Was hinter der Veröffentlichung der Pandora-Papers stecken könnte

Pandora-Papers

Alles wiederholt sich, das scheint auch für die Panama-Papers zu gelten. Mit aktuellen der Veröffentlichung der Pandora-Papers scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Ein Blick zurück auf den Skandal um die Panama-Papers könnte zeigen, was wir dieses Mal zu erwarten haben.

von Anti-Spiegel 5. Oktober 2021 01:07 Uhr

Die Parallelen zwischen den Panama-Papers in 2016 und den aktuellen Pandora-Papers sind größer als man denkt. Das geht schon damit los, dass die Organisation, die die Papers veröffentlicht hat, in beiden Fällen die gleiche ist. Dabei handelt es sich um das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). Daher lohnt zunächst ein Blick auf dieses Konsortium.

Die Hintermänner

Das ICIJ hat sich offiziell die die Aufdeckung von „Machtmissbrauch, Korruption und Pflichtverletzung durch mächtige öffentliche und private Institutionen“ zur Aufgabe gemacht. Das klingt gut!

Aber wie glaubwürdig ist das, wenn das Konsortium ICIJ ausgerechnet von den mächtigsten und reichsten Männern der USA finanziert wird? Auf seiner Seite sagt das Konsortium selbst, dass es unter anderem von der Adessium Foundation, den Open Society Foundations des Finanzoligarchen George Soros, dem Sigrid Rausing Trust und der Ford Foundation finanziert wird.

Das sind für Stammleser des Anti-Spiegel alles alte Bekannte, die alle nicht viel mit den von ICIJ genannten Aufgaben und Zielen am Hut haben, im Gegenteil. Adessium ist eine geheimnisvolle Stiftung, über die die niederländische Regierung Gelder an Organisationen verteilt, von denen sie anscheinend verschleiern will, dass der niederländische Staat sie finanziert. Ansonsten könnte die niederländische Regierung sie auch direkt finanzieren. Soros und Ford sind altbekannte Oligarchen der USA, die kaum ein Interesse daran haben dürften, dass ein „Journalisten Konsortium“ ihnen (und vor allem ihren „mächtigen Institutionen“) mal genauer auf die Finger schaut.

Und auch der Sigrid Rausing Trust ist für Anti-Spiegel-Leser ein alter Bekannter, der vor allem transatlantische Projekte finanziert, die im geopolitischen Interesse der USA sind. Und alle diese Finanziers der ICIJ haben eines gemeinsam: Sie alle sind auch maßgebliche Finanziers von Bellingcat, daher können Sie in diesem Artikel über die Finanzierung von Bellingcat mehr über alle diese Organisationen erfahren.

Die Gründer des ICIJ

Gegründet wurde das ICIJ vom Center for Public Integrity (CPI), das ebenfalls eine NGO ist und als sein Ziel auch die Offenlegung von „Machtmissbrauch, Korruption und Pflichtversäumnis einflussreicher öffentlicher und privater Institutionen“ angibt. Das klingt wieder gut!

Aber auch hier stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit, denn auch unter den Finanziers von CPI sind neben einer Reihe transatlantischer NGOs auch wieder Ford und Adessium zu finden. Auch diese CPI lässt sich also von „einflussreichern öffentlichen und privaten Institutionen“ bezahlen, denen man doch angeblich so genau auf die Finger schauen möchte.

Wenn wir aber wissen, dass diejenigen, die damals hinter der Veröffentlichung der Panama-Papers gesteckt haben und heute hinter der Veröffentlichung der Pandora-Papers stehen, selbst zu den reichsten und mächtigsten Menschen der Welt gehören, wie glaubwürdig ist dann das offiziell verbreitete Mantra, es handle sich um die Arbeit von unabhängigen und kritischen Journalisten? Könnte es vielleicht eher sein, dass man sehr genau geprüft hat, welche Daten man welchen Journalisten an die Hand gibt, damit die über das berichten können, was sie in den Daten gefunden haben?

Oder anders gefragt: Wenn transatlantische Strippenzieher hinter diesen Veröffentlichungen stehen, wie wahrscheinlich ist es dann, dass dahinter keine Intrige transatlantischer Kräfte steckt?

Die Panama-Papers

Die Geschichte der Panama-Papers bestätigt die These, dass es sich bei den Panama-Papers um eine gewollte Veröffentlichung gehandelt hat. Wer sich noch an den Medienwirbel aus der Zeit erinnert, der erinnert sich auch noch, dass damals in den Medien fast nur die Rede von Putin gewesen ist. Dabei war Putin in den Papieren gar nicht zu finden, sondern lediglich einige reiche Russen, die als Putins enge Freunde dargestellt wurden.

Die Panama-Papers wurden instrumentalisiert, um eine weitere Medienkampagne gegen Putin und Russland loszutreten. Dass in den Papieren – im Gegensatz zu Putin – einige westliche und pro-westliche Staatschefs auftauchten, die der transatlantischen Linie treu waren, werden die wenigsten mitbekommen haben, denn darüber haben die Medien kaum berichtet.

Während sich alle noch an eine – gar nicht vorhandene – Verbindung von Putin zu den Panama-Papers erinnern, werden nur die wenigsten wissen, dass der damalige ukrainische Präsident Poroschenko in den Papieren aufgetaucht ist. Oder auch der Vater des damaligen britischen Premierministers Cameron. Die beiden wurden allerdings – im Gegensatz zu Putin – von der Presse nicht wochenlang wegen der Panama-Papers durch die Schlagzeilen geschleift.

Die Panama-Papers waren also ganz eindeutig ein Propaganda-Instrument, das man genutzt hat, um Stimmung im Sinne transatlantischer Interessen zu machen und wer den transatlantischen Interessen treu ergeben war, der wurde von den Medien möglichst nicht erwähnt, auch wenn er über Steuersparmodelle Millionen am Fiskus vorbeigeschleust hat.

