Pressefreiheit

Wie das russische Fernsehen den Friedensnobelpreis für einen kritischen russischen Journalisten kommentiert

Der Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr an einen russischen Journalisten und eine philippinische Journalistin gegangen, die für ihren Kampf um die Meinungsfreiheit ausgezeichnet wurden. Da der russische Preisträger jedoch hohe staatliche Auszeichnungen in Russland verliehen bekommen hat und als Berater von russischen Ministern tätig ist, erschließt sich nicht, wofür er ausgezeichnet wurde. von Anti-Spiegel 11. Oktober 2021 12:00 Uhr Russland wird immer als Land dargestellt, in dem die Presse unterdrückt oder zensiert wird und in dem keine Meinungsfreiheit herrscht. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an einen regierungskritischen russischen Journalisten „für seinen Kampf um die Meinungsfreiheit“ bestätigt das in den Augen der Menschen im Westen, zumal die westliche Presse entsprechend berichtet hat. Da dürfte es überraschen, dass der russische Preisträger, der zwar Chefredakteur einer regierungskritischen Zeitung in Russland ist, trotzdem nicht unterdrückt wird. Im Gegenteil wurde er in Russland für seine Arbeit mit mehreren hohen russischen Orden ausgezeichnet und er ist auch Berater der russischen Regierung, die sehr wohl weiß, dass man nur dann gute Entscheidungen treffen kann, wenn man auch seine Kritiker anhört.Daher dürfte der Kommentar, den der – von den westlichen Medien so bezeichnete – russische „Chefpropagandist“ Kiselev am Sonntag in seiner Sendung „Nachrichten der Woche“ zu der Auszeichnung abgegeben hat, viele im Westen überraschen. Ich habe den Kommentar übersetzt. Beginn der Übersetzung:Das norwegische Nobelkomitee hat die Namen der diesjährigen Friedensnobelpreisträger bekannt gegeben. Es handelt sich um zwei Personen, die wir in der offiziellen Reihenfolge nennen werden: Maria Ressa, eine Frau mit doppelter Staatsbürgerschaft, Philippinen und USA, und Dmitri Muratow, ein Russe. Beide sind Journalisten.Maria Ressa ist Absolventin der amerikanischen Princeton-Universität, die das CNN-Büro auf den Philippinen geleitet und dann eine private Online-Nachrichtenagentur gegründet hat. Maria Ressa wurde von den philippinischen Behörden strafrechtlich verfolgt. Wahrscheinlich aus diesem Grund verweist die Erklärung des norwegischen Nobelkomitees auf die Bemühungen von Maria Ressa und Dmitri Muratov um die Verteidigung der Redefreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden ist.Der russische Friedensnobelpreisträger ist im Gegensatz zu Maria Ressa Träger des Ordens der Freundschaft und des russischen Ehrenordens. Im März 2014 unterzeichnete Dmitrij Muratow mit anderen einen gemeinsamen Brief, in dem er die Wiedervereinigung Russlands mit der Krim als „höchst gefährliches Spiel“ bezeichnete und davor warnte, dass „eine echte Katastrophe auf Russland zukommt: wirtschaftlich, politisch und humanitär“. Gleichzeitig kann von einer Verfolgung Dmitry Muratovs durch die Behörden jedoch keine Rede sein. Er ist ein wohlhabender Mann, ein respektables Mitglied der Gesellschaft, ohne den Heiligenschein der Opferrolle. Er ist Mitglied des Öffentlichen Rates des Innenministeriums der Russischen Föderation. Im Gegensatz zu Maria Ressa läuft es für Muratow gut. Der Nobelpreis ist eine schöne Verbeugung vor seiner Erfolgsgeschichte.Der frischgebackene Nobelpreisträger wurde von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, dem Pressesprecher von Premierminister Mischustin Beljakow, der Leiterin der Wahlkommission Pamfilowa und dem Vorsitzenden des russischen Journalistenverbandes Solowjow, beglückwünscht. Die wortreichsten Glückwünsche an die Preisträger kamen aber natürlich von US-Präsident Biden.Es ist nichts Persönliches, aber wenn es um Meinungsfreiheit auf internationaler Ebene geht, die uns zu Frieden und Demokratie führt, muss man sich schon sehr anstrengen, wenn man Julian Assange oder Edward Snowden nicht bemerkt. Was Russland anbelangt, so hat sich die Preisverleihung gleich mehrfach als falsch erwiesen. Sie ist unverhältnismäßig und eindeutig peinlich für den Preisträger selbst. Und Dmitri Muratow, ein Mann, der sich mit Verhältnismäßigkeiten auskennt, spürt all das wahrscheinlich selbst.Wenn frühere Friedensnobelpreise an so große Persönlichkeiten wie Henri Dunant, den Begründer des Internationalen Roten Kreuzes – er war der erste Preisträger – und später Fridtjof Nansen, der die Internationale Flüchtlingsorganisation ins Leben rief, an Martin Luther King, der dem Kampf für die Rassengleichheit in den USA zum Opfer fiel, oder an Willy Brandt, deutscher Bundeskanzler, für den Abbau der Spannungen zwischen Ost und West verliehen wurden; oder auch an unsere Landsleute, den Akademiker Andrej Sacharow und den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, die alle sicherlich bedeutende Persönlichkeiten sind und Einfluss auf das Weltgeschehen hatten – man kann über sie streiten, aber ihr großer Einfluss lässt sich nicht leugnen -, fragen die Menschen in aller Welt, wenn sie die Namen der neuen Preisträger hören, als erstes: „Wer ist das?“ Wer ist zum Beispiel diese Maria Ressa? Sie ist wahrscheinlich ein sehr verdienter Mensch, nicht schlechter als andere, aber wo ist die Größe ihres Verdienstes für die Welt?Wie schwer ist es zu bestreiten, dass auch die geisteswissenschaftlichen Nominierungen für den Nobelpreis in letzter Zeit insgesamt marginalisiert und damit abgewertet wurden. Wie war es denn früher? So wurde zum Beispiel 1957 der Nobelpreis für Literatur „für seinen großen Beitrag zur Literatur, der die Bedeutung des menschlichen Gewissens ans Licht gebracht hat“ an Albert Camus verliehen. Aber wer konkurrierte mit ihm unter den Nominierten? Arnold Toynbee, Alberto Moravia, Lyon Feuchtwanger, Samuel Beckett, Jean-Paul Sartre, Boris Pasternak… Und was ist jetzt? Literaturnobelpreisträger ist Abdulrazak Gurnah aus Tansania, der in England lebt. Die Konkurrenz war so, dass seine Auswahl zufällig erscheint. Es ist eine Abwertung des Preises.Ende der ÜbersetzungIn meinem neuen Buch „Abhängig beschäftigt – Wie Deutschlands führende Politiker im Interesse der wirklich Mächtigen handeln“ habe ich mich sehr intensiv mit weiteren Themen rund um die komplexen Zusammenhänge der gesteuertern Politik im Westen und deren brisanten Verstrickungen mit einer ganzen Reihe von Organisationen beschäftigt und dabei einiges zu Tage gefördert.Das Buch ist aktuell in diesem Monat erschienen und ausschließlich hier direkt über den J.K. Fischer Verlag bestellbar.

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