Laschet wendet die Energie

Erst mal die notwendige Erklärung: „Kakarlasch“ steht im Folgenden als Abkürzung für „Kanzlerkandidat Armin Laschet“. Der will die Energie in Deutschland noch besser wenden als die Angela und die Annalena.

Das hat er jedenfalls in einem Gastbeitrag in der „Welt-Online“ zum Besten gegeben und es „Mein Energiemasterplan“ genannt. 

Die Welt-Online schreibt für diejenigen, die es noch nicht gehört haben: Der Autor ist nordrhein-westfälischer Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl. Was in der Welt-Online nicht gesagt wurde: Der Energiemaster Kakarlasch ist von Beruf Jurist, was ihn offenbar hinreichend als Energiewender qualifiziert. Insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass er seinerzeit am Rhein-Maas-Gymnasium Aachen das Klassenziel der 9. Klasse nicht erreichte. In der 9. Klasse werden in Physik unter anderem Elektrizität und Magnetismus sowie Wärmelehre durchgenommen. In Abwesenheit solcher Kenntnisse kann man später schon mal auf die Idee kommen, einen Energiemasterplan für eine Industrienation zu entwerfen. 

Und Phantasie hat der Kakarlasch auch, das steht schon bei Wikipedia: „Von 1999 bis 2015 hatte Laschet einen Lehrauftrag an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen), den er zurückgab, nachdem von ihm zu korrigierende Klausuren im Masterfach Politikwissenschaft „auf dem Postweg abhandengekommen“ sein sollen und er die Noten anhand seiner Aufzeichnungen „rekonstruiert“ hatte. Dieses Vorgehen war unter anderem dadurch aufgefallen, dass einige Studenten eine Benotung erhielten, obwohl sie an der Klausur nicht teilgenommen hatten.“ Gerechterweise muss man sagen: Die Annalena hat aber an Völkerrecht nicht teilgenommen und nicht an Laschets Politikwissenschaft.

Am besten hat mir der Passus in Armins Masterplan gefallen, in welchem der Kakarlasch sich als echter Staatsmann von Weltformat outet: „Damit wir die globalen Klimaziele erreichen, müssen wir den Ausbau der erneuerbaren Energien auch weltweit vorantreiben. Dafür brauchen wir eine europäische CleanTech-Initiative, die den Innovationsexport auch mit neuen Finanzinstrumenten fördert. Die Energiewende muss ein weltweiter Exportschlager werden”. Weltweit vorantreiben und Deutschland als Vorbild, drunter macht es ein deutscher Politiker nicht. Beim Strompreis sind wir ja schon weltweites Vorbild, da braucht der Armin gar nichts mehr zu unternehmen.

Klingt wie einst das Neue Deutschland

Und folgerichtig schreibt er in seinem Artikel: „Die erneuerbaren Energien sind ohne staatliche Regulierung längst wettbewerbsfähig. Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen ist schon heute mit drei bis neun Cent je Kilowattstunde günstiger als etwa Kohlestrom oder Kernenergie“. Diese Zahlen muss ihm die Weltmeisterin der Energiewendeirrtümer, Frau Professorin Claudia Kemfert, geflüstert haben. Die wusste schon 2011, dass die EEG-Umlage im Jahre 2020 „real 3,64 Cent pro kWh“ betragen würde. Real waren es dann 6,75 Cent pro KWh – verdammte Realität! 

In seinem Artikel setzt der Armin „auf die Stärke des Marktes mit Freiheit und Deregulierung. Wir setzen auf soziale Balance und Teilhabe für alle.” Wenige Zeilen darunter schreibt er: „Ich will Rechtssicherheit für unsere Solarbauern: Bestehende Förderungen in der Agrarlandschaft werden wir im Rahmen des geltenden Förderrahmens der europäischen Agrarpolitik garantieren. Wer eine landwirtschaftliche Fläche hybrid nutzt, muss mindestens die gleiche Förderung erhalten wie bei einer rein landwirtschaftlichen Nutzung.“ Klingt das so richtig nach Marktwirtschaft und billigen Erneuerbaren? Er will die EEG-Umlage komplett abschaffen. Dass die enormen Kosten, die den Solarkönigen und Windbaronen laut Gesetz zustehen, dann aus Steuergeldern bezahlt werden müssen, verschweigt er lieber. 

