Wettrüsten

Das russische Fernsehen über die letzten Tests der Hyperschallrakete Zirkon

von Anti-Spiegel 11. Oktober 2021 10:00 Uhr

Der Test der Hyperschallrakete Zirkon von einem russischen Atom-U-Boot aus hat im Westen kaum Schlagzeilen gemacht, er war für Experten aber eine Sensation. Russland hat bereits mehrere Hyperschallraketen in Dienst gestellt, nun kommt auch eine schiffsgestützte Version hinzu, die als Flugzeugträgerkiller gefürchtet ist, weil sie zielgenau ist, aber wegen ihrer hohen Geschwindigkeit nicht abgefangen werden kann. Aufgrund des Sprengkopfes und der gigantischen kinetischen Energie beim Einschlag dürfte eine Zirkon ausreichen, um einen Flugzeugträger zu versenken. Und notfalls kann die Zirkon sogar Atomsprengköpfe tragen und mit einer einzigen Rakete auch alle Begleitschiffe des Flugzeugträgers ausschalten. Über die russischen Hyperschallwaffen habe ich öfters berichtet, Informationen über die militärpolitischen Auswirkungen dieser neuen Waffe finden Sie hier.

Jetzt will ich den Bericht aus der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“ vom Sonntagabend über den Test der Zirkon übersetzen.

Beginn der Übersetzung:

Superwaffe Zirkon: Russland ist dem Westen sechs Jahre voraus

Der Hyperschall ist beherrschbar. Putins Trickfilme, über die der Westen vor drei Jahren noch lachte, sind keine Animation mehr, sondern eine objektive Realität, die der Westen spürt. Sie fliegt, sie trifft und man kann sie nicht abfangen.

Russland hat die Tests des Hyperschall-Marschflugkörpers Zirkon abgeschlossen. Der Start erfolgte vom U-Boot „Sewerodwinsk“ aus einer Tiefe von 40 Metern. Die Rakete ist in die Zielflugbahn eingetreten und die Ziele des Tests wurden erreicht.

Ein Bericht unseres Militärexperten.

Die schwarze Nacht über dem Weißen Meer wird vom Start der Rakete erleuchtet. Nach einigen Sekunden verschwindet sie hinter den Wolken. Und nur wenn man heranzoomt, kann man den Turm des U-Boots „Sewerodwinsk“ über dem Meer erkennen.

Die Hyperschallrakete Zirkon wurde zum ersten Mal von einem U-Boot aus gestartet. Früher wurde der Abschuss ausschließlich von Überwasserschiffen durchgeführt. Und dann gibt es einen weiteren Blitz. Dies ist auch das erste Mal, dass die Zirkon von einer Unterwasserposition aus gestartet wurde. Das atomgetriebene U-Boot der Nordflotte hat alle seine Aufgaben erfüllt.

„Alle Systeme funktionierten im normalen Modus, ohne jegliche Abweichungen. Die Testziele wurden erreicht, der Unterwasserstart der Rakete wurde ausgearbeitet und bestätigt. Damit sind die Tests vom U-Boot aus abgeschlossen. In Anbetracht der zuvor durchgeführten Tests hat die Hyperschallrakete Zirkon alle ihre Eigenschaften bestätigt“, sagte Alexander Moiseyev, Kommandeur der Nordflotte.

„Ich gratuliere allen, die an diesen Tests beteiligt waren, und hoffe, dass wir alle Arbeiten bald abschließen und die Rakete in Dienst stellen können“, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Es ist eine Superwaffe, die die Taktik der Seekriegsführung verändern könnte. Der Abschuss der Rakete von der Sewerodwinsk, dem Flaggschiff der „Yasen“-Klasse,- macht deutlich: U-Boote dieser Klasse werden in Zukunft die Meere beherrschen. Aber es gibt bereits Atom-U-Boote der Klasse „Yasen-M“, die modernisiert und damit noch fortschrittlicher sind.

Die „Sewerodwinsk“ ist nun weiter irgendwo in den kalten und windigen Gewässern des Weltmeeres im Einsatz. Und ich stehe auf dem zweiten U-Boot, ebenfalls aus der Kazan-Serie. Die U-Boote des Projekts Yasen-M sind in der Lage, alle Aufgaben sowohl über als auch unter Wasser zu erfüllen. Sie sind so maximal lautlos und werden nun auch mit den modernsten Hyperschallwaffen ausgestattet.

Eine Hyperschallrakete ist eine Rakete, die mindestens fünfmal schneller fliegt als der Schall. Die Zirkon ist acht- bis neunmal schneller als der Schall. Sie erreicht eine Geschwindigkeit von 10.000 Kilometern pro Stunde.

Das U-Boot Sewerodwinsk feuerte sie aus einer Tiefe von 40 Metern ab. Und die Rakete gewann sofort die unglaubliche Höhe von 40 Kilometern. Das ist die obere Schicht der Stratosphäre. Die Luftdichte ist dort dutzendfach geringer als auf der Erde. Es ist der Flug durch die dünne Luft, der ihr die gigantische Geschwindigkeit verleiht.

Das Land und die Welt erfuhren von dem neuen Waffentyp während Wladimir Putins Rede an die Nation im Jahr 2018. Die Rede des Präsidenten wurde von Computergrafiken begleitet, und viele im Westen glaubten zunächst nicht, dass Russland zu einem solchen Durchbruch fähig sei. Aber ein Jahr später war auch der Name Zirkon zu hören.