Dass solche Veröffentlichungen immer auch ein Signal an alle anderen sind, das aussagt, dass man Dreck über jeden finden kann, der darüber nachdenkt, aus der transatlantischen Linie auszuscheren, sei nur nebenbei erwähnt.

Die Pandora-Papers

Nun dürfte sich die Geschichte mit den Pandora-Papers wiederholen. Es sind die gleichen Organisationen, die die Papers nun öffentlich gemacht haben und sogar die ersten Schlagzeilen erinnern an die Panama-Papers. Der Spiegel titelte schon am Tag der Veröffentlichung der Pandora-Papers „Pandora Papers – Kreml spricht von »unbegründeten Behauptungen« über Putins Umfeld“ und schrieb:

„Nach den Enthüllungen der Pandora Papers hat der Kreml die Berichte über unerklärlich große Vermögen bei Vertrauten von Präsident Wladimir Putin zurückgewiesen. »Dies ist nur eine Reihe völlig unbegründeter Behauptungen«, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Montag. In den Pandora Papers findet sich Medienberichten zufolge unter anderem der Name einer angeblichen Geliebten des russischen Präsidenten.“

Das Déjà-vu

Wieder taucht Putins Name nicht in den Papers auf, aber schon die ersten Schlagzeilen über die Pandora-Papers machen Putin zum Thema. Das nenne ich ein wahres Déjà-vu!

Und es gibt noch ein Déjà-vu: Auch der aktuelle ukrainische Präsident taucht wieder in den Papers auf. Es geht um 40 Millionen Dollar, die „Selensky und sein Umfeld“ auf Offshore-Konten gebracht haben sollen, was in der Ukraine gerade für politische Aufregung sorgt. Spiegel-Leser erfahren davon aber in den ersten Artikeln über die Pandora-Papers nichts, da ist nur von Putin die Rede, der in den Papieren aber gar nicht genannt wird.

Und nun?

Allerdings könnte sich die Geschichte mit Selensky dieses Mal anders entwickeln, als damals bei Poroschenko, denn Selensky hat seine Gönner in der Ukraine und auch in den USA inzwischen sehr verärgert. Ich habe schon Zweifel geäußert, dass Selensky bis zum regulären Ende seiner Amtszeit durchhält, zu groß ist der Ärger allenthalben um ihn.

Er hat US-Präsident Joe Biden nicht nur dadurch verärgert, dass Selensky nach seiner Wahl sehr offen für Gespräche mit Trump war, sondern auch noch nach Bidens Amtsantritt, als er aus Geldnot angefangen hat, in der Ukraine Leute zu feuern, die seit 2015 unter Bidens Schutz stehen, um Zugriff auf Geldströme zu bekommen. Das war April, die Details finden Sie hier.

Die Verärgerung Bidens konnte man deutlich sehen, denn als Biden im Juni in Europa war, hat er auf Selenskys Betteln um ein Treffen nicht mal reagiert und ein dann für Juli angesetztes Treffen im Weißen Haus mehrmals verschoben, sodass es schließlich erst Anfang September stattgefunden hat. Die Geringschätzung, die man Selensky in den USA entgegenbringt konnte man an vielen Details erkennen: Zum Beispiel daran, dass Medien ihn „Präsident Lewinsky“ nannten oder an dem Gastgeschenk, das er überreicht bekam; es war ein Buch mit dem Titel „Das Schädelhirntrauma“. Es gab viele weitere Beispiele.

Dass CNN Selensky unmittelbar nach dessen USA-Besuch mit einer Enthüllung über die ukrainische Beteiligung an einer verpatzten Geheimdienstoperation bis auf die Knochen blamiert hat, weil Selensky vorher immer jede Beteiligung an dem Fiasko abgestritten hatte, war nur noch die Kirsche auf der Torte. Und es war natürlich ein deutliches Signal nach Kiew, denn zum Beispiel mit Poroschenko, der Biden und Obama seinerzeit nie verärgert hat, hätte CNN sich so etwas nicht erlaubt.

Daher kann es sein, dass die Pandora-Papers nun genutzt werden, um Selensky sturmreif zu schießen. Das muss nicht so kommen, aber es wird sehr interessant, die weiteren Entwicklungen zu beobachten. Immerhin hat das ICIJ, das jetzt angefangen hat, die Pandora-Papers zu veröffentlichen, schon angekündigt, dass man dieses Mal noch viele Wochen lang immer neue Portionen der Papiere öffentlich machen wird.

Die transatlantische Operation

Dass es sich dabei um eine transatlantische Operation handelt, zeigt schon die Herkunft der in den Papieren genannten Politiker, von denen kaum jemand aus dem Westen (und natürlich niemand aus den USA) stammt. Und dass es sich um eine Operation in Sachen Ukraine handeln könnte, zeigt sich daran, dass die meisten in den Papieren genannten Politiker aus der Ukraine stammen.

Wir können also gespannt darauf warten, wozu die Papiere dieses Mal benutzt werden.

In meinem neuen Buch „Abhängig beschäftigt – Wie Deutschlands führende Politiker im Interesse der wirklich Mächtigen handeln“ habe ich mich sehr intensiv mit weiteren Themen rund um die komplexen Zusammenhänge der gesteuertern Politik im Westen und deren brisanten Verstrickungen mit einer ganzen Reihe von Organisationen beschäftigt und dabei einiges zu Tage gefördert.

Das Buch ist aktuell in diesem Monat erschienen und ausschließlich hier direkt über den J.K. Fischer Verlag bestellbar.Hier geht es zum neuen Buch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: