Woher kommt der Strom? Woche 41 – Mehr Kohle- als Gasstrom

Die 41. Analysewoche (Abbildung) war wettermäßig durchwachsen. Die konventionellen Stromerzeuger (Abbildung 1) hatten alle Hände voll zu tun, um die regenerative Erzeugung so auszutarieren, dass die Preisentwicklung (Abbildung 2) einigermaßen im akzeptablen Bereich des Möglichen blieb. Denn teuer wurde es ohnehin. Für die Stromkunden. Ansonsten verdienten alle Marktteilnehmer (Abbildung 3) gut an der Stromerzeugung. Polen verkaufte seinen Kohlestrom für insgesamt über 20 Mio. € nach Deutschland, Dänemark kassierte sogar fast 55 Mio. € für seinen überwiegend per Windkraft erzeugten Strom. Insgesamt erzielte Deutschland unter dem Strich 80 Mio. € für seinen Exportstrom der 41. Woche. Die Belege zu den genannten Werten und viel mehr finden Sie hier.

Insgesamt sechs Zeiträume lagen diese Woche im Importbereich. Viermal war es die Vorabendlücke, zweimal der Vormittag. Selbstverständlich zahlte Deutschland für den Importstrom Höchstpreise, während der Exportstrom auch schon mal zum Niedrigstpreis von knapp 50 €/MWh abgegeben wurde.

Bemerkenswert ist, dass trotz Klimawandel und des Willens, CO2 einzusparen, die Verstromung von Braun- und Steinkohle viel umfangreicher ist als die Gasverstromung. Vom 1.9.2021 bis zum 17.10.2021 wurden 9,5 TWh Gasstrom, aber über 23 TWh Kohlestrom hergestellt. In der aktuellen Analysewoche lag das Verhältnis bei 1,573 TWh Gasstrom zu 3,788 TWh Kohlestrom. Der Preis ist entscheidend. Nicht die Klimawirkung. Hinzu kommt, dass Braunkohle, solange sie noch in Deutschland gefördert werden darf, den höchsten Ertrag bringt. Deshalb ist „Abbau, Abbau, Abbau“ die Devise. Schauen Sie sich dazu dieses kurze Video von Prof. Sinn an. Es ist Teil eines Vortrags, den Prof. Sinn im Rahmen einer VHS-Reihe online gehalten hat. Seien Sie nicht zu ernüchtert. Das, was die Deutschen machen, ist weltweit gesehen wenig zielführend (Ziel: CO2-Ausstoß senken!). Erst wenn es weltweit koordiniertes Handeln gäbe, würden die deutschen, die europäischen Anstrengungen in Sachen „Klimaschutz“ Sinn ergeben. Aktuell ist praktisch alles, was Deutschland, was die EU in Sachen Klima veranstaltet, tatsächlich wenig hilfreich fürs „Klima“ und führt zu einer massiven Schwächung des Industriestandortes Deutschland. Bei faktisch null Nutzen. Es sei denn, man wünscht sich eine Klima-Kommandowirtschaft sozialistischen Zuschnitts. Euphemistisch wird dies von der Politik „Große Transformation“ genannt. Sogenannte Klimawissenschaftler – natürlich alle „woke“ – werden die neuen Herren, die den Bürgern sagen, was sie im Sinne der Rettung der Welt vor dem Klimazusammenbruch zu tun und zu lassen haben.

Die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und der daraus generierte Chart liegen unter Abbildung 4 ab. Es handelt sich um Werte der Nettostromerzeugung, den „Strom, der aus der Steckdose“ kommt, wie auf der Website der Energy-Charts ganz unten ausführlich erläutert wird. Der höchst empfehlenswerte virtuelle Energiewende-Rechner (Wie viele Windkraft- und PV-Anlagen braucht es, um Kohle- und/oder Kernkraftstrom zu ersetzen? Zumindest im Jahresdurchschnitt.) ist unter Abbildung 5 zu finden. Ebenso wie der bewährte Energierechner.

Die Charts mit den Jahres- und Wochenexportzahlen liegen unter Abbildung 6 ab. Abbildung 7 beinhaltet die Charts, welche eine angenommene Verdoppelung und Verdreifachung der Wind- und Solarstromversorgung visualisieren. Bitte unbedingt anschauen. Vor allem die Verdoppelung. Abbildung 8 weist auf einen Artikel hin, der sich mit dem Klimaschutz-Sofortprogramm der Grünen befasst, welches durchgesetzt werden soll, wenn die Partei Regierungsmitglied wird. Abbildung 9 zeigt einen Vortrag von Professor Brasseur von der TU Graz. Der Mann folgt nicht der Wissenschaft. Er betreibt Wissenschaft.