„Erinnern Sie sich, als ich beim letzten Mal sagte, es gäbe noch etwas zu sagen? Jetzt werden wir Ihnen nach und nach verraten, was wir auf Lager haben, nämlich die Zirkon mit einer Geschwindigkeit von Mach 9 und einer Reichweite von 1.000 Kilometern. Sie kann See- und Landziele treffen“, sagte Wladimir Putin.

Die Rüstungsingenieure haben die Aufgabe mit Bravour gemeistert. Hyperschallwaffen sind für alle Luftabwehrsysteme unverwundbar.

„Bei Hyperschallraketen ist die Wirksamkeit der Luftabwehr gleich Null, da eine manövrierende Anti-Schiffs-Rakete bei einer solchen Geschwindigkeit vom Luftverteidigungssystem nicht erfasst wird und die Flugabwehrraketen keine Zeit haben, dieses Ziel rechtzeitig zu verarbeiten“, erklärt der Militärexperte Viktor Murakhovsky.

Ein weiterer Vorteil der Zirkon ist, dass für diese Rakete keine neuen Schiffe benötigt werden. Bei den U-Booten der Yasen-Klasse ist bereits alles für den Start vorbereitet.

Einem ungeübten Auge würde diese Stelle im leichten Rumpf des Atom-U-Boots wahrscheinlich nicht sofort auffallen. Die Abdeckungen der Universalträgerraketen des Atom-U-Boots Kazan sind hier unter uns. Von hier aus starten die Raketen, die bei der russischen Marine im Einsatz sind, einschließlich der Zirkon-Raketen, die in naher Zukunft auf diese Weise gestartet werden.

Genau an dieser Stelle, hinter dem Turm des U-Boots, befinden sich die Abschussvorrichtungen, in die mehrere Dutzend Kalibr-, Onyx- oder Zirkon-Raketen eingesetzt werden können. Nach dem Start wurde die Leistungsfähigkeit dieser U-Boote auch von westlichen Experten anerkannt.

„Wenn man bedenkt, dass die Zirkon in der Lage ist, jedes große Schiff mit einem einzigen präzisen Treffer auszuschalten, scheint es, dass jedes U-Boot der Yasen-Klasse genug Feuerkraft besitzt, um eine Flugzeugträgerkampfgruppe zweimal auszuschalten“, schrieb die Zeitschrift Military Watch.

The National Interest nannte die Zirkon-Rakete den „großen Gleichmacher“. Eine Waffe, die auch ohne nukleare Ladung abschreckend wirkt.

Die „Sewerodwinsk“ und die „Kasan“ sind nur die ersten Schiffe einer ganzen Serie. Es wird insgesamt neun geben. Sie befinden sich bereits in den Werften im Bau und werden bis zum Ende des Jahrzehnts in die Flotte aufgenommen.

Im Grunde genommen vollzieht sich vor unseren Augen ein Technologiesprung, der das gesamte Machtgleichgewicht auf See verändern könnte.

„Das Gleichgewicht besteht in der Fähigkeit, einen Angriff abzuwehren und einen Gegenschlag durchzuführen. Es ist noch nicht möglich, einen Gegenschlag gegen die Zirkon zu führen. Es gibt keine Möglichkeit zum Abfangen, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Ziel trifft, liegt bei hundert Prozent“, betont der Militärexperte Evgeny Buzhinsky.

Und neben der Zirkon gibt es noch weitere Hyperschall-Neuheiten. Die luftgestützte Kinzhal kann vom Flugzeug aus gegen alle Land- und Seeziele eingesetzt werden.

Und das ist bereits eine strategische Hyperschall-Interkontinentalrakete, das Raketensystem „Avangard“. Ihre taktischen und technischen Merkmale sind geheim, aber einigen Berichten zufolge sprechen wir hier von einer Geschwindigkeit von 32.000 Kilometern pro Stunde, was das gesamte amerikanische Raketenabwehrsystem wertlos macht.

„Berechnen Sie die Reichweite und die Geschwindigkeit – dann ist alles klar. Verändert das die Situation? Natürlich tut es das. Unsere amerikanischen Partner, die die Theorie des Enthauptungsschlags entwickelt haben, verfügen über Hochpräzisionswaffen, aber noch nicht über Hyperschallwaffen. Natürlich werden sie die auch entwickeln. Das ist ganz offensichtlich. Wir werden bis dahin bereit sein“, sagte Putin.

Doch bisher hinken die NATO-Verbündeten merklich hinterher.

„Keiner hat ein Serienprodukt. Mehr noch: Niemand hat etwas in der Testphase. Bislang sind wir den führenden westlichen Staaten in dieser Technik mindestens fünf bis sechs Jahre voraus“, sagte Murakhovsky.

Die Zirkon ist fast fertig. Noch vor Ende des Jahres wird sie einen weiteren Test durchführen und dabei mehrere Raketen in einer Salve starten. Auf diese Weise wird die Möglichkeit getestet, mehrere Ziele zu treffen.

Ende der Übersetzung

In meinem neuen Buch „Abhängig beschäftigt – Wie Deutschlands führende Politiker im Interesse der wirklich Mächtigen handeln“ habe ich mich sehr intensiv mit weiteren Themen rund um die komplexen Zusammenhänge der gesteuertern Politik im Westen und deren brisanten Verstrickungen mit einer ganzen Reihe von Organisationen beschäftigt und dabei einiges zu Tage gefördert.

Das Buch ist aktuell in diesem Monat erschienen und ausschließlich hier direkt über den J.K. Fischer Verlag bestellbar.Hier geht es zum neuen Buch

Quelle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: