Die Pandora-Papers …

.. kommen für Olaf Scholz gerade recht

Von „Leaks“, also einem „Leck“ ist die Rede, aber das Bild ist mehr als schief. Die „Pandora-Papers“ – 11,9 Millionen Dokumente, die das „International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ)“ jetzt bekannt machen – sickerten wohl kaum unabsichtlich einfach so durch, wie Öl durch ein Leck aus einem Tank oder Wasser, das in ein Schiff eindringt. Die Daten, die heimliche Geschäfte Hunderter Politiker, teilweise noch aktiv und regierend, mit Briefkastenfirmen in sogenannten Steueroasen (Offshore) enthüllen, wurden wohl eher mit bestimmten Absichten freigesetzt.

Unter investigativen Journalisten stellt man sich wohl am ehesten solche vor, die aktiv nach Informationen suchen. In diesem Fall (und wahrscheinlich auch bei den meisten anderen journalistischen Aufdeckungen) war das aber offensichtlich umgekehrt: Sie wurden aufgesucht. Die Daten wurden den Journalisten vermutlich von einer Person oder (sehr viel wahrscheinlicher) einer Organisation zugestellt. Sie stammen nicht alle aus einer Quelle, sondern laut ICIJ aus 14 verschiedenen Unternehmen, die Offshore-Konstrukte anbieten. Da ist es naheliegend, keinen einzelnen Whistleblower wie Edward Snowden anzunehmen, sondern eine Organisation, die eine solch gigantische nicht öffentliche, vermutlich sogar besonders gesicherte Datenmenge aus mehreren Unternehmen zusammengetragen hat. Zum Beispiel einen Geheimdienst. Dass eine solche Organisation dies womöglich mit eigenen politischen oder wirtschaftlichen Interessen getan haben dürfte, ist ebenfalls naheliegend.

Das ICIJ stellt zwar im Zusammenhang mit den Pandora Papers keine unmittelbaren konkreten Forderungen, aber die offen geführte Klage über die „Power Players“, die das Offshore-System beenden könnten, es aber zum eigenen Nutzen missbrauchen und ihre Länder verarmen lassen, baut einen moralischen Druck auf zugunsten der politischen Pläne für eine globale Mindestbesteuerung, also zur Austrocknung von Steueroasen. Im Juli erst hatten sich die Finanzminister der G20-Staaten darauf geeinigt, dass Unternehmen einen globalen effektiven Steuersatz von mindestens 15 Prozent auf ihre Gewinne zahlen sollen, um „dem schädlichen Steuerwettbewerb um die geringsten Steuern ein Ende“ zu setzen. Die Einigung war ein großer Erfolg für den deutschen Finanzminister (und Kanzlerkandidaten) Olaf Scholz und seinen französischen Amtskollegen Bruno Le Maire, die beide die Initiative vorangetrieben hatten.

Im Bundesfinanzministerium war man denn auch heute offensichtlich entspannt: „Erstvermutungen legen nah, dass der Deutschlandbezug jetzt erst mal nicht so groß ist“, sagte eine Sprecherin und wies auf die geplante globale Mindeststeuer für international agierende Konzerne hin, die wichtig sei, um Steueroasen auszutrocknen. In der Liste der betroffenen Nationalitäten auf der Website des ICIJ ist nur eine deutsche Person genannt: das frühere Top-Model Claudia Schiffer, die in London lebt.
Quelle

2 Kommentare zu „Die Pandora-Papers …

  1. Oh, hier funktioniert etwas nicht. Hätte den Artikel gerne gelesen. Als ich heute auf die Seite von Multipolar zugreifen wollte, kam es zu einer Aufforderung, sich anzumelden. Das war doch nicht immer so?!

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  2. Hallo Lars, tut mir leid, das das nicht funktioniert; ich kann hier nur den originallink welchen auch Frau Herman verwendet hat weitergeben! https://multipolar-magazin.de/artikel/ich-kann-nicht-mehr. Das müsste eigentlich gehen. (Ist bei mir der Fall) Das hat urheberrechtliche Gründe; Ich hätte diesen sehr interessanten Artikel auch gerne weiterverbreitet. (Der hat es sicherlich verdient), möchte aber nicht in rechtliche Schwierigkeiten geraten. (Sorry)

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