Die Spiegel-Lügen der letzten Woche, Teil 2: „Putin nutzt Gazprom als Waffe“

Propaganda

Der Chef des Moskauer Spiegel-Büros hat ein Interview mit einem „unabhängigen Experten“ geführt der verkündet, dass Gazprom Europa faktisch den Krieg erklärt habe. Was ist das für ein „unabhängiger Experte“ und was ist dran an seinen Aussagen?

on Anti-Spiegel 19. Oktober 2021 06:00 Uhr

Da ich derzeit mit der Arbeit an meinem Buch über die Netzwerke hinter der Pandemie sehr ausgelastet bin, komme ich kaum dazu, auch noch Artikel zu schreiben. Sollten Sie noch nicht mitbekommen haben, worum es bei dem Buch geht, lesen Sie zunächst diesen Artikel und dann diesen Artikel, die Reihenfolge ist wichtig, weil sie aufeinander aufbauen.

Normalerweise hätte ich auf die dreisten Lügen, die sich der Spiegel letzte Woche geleistet hat, sofort reagiert. Nun tue ich es eben mit ein wenig Verspätung und mache daraus eine kleine Sonderreihe für diese Woche.

Genießen Sie also zusammen mit mir Teil 2 der „Spiegel-Propagandashow“

Christian Esch

Christian Esch, der Chef des Moskauer Spiegel-Büros, muss in einer ziemlich eigenen Welt leben. Zumindest drängt sich dieser Eindruck auf, wenn man seine Artikel liest. Mal verharmlost er radikale Rassisten, die moslemische Einwanderer als „Kakerlaken“ bezeichnen und als Mittel der Wahl gegen sie Pistolen empfehlen, oder der EU bei der Flüchtlingskrise 2015 empfohlen haben, die Flüchtlinge an den EU-Grenzen einfach zu erschießen. Das ist kein Scherz, die Details finden Sie hier.

Ein anderes Mal bezeichnet er ein Rassengesetz, dass die Ethnien eines Landes in drei Kategorien mit unterschiedlichen Rechten einteilt, allen Ernstes als „Gesetz, das drei Minderheiten unter besonderen Schutz stellt„, die Details finden Sie hier. Dass man den Entzug von Rechten für nationale Minderheiten als „unter besonderen Schutz stellen“ bezeichnen könnte, ist mir neu. Auf die Idee, ihr Rassengesetz als „Minderheitenschutz“ zu bezeichnen, sind nicht einmal die Kommentatoren der Nürnberger Rassengesetze von 1935 gekommen.

Christian Esch ist eben ein sehr kreativer Kopf. Und dieser kreative Kopf hat nun ein Interview mit einem anderen kreativen Kopf geführt, den wir uns auch kurz anschauen wollen.

Michail Krutichin

Michail Krutichin ist Partner der Energieagentur RusEnergy. RusEnergy bezeichnet sich auf seiner Internetseite als Beratungsfirma, die Öl-Und Gasunternehmen, Regierungen, Anwaltskanzleien, ausländische Regierungen und NGOs berät. Das klingt seriös und wichtig.

Wer allerdings über RusEnergy recherchiert, findet andere Informationen. Die Firma wurde 2002 als russische GmbH gegründet und dort arbeiten nur die beiden Gründer und Partner Michail Krutichin und Juri Kogtev, sie haben nicht einmal Sekretärinnen. Da drängt sich der Eindruck auf, dass die Firma nicht allzu viel Arbeit hat, was sich auch in deren Gewinnen widerspiegelt. Der höchste Jahresgewinn von RusEnergy betrug 2016 4,9 Millionen Rubel (etwa 55.000 Euro). 2020 lag der Jahresgewinn bei 9.000 Rubel also 110 Euro. Und auch das Stammkapital der GmbH in Höhe von 10.000 Rubel deutet darauf hin, dass die Firma nur zum Schein existiert.

Trotzdem wird Krutichin von westlichen Medien gerne als „unabhängiger Experte“ interviewt. Und dabei sagt er alles, was der Interviewer hören will. Ob Krutichin für die Interviews Geld bekommt, kann man nur raten, aber von irgendwas muss er ja leben und von den Gewinnen seiner GmbH kann er sicher nicht leben.

