In Thüringen führt die AfD mit 24 Prozent. Es folgen die SPD mit 23,4 und die CDU mit 16,9. Ein sensationelles Ergebnis gab es in Sachsen: Die AfD läßt alle Mitbewerber mit riesigem Abstand weit hinter sich. Die AfD führt dort mit 35,8 Prozent, die CDU wird Zweiter mit 26,1 Prozent. Obwohl die AfD bundesweit bei nur 10,3 Prozent landete, insgesamt also 2,2 Prozent gegenüber 2017 verloren hat, ergäbe sich rein rechnerisch selbst im Bund noch eine „bürgerliche Mehrheit“ mit 371 Bundestagssitzen für eine CDU/AfD/FDP-Koalition, der eine sozialistische Minderheit von 363 Bundestagssitzen für eine Koalition von SPD/Die Linke/Grüne gegenüberstünde. Alles graue Theorie. Koalitionen mit der AfD werden nirgends in Betracht gezogen. Nicht, weil das der Souverän so gefordert hätte, sondern weil sich die Altparteien darauf verständigt hatten – und zwar am Wählerwillen vorbei. Die SPD wurde bundesweit mit knappem Vorsprung vor der CDU stärkste Partei. Olaf Scholz wird aller Voraussicht nach Kanzler werden. Bei der Wahlbeteiligung hatte sich kaum etwas geändert gegenüber 2017. Sie lag auch heuer bei knapp 77 Prozent. Die SED (Die Linke) hat zwar die 5-Prozent-Hürde gerissen, wird aber wegen der Grundmandatsklausel über ihre drei Direktkandidaten dennoch im Bundestag vertreten sein.Unterteilt nach „neuen“ und alten Bundesländern ergibt sich folgendes Bild: AfD im Westen bei nur 8,4 Prozent, im Osten hingegen bei 21,4 Prozent. Grüne im Westen immer noch bei 15,5 Prozent, im Osten hingegen bei nur 8,3 Prozent. Zwei verschiedene Welten also in ein und derselben Nation, wenn man bedenkt, wofür AfD und Grüne im Grundsatz jeweils stehen. Es gibt ein krasses Gefälle, das alles in allem auch ein Bildungsgefälle repräsentiert. Sachsen liegt bei den bildungspolitischen Resultaten seit Jahren auf dem bundesdeutschen Spitzenplatz, genau dort also, wo heute auch die AfD steht. Und das, obwohl in sächsischen Wohnzimmern mit ARD und ZDF genau dasselbe Verdummungsprogramm läuft wie in allen anderen Bundesländern. Es bewahrheitet sich: „Wir Sachsen, wir sind helle, das weiß die ganze Welt. Und sind wir mal nicht helle, dann haben wir uns verstellt“.Die BundesrepublikAm kollektiven Geisteszustand im Lande musste bislang jeder Realist verzweifen, der das Volk unter den „Schutzbedingungen“ in der Coronakrise beobachtet hat. Kein Tag verging, an dem er nicht fassungslos die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätte angesichts dessen, was sich dieses Volk an Lügen, Inkonsistenzen, Pseudomeßgrößen und „Experten“ hat bieten lassen, und welche Glaubensbekenntnisse es im Geiste der Dreifaltigkeit von Menschheit, Weltklima und Planet unablässig vor sich hinstammelte. Kein Zweifel ist es genau dieses Volk, dem ein Wahlergebnis wie das gestrige geschuldet ist. Es paßt wie die Faust aufs Demokratenauge. Es scheint noch zu dauern, bis einer übergroßen Mehrheit klar geworden ist, daß Deutschland im internationalen Vergleich schwer auf dem absteigenden Ast ist.Vielleicht fällt es dem Michel auf, wenn er keinen Strom mehr für die E-Autos bekommt, die er sich für teuer Geld hat aufschwatzen lassen. In anderen Ländern wurden bereits Ladesäulen gesperrt, um einem Blackout vorzubeugen. Vielleicht fällt es ihm auf, wenn die erste erstochene Leiche vor seinem eigenen Gartentürchen liegt oder wenn er im Krankenhaus – einer Sprachbarriere wegen – den behandelnden Arzt nicht mehr verstehen kann. Vielleicht merkt er es, wenn er seinen Rentenbescheid bekommt, versehen mit dem Zusatz, daß es sich um einen theoretischen Kleinbetrag handelt, der praktisch gar nicht mehr ausbezahlt werden kann. Vielleicht merkt er es, wenn der Liter Super drei Euro kostet. Oder wenn das Haus im Winter kalt bleibt, weil kein Gas mehr ankommt. Vielleicht fällt ihm etwas auf, wenn sein Kleinkind partout „Mama“ sagen will, und daß ihm ein „Elternteil 1“ partout nicht über die Babylippen kommen will. Sicher ist das nicht.Es ist fraglich, ob der Durchschnittsdeutsche überhaupt noch irgendetwas bemerkt, das sich außerhalb seiner Illusionsblase befindet. Alles in allem stellt sich die Frage, ob sich, wenn ein solches Volk als demokratiefähig durchgeht, die Demokratie nicht auch im Schafstall einführen ließe. So viel steht fest: Die Berliner Republik erinnert inzwischen deutlicher an die DDR, als an die Bonner Republik. Die AfD und ihre Wähler würden das gerne korrigieren.Die Alternative für DeutschlandFür die AfD wird es Zeit, sich endlich einmal zu entscheiden, was sie sein will: Eine Alternative für Deutschland oder eine Alternative zu anderen Parteien innerhalb der deutschen Parteiendemokratur. Daß sie formal Partei ist, bedeutet ja nicht, daß sie sich ihrem Selbstverständnis nach auch als eine solche begreifen muß. Fest steht, daß Berlin ein in bald jeder Hinsicht bankrotter und rechtsfreier Raum geworden ist, in dem R2G marodiert, und zwar derartig, daß in der Bundeshauptstadt noch nicht einmal mehr Wahlen durchgeführt werden können, die eine solche Bezeichung auch verdienen. Gut möglich ist, daß in Berlin wegen der logistischen Katastrophe am Wahltag neu gewählt werden muß. Und ausgerechnet dort, in Berlin, hat sich die AfD eine Schlappe eingefangen, die aufmerken läßt. Nach dem gegenwärtigen Stand hat die AfD im Berliner Abgeordnetenhaus knapp die Hälfte ihrer Sitze verloren. Waren es vorher noch 25, so sind es am heutigen Tag nur noch 13. Obwohl die Stadt in den vergangenen Jahren evident zu einem – wie Donald Trump es wohl nennen würde – „Shithole“ verkommen ist.Das heißt, daß es in Berlin eine radikale Wählerschaft gibt, radikal worin auch immer genau. Darauf kommt es in diesem Zusammenhang nicht an. Sie ist auf jeden Fall radikal. Ob radikal doof, radikal illusionär, radikal totalitär – egal. Und da stellt sich dann eben die Frage, was es mit dem „Gemäßigtsein“ der dortigen AfD auf sich hat – und ob sich bei der Untersuchung dieser Frage nicht wenigstens tendenziell Erkenntnisse gewinnen ließen, die mehr oder weniger auch für den ganzen Westen Deutschlands Gültigkeit hätten. Die Berliner AfD gilt in der öffentlichen Wahrnehmung – auch in der ihrer Gegner – allgemein als vergleichweise moderat, verglichen mit anderen Landesverbänden im Osten der Republik. Die westlichen Landesverbände gelten insgesamt als moderater als die östlichen. Und ein Witzbold ist, wer ernstnimmt, was ausgerechnet aus den Reihen der Berliner Wählerschaft über die AfD behauptet wird, nämlich, daß sie zu radikal in der falschen Richtung unterwegs sei. Die AfD wäre wahrscheinlich insgesamt gut beraten, damit aufzuhören, sich lieb Kind bei den radikal einseitigen Medien machen zu wollen, um von dort ein „bißchen weniger Dresche“ zu beziehen. Schon lange hat sich zumindestens bei den westlichen Landesverbänden der Eindruck verflüchtigt, als wollten sie ernsthaft „den Stier bei den Hörnern packen“. Es scheint in der AfD große Teile zu geben, die sich in ihrer Phantasie noch immer einen wertkonservativen Wunschwähler zusammenbasteln, den sie gern repräsentieren würden. Man darf bezweifeln, daß es diese phantasievoll konstruierte Figur überhaupt noch in ausreichender Zahl gibt, um mit ihr zusammen bundesweit die gewünschten Änderungen herbeizuführen. Und wo es sie gibt, ist sie vermutlich so gut situiert, daß sie es sich leisten kann, ein parteipolitisches Gewohnheitstier zu sein nach dem Motto: Hunderttausend Euro im Jahr mehr oder weniger – was soll´s? Ich wähle die CDU.So lange in Teilen der AfD die Illusion herrscht, sie könne es sich leisten, „Jogginghosenträger“ unbeachtet zu lassen, wird wohl von einer Fehlkalkulation beim Umfang des eigenen Wählerpotentials zu reden sein. Bei der Frage an den Wähler, wen er wohl am ehesten mit dem Begriff „Arroganz“ in Verbindung bringen würden, Meuthen oder Chrupalla, wäre Meuthen vermutlich glasklarer Sieger. Die Bundestagswahl zeigt, daß das Wählerpotential, auf das die „Liberalen“ in der AfD spekuliert hatten, von der FDP abgeräumt worden ist. Die Partei befindet sich in einer Zwickmühle.Würde sie sich entlang ihrer innerparteilichen Bruchlinie aufspalten, könnte sich die CDU, höchstwahrscheinlich Oppositionspartei in der Zukunft, ermutigt fühlen, das als Rechtfertigung dafür herzunehmen, ihre Blockadehaltung der AfD gegenüber aufzugeben und dem „Meuthenflügel“ der AfD schöne Augen zu machen. Als ernstzunehmende Alternative für Deutschland wäre die AfD dadurch Geschichte. Ein Teil hätte sich in das System integriert, gegen das es ursprünglich einmal hätte gehen sollen. Der übriggebliebene Flügel würde mehr mediale Dresche beziehen als je zuvor.Ohne also heute schon eine felsenfeste Überzeugung zu äußern, läßt sich sagen, daß es wohl der liberale Flügel innerhalb der AfD ist, der sich dringend überlegen sollte, wie er sich künftig präsentieren will – und ob nicht ein etwas weniger konzilianter Ton, ohne daß deswegen an den inhaltlichen Positionen etwas geändert werden müsste, dringend angezeigt wäre. Franz Josef Strauß (+1988) war nicht zuletzt wegen seiner rhetorischen Robustheit ein wahrer Volkstribun. Es wäre verfehlt, seine damalige Beliebtheit allein an seinem überlegenen Intellekt festzumachen.Wichtig: Die MedienEine große Aufgabe für die AfD wäre auch, dem Wahlvolk gänzlich attitüdenfrei, streng nach wissenschaftlich belegbaren Erkenntnissen und keinesfalls von oben herab, behutsam beizubringen, wie die kognitions- und massenpsychologischen Mechanismen funktionieren, denen es permanent zum Opfer fällt. Fatal wäre es, sich in der Kommunikation mit dem Wähler genau dieser Mechanismen zu bedienen, ganz egal, wie wirksam sie kurzfristig auch immer sein mögen. Die etablierte Softsprecherei eignet sich nicht dazu, schonungslos die Wahrheit zu sagen. Die eignet sich höchstens dazu, wahre Sachverhalte rhetorisch unsichtbar zu machen. Die Bewußtseinbildung der Massen erfordert viel Fingerspitzengefühl, da sich gerade heutzutage niemand gern über sich selbst belehren läßt. Jeder weiß schließlich schon alles – und das letzte, womit der Deutsche heutzutage klarkäme, wäre, daß er sich retrospektiv als einen Schildbürger begreifen müsste. Ein solcher Versuch kann also übelst nach hinten losgehen, wenn man es nicht vorsichtig genug anstellt. Unerläßlich ist er trotzdem angesichts der Verlockungen des Resultats. Wer es schafft, im Volk ein Bewußtsein dafür zu etablieren, mit welchen fiesen Methoden es von den Medien und dem angeschlossenen Altparteienkartell seit Jahren gesteuert worden ist, dem werden am Ende die Wählerherzen nur so zufliegen. Die AfD wäre womöglich gut beraten, sich stärker auf die Medien, ihren eigentlichen Widersacher, zu konzentrieren, ohne dabei den parteipolitischen Gegner aus dem Auge zu verlieren. Es sind die Medien, die das Bewußtsein formen, aus dem heraus dann gewählt wird. Wer es hinbekommt, den Medien-Mainstream im Volksbewußtsein zu desavouieren, der hat den parteipolitischen Gegner automatisch mitbesiegt. Der Wähler wählt ja nicht, weil er etwas wüsste, sondern weil er etwas glaubt. Glaubt er den Mainstream-Medien nicht mehr, ist praktisch der ganze Krieg gewonnen. – „It´s the media, stupid!“