Beachten Sie bitte unbedingt die Stromdateninfo-Tagesvergleiche ab 2016 in den Tagesanalysen. Dort finden Sie die Belege für die im Analyse-Text angegebenen Durchschnittswerte und vieles mehr. Der Vergleich beinhaltet einen Schatz an Erkenntnismöglichkeiten. Überhaupt ist das Analysetool stromdaten.info ein sehr mächtiges Instrument, welches nochmals erweitert wurde:

  • Produktion als Anteil der installierten Leistung
  • Anteil der erneuerbaren und konventionellen Erzeugung am Bedarf
  • Niedrigster, höchster und mittlerer Strompreis im ausgewählten Zeitraum

sind Bestandteil der Tools „Stromerzeugung und Bedarf“ sowie „Zeitraumanalyse“. Schauen Sie mal rein und analysieren Sie mit wenigen Klicks. Die Ergebnisse sind sehr erhellend.

Ganz unten noch eine wichtige Informationen in Sachen  Wasserstoffzukunftsgesetz in Hessen.

Tagesanalysen

Montag,11.10.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 44,16 Prozent, davon Windstrom 25,32 Prozent, PV-Strom 9,02 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,82 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Schön zu sehen. Die regenerative Stromerzeugung PV läuft aus, der Bedarf steigt, Windstrom kann es nicht ausgleichen. Die Konventionellen hätten schon zu PV-Stromzeiten hochfahren müssen, was den Preis noch mehr gedrückt hätte: Die Vorabendlücke entsteht. Der Handelstag. Klicken Sie hier und analysieren Sie die Im- und Exportwerte der einzelnen Länder.

Dienstag, 12.10.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 42,22 Prozentdavon Windstrom 27,3 Prozent, PV-Strom 5,35 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,58 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Deutschland exportiert praktisch den ganzen Tag seinen Stromüberschuss. Die Konventionellen führen gut nach. 12,8 Mio € werden eingenommen. So sieht der Handelstag aus. Klicken Sie hier und analysieren Sie die Im- und Exportwerte der einzelnen Länder.

Mittwoch, 13.10.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 35,4 Prozentdavon Windstrom 16,39 Prozent, PV-Strom 8,94 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,06 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Heute wieder zwei Stromlücken mit entsprechenden Preisspitzen. Die Konventionellen bullern über Tag zwar kräftig, gleichen die Lücken jedoch nicht aus. Klicken Sie hier und analysieren Sie die Im- und Exportwerte der einzelnen Länder.

Donnerstag, 14.10.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 43,26 Prozentdavon Windstrom 29,43 Prozent, PV-Strom 4,46 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,37 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Über Tag steigt die Windstromerzeugung an. Es ergibt sich nur eine Mini-Stromlücke. Die allerdings kostet 260 €/MWh. Für 221 MWh. Klingt nicht nach viel. Sind aber über 57.000 €. Die Konventionellen, der Handelstag. Klicken Sie hier und analysieren Sie die Im- und Exportwerte der einzelnen Länder.

Freitag, 15.10.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 53,85 Prozent, davon Windstrom 37,05 Prozent, PV-Strom 7,70 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,09 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Über Tag flaut der Wind ab, sodass sich wieder die berühmte Vorabendstromlücke ergibt. Die Konventionellen schaffen es nicht, diese Lücke ökonomisch sinnvoll zu schließen. Also nehmen sie die hohen Preise mit. Der Handelstag. Klicken Sie hier und analysieren Sie die Im- und Exportwerte der einzelnen Länder.

Samstag, 16.10.2021: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 37,79 Prozent, davon Windstrom 16,68 Prozent, PV-Strom 9,95 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,17 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Die regenerative Erzeugung lässt insgesamt nach. Der Bedarf, es ist Wochenende, ebenfalls. So bleibt nur eine kleine Lücke zum Vorabend. Ansonsten halten die Konventionellen die Stromversorgung auf Kante. Der Handelstag. Klicken Sie hier und analysieren Sie die Im- und Exportwerte der einzelnen Länder.

Sonntag, 17.10.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 35,81 Prozent, davon Windstrom 17,34 Prozent, PV-Strom 7,76 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,52 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Wenig und wenig volatile regenerative Stromerzeugung macht es den Konventionellen heute einfach, die Lücken zum Bedarf optimal aufzufüllen. Zum Vorabend noch mal knackig Pumpspeicherstrom einspeisen und richtig teuer verkaufen. Deutschlands Stromerzeuger verdienen heute insgesamt gutes Geld. Der deutsche Stromkunde zahlt. Wer sich wundert, dass zur gleichen Zeit auch Strom – per Saldo aber weniger, denn exportiert – importiert wird: In unterschiedlichen Regionen besteht auch durchaus innerhalb des Stundenzeitraumes Strombedarf, der nicht gedeckt werden kann, weil überschüssiger Strom anderswo erzeugt wird. So hat z.B. Polen wieder die ganze Woche seinen Kohlestrom exportiert. Insgesamt nahm das Land, wie bereits oben erläutert, in der 41. Woche über 20 Mio. € ein. 

Peter Hager hat zum Thema Strom & Wasserstoff in Hessen einen Beitrag gepostet, der eine ausführliche gutachterliche Stellungnahme von Peter Maier zum Thema enthält. Verlinkt ist die Stellungnahme komplett unter Abbildung 10.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

Rüdiger Stobbe betreibt seit über 5 Jahren den Politikblog www.mediagnose.de.

Quelle

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