Rechtsmediziner finden Todesfälle nach Covid-19-Impfung (1)

Mikroskop

Gewebeproben werden häufiger untersucht. Komplette Autopsien dagegen finden bei Personen, die nach einer Covid-19-Impfung verstarben, kaum statt. © Michael Bührke / pixelio.de

Martina Frei /  Die Rate an Todesfällen nach der Impfung sei deutlich höher als vermutet. Es bräuchte systematische Untersuchungen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden Hunderte von Verstorbenen obduziert. Dank der Autopsien konnte die Covid-19 besser verstanden und entsprechend besser behandelt werden. Zahlenmässig viel kleiner sind bisher die Berichte über Autopsien von Personen, die in zeitlichem Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung verstarben.

➞ In einer mehrteiligen Serie berichtet Infosperber über die Bemühungen von Pathologen und Rechtsmedizinern, mögliche schwere Impfschäden zu erkennen. 

Bis Anfang September waren in Europa nur gerade drei Fachartikel dazu veröffentlicht. Darin wurden insgesamt sechs Autopsien genauer beschrieben und von weiteren 19 berichtet – eine sehr kleine Zahl angesichts von (bis zu diesem Zeitpunkt) über 1’200 Verdachtsmeldungen von Todesfällen nach Covid-19-Impfung allein aus Deutschland und rund 140 aus in der Schweiz.1

Es gebe zahlreiche Fachartikel über Autopsien von Covid-19-Toten, aber nur wenige zu Impf-Nebenwirkungen, die bei Autopsien erkannt wurden, stellen auch Mediziner aus Münster in einem aktuellen Fachartikel fest, der Ende September erschienen ist. 

Verschiedenste Fachärzte an Untersuchungen beteiligt

Auf Geheiss der Staatsanwaltschaft untersuchten dort Rechtsmediziner, Pathologen, Laborärzte, Transfusionsmediziner und Neuropathologen gemeinsam insgesamt 18 Personen, die nach einer Covid-19-Impfung verstarben.  

Ihr Fazit: 

  • Bei 13 der 18 Verstorbenen hätten vorbestehende Erkrankungen zum Tod geführt. 
  • In einem Todesfall (Herzmuskelentzündung nach Impfung mit Pfizer/Biontech) sei es möglich, aber nicht zweifelsfrei erwiesen, dass die Impfung zum Tod geführt habe. Eine Herzmuskelentzündung kann viele Gründe haben. Deshalb ist es bei dieser Diagnose nur schwer möglich, einen kausalen Zusammenhang zur Impfung zu beweisen.
  • In vier Fällen gab es Hinweise, dass die Impfung womöglich die tödliche Erkrankung auslöste. Bei den Betroffenen kam es zu der im Fachjargon VITT genannten Krankheit mit Thrombosen und Mangel an Blutplättchen, also jener Erkrankung, die als seltene Nebenwirkung nach Impfungen mit den Vektorimpfstoffen (AstraZeneca, Janssen) zuerst im Frühling bemerkt wurde. 
  • Von diesen vier Todesfällen sei bei einem der Zusammenhang mit der Impfung unwahrscheinlich, in zwei Fällen (Vakzine von AstraZeneca) sehr wahrscheinlich und in einem Fall (Vakzine von Janssen) möglich. 
  • Ein als «sehr wahrscheinlich» infolge der Impfung und ein als «möglich» eingestufter Todesfall ereigneten sich zu Hause.
  • Von den vier Fällen mit VITT sei nur einer vor dem Tod der Person diagnostiziert worden. 

«Signifikant höher» als von der Behörde gemeldet

«Es ist bemerkenswert, dass die Anzahl der Verstorbenen mit VITT im Verhältnis zur Einwohnerzahl in unserem Einzugsgebiet überdurchschnittlich hoch ist», schreiben die Autoren des Artikels. Ziehe man in Betracht, dass vermutlich nicht alle Menschen, die nach einer Covid-19-Impfung dort verstarben, auch obduziert wurden, «kann man davon ausgehen, dass die Anzahl der Verstorbenen mit VITT signifikant höher ist» als die Anzahl, die der Behörde – in Deutschland ist dies das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – gemeldet werde. 

Das Einzugsgebiet dieses rechtsmedizinischen Instituts umfasst vier Prozent der deutschen Bevölkerung. Würde man die Anzahl der bei den Obduktionen entdeckten Fälle von VITT hochrechnen, ergäbe das 100 innerhalb von rund drei Monaten mit VITT verstorbene Personen in ganz Deutschland – ein sehr kleiner Anteil, bezogen auf die schätzungsweise etwa zehn Millionen Impfdosen von AstraZeneca und Janssen, die bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland verimpft worden waren.

