Neue „Enthüllungen“ zum Tiergartenmord: Die unrühmliche Rolle des Spiegel

Tiergartenmord

Der Spiegel berichtet, ein Zeuge, der den Angeklagten im Prozess um den Tiergartenmord nicht identifizieren konnte, habe das nun doch im Interview getan. Die Umstände zeigen, dass der Spiegel mit Methoden vorgeht, die rein nichts mit Journalismus zu tun haben. von Anti-Spiegel 22. August 2021 16:33 Uhr Der Tiergartenmord ist dem Spiegel eine Herzensangelegenheit, schließlich behauptet das ehemalige Nachrichtenmagazin, in eigenen Recherchen mehr herausgefunden zu haben, als die Staatsanwaltschaft. In solchen Fällen arbeitet der Spiegel mit seinen „Recherchepartnern“ Bellincat und The Insider zusammen. Bevor wir auf den aktuellen Spiegel-Artikel und die Methoden kommen, die der Spiegel nun anwendet, müssen wir uns das „Rechercheteam“ daher kurz anschauen.BellingcatBellingcat ist ein reines Propaganda-Instrument der westlichen Geheimdienste. Das kann jeder sehen, der sich die Finanzierung von Bellingcat anschaut, über die Bellingcat in seinen eigenen Berichten Auskunft gibt. Ich habe das im Detail aufgezeigt, Sie können das mit allen Quellen hier finden.Im Westen wird Bellingcat jedoch als „Rechercheplattform“ dargestellt, bei der angeblich unabhängige Experten recherchieren. Darüber wurde sogar ein mit Preisen ausgezeichneter Film gemacht, der allerdings ebenfalls von den gleichen Staaten finanziert wurde, die Bellingcat selbst finanzieren. Der Film hat – ungewollt – sogar Bellingcats Verbindungen zu den Geheimdiensten belegt, wie ich hier aufgezeigt habe.The InsiderThe Insider ist ein Partner von Bellingcat, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn es um Russland geht. Das Portal steuert angeblich Daten aus Russland bei, wie zum Beispiel Zugang zu Passdatenbanken oder Flug- und Hotelbuchungen. Solche Datenbanken zu hacken, ist auch in Russland illegal, aber obwohl der Blogger behauptet, all diese Daten zu haben, läuft er in Moskau frei herum, wird nicht verhaftet und darf Informationen weitergeben, die dem russischen Staat schaden. Wie überzeugend ist das?Der Blogger hinter The Insider heißt Roman Dobrochotow und lebt in Moskau. Der Spiegel hat mal über ihn geschrieben und dabei ist ein verräterischer Satz gefallen:„Er brauche etwa zehntausend Dollar im Monat, um die Arbeit zu finanzieren, sagt Dobrochotow. Er setzt auf Spenden und ausländische Stipendien. Gern würde er die Webseite vollständig über Crowdfunding finanzieren, also durch Hunderte Kleinspenden“Er sagt also ganz offen, dass er aus dem Ausland finanziert wird und wir dürfen dreimal raten, wer ihn wohl finanziert. Jedenfalls sind 10.000 Dollar monatlich eine anständige Summe für einen einfachen Blogger.Das „Rechercheteam“Der dritte im Bunde ist der Spiegel. Und diese drei „Rechercheure“ finden und veröffentlichen immer all die Informationen, die selbst westliche Geheimdienste angeblich nicht haben. Sie wussten schnell alles über den Tiergartenmord, die angeblichen Vergiftungen der Skripals und Navalnys, oder auch über die mysteriöse Explosion in Tschechien aus dem Jahr 2014. Sie wissen einfach alles. Und immer präsentieren sie dabei Informationen, über die bestenfalls Geheimdienste verfügen können, wie zum Beispiel Flug- und Hotelbuchungen, private Chatnachrichten, Telefonverbindungsdaten, GPS-Positionsortungsdaten, Daten aus Passdatenbanken oder Informationen über erteilte Visa und Einreisen in westliche Staaten. Sie wissen einfach alles.Selbst wenn wir annehmen, dass The Insider an russische Daten herankommt – und zwar ohne für dieses illegale Tun in Moskau verhaftet zu werden -, ist es endgültig verräterisch, dass sie angeblich auch Daten aus westlichen Regierungsdatenbanken haben, also zum Beispiel Daten über Visaanträge oder Einreisen in die EU. Spätestens diese Daten müssen von westlichen Geheimdiensten kommen, alles andere wäre auch im Westen illegal und müsste zu Strafverfahren führen. Versuchen Sie mal, an Daten über Visaanträge zur Einreise in die EU zu kommen und diese zu veröffentlichen. Was glauben Sie, wie lange Sie danach noch frei herumlaufen würden?Aber es gibt