Merkel sorgt dafür,…  … dass sie im Hintergrund weiter Macht ausüben kann 

Wer dachte, die Ära Merkel sei demnächst endgültig vorbei, irrt sich. Merkel baut ihre Position als künftige graue Eminenz der deutschen Politik aus. Deutlichstes Indiz dafür: Sie hat sich ein vom Steuerzahler personell üppig ausgestattetes Büro mit neun Mitarbeitern gesichert. Dass Ex-Kanzler ein kleines Büro im Bundestag halten dürfen, ist Bundesrepublik-üblich. Bemerkenswert ist Merkels künftiger Stab, weil erst 2019 der Haushaltsausschuss des Bundestags beschlossen hatte, das Personal der Altkanzler zu verringern. Für Merkel soll das also nun doch nicht gelten. 

Ihre Macht, solcherlei durchzusetzen, ist ungebrochen und zwar über Parteigrenzen hinweg, ebenso wie ihr Wille, weiter in der Politik mitzumischen. Merkel wird keineswegs bescheiden und politiksatt abtreten, wie das angesichts ihres Verzichts auf eine erneute Kandidatur auf den allerersten Blick erschien. Schein-bescheiden sind auch ihre kokettierenden Antworten auf Fragen nach ihrer persönlichen Zukunft. Sie sei bislang zu beschäftigt gewesen, um darüber nachzudenken. Oder: Sie werde dann erstmal ausschlafen. Wer’s glaubt … 

Merkels zur Schau gestellte Bescheidenheit in materiellen Fragen ist ein wesentlicher Teil ihrer Herrschaftstaktik. Ihre relative Bescheidenheit in materiellen Dingen macht Merkel nicht nur freier und weniger angreifbar als Politiker wie Schröder oder auch die französischen Ex-Präsidenten Chirac und Sarkozy. Prunksucht erzürnt Medien und Bürger, während die Zurschaustellung der vermeintlichen eigenen Bescheidenheit auf die Regierten besänftigend wirkt. 

Ihre Vorliebe für Hausmannskost und langweilige Kleidung belegt scheinbar eine Bodenhaftung, die sie in ihrer Politik tatsächlich längst verloren hat – wenn sie sie denn jemals besaß. Umso wichtiger ist es für Merkel, die als privilegiertes Kind der DDR und dann als Sofort-Spitzenpolitikerin ohne „Ochsentour“ niemals das Leben eines normalen Bürgers führte, sich den Anschein der Bescheidenheit zu geben. Diese zur Schau gestellte Einfachheit ist ein bewährtes Machtinstrument. Napoleon trug stets nur eine Leutnantsuniform, während seine Marschälle goldbestickt stolzierten.

Und die Geschichte bietet auch genug Beispiele von formal abgetretenen Machthabern, die aus dem Hintergrund auch ohne jeglichen offiziellen Posten weiter die Strippen zogen – in China etwa Deng Xiaoping. Für die wirklichen Meister der Macht ist es womöglich sogar fast angenehmer, nicht mehr unter medialer Dauerbeobachtung zu stehen und keinem Parlament oder sonstigem Gremium verantwortlich zu sein. 

Dass Merkel keineswegs ans Kartoffelsuppekochen oder andere Freuden des Ruhestands denkt, legt übrigens auch ihre aktive Deal-Macherei in Telefonaten mit Putin und Lukaschenko nahe, ebenso wie ihr kaum direkt belegbares, aber doch allzu offensichtliches Agieren innerhalb der CDU im Kampf um den Parteivorsitz. Sie hat es jedenfalls schon geschafft, dass innerhalb ihrer Partei von einer Abrechnung mit ihren Deutschland und ihre Partei schädigenden Fehlern kaum mehr die Rede ist: Um den Parteivorsitz bewerben sich ein Mann, der sie liebt, ein Mann, der sie fürchtet, und einer, der sich immer wieder selbst demütigt, bevor sie es ihm antut.

Merkel hängt weiter zäh an ihrer Macht über Deutschland und über die Partei. Und sie wird davon nicht ablassen, solange beide sich diese Trägheit der Regierten leisten zu können glauben. 

Quelle: TE

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