Bilder von der weißrussisch-polnischen Grenze, die in Deutschland nicht gezeigt werden

Das russische Fernsehen hat Bilder von der Lage der Flüchtlinge an der weißrussisch-polnischen Grenze gezeigt, wie man sie in Deutschland wohl nicht zu sehen bekommt. von Anti-Spiegel 28. November 2021 22:46 Uhr In der Sendung „Nachrichten der Woche“, dem Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens, wurde am Sonntag wieder eine Reportage von der weißrussisch-polnischen Grenze und der Lage der Flüchtlinge gezeigt, die dort gestrandet sind.

Obwohl Präsident Lukaschenko mittlerweile persönlich vor Ort war und den Flüchtlingen Hilfe bei der Rückkehr in ihre Heimat angeboten hat, bleiben viele lieber in dem provisorischen Flüchtlingslager und hoffen weiterhin, nach Deutschland zu gelangen.

Da ich auch vor einer Woche einen Bericht des russischen Fernsehens aus dem Lager übersetzt habe, habe ich an den Reaktionen der Leser bemerkt, dass in Deutschland nicht vollständig über die Situation vor Ort berichtet wird. Vor allem das ausgesprochen brutale Vorgehen der polnischen Sicherheitskräfte wird in Deutschland nach Kräften verschwiegen. Oder wurde im deutschen Fernsehen zur besten Sendezeit berichtet, dass die Polen trotz Minustemperaturen Wasserwerfer einsetzen, die nicht bloß kaltes Wasser verschießen, sondern dass das Wasser, das auf die Flüchtlinge geschossen wird, mit ätzenden Zusätzen und Insektiziden versetzt wurde?

Daher habe ich auch den Beitrag des russischen Fernsehens von diesem Sonntag übersetzt. Zum Verständnis sei gesagt, dass vor diesem Beitrag ein Film über den Fischereistreit zwischen Frankreich und Großbritannien gezeigt wurde, weshalb der Beitrag mit den Flüchtlingen beginnt, die im Ärmelkanal ertrunken sind. Da dieser Beitrag sehr eindrucksvolle Bilder zeigt, empfehle ich, den aktuellen Beitrag des russischen Fernsehens über die Lage an der weißrussisch-polnischen Grenze anzuschauen, denn zusammen mit meiner Übersetzung ist er auch ohne Russischkenntnisse verständlich.

Beginn der Übersetzung:

Ein weiterer Streitpunkt zwischen Frankreich und Großbritannien sind die Migranten. Etwa dreißig Flüchtlinge sind kürzlich im Ärmelkanal ertrunken. Unter den Toten waren auch Kinder und schwangere Frauen. Sie waren auf der Suche nach einem besseren Leben mit einem Schlauchboot von Calais in Frankreich nach Großbritannien aufgebrochen. Doch die Zahl der illegalen Einwanderer war so groß, dass sie die fragile Konstruktion überfordert hat. Nur zwei haben überlebt.An Land verfolgten französische Polizeibeamte mit Interesse die Vorbereitungen für die Abfahrt. Sie haben nicht eingegriffen und ließen die Migranten in den Tod gehen. In Frankreich sagt man, die Schmuggler seien an allem schuld. Präsident Macron verspricht, die Verantwortlichen zu bestrafen und sagt, er werde „nicht zulassen, dass der Ärmelkanal zu einem Friedhof wird“. Aber die Briten sind trotzdem unzufrieden. Der britische Premierminister Boris Johnson ist der Ansicht, dass Frankreich nicht genug tut, um den Zustrom von Migranten einzudämmen.„Ich fürchte, die Ereignisse zeigen, dass die Maßnahmen unserer Freunde an der Küste nicht ausreichen. Wie Sie wissen, geben wir ihnen 54 Millionen Pfund. Und das Problem besteht darin, bestimmte Partner, insbesondere die Franzosen, davon zu überzeugen, so zu handeln, wie wir es möchten“, sagte Johnson.