keine Strafverfahren, wenn diese „Rechercheure“ solche Daten veröffentlichen, was beweist, dass die Geheimdienste diese Daten an die „Rechercheure“ durchstechen. Und da eine wichtige Aufgabe von Geheimdiensten die Desinformation ist, weiß niemand, ob diese Informationen der Wahrheit entsprechen oder Propaganda sind.Das stört aber das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg nicht, es verbreitet diese Geheimdienst-Propaganda einfach als eigene Recherchen.Wie dreist dabei gelogen wird, hat sich in dem oben genannten Film über Bellingcat gezeigt. Erinnern Sie sich noch, wie seinerzeit gemeldet wurde, dass die Identitäten der zwei angeblichen GRU-Agenten veröffentlicht wurden, die angeblich die Skripals vergiftet haben sollen? Dabei wurden auch Fotos der beiden veröffentlicht, die an der britischen Passkontrolle von Überwachungskameras gemacht worden sind.In dem Film sagte Elliot Higgins, der Gründer von Bellingcat allen Ernstes, dass er diese Fotos auf Google-Streetview entdeckt habe. Versuchen Sie das auch mal: Schauen Sie auf Google-Streetview an einem Flughafen Ihrer Wahl nach und suchen Sie dabei Fotos, die die von den Überwachungskameras des Grenzschutzes bei Passkontrollen aufgezeichnet wurden. Viel Spaß!Was ich hier so ironisch schreibe, ist aber kein Scherz. Es zeigt vielmehr, wie dreist wir von dem „Rechercheteam“ bestehend aus Bellingcat, The Insider und dem Spiegel für dumm verkauft werden.Der TiergartenmordBei dem Tiergartenmord geht es um einen Mord an einem islamistischen Terroristen tschetschenischer Abstammung in Berlin, der auch Verbindungen zur organisierten Kriminalität gehabt hat. Der mutmaßliche Mörder, so wird behauptet, heiße nicht Sokolov, wie er sagt, sondern Krasikov und sei ein russischer Agent, der den tschetschenischen Islamisten im Auftrag des russischen Geheimdienstes erschossen habe. Aus politischen Gründen ist das eine wichtige Frage. Es wurden bereits mehrere Zeugen geladen, die diese Frage klären sollten, aber niemand hat eindeutig festgestellt, dass diese Behauptung stimmt. Das gilt auch für einen Mann, der in den deutschen Medien als „Oleksandr V.“ bezeichnet wird, wenn sein Name überhaupt erwähnt wird. Dieser Zeuge soll der Schwager von Krasikov sein. Vor Gericht konnte er zwar eine Ähnlichkeit feststellen, aber er konnte Sokolov nicht sicher als Krasikov identifizieren.V´s Aussage vor GerichtDie tagesschau hat sehr aufschlussreich über den Auftritt von V vor Gericht berichtet. V lebt in der Ukraine und sogar im Artikel der tagesschau war zu lesen, dass die Ukraine ein Interesse daran hat, Russland aller möglichen Sünden zu beschuldigen und offenbar von Seiten der ukrainischen Behörden massiv Druck auf V ausgeübt wurde, damit er Russland belastet. So wurde seine Wohnung durchsucht und die tagesschau zitiert seine Aussagen vor Gericht unter anderem so: „“Ich lebe in einem Land ohne Rechtsstaatlichkeit“, erklärt er, um dann zu beschreiben, wie Vertreter von Ermittlungsbehörden und vom Innenministerium bei ihm und den Schwiegereltern aufgetaucht seien. Männern mit Maschinengewehren hätten sich Zutritt verschafft, Computer und Speichermedien beschlagnahmt. Vor drei Wochen sei außerdem eine Granate auf seinem Hof explodiert. Er lebe ständig unter Druck.“Auch Druck aus Russland fürchte der Zeuge, wie die tagesschau damals gemeldet hat:„Er habe sich als Freiwilliger für die Unterstützung der ukrainischen Soldaten gemeldet. Er sei sich sicher, dass er deswegen auf diversen Listen stehe, sagt er auf eine spätere Frage, ob er sich vor Reaktionen von russischer Seite fürchte.“Der Zeuge unter DruckV ist also in einer bedauernswerten Situation. Es ist nicht einmal sicher, ob er Krasikov/Sokolov überhaupt kennt, sicher ist nur, dass die Ukraine diesen Zeugen gefunden und unter Druck gesetzt hat. Dass er, da er sich mitten in einem der politisch brisantesten Fälle unserer Zeit befindet, vor beiden Seiten Angst hat, ist ihm nicht zu verdenken. Der tagesschau-Artikel beginnt mit folgendem Absatz:„“Ich möchte nicht über meine Gedanken sprechen, sonst müsste ich Asyl beantragen“, antwortet der Zeuge dem Vorsitzenden Richter. Olaf Arnoldi hatte den 55-Jährigen gefragt, was er beim Lesen von Berichten über den Verdächtigen im Berliner Tiergartenmord gedacht habe.“Vor wem hat er eine solche Angst? Vor den Russen oder den Ukrainern oder vor beiden? Immerhin: Egal, was er sagt, eine Seite könnte böse auf ihn werden. Größere Angst dürfte er nach meiner Einschätzung vor der Ukraine haben, denn dahin musste er nach seiner Aussage zurückkehren und dass sein Heimatland um jeden Preis Russland belasten will, räumt sogar die Nebenklage ein, wie man bei der tagesschau ebenfalls erfahren konnte:„Die Nebenklagevertretung bestätigt ihrerseits ein politisches Interesse der Ukraine, belastendes Material gegen den Angeklagten und den russischen Staat zu liefern. Aber der Zeuge habe sich nicht einschüchtern lassen und habe offen Kritik an den ukrainischen Ermittlungsbehörden geäußert, sagt Anwältin Johanna Künne.“Das war Ende Juli, inzwischen scheint es anders zu sein. Anscheinend hat er sich in seiner Heimat inzwischen massiv einschüchtern lassen.Der aktuelle Spiegel-ArtikelUnter der Überschrift „Prozess in Berlin – Schwager identifiziert mutmaßlichen Tiergarten-Mörder“ berichtet der Spiegel, dass V. sich nun anders äußert. Und zwar ausgerechnet vor dem „Rechercheteam“ bestehend aus Bellingcat, Insider und Spiegel: „Nun, in der Wohnung in Kiew, sagt er das Gegenteil – und belastet den Angeklagten schwer. »Ich war nicht ehrlich im Prozess«, sagt er Journalisten des SPIEGEL, von Bellingcat und The Insider. »Ich war mir sicher, dass Krasikov vor mir stand.« Damit bestätigt er die Theorie der Ankläger, die Indizienkette der Bundesanwaltschaft zum Vorwurf des Staatsterrorismus scheint damit geschlossen.“In dem Spiegel-Artikel wird mit großem Aufwand versucht, den Zeugen, der vor Gericht unter Eid das Eine, in einer „konspirativen“ Wohnung in Kiew zum Spiegel aber etwas anderes sagt, als glaubwürdig hinzustellen. Dass er in der Ukraine massiv unter Druck gesetzt worden ist, erfährt der Spiegel-Leser nicht, stattdessen wird der Eindruck erweckt, es sei ausschließlich Russland, vor dem V. sich fürchtet.Wenn man aber weiß, dass V. vor seiner Aussage in dem Prozess von mit Maschinengewehren bewaffneten Mitarbeitern der Ermittlungsbehörden und des Innenministeriums besucht worden ist, dann klingt der erste Absatz des Spiegel-Artikels verräterisch:„Donnerstagabend in Kiew. Konspirativer Treffpunkt ist eine Altbauwohnung im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt. Kurz vor 21 Uhr kommt er an, in Begleitung eines schweigsamen bulligen Beschützers: Oleksandr V., 55 Jahre alt, Unternehmer aus Charkow.“Mir stellt sich die Frage, ob V. einen „schweigsamen bulligen Beschützer“ dabei hatte, oder ob es eher ein Aufpasser war, der dafür sorgen sollte, dass V. zumindest den westlichen Medien das erzählt, was die Ukraine möchte, nachdem er es vor Gericht nicht getan hat.Die Rolle des SpiegelV. kann einem leid tun, denn er steht schutzlos zwischen den Stühlen. Der Spiegel ist sich derweil nicht zu schade, einen Mann, der in seinem Land, in dem Andersdenkende schon für weniger ermordet wurden oder unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen sind (13 Beispiele finden Sie hier), von den Behörden massiv unter Druck gesetzt wurde, in „Begleitung eines schweigsamen bulligen Beschützers“ an einem „konspirativen Treffpunkt“ zu interviewen. Und die unter solchen Umständen zu Stande gekommenen Aussagen stellt der Spiegel seinen Lesern als glaubwürdig dar.Diese Rolle des Spiegel ist nicht verwunderlich, denn der Spiegel ist mit seinen „Recherchen“ längst zu einer Partei in dem politischen Streit geworden und ist kein neutraler, journalistischer Beobachter. Wenn sich am Ende herausstellen sollte, dass die ganze Geschichte über die Verbindung zu russischen Geheimdiensten erlogen war, dann wäre der Spiegel – und mit ihm sein „Rechercheteam“, mit dem er zu allen anti-russischen Themen „Enthüllungen“ veröffentlicht – bis auf die Knochen blamiert.Um das zu verhindern, ist sich der Spiegel anscheinend zu gar nichts zu schade.

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