In kurzem Zeitraum mehrere Fälle gefunden

Das PEI wusste bis Ende Mai jedoch nur von 23 mutmasslichen VITT-Todesfällen. Die Zahl der Fälle, bei denen das PEI die Impfung als Todesursache einstuft, ist also mit grosser Wahrscheinlichkeit zu tief – falls die Ergebnisse der Münsteraner Mediziner die Wirklichkeit abbilden. Dass sie in einem kurzen Zeitraum von nur drei Monaten vier VITT-Fälle fanden, gibt zu denken. 

Darunter war eine 32-jährige Frau, die zu Hause tot aufgefunden wurde. Würde dasselbe bei einer Seniorin passieren, wäre es eher unwahrscheinlich, dass es zur Obduktion kommt. 

«Die Ergebnisse unserer Studie zeigen die Notwendigkeit von Untersuchungen bei allen Todesfällen nach einer Impfung mit einer Covid-19 Vakzine», schreiben die Münsteraner Mediziner.

Zu kleine Anzahl, um belastbare Aussagen machen zu können

Man müsse aber auch festhalten, dass wohl noch keine Impfaktion dermassen «unter die Lupe genommen worden» sei wie diese, wendet Torsten Hansen ein, der Chefarzt des Instituts für Pathologie am Klinikum Lippe. «Sonst ist die Autopsierate nach Impfungen niedriger. Wenn Sie nun genauer hinschauen, finden Sie auch mehr.» Für stichhaltige Aussagen brauche es «grosse Obduktionszahlen». 

Denn aus kleinen, ausgewählten Gruppen von obduzierten Verstorbenen lassen sich keine allgemeinen Schlüsse ziehen. Dazu müssten systematisch Verstorbene obduziert werden. Doch das geschieht nicht.

Am Zürcher Universitätsspital sind laut dem «Beobachter» bisher weniger als zehn Menschen obduziert worden, die nach einer Covid-19-Impfung verstorben sind.

«Wir haben unser Bestes gegeben, um die vermuteten Nebenwirkungen nachzuweisen»

«In der Schweiz kann es nicht viele tödliche Impf-Nebenwirkungen gegeben haben. Wir haben in den letzten Monaten circa ein Dutzend Gewebeproben von Patienten erhalten, bei denen man eine Impf-Nebenwirkung vermutete, aber keinen Autopsieauftrag mit dieser Fragestellung», sagt Professor Alexandar Tzankov, der Fachbereichsleiter Histopathologie und Autopsie am Basler Universitätsspital. «Wir haben unser Bestes gegeben, um die vermuteten Nebenwirkungen nachzuweisen. Aber bis auf vier zu erwartende Lymphknotenschwellungen, eine vorübergehende Knochenmarkveränderung, die mit einer Verminderung der Blutplättchenmenge einherging und eine mögliche Leberdurchblutungsstörung haben wir keine weiteren Nebenwirkungen gefunden – und dies bei rund 635’000 verabreichten Impfungen in der Region.»

Auch andere Pathologen sagen, dass sie bei Geimpften nicht mehr Todesfälle sehen würden.

«Würde umgehend die Behörden informieren»

Hätte er bei einer Autopsie den Verdacht, dass der Tod mit einer Impfung in Zusammenhang stehe, würde er umgehend die Behörden informieren, sagt Tzankov. «Autopsien mit solchen Fragestellungen haben wir aber seit der Zulassung der mRNA-Impfstoffe im Raum Basel, Jura und Teilen Solothurns noch nicht gehabt.» 

Tzankov verweist auf mehrere frühere Beispiele, bei denen jeweils Befunde einer einzigen oder zweier Autopsien dazu führten, dass er und seine Kollegen die Arzneimittelbehörde vor einer möglichen Arzneimittel-Nebenwirkung warnten. «Es genügt, dass wir den Verdacht haben – dann melden wir das. Es wird und wurde hier nichts vertuscht oder unter den Teppich gekehrt.»

Die geschwollenen Lymphknoten von geimpften Personen, welche die Basler Pathologen in den letzten Monaten zum Beispiel untersuchten, «haben genau so ausgesehen, wie man es bei einem funktionierendem Immunsystem erwarten würde.» 

Wenn es tatsächlich so wäre, dass viele Menschen an der Impfung versterben würden, dann würden die Pathologen dies rasch bemerken, ist Tzankov überzeugt. Aber: «Im Raum Basel haben wir bisher bei keinem Leichnam einen Tod im Zusammenhang mit der Impfung festgestellt.»

