Forbes sagt der EU für diesen Winter eine Katastrophe bei der Energieversorgung voraus

Energiekrise

Die Rekordpreise für Gas in der EU sind nur das Symptom der Krise, die Europa bevorsteht. Experten sprechen inzwischen offen davon, dass Europa in diesem Winter eine „Katastrophe“ droht. Das ist auch in der Politik bekannt, wie ein Beispiel aus einer deutschen Talkshow zeigt.

von Anti-Spiegel 4. Oktober 2021 21:49 Uhr

Über die Lage am Gasmarkt habe ich in den letzten Tagen sehr viel und oft berichtet. Das Gasdefizit ist eine direkte Folge aus mehreren schweren Fehlern der EU-Kommission und auch nationaler Regierungen. Diese Fehler zeigen nun ihre Wirkung.

Die Energiewende ist schuld an der Energiekrise

Der erste Fehler war die über’s Knie gebrochene Energiewende. Die EU-weite Abschaltung von Kohlekraftwerken und auch noch die deutsche Abschaltung der Atomkraftwerke und der gleichzeitige Versuch, die fehlende Energieproduktion durch alternativen Energien ersetzen, hat im Sommer die Katastrophe eingeleitet. Der Sommer war extrem windstill, weshalb das Erdgas nicht in die Gasspeicher geleitet werden konnte, sondern zur Energieerzeugung verfeuert werden musste.

Alternative Energien sind nicht in der Lage, stabil und zum benötigten Zeitpunkt die nötige Energie zu liefern, weil eben nicht immer Wind weht und nicht immer die Sonne scheint. Dieses elementare Problem führen Kritiker seit Jahren an, aber die Klima-Ideologen ignorieren das Argument konsequent.

Hinzu kommt, dass man die Energie nicht speichern kann. Wenn also zu viel Wind weht, müssen Windräder vom Netz genommen werden, weil man die produzierte Energie (im Gegensatz zu fossilen Energieträgern) nicht lagern kann, bis man sie braucht. Wenn aber zu wenig Wind weht, würden die Lichter ausgehen, wenn man sich auf alternative Energiequellen verlassen würde.

Beim Gas ist es so, dass die Pipelines und Tanker nicht ausreichen, um den Bedarf während der Heizsaison zu decken. Daher werden die Gasspeicher im Sommer gefüllt, damit im Winter genug Gas zu Verfügung steht. Die Speicher sind normalerweise zu Beginn der Heizsaison Anfang Oktober zu 100 Prozent gefüllt, in diesem Jahr sind sie derzeit aber im Durchschnitt nur zu knapp über 70 Prozent gefüllt. Der Grund: Der Mangel an Energieproduktion durch alternative Energien im Sommer, der dazu geführt hat, dass das Gas verfeuert und nicht in die Speicher geleitet wurde.

Die hohen Gaspreise sind hausgemacht

Daher hat sich parallel das zweite Problem angebahnt, über das ich schon seit Juli berichte: Die Gaspreise steigen.

Auch das ist ein hausgemachtes Problem der EU, denn die EU-Kommission hat vor einigen Jahren die „Liberalisierung“ des Gasmarktes beschlossen. Das bedeutet eine Abkehr von langfristigen Verträgen und einen Handel von Gas an der Börse, womit Gas zu einem Spekulationsobjekt gemacht wurde. Das hat die Gaspreise seit Sommer in die Höhe getrieben und nun dafür gesorgt, dass sie in den letzten Wochen regelrecht explodiert sind und schon bei 1.200 Dollar pro 1.000 Kubikmeter Gas angekommen sind.

Gazprom beliefert die EU mit langfristigen Verträgen, bei denen der Gaspreis über eine Formel basierend auf einem langfristigen Mittelwert des Ölpreises berechnet wird. Daher gibt es bei diesen langfristigen Verträgen keine heftigen Preisschwankungen, was für beide Seiten gut ist, denn es schützt die Abnehmer des Gases vor solchen Preisexplosionen, wie wir sie jetzt in der EU sehen, und es schützt den Verkäufer gegen plötzliche Preisabstürze. Beide Seiten haben somit stabile Preise und Planungssicherheit.

