Der Klimawandel wird in Russland nicht bestritten, zumal Russland von der Erwärmung sehr direkt betroffen ist, wenn Permafrostböden tauen, auf deren einst ewigem Eis Städte ohne Fundamente gebaut wurden, die nun zu versinken drohen. Allerdings sind die russischen Ansätze beim Klimaschutz andere als im Westen. Das beginnt schon damit, dass sich die Wissenschaftler in Russland über die Gründe für den Klimawandel keineswegs einig sind, was ganz nebenbei die Legende der 97-prozentigen Einigkeit „der Wissenschaft“ über den menschengemachten Klimawandel ad absurdum führt. Auch bei den Wegen zu einer CO2-Reduzierung geht Russland andere Wege als der Westen und setzt nicht auf wetterabhängige Energiequellen wie Wind und Sonne, sondern auf emissionsfreie Energiequellen wie Wasser-, Gezeiten- oder Atomkraft. Und nicht zuletzt setzt Russland auf eine massive Aufforstung, um Wälder das CO2 aus der Atmosphäre filtern zu lassen.Auf die ideologisierten Ansätze des Westens beim Klimaschutz schaut man in Russland mit Kopfschütteln und auf das Phänomen Greta reagiert man in Russland mit ungläubigem Staunen. Russland geht Probleme pragmatischer an.

Die Verlogenheit der EU-Kommission

Wie wenig die politischen Eliten des Westens den Zirkus um den Kampf gegen das CO2 ernst nehmen, zeigt ein Vorschlag der EU-Kommission vom Sommer. Darin wurde angeregt, Frachtflugzeuge von der Besteuerung auf Flugbenzin auszunehmen, um die Transportkosten von Waren für die Wirtschaft nicht zu erhöhen. Bei der Gelegenheit sollten auch Privatjets von der Steuer befreit werden, weil sie ja auch für Frachtflüge eingesetzt werden könnten. Das freut die politische und wirtschaftliche Elite, denn sie spart bei den Flugkosten im Luxusjet ein paar Euro. Und dass all die Politiker, die nach einer CO2-Reduzierung schreien, lieber mit dem Privatjet fliegen, als mit der Bahn zu fahren, wird in der westlichen Presse auch möglichst nicht erwähnt, oder hat die Tagesschau darüber in ihren Berichten von der Klimakonferenz in Glasgow berichtet?Das russische Fernsehen hat das getan und ich habe den Bericht des russischen Fernsehens über die Showveranstaltung in Glasgow übersetzt. Beginn der Übersetzung:Am Dienstag endet der Klimagipfel der Staats- und Regierungschefs in Glasgow. Die Konferenz wird dann auf Expertenebene fortgesetzt. Wladimir Putin sprach über eine Videoverbindung zu dem Treffen. Der russische Präsident sprach über die Erhaltung der Wälder und einzigartigen Ökosysteme. Ein Bericht unseres Korrespondenten.Heute findet in Glasgow der Tag der Erklärungen der führenden Politiker der Welt statt. Nicht alle konnten nach Schottland kommen. Der russische Präsident wandte sich per Videobotschaft an die Konferenz.„Die russische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2060 eine kohlenstoffneutrale Wirtschaft zu schaffen, und setzt dabei vor allem auf die einzigartige Ressource unserer Waldökosysteme und ihr bedeutendes Potenzial, Kohlendioxid zu absorbieren und Sauerstoff zu produzieren. Immerhin befinden sich rund 20 Prozent der weltweiten Wälder in unserem Land. Wir ergreifen die ernsthaftesten und energischsten Maßnahmen, um sie zu erhalten, wir verbessern die Waldbewirtschaftung, wir bekämpfen den illegalen Holzschlag und Waldbrände, wir vergrößern die Aufforstungsflächen“, sagte der russische Präsident.Auf dem Gipfel unterzeichnete Russland die Erklärung von mehr als 100 Ländern, die sich verpflichten, alles zu tun, um den Rückgang der Waldflächen bis 2030 zu stoppen. Im Kampf um die Reduzierung der Treibhausgasemissionen befürwortet Moskau echte Schritte, so Ruslan Edelgeriev, russischer Präsidentenberater für den Klimawandel und ehemaliger Vorsitzender der tschetschenischen Regierung.Russland befürwortet die aktive Entwicklung der Kernenergie. Der russische Pavillon präsentierte sogar das Modell einer Stadt der Zukunft, die aufgrund von Atomkraft existiert.US-Präsident Joe Biden konnte den Gipfel nicht verlassen, ohne eine spektakuläre Erklärung abzugeben. Er versprach, die Methanemissionen seines Landes durch strengere Auflagen für den amerikanischen Öl- und Gassektor drastisch zu reduzieren.