In einem Punkt sind sich jedoch sowohl Frankreich als auch Großbritannien einig: Sie bezeichnen den Tod von Migranten im Ärmelkanal als „Tragödie“ und geben Lippenbekenntnisse über die Flüchtlinge ab. Die Europäer haben jedoch kein Mitleid mit den anderen Unglücklichen, die sich an der Grenze zwischen Weißrussland und Polen stauen und nach Deutschland gelangen wollen. Die Migranten erkranken in eisiger Kälte in kalten Zelten, polnische Grenzsoldaten übergießen sie mit Wasser und Tränengas und hetzen Hunde auf sie. (Anm. d. Übers.: Da solche Bilder in Deutschland nicht gezeigt werden, empfehle ich, diesen Teil des Beitrages – etwa Minute 1.50 – anzuschauen, denn es werden Bilder davon gezeigt, wie polnische Grenzer ihre Hunde auf die Flüchtlinge loslassen)

Die Europäische Union schweigt. Kein Wort des Mitgefühls oder der Verurteilung gegenüber der polnischen Regierung. Das ist die Doppelmoral der europäischen Humanität. Dabei verdienen Verbrecher hervorragend an den unglücklichen Flüchtlingen. Journalisten der französischen Zeitung Le Monde haben Facebook, die beliebteste Seite unter illegalen Migranten, untersucht. Ein ganzes Netzwerk von Schmugglern hat sich dort eingerichtet. Sie bieten ihre Dienste an, nennen ihre Preislisten und und sprechen die Bedingungen für den Transport von Menschen nach Europa ab. Viele werden betrogen und um ihr letztes Geld gebracht. So fördert Facebook den Zustrom von Migranten nach Europa. Doch die US-Behörden haben es nicht eilig, das zu beenden und Facebook aufzufordern, die kriminellen Anzeigen zu entfernen.

Unsere Korrespondentin berichtet von der weißrussisch-polnischen Grenze.

Das ist der erste Schnee in ihrem Leben. Im Irak ist es plus 20 Grad, aber die kleinen Flüchtlinge machen an der weißrussisch-polnischen Grenze eine Schneeballschlacht. In langen Schlangen wird für warmes Essen angestanden. Viele melden sich bei Ärzten: Bis zu 10 Migranten aus dem Krisenzentrum kommen jeden Tag in Krankenhäuser. Bald ist Winter: In der humanitären Hilfslieferung befinden sich bereits Weihnachtsgeschenke.

Eine der Flüchtlingsfrauen hat ihre Familienangehörigen verloren. In weniger als einem Tag fand das Komitee des staatlichen Grenzschutzes heraus: Ihr Sohn ist mit seiner Frau und zwei Kindern in einem Lager in Polen, ihr Enkel schaffte es, nach Deutschland zu gelangen.Der weißrussische Präsident ist mit seinem jüngsten Sohn Nikolay gekommen und Alexander Lukaschenko spricht über die Bedeutung der Familienzusammenführung: „Zweitausend Menschen sind ein kein großes Problem für Deutschland und Bundeskanzlerin Merkel hat dem zugestimmt. Aber die Polen blockieren alles. Ich möchte mich an das polnische Volk wenden, dem wir freundschaftlich verbunden sind: Wir brauchen keine Zusammenstöße, geschweige denn Kriege. Lasst diese Leute durch!“Die Polen haben die Absperrung nicht einmal am inzwischen leeren Kontrollpunkt Bruzgi aufgehoben, wo immer noch Wasserwerfer bereitstehen. Außerdem wurde eine Spezialeinheit der polnischen Streitkräfte an die Grenze verlegt. Sie ist auf subversive Operationen und die Niederschlagung von Aufständen spezialisiert und hat selbst in Polen den Ruf ungeheuerlicher Halsabschneider.

Unmittelbar an der Grenze wird mit Artillerie, Infanterie und Panzern geübt. Sie trainieren übrigens offensive Elemente. Nach Angaben Warschaus sind diese Übungen der letzte Schritt zur Bildung eines Truppenverbands an der Grenze zu Weißrussland. Auch die Aktivität der NATO-Luftwaffe hat zugenommen und nach Angaben des weißrussischen Verteidigungsministeriums werden nun russische und weißrussische Piloten gemeinsam am Himmel über dem Unionsstaat patrouillieren.