Gazprom verkauft sein Gas zum Beispiel an Deutschland für etwa 220 Euro pro 1.000 Kubikmeter. Daran hat sich nichts geändert, trotzdem kostet Gas in der EU nun plötzlich 1.200 Dollar pro 1.000 Kubikmeter. Das freut die Importeure, die die Differenz in ihre Taschen stecken können, die Rechnung zahlen die Verbraucher.

Ohne die Liberalisierung des Gasmarktes, die sich die „Fachleute“ der EU-Kommission ausgedacht haben, wäre vielleicht – dank der Energiewende – nicht mehr Gas da, als jetzt. Aber zumindest würde der Preis für die Verbraucher trotzdem stabil bleiben. Wobei: Mehr Gas könnte vorhanden sein, aber dagegen wehren sich ja die Gegner der Pipeline Nord Stream 2, deren Fertigstellung wegen des Widerstandes um über ein Jahr verzögert wurde.

Die „Freunde“ aus den USA

Die Gegner von russischem Gas und von Nord Stream 2 führen an, man könne amerikanisches Frackinggas, das als Flüssiggas (LNG) mit Tankern geliefert wird, importieren, um von Russland unabhängiger zu werden. Russland – so deren Behauptung – könne sein Gas als Druckmittel einsetzen, daher müsse man auf die Verbündeten aus den USA setzen und deren Frackinggas kaufen, auch wenn es teurer ist.

Russland hat in den 50 Jahren, in denen es Gas nach Europa liefert, immer seine Verträge eingehalten, das Gas nie als Druckmittel missbraucht und stets treu geliefert, wenn man nur seine Gasrechnung bezahlt hat. Aber die Behauptung, Russland könne oder würde Gas als Druckmittel einsetzen, hält sich seit 50 Jahren.

In diesem Jahr hatten die USA, die großen Druck gegen Nord Stream 2 aufgebaut haben und gleichzeitig in der EU die Werbetrommel für ihr Flüssiggas rühren, die Möglichkeit, zu beweisen, dass sie ein verlässlicher Partner sind und mehr Gas liefern, um der EU aus der (wenn auch selbstverschuldeten) Gaskrise zu helfen. Aber die USA haben das Gegenteil getan, denn sie verkaufen ihr Flüssiggas meistbietend und nicht wie Gazprom per langfristiger Verträge. Und da die Gaspreise in Asien noch höher sind als in Europa, liefern die USA nun sogar weniger Gas nach Europa und schicken ihr Gas nach Asien.

Russland ist schuld!

Das war absehbar, denn die USA haben noch nie jemandem geholfen, sie haben immer als erstes ihren eigenen Vorteil im Blick. Aber trotzdem werden die Politiker, die in Europa als den USA treu ergebene Propagandisten weiterhin fordern, auf die USA zu setzen und Nord Stream 2 zu beerdigen, daraus nichts lernen.

Einer der deutschen Politiker, der die Tiefen des Rektums der USA besser kennt als jeder andere, ist Norbert Röttgen. Der hat am Sonntag bei der Talkshow von Anne Will gezeigt, dass er sehr wohl weiß, dass Europa in diesem Winter eine Katastrophe ins Haus steht, wenn der Winter nicht sehr mild wird. Allerdings hat er auch schon gezeigt, wem er dann die Schuld geben wird. Röttgen sagte (im Video ab Minute 49.10):

„Wir werden in diesem Winter erleben, dass Wladimir Putin mit Gas Gaspolitik macht und versucht, auf unsere Politik, auf die Außenpolitik Deutschlands, dadurch Einfluss zu nehmen, indem er mit Gas Machtpolitik macht.“

