Daimler zieht sich aus Deutschland zurück

– mit Folgen für Tausende Mitarbeiter

Der Mercedes-Stern vom Bahnhofsturm wird mit einem Kran vom Turm entfernt.
Der Mercedes-Stern vom Bahnhofsturm wird mit einem Kran vom Turm entfernt.
© Christoph Schmidt/dpa

VonFranziska Vystrcil

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Nicht nur die attraktiven Absatzzahlen machen China zu einem wichtigen Markt für die Daimler AG. Auch als Produktionsstätte wird Fernost zunehmend bedeutsam. Stuttgart – Am Freitag (1. Oktober) kamen die Aktionäre der Daimler AG zusammen, um über die Abspaltung der LKW-Sparte zu beraten. Das Ergebnis: Das Ende der Daimler AG, wie man sie bisher kannte, wurde besiegelt. Denn aus der AG sollen künftig zwei eigenständige Unternehmen entstehen. Die Mercedes-Benz AG bleibt die Auto-Sparte in Stuttgart, die Truck-Sparte wird abgespalten und somit ein eigenständiges Unternehmen. Die Daimler Truck AG verlegt zudem ihren Sitz von Untertürkheim in den Kreis Esslingen.

Ziel der Spaltung der Daimler AG in die Mercedes-Benz AG und die Daimler Truck AG ist eine Wertsteigerung der jeweiligen eigenständigen Unternehmen. Doch die Trennung der Unternehmen hat auch einen weiteren Effekt: Nach der Abspaltung gewinnt Asien an Umsatzanteil. Mit einem Anteil von 32 Prozent wird Asien laut dem Handelsblatt die dominierende Absatzregion beim Autogeschäft werden. Auch andere deutsche Automobilhersteller sind von diesem Markt-Phänomen betroffen. Volkswagen etwa verkaufte im ersten Halbjahr 2021 49,3 Prozent seiner Autos in China.

Daimler-Spaltung: Mercedes-Benz bewegt sich in „neues Risikoumfeld“

Nicht jeder ist von der Daimler-Truck-Abspaltung und der damit einhergehenden Abhängigkeit von China begeistert. „Wir werden chinesischer, keine Frage“, sagte auch ein Daimler-Manager dazu gegenüber dem Handelsblatt. Sven Behrendt vom Beratungsunternehmen „Geoeconomica“ stuft den Vorgang ebenfalls als bedenklich ein. So begebe sich Daimler als Mercedes-Benz in ein „neues Risikoumfeld“. Manche Experten sehen den Schritt als gefährlich an. Der neue Konzern bewege sich laut dem Experten in einem Wirtschaftsraum, der im Systemwettbewerb mit Europa und den USA stehe. Schließlich sind die Chinesen mit dem Gründer des chinesischen Automobilherstellers „Geely“, Li Shufu, und BAIC neben Kuwait die wichtigsten Anteilseigner der Daimler AG.

Wie das Handelsblatt schreibt, gewinnt der chinesische Markt für die Daimler AG zunehmend an Bedeutung. Inzwischen ist die Volksrepublik in Sachen Umsatz sogar doppelt so wichtig wie der gesamte US-Markt. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart startete Anfang des Jahrtausends seine Produktion in China, Volkswagen produziert sogar schon seit 1983 in Fernost. Ein attraktiver Aspekt des chinesischen Markts: er bricht nie ein. In der Coronapandemie beispielsweise war es den Verkäufen in China zu verdanken, dass die Verkaufszahlen nicht komplett einbrachen.

Vor allem für höherklassige Autos ist der chinesische Absatzmarkt attraktiv. Mercedes lieferte 2019 mehr als 9.000 S-Klassen in der luxuriösen Maybach-Version nach China aus. Wenn man bedenkt, dass weltweit davon etwa 12.000 verkauft wurden, ist das ein beeindruckender Anteil.

Daimler AG: Produktion wird immer mehr nach Fernost verlagert

Die Gewinne aus Fernost nutzen Daimler und Co. auch, um den Umstieg auf die Elektromobilität zu finanzieren. Die Daimler AG will ab 2030 nur noch E-Fahrzeuge herstellen. Der Gewinnanteil des chinesischen Markts schätzen Daimler-Interne auf 50 Prozent. Genaue Angaben bleiben allerdings ein Geheimnis.

Quelle

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