Deutschland hat sich offiziell geweigert, Flüchtlinge aufzunehmen. Nur ein Drittel der von der EU zugesagten 700.000 Euro wurde an das Weißrussische Rote Kreuz überwiesen. Aber Minsk hat bereits mehr als 12,5 Millionen Dollar für Lebensmittel, Kleidung und Lagerausrüstung ausgegeben. Jetzt haben die Flüchtlinge sogar eine russische Banja. Vor dem Betreten werden sie gegen Kopfläuse behandelt. Das Dampfbad bietet Platz für bis zu 50 Personen. Die Leute kommen in Schüben. Sie wechseln sich ab: Frauen und Kinder am Morgen, danach die Männer. (Anm. d. Übers.: Die Banja, also die russische Sauna, war früher das Bad, in dem man sich gewaschen hat und auf dem Land ist das oft immer noch so. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das eine sehr schöne Erfahrung ist und dass ich gut verstehe, warum Russen auf dem Lande die Banja vorziehen, selbst wenn sie ein modernes Bad haben. Wie man an den Bildern in dem Beitrag sieht, scheint die Banja auch den Migranten zu gefallen)

Diesem Mädchen hingegen werden die Haare draußen, wo schon Schnee liegt, gewaschen. Wie lange werden Kraft und Geduld der Flüchtlinge noch reichen? Alexander Lukaschenko hat ihnen angeboten, selbst zu entscheiden: „Wenn jemand nach Hause will, werden wir ihm helfen, aber wir werden niemanden zwingen. Das selbst zu entscheiden, ist Ihr Recht. Wer nach Westen will, das ist auch Ihr Recht. Wir werden Sie nicht einfangen, verprügeln und hinter Stacheldraht sperren.“Es gibt jetzt einmal täglich Flüge nach Erbil. Etwa tausend Menschen sind wieder im Irak, aber bisher noch keine aus dem Lager an der Grenze. Zwei Flugzeuge haben sie ausgeflogen, aber es waren fast ausschließlich Flüchtlinge, die noch Minsk waren.Zelte statt Betten, Wände aus Decken, ein Dach aus Holzpaletten, die Migranten leben in dem Logistikzentrum bereits auf zwei Etagen. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge aus dem Irak. 80 Prozent sind Kurden, 200 Jesiden, etwa 60 Syrer, es gibt Menschen aus Kuba, Mali, Uganda und sogar der Elfenbeinküste. Bislang ist die Zusammensetzung des Lagers jedoch nicht genau erfasst, es gibt keine Listen. Einige haben gar keine Dokumente, sie haben sie auf dem Weg hierher verloren.

In der Heimat der Jesiden im Irak gibt es Zeltlager, die der IS betreibt. Der Völkermord an diesen Menschen ist von der UNO offiziell anerkannt worden. Aber es gibt keinen Ort, an den sie zurückkehren können. Das Mädchen Parza Akram lebte in einem Haus, das ihr Vater, er ist Tischler, mit seinen eigenen Händen gebaut hatte, aber hier hat sie zwei Quadratmeter. „Mein Vater schläft hier, mein Bruder neben ihm, meine Mutter und ich sind in dem Zelt. Zu Hause haben wir keine Zukunft, unser dortiges Leben gibt es nicht mehr. Wir haben das Haus und das Auto meines Vaters verkauft, um mit dem Geld hierher zu kommen“, sagt sie.Parza ging früher eine Schule mit dem Schwerpunktfach Englisch, aber jetzt kann sie nicht mehr lernen. Sie zeigt ihre Fotos: Im Kreise ihrer Verwandten bei einer traditionellen Hochzeit und in traditioneller kurdischer Tracht.

Für sie gibt es keinen Weg zurück, vorwärts aber bisher auch nicht.

Ende der Übersetzung

In meinem neuen Buch „Abhängig beschäftigt – Wie Deutschlands führende Politiker im Interesse der wirklich Mächtigen handeln“ habe ich mich sehr intensiv mit weiteren Themen rund um die komplexen Zusammenhänge der gesteuertern Politik im Westen und deren brisanten Verstrickungen mit einer ganzen Reihe von Organisationen beschäftigt und dabei einiges zu Tage gefördert.

Das Buch ist aktuell in diesem Monat erschienen und ausschließlich hier direkt über den J.K. Fischer Verlag bestellbar.

Quelle

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