Die Deutschen werden, wenn es in Europa im Winter tatsächlich zu der sich abzeichnenden Katastrophe bei Strom und Heizung kommt, von Politik und Medien nichts davon erfahren, wie die EU diese Probleme in den letzten Jahren selbst geschaffen hat. Die Medien beginnen schon jetzt, das Thema vorzubereiten und mit dem Finger auf Gazprom zu zeigen, obwohl Gazprom alle seine Verpflichtungen erfüllt und in 2021 fast so viel Gas nach Europa gepumpt hat, wie im Rekordjahr 2018.

Aber davon weiß der deutsche Leser ja nichts und wenn er erst einmal friert, wird er den Unsinn, den ihm Politik und Medien erzählen, noch leichter glauben.

Die kommende Katastrophe

Auf der Seite des russischen Fernsehens wurde am 4. Oktober über einen Artikel von Forbes berichtet, der das Thema behandelt hat. In den europäischen Ausgaben von Forbes findet man das wohl nicht, außerhalb Europas berichten aber auch transatlantische und neoliberale Magazine offen darüber, worin das Problem in Europa tatsächlich liegt. Ich habe den Artikel des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Forbes: Nicht einmal Russland kann Europa vor der drohenden Katastrophe retten

Die von der Europäischen Union verfolgte Politik des Übergangs zu sauberen Energiequellen könnte in diesem Winter zu einer Katastrophe in Europa führen, schreibt Forbes.

Der Rekordanstieg der weltweiten Gaspreise könnte viele Wärmeraftwerke dazu veranlassen, auf Öl oder Kohle umzusteigen, wodurch sich die Kosten für diese Brennstoffe erhöhen würden.

Im Fall von Europa könnte dies jedoch aufgrund der Politik der Umstellung auf grüne Energie nicht funktionieren. Viele europäische Länder haben Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke abgeschaltet.

Diese Politik führte im Sommer zu einer Krise, da die Windkraftanlagen in Europa wegen des schwachen Windes stillstanden und die Wärmekraftwerke gezwungen waren, auf Heizöl umzustellen.

Kohlekraftwerke konnten die Situation nicht retten, da viele Bergwerke in Europa geschlossen sind.

Die Gaskrise wird allmählich zu einer globalen Krise, und es wird ein Jahrzehnt dauern, um die Schwierigkeiten zu überwinden, die bei der Umstellung auf saubere Energiequellen aufgetreten sind, meinen Experten.

Nach Angaben von Wood MacKenzie und Rystad Energy werden sich die Investitionen für die Erschließung neuer Förderquellen auf Hunderte von Milliarden Dollar belaufen. „Das lässt sich nicht über Nacht beheben“, stellt Forbes fest. Europa hat einfach nicht so viel Geld.

Was die Erhöhung der Gaslieferungen aus den USA nach Europa betrifft, so schweigt die EU zu diesem Thema. Das ist ein Tabuthema, denn die USA haben ihr Flüssiggas von Europa nach Asien umgeleitet, weil die Gaspreise und die Gewinne dort höher sind.

Gazprom hingegen hat seine Gasexporte nach Europa stark erhöht, aber die Lieferungen sind aufgrund der voll ausgelasteten Logistikkapazität begrenzt.

Ende der Übersetzung

In meinem neuen Buch „Abhängig beschäftigt – Wie Deutschlands führende Politiker im Interesse der wirklich Mächtigen handeln“ habe ich mich sehr intensiv mit weiteren Themen rund um die komplexen Zusammenhänge der gesteuertern Politik im Westen und deren brisanten Verstrickungen mit einer ganzen Reihe von Organisationen beschäftigt und dabei einiges zu Tage gefördert.

Das Buch ist aktuell in diesem Monat erschienen und ausschließlich hier direkt über den J.K. Fischer Verlag bestellbar.Hier geht es zum neuen Buch

Quelle

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