Als zum Beispiel Ungarn Ende September seinen neuen Liefervertrag mit Gazprom abgeschlossen hat, war das für die Ukraine ein schwerer Schlag, denn sie hat das von ihr benötigte Gas über virtuellen Revers aus den ungarischen Gasmengen entnommen. Nun fließt kein Gas für Ungarn mehr durch die Ukraine und die Ukraine hat Probleme mit ihrer eigenen Gasversorgung, die Details dazu finden Sie hier.

Ungarn hatte gute Gründe für den Schritt, denn abgesehen davon, dass die neue Pipeline moderner ist und Gas dadurch günstiger geliefert werden kann als über die inzwischen ziemlich marode ukrainische Pipeline, ist die Versorgung über die Türkei auch sicherer. Das hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, wenn Kiew bei Verhandlungen über den Gastransit kurzerhand den Transit unterbrochen hat, um Druck auszuüben. Darauf kommen wir nachher noch, aber die Details der Gaskonflikte der Vergangenheit können Sie hier nachlesen.

Krutichin hat darauf hin aber einem ukrainischen Journalisten ein TV-Interview gegeben, in dem er die Ukraine als sicheren Transitpartner und den ungarischen Gasvertrag mit Gazprom als Ergebnis politischer Erpressung Russlands dargestellt hat.

Krutichin ist generell eng mit der radikalen russischen Opposition und den transatlantischen Think Tanks verbunden. Er gibt dem staatlichen US-Sender Radio Liberty „Experteninterviews“, er schreibt reihenweise Kommentare für den transatlantischen Think Tank Carnegie Center und er nimmt an Konferenzen der radikalen und von westlichen Geheimdiensten geförderten russischen Opposition im Baltikum teil. Dort sitzt er zusammen mit Garry Kasparov, dem ehemaligen litauischen Präsidenten und bekennenden „Russenfresser“ Vytautas Landsbergis, oder mit Wladimir Aschkurow, der in London sitzt, mit dem MI6 verbunden ist und von sich behauptet, er habe Navalny „erschaffen“, die Details dazu finden Sie hier.

Es drängt sich also der Eindruck auf, dass RusEnergy nur einen Zweck hat: RusEnergy soll Krutichin den Anschein eines „unabhängigen Experten“ geben, der dann alles erzählt, was seine transatlantischen Gesprächspartner von ihm hören wollen.

Die Gründe für die Energiekrise

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier nur kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, sind es in diesem Jahr nur 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristigen Verträgen für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

Auch für den Kunden ist es von Vorteil, wenn er die Gaspreise und die Gasmengen im Voraus planen kann, denn was passiert, wenn man sich auf kurzfristige Verträge einlässt, erleben wir gerade in Europa. Dass die EU-Kommission sich trotzdem für kurzfristige Verträge und Börsenhandel von Gas einsetzt, ist entweder Inkompetenz, oder der Wunsch europäischen Konzernen die lukrative Börsenspekulation mit Gas auf Kosten der Verbraucher zu ermöglichen, oder die politische Abhängigkeit von den USA, die auf kurzfristige Verträge setzen, weil ihrer schnelllebigen Frackingindustrie schnelle Gewinne wichtiger sind als langfristige Planungssicherheit.

Das Spiegel-Interview

Nun war der Spiegel dran, Krutichin zu interviewen und ich wüsste liebend gern, ob und wer Krutichin für das Interview bezahlt hat, denn er hat darin so frei von der Leber weg gelogen, dass es schon bemerkenswert ist. Aber der Spiegel-Leser hält Krutichin für einen Experten und glaubt das, was dieser „Experte“ mit wichtigem Gesichtsausdruck erzählt.

Dem Spiegel konnte die Überschrift des Artikels gar nicht martialisch genug sein und er hat sie mehrmals geändert. Zunächst lautete sie „Experte Krutichin – Putin nutzt Gazprom als Waffe in der Energiekrise„, dann wurde daraus „Energieexperte über Russland und die Gaspreise – »Hier wird faktisch ein Krieg erklärt«“ und aktuell lautet die Überschrift „Russischer Energieexperte – »Gazprom sagt, im Winter werdet ihr frieren«

Das Interview beginnt gleich mit mehreren Lügen:

„SPIEGEL: Herr Krutichin, Wladimir Putin wurde diese Woche gefragt, ob er Gas als Waffe einsetze. Er nannte den Vorwurf »völligen Unsinn«. Russland handle nach geschäftlichen Kriterien. Überzeugt Sie das?
Michail Krutichin: Schauen Sie sich die Vergangenheit an – 2006, 2009, 2012, den Winter 2014/2015. Jedes Mal hat Gazprom mitten im Winter Gaslieferungen nach Europa eingestellt oder auf die Hälfte reduziert. Gazprom hat sich dadurch Gewinne entgehen lassen, 2014/2015 allein viereinhalb Milliarden Euro. Natürlich hatte das politische Gründe. Heute sehen wir hohe Gaspreise in Europa. Wеnn Gazprom ein Wirtschaftsunternehmen wäre und kein politisches Instrument, dann würde es die Lage nutzen und mehr Gas liefern.“

Gazprom hat noch nie die Gaslieferungen nach Europa eingestellt, das ist eine glatte Lüge, wie Sie in meinem Artikel über die Chronologie der Gaskonflikte nachlesen und nachprüfen können. Da die Transitverträge immer zum 1. Januar beginnen, die Ukraine aber mit Russland und der EU oft nicht rechtzeitig handelseinig geworden ist, hat Kiew mehrmals kurzerhand den Transit gestoppt, um Druck auszuüben. Das war daher immer im Winter, wenn es den Abnehmern des Gases besonders weh tut.

Auch dass Gazprom mehr Gas liefern könnte, ist es aber nicht tun will, ist eine Lüge. Sowohl die EU-Kommission als auch Bundeskanzlerin Merkel haben immer wieder bestätigt, dass Gazprom nicht nur seine Verträge erfüllt, sondern auch noch keine einzige zusätzliche Bestellung von Gas abgelehnt hat.

Die Frage ist also, warum bestellt Europa nicht mehr Gas bei Gazprom, wenn Gazprom sogar selbst sagt, dass es bereit ist, jetzt sofort mehr zu liefern? Zumal ja durch den neuen ungarischen Gasvertrag Kapazitäten in der ukrainischen Pipeline frei geworden sind. Diese Frage ist wirklich interessant, aber die „Qualitätsmedien“ stellen sie nicht und zeigen stattdessen mit dem Finger auf Gazprom.

Mal wieder ungenannte Quellen

Weiter kann man in dem Interview erfahren:

„SPIEGEL: Putin hat allerdings am Mittwoch behauptet, es habe in Europa niemand mehr Gas angefordert. Russland liefere so viel, wie gewünscht werde, sagte er.
Krutichin: Natürlich gibt es Kunden in Europa, die Gas von Gazprom wollen. Vor zwei Wochen war ich bei einer Expertenrunde, und ein Kollege von Gazprom Export – ich kann seinen Namen nicht nennen, es war ein Hintergrundgespräch – sagte: »Wir bei Gazprom machen Dienst nach Vorschrift. Wir erfüllen alle Verträge, die geschlossen wurden, aber wir schließen keinen einzigen neuen ab. Wenn Europa will, dass wir guten Willen zeigen und vor dem Winter zusätzliches Gas liefern, dann sollte es selbst guten Willen zeigen, was Nord Stream 2 angeht«…
SPIEGEL: … die umstrittene Nordsee-Pipeline, mit der russisches Gas nach Deutschland kommen soll.
Krutichin: Genau. Ich habe ihm gesagt, das sei Erpressung. Gazprom und Russland wollen, dass Europa seine Energiemarkt- und Kartellregeln aufgibt – obwohl diese Gesetzeskraft haben – und Gazprom einen Monopolisten sein lässt. Und zweitens wollen sie, dass Europa die Ukraine bestraft, indem es ihr den Transit wegnimmt. Sie sprechen es – wenn auch hinter vorgehaltener Hand – genau so aus: Ja, wir liefen bewusst kein weiteres Gas, bis ihr eure eigenen Gesetze brecht.“

Krutichin beruft sich auf eine Quelle, die er nicht nennen möchte. Das klingt für den Spiegel-Leser überzeugend, auch wenn er die Aussage nicht überprüfen kann. Dass Krutichin das frei erfunden hat, lässt sich leicht überprüfen, indem man die Aussagen der EU-Kommission anschaut, die das Gegenteil sagt. Und die EU-Kommission ist nun wirklich nicht als pro-russische Propaganda-Organisation bekannt.

Hinzu kommt, dass es auch Meldungen der Gasimporteure gäbe, wenn Gazprom ihre Bestellungen ablehnen würde. Und die westliche Presse würde sich mit Wonne auf eine solche Aussage stürzen. Daher wäre es für den „unabhängigen Experten“ Krutichin ganz einfach, seine Aussage zu belegen, wenn er denn die Wahrheit sagen würde: Er müsste nur sagen, wessen Bestellung Gazprom abgelehnt hat. Das tut er aber nicht, sondern beruft sich auf ein angebliches Gespräch mit einem Gazprom-Mitarbeiter.

Die Liberalisierung des Gasmarktes

Die aktuelle Situation auf dem europäischen Gasmarkt hat zwei Faktoren: Erstens den Mangel an Gas, der durch den fehlenden Wind im Sommer und zu geringe Bestellungen bei Gazprom verursacht wurde. Zweitens die Liberalisierung des Gasmarktes, denn wenn Gas noch über langfristige Verträge geliefert würde, anstatt an der Börse gehandelt zu werden, wäre sein Preis trotz einer Gasknappheit (die es in der Vergangenheit übrigens nie gegeben hat) bei maximal 300 Dollar.

Vor allem von dem zweiten – hausgemachten – Problem lenkt die EU-Kommission vehement ab und man tut für die dumme Öffentlichkeit so, als sei das „Spiel von Angebot und Nachfrage“ ganz normal und immer so gewesen. Dass das nicht so ist, sieht man schon daran, dass es in der EU so hohe Preise nie gegeben hat und dass es die hohen Preise und Preisschwankungen in Europa erst gibt, seit die EU-Kommission den Gasmarkt „liberalisiert“ hat.

Davon lenken auch die Medien und natürlich der hochkompetente „unabhängige Experte“ Krutichin ab:

„SPIEGEL: Der Anstieg der Gaspreise hatte zunächst wirklich nichts mit Russland zu tun – sondern mit dem Wetter und anderen Faktoren.
Krutichin: Ja, das war das Spiel von Angebot und Nachfrage. Aber dann hat sich Gazprom sofort eingeschaltet. Und jetzt wirken zwei Faktoren auf die hohen Preise ein: Zum einen die Worte und Taten von Gazprom, auf die die Futures-Preise sensibel reagieren. Und zum anderen die Spekulation auf den Finanzmärkten, wo diese Futures gehandelt werden. Als Gazprom verkündete, es entnehme aus seinen unterirdischen Speichern Gas und verkaufe es nach Europa, sprangen die Preise der November-Futures sofort um 6,5 Prozent in die Höhe. Mit Panikmache kann man gutes Geld machen. Da ist eine Blase entstanden.

Ohne die Liberalisierung des Gasmarktes gäbe es gar keine Futures, die irgendwer mit seinen Aussagen beeinflussen könnte. Das erfährt der Spiegel-Leser aber nicht.

Nur leere Behauptungen

Gazprom liefert 2021 so viel Gas, wie im bisherigen Rekordjahr 2018. Das passt aber nicht in das von westlicher Politik und Medien gewollte Narrativ, Russland sei an allem Schuld und drehe den Gashahn zu, um Druck auszuüben. In dem Interview erfahren wir:

„SPIEGEL: Gazprom selbst hat laut Putin in den ersten neun Monaten zehn Prozent mehr nach Europa geliefert.
Krutichin: Das ist eine trügerische Statistik, der man nicht glauben kann. Die Lieferungen über Nord Stream 1 wurden Anfang des Jahres gesenkt, wegen Wartungsarbeiten, dann gab es noch zweimal Wartungsarbeiten an der Strecke über Belarus und Polen, und der Transit über die Ukraine wurde weiter gekürzt. Im Vergleich zum Vorjahr wurde weniger geliefert, nicht mehr.“

Auch hier gilt: Wenn Gazprom lügt, wie Krutichin behauptet, dann könnte man das leicht nachweisen. Die Informationen darüber, wie viel Gas durch die Pipelines nach Europa fließt, sind keine Geheimsache und es gibt die Daten der Importeure und der spezialisierten Energieagenturen. Also echter Energieagenturen, nicht solcher Scheinfirmen wie RusEnergy.