Nanopartikel wären schwierig zu finden

Wolf-Dieter Ludwig, der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, wies in einem Interview auf Infosperber auf die Nanopartikel in den mRNA-Impfstoffen hin, «die einerseits die Haltbarkeit der mRNA während der Lagerung gewährleisten und andererseits den zu raschen Abbau der mRNA im Körper verhindern sollen. In tierexperimentellen Studien – allerdings mit einer deutlich höheren Dosis des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs – hat man gesehen, dass diese Nanopartikel Entzündungen im Körper auslösen können», sagte Ludwig. «Solche Folgen würde man erst nach längeren Zeiträumen bemerken. Wir können deshalb derzeit noch nicht endgültig sagen, ob diese Lipid-Nanopartikel Nebenwirkungen auslösen können.»

Auf die Frage, ob etwaige Schäden durch die Nanopartikel, die in den mRNA-Impfstoffen enthalten sind, erkennbar wären, antworten mehrere Pathologen dasselbe: Wir würden sie eventuell finden, wenn wir wüssten, wo wir sie suchen sollen.

«Nanopartikel wären bei der üblichen Gewebeuntersuchung mit dem Lichtmikroskop nur erkennbar, wenn grosse Mengen davon Aggregate bilden. In allen anderen Fällen würde man sie nur mit speziellen Techniken oder mit dem Elektronenmiskroskop finden – vorausgesetzt man weiss, wo suchen. Bei Lipid-Nanopartikeln wird es aber schwierig», sagt Hansen. Genau die sind in den hier zu Lande eingesetzten Impfstoffen enthalten.

Gründe, weshalb kaum noch Autopsien gemacht werden

Autopsien

  • können zeigen, ob die Diagnose, die zu Lebzeiten des Patienten gestellt wurde, richtig oder falsch war. 
  • helfen, eine Erkrankung besser zu verstehen. 
  • können Unerwartetes ans Licht bringen, wie zum Beispiel eine bis dahin unbekannte Nebenwirkung eines Medikaments. 
  • dienen der Qualitätskontrolle, denn die Mehrzahl der ärztlichen Diagnosefehler ist nur damit festzustellen. 

Fast die Hälfte der Diagnosen auf Totenscheinen sei falsch, konstatierte eine Studie Mitte der 1980er-Jahre, die immer noch zitiert wird. Auch aktuellere Studien, etwa an Verstorbenen mit Krebserkrankungen, kamen zu ähnlichen Befunden. Grobe Fehldiagnosen (zum Beispiel übersehene Krankheiten oder bei richtiger Diagnose abwendbare tödliche Verläufe) wurden im Lauf der Jahre jedoch seltener, sie betreffen etwa schätzungsweise jeden fünfzehnten überprüften Todesfall.

Obwohl sie also wichtig sind, beklagen Pathologen in westlichen Ländern seit langem den Rückgang an Autopsien. Wurden beispielsweise in den USA in den 1950er-Jahren noch mehr als die Hälfte der Verstorbenen obduziert, war es im letzten Jahrzehnt nicht einmal mehr jeder Zwanzigste. Auch in Deutschland wurden zuletzt weniger als fünf Prozent der Verstorbenen obduziert, an Universitätskliniken etwa zehn Prozent. Insbesondere betagte Menschen werden kaum je obduziert. 

Rückgang der Autopsierate in verschiedenen Ländern
Rückgang der Autopsieraten in verschiedenen Ländern von 1977 bis 2010 gemäss Daten der WHO. © Britt M. Blokker et al. / PLOS ONE CC-BY 4.0

An machen Ausbildungsorten haben angehende Pathologen Mühe, die geforderte Anzahl von 150 Autopsien für ihre Facharztausbildung zusammenzubringen. 

Krankenversicherungen zahlen nicht für Autopsien

Die Gründe für die geringen Autopsieraten sind vielfältig: 

  • Viele Ärzte unterschätzen den Nutzen der Autopsie, fragen die Angehörigen gar nicht erst um Erlaubnis oder haben Sorge, dass man ihnen womöglich Fehler nachweisen könnte. 
  • Die diagnostischen Möglichkeiten zu Lebzeiten sind heute besser als früher. 
  • Die Angehörigen willigen nicht in die Autopsie ein. 
  • Die Krankenversicherungen übernehmen die Kosten nicht. Spitäler oder Angehörige müssen die Autopsie eines Verstorbenen aus eigener Tasche bezahlen, sofern sie nicht von einem Gesundheitsamt oder einem Staatsanwalt angeordnet wird. 

Eine Autopsie kostet in der Schweiz zwischen 1’000 und 6’000 Franken, in Deutschland etwa 500 bis 1’000 Euro. Um einen möglichen Impfschaden festzustellen, braucht es aber noch Spezialuntersuchungen, so dass sich die Kosten auf 3’000 bis 4’000 Euro belaufen können.

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1 Swissmedic sah bei keiner dieser Verdachtsmeldungen in der Schweiz einen ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung.

Lesen Sie morgen Teil 2.

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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Quelle

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