Wenn der Kakarlasch Kanzler wird, soll jeder Deutsche Teil der Energiewende werden. Sein Statement zum Netzausbau klingt so, wie einst das Neue Deutschland tönte: „Ich werde als Bundeskanzler mehr Tempo machen beim Netzausbau: Entscheidend für den Industriestandort Deutschland ist, dass günstiger Windstrom aus dem Norden in die großen Industriezentren in der Mitte und im Süden Deutschlands gelangt. Wir werden den Ausbau von Stromautobahnen nochmals verstärken und beschleunigen“. Wir sind schon sehr gut, werden aber noch besser werden. Ich sehe förmlich den Armin schon mit anpacken beim noch schnelleren Kabelzug.

Der Kakarlasch weiß natürlich, dass die Energiewende ohne industrielle Großspeicher nicht funktionieren kann. Daher setzt er auf Innnovation. Es wird schon einer etwas erfinden, was uns rettet: „Wir brauchen eine Forschungsoffensive für Energieinnovationen: Höhere Wirkungsgrade bei Fotovoltaik-Modulen, Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen bei der Wasserstoffelektrolyse, Entwicklung neuer Großspeichertechnologien und neue Netztechnologien – das sind die Meilensteine für eine auch in Zukunft verlässliche und sichere Energieversorgung. Dafür müssen wir unsere Spitzenforscherinnen und -forscher besser unterstützen und mehr innovative Forschungsprojekte fördern.“ Was haben die unterförderten Spitzenforscherinnen und -forscher nur bisher gemacht? Alle seine Meilensteine sind noch nicht erfunden – ein Masterplan nach dem Prinzip Hoffnung. Armin Laschet tut so, als wäre seine Partei nicht seit 2005 an der Regierung gewesen und hätte all seine tollen Ideen einer immer desaströs erfolgloserer Energiewende längst einleiten können, wenn es denn so einfach wäre.  https://754148968b0295c212b93ca544d80297.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-38/html/container.html

Ein Meister im Nebelbombenwerfen

Er kann einem fast leidtun, wie er den Grünen hinterherhechelt. Kernenergie erwähnt er mit keinem Wort, Angela oder Annalena könnten ja böse werden. Er sagt nicht, wo der Strom bei Flaute herkommen soll, wenn die Großkraftwerke abgeschaltet wurden. Er erwähnt bei seinen gigantischen Plänen zum Ausbau von Wind und Sonnenenergie mit keinem Wort, warum seine Partei so vehement den Bau der Gaspipeline Nordstream und damit die Energieabhängigkeit von Russland vorantreibt, dass sie sogar eine Konfrontation mit den USA riskiert. Laschet ist, wie seine Chefin, ein Meister im Nebelbombenwerfen.

Zum Schluss noch ein paar tolle Ideen des Kanzlerkandidaten der Union zur Rettung der Energiewende: „Fotovoltaik als Agri-PV (landwirtschaftliche Pflanzenproduktion zusätzlich zur Stromproduktion), Biodiversitäts-PV (auf Grünflächen für Artenvielfalt) und Floating-PV (schwimmende Anlagen) wie zum Beispiel auf Seen in ehemaligen Braunkohle-Tagebaugebieten sind interessante Ansätze“. Lustiger wird es heute nicht mehr. Das klingt wie Stalins „Rinderoffenstall“, Ossis werden sich erinnern. Offenbar meint Laschet, dass über Agri-, Biodiversitäts- und Floating-PV die Sonne auch nachts lacht, die Kühe friedlich unter Solarpaneelen grasen, dass unter den Paneelen Sonnenblumen wachsen und die ehemaligen Braunkohlentagebaue, die heute Naherholungsgebiete sind, mit Floating-PVs zurück in Industriegebiete denaturiert werden.

Was schert den Kanzlerkandidaten Laschet die Eurokrise, Inflation, Flüchtlingskrise, Coronakrise, Afghanistandebakel – offenbar hat die CDU vier Wochen vor der Wahl keine Themen. Der Kakarlasch weiß sehr wohl, dass viele Bürger seine Partei einfach wählen müssen, nur um Rot-Rot-Grün zu verhindern. 

Manfred Haferburg / 30.08.2021 / 11:00 / Foto: Imago / 37 /

Quelle

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