„Ich möchte allen Anwesenden dafür danken, dass sie heute das Abkommen unterzeichnet haben, das neue Spielregeln festlegt“, sagte Joe Biden.In den Vereinigten Staaten weiß man sehr gut, dass das nicht bedeutet, dass den Worten unbedingt Taten folgen. So war es bei Bidens anderer Zusage von 555 Milliarden für die Bekämpfung der Erwärmung und für grüne Technologien. Zusätzliche Steuern auf Methanemissionen könnten die Kosten für Strom, den die Amerikaner aus Öl, Gas und Kohle beziehen, erheblich erhöhen. Das Projekt könnte in den USA auf heftigen Widerstand stoßen. Doch in Glasgow schlossen sich mehr als 80 Länder Bidens Initiative an, die Methanemissionen bis 2030 um 30 Prozent zu senken.„Wir können nicht bis 2050 warten. Wir müssen die Emissionen schneller reduzieren“, sagte die Chefin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen.Die Chefin der Europäischen Kommission hat aber nicht die Absicht, sich persönlich einzuschränken. Der britische The Telegraph veröffentlichte Informationen über von der Leyens Vorliebe für Privatjets: sie flog sogar von Wien nach Bratislava, obwohl die Entfernung zwischen den beiden Städten nur 70 Kilometer beträgt.Die Analyse von The Telegraph ergab, dass die oberste EU-Beamtin seit ihrem Amtsantritt im Dezember 2019 für 18 ihrer 34 Dienstreisen „Flugtaxis“ gebucht hat, obwohl sie sich verpflichtet hat, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen.Der britische Premierminister Johnson verlässt den Gipfel ebenfalls in einem Privatjet. Sein Büro sagte, dass das nötig sei, damit der Premierminister all seine Termine schaffe.Fragen des Klimawandels sind die geringste Sorge des ukrainischen Präsidenten. Die wenigen Minuten, die er Joe Biden abfangen konnte, verbrachte er damit, über den Donbass zu sprechen und dem amerikanischen Präsidenten erwartungsvoll in die Augen zu schauen.„Während seines Gesprächs mit dem US-Präsidenten in Glasgow sprachen sie über die Sicherheitslage im Donbass. Die USA unterstützen weiterhin die territoriale Integrität und die Reformen in der Ukraine“, sagte Wladimir Selensky.Die Ambitionen der Politiker wurden von Umweltaktivisten, die ihre Haltung zu den Geschehnissen auf der Konferenz zum Ausdruck brachten, ironisch aufgenommen. Umgeben von ihren Bewunderern scheute sich Greta Thunberg nicht, ihre Meinung zu sagen.Am Rande des Gipfels leuchtete heute noch ein weiterer Stern. Der Schauspieler Leonardo DiCaprio erhielt fast mehr Aufmerksamkeit als die versammelten Politiker.Die britische Königin wandte sich an die führenden Politiker der Welt. Die Rede von Elisabeth II wurde in ihrem Schloss Windsor aufgenommen. Aufgrund ihres Gesundheitszustands war sie nicht in der Lage, persönlich am Gipfel teilzunehmen.„Ich hoffe, dass diese Konferenz eine der seltenen Gelegenheiten sein wird, bei denen jeder die Chance hat, sich über die unmittelbaren politischen Probleme hinwegzusetzen und echte Staatskunst zu zeigen“, sagte die Königin.Auf dem Gipfel in Glasgow werden globale Initiativen diskutiert, aber die Organisatoren haben es nicht geschafft, die logistischen Probleme vor Ort zu lösen: überall waren Warteschlangen, auch bei den Pressekonferenzen.Unerwartet kam es auch zu einer skandalösen Situation mit der israelischen Energieministerin. Karin Elkharar sitzt im Rollstuhl, die Organisatoren hatten aber keine behindertengerechten Einrichtungen zur Verfügung gestellt, so dass sie am Montag nicht zu den Veranstaltungen kommen konnte. Premierminister Johnson musste sich persönlich entschuldigen.Die Konferenz in Glasgow läuft noch bis zum 12. November, dann soll eine Abschlusserklärung formuliert werden, an der die Experten noch arbeiten müssen. Es gibt viele Kontroversen und es ist auch klar, dass sich der Weg von spektakulären Versprechungen bis zu ihrer Umsetzung über viele Jahrzehnte hinzieht, in denen sich vieles ändern kann, auch die Positionen derer, die die Versprechungen heute machen.Ende der ÜbersetzungIn meinem neuen Buch „Abhängig beschäftigt – Wie Deutschlands führende Politiker im Interesse der wirklich Mächtigen handeln“ habe ich mich sehr intensiv mit weiteren Themen rund um die komplexen Zusammenhänge der gesteuertern Politik im Westen und deren brisanten Verstrickungen mit einer ganzen Reihe von Organisationen beschäftigt und dabei einiges zu Tage gefördert.Das Buch ist aktuell in diesem Monat erschienen und ausschließlich hier direkt über den J.K. Fischer Verlag bestellbar.