Man könnte also problemlos auf eine renommierte Agentur verweisen und Gazproms angebliche Lügen widerlegen. Das Problem ist, dass die Energieagenturen und Importeure Gazproms Angaben bestätigen. Mit anderen Worten: Krutichin lügt wie gedruckt und der Spiegel freut sich, weil es ins gewollte Bild passt.

„Das ist der große Krieg“

Dann kommt das Gespräch auf die Energiewende und Krutichin sagt dabei unter anderem:

„Und wenn ihr den Übergang trotzdem so schnell machen wollt, dann – das ist faktisch ein Ultimatum – werden wir euch diesen Winter frieren lassen, und ihr müsst eure Strategie zum Green Deal überdenken. Das ist sozusagen der große Krieg, und alles andere – der Streit um Verträge, Lieferrouten – sind nur Episoden, Scharmützel in diesem Krieg.“

Das ist nun wirklich Blödsinn, wie wir schon gesehen haben. Aber hat Russland etwas gegen die Energiewende?

Natürlich würde ein Umstieg auf andere Energieträger dafür sorgen, dass Russland weniger am Gas verdient. Aber wie die Realität zeigt, ist ein wirklicher Umstieg auf Wind und Sonne reine Fantasie und trotz aller Windkraftanlagen benötigt Europa heute so viel Gas, wie nie zuvor. Man kann seine Stromversorgung nicht mit Energiequellen planen, die nicht konstant Strom liefern, wie der Sommer 2021 gezeigt hat. Wo soll der Strom denn herkommen, wenn Flaute herrscht, Regen und Schnee die Solarpanele „ausschalten“ oder gar in einer windstillen Nacht?

Daher hat Russland vor der von der europäischen Politik propagierten Energiewende keine Angst, denn jeder Experte weiß, dass das Traumtänzereien sind.

Wer die aktuellen Expertendiskussionen verfolgt, der sieht, dass inzwischen ganz offen von einem Ausbau der Atomkraft als Mittel der Abkehr von Kohle und Gas gesprochen wird. Das kann man inzwischen sogar im deutschen Mainstream lesen und ich warte jetzt schon neugierig darauf, wie die deutschen Medien – und vor allem die Grünen – den Menschen in Deutschland demnächst eine Rückkehr zur Atomkraft schmackhaft zu machen versuchen.

Atomkraft ist für Russland aber kein Problem, denn Russland ist in Sachen Atomkraft mittlerweile weltweit führend und baut mehr moderne Atomkraftwerke im Ausland als jedes andere Land. Natürlich dürfte Russland aus Europa nicht viele Aufträge bekommen, aber spätestens wenn es an die Befüllung der Reaktoren geht, wird man in Europa nicht ohne Uran aus Russland auskommen. Russland kann sich also – ganz im Gegensatz zu dem Unsinn, den Krutichin erzählt – entspannt zurücklehnen.

Interviews mit Krutichin hätten einen großen Unterhaltungswert, wenn die Menschen den Unsinn nicht glauben würden. Hinzu kommt, dass viele deutsche „Qualitätsmedien“ das Spiegel-Interview aufgenommen haben. Und anstatt ihren Lesern die Wahrheit zu erzählen, haben sie den Unsinn als „Expertenmeinung“ verkauft.

Krutichin hat wirklich ein gutes Geschäftsmodell entdeckt: Man gründe mit 120 Euro Stammkapital eine „Energieagentur“, die praktisch keinen Umsatz macht, und lässt sich dann von westlichen Medien als „Experte“ interviewen.

Genial!

In meinem neuen Buch „Abhängig beschäftigt – Wie Deutschlands führende Politiker im Interesse der wirklich Mächtigen handeln“ habe ich mich sehr intensiv mit weiteren Themen rund um die komplexen Zusammenhänge der gesteuertern Politik im Westen und deren brisanten Verstrickungen mit einer ganzen Reihe von Organisationen beschäftigt und dabei einiges zu Tage gefördert.

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