das Risiko einer Re-Infektion untersucht hat, sondern in der über mehr als sieben Monate untersucht wurde, ob der vom Immunsystem gegen SARS-CoV-2 aufgebaute Schutz schwächer wird: Auch nach 7 Monaten finden die Autoren KEINERLEI Hinweis darauf, dass der Schutz gegen SARS-CoV-2, gemessen als Anzahl der vorhandenen Antikörper, nachlässt. Wer von COVID-19 genesen oder eine Infektion mit SARS-CoV-2 hinter sich hat, ist somit über die 180 Tage hinaus, die die Bundesregierung in ihrem gelebten Irrsinn als Grenze für Impf-Zertifikate angibt, vor einer Ansteckung geschützt.


Studie aus Katar:
Abu-Raddad, Laith J., Hiam Chemaitelly, Peter Coyle, Joel A. Malek, Ayeda A. Ahmed, Yasmin A. Mohamoud, Shameem Younuskunju et al. (2021). SARS-CoV-2 reinfection in a cohort of 43,000 antibody-positive individuals followed for up to 35 weeks. medRxiv.


Zudem behauptet die Bundesregierung, dass doppelt Geimpfte besser und dauerhafter vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 geschützt seien als Genesene. Ein weiteres Beispiel dafür, dass in der Bundesregierung offensichtlich pi-mal-Daumen Schätzungen, die al gusto vorgenommen werden, um Impfungen zu forcieren, verbreiteter sind als wissenschaftliche Erkenntnisse, denn: Der Schutz vor SARS-CoV-2, den eine Impfung bereit stellt, er ist schon nach rund 60 Tagen verschwunden, und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass als Reaktion auf eine Impfung b-Zellen Informationen speichern, die bei neuerlichem SARS-CoV-2-Angriff in t-Zellen übertragen werden können, die das Virus eliminieren. Die entsprechenden Belege gibt es derzeit nur für Genesene.

Aber damit nicht genug.
Israel entwicklt sich immer mehr zum Fiasko für die Impf-Mafia, denn die Daten, die aus Israel kommen, sie zeigen fast durchweg, dass die Impfgeschichte auf Sand gebaut ist, Sand, der ins Rutschen gekommen ist, wie z.B. die folgende Abbildung zeigt, die die Infektionsrate unter Geimpften mit der Impfrate in der Bevölkerung konfrontiert. Hätte Impfung eine schützende Wirkung, die über die vom natürlichen Immunsystem bereitgestellte hinausgeht, dann müsste der Anteil der Geimpften, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet werden, deutlicht unter dem Anteil der Geimpften in der Bevölkerung liegen.

Er tut es nicht.

Hinzu kommt, dass neue Daten, von denen israelische Zeitungen berichten, hier oder hier, zeigen, dass die Ansteckungsrate unter doppelt Geimpften um das 6,7fache höher ist als die Re-Infektionsrate von einer Infektion Genesener. 835.792 Isrealis sind bislang von einer Infektion mit SARS-CoV-2 genesen, 72 davon haben sich in der letzten Welle in Israel wieder mit SARS-CoV-2 angesteckt. 5.193.499 Isrealis waren zu Beginn der letzten Welle doppelt geimpft. Im Verlauf der letzten Wellen haben sich bislang rund 3.000 Israelis angesteckt, das macht eine Rate von 0,0578%, während die entsprechende Rate für die Genesenen 0,0086% beträgt, also 6,7fach geringer ausfällt.

Eine überstandene Infektion mit SARS-CoV-2 bietet somit einen deutlich besseren Schutz vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 als es eine Impfung zu leisten im Stande ist.

Die Erzählung der Bundesregierung ist Bullshit und das gleich in doppelter Hinsicht, denn natürliche Immunität als Folge einer Infektion mit SARS-COV-2 schützt BESSER vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 als durch Impfung induzierte Immunität und sie schützt LÄNGER vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 als durch Impfung induzierte Immunität.

Um es noch einmal zu wiederholen: Die Bundesregierung behauptet das Gegenteil. Die Realität passt ganz offenkundig nicht zur Impf-Ideologie der Bundesregierung, was einmal mehr die Frage aufwirft, warum gegen alle Rationalität, alle Empirie und alle Vernunft, alle Welt geimpft werden soll. Was soll damit erreicht werden?


O Murchu, Eamon, Paula Byrne, Paul G. Carty, Cillian De Gascun, Mary Keogan, Michelle O’Neill, Patricia Harrington, and Máirín Ryan (2021). Quantifying the risk of SARS‐CoV‐2 reinfection over time. Reviews in medical virology: e2260.

Abu-Raddad, Laith J., Hiam Chemaitelly, Peter Coyle, Joel A. Malek, Ayeda A. Ahmed, Yasmin A. Mohamoud, Shameem Younuskunju et al. (2021). SARS-CoV-2 reinfection in a cohort of 43,000 antibody-positive individuals followed for up to 35 weeks. medRxiv.

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Hansen, Christian Holm, Daniela Michlmayr, Sophie Madeleine Gubbels, Kåre Mølbak, and Steen Ethelberg (20201. Assessment of protection against reinfection with SARS-CoV-2 among 4 million PCR-tested individuals in Denmark in 2020: a population-level observational study. Lancet 397(10280): 1204-1212.

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Seit Ende Januar 2020 besprechen wir Studien zu SARS-CoV-2. Damit gehören wir zu den wenigen, die das neue Coronavirus seit seinem Auftauchen verfolgt und den Niederschlag, den es in wissenschaftlichen Beiträgen gefunden hat, begleitet haben.
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