Ausgestoßene der Woche: „Komplett geisteskrank”

Ein wirklich unterhaltsamer Rauswurf erfolgte nach der Wut-Ansage einer Präparatorin in der Pathologie der Münchner Uniklinik, die wohl wusste, was sie tat und es trotzdem tat. Aber es gibt noch viele weitere Fälle, die wir aus Übersichtsgründen alphabetisch abhandeln.

Sie möchten gecancelt werden? Tun Sie es wie die junge Präparatorin in der Pathologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München (auf Instagram nennt sie sich @samiisamuraii), die kürzlich in einem viral gegangenen Internetvideo (falls schon gelöscht auch hier auffindbar) eine Brandrede gegen den politischen Umgang mit der Corona-Pandemie hielt, mit besonderem Blick auf die Auswirkungen für das medizinische Personal. Die junge Frau handelt nach der zuverlässigen Methode: Wer möchte, dass aus dem Polizeirevier unten ein Polizist rauskommt, muss nur oben eine Scheibe einwerfen.Ein paar Ausrutscher gibt es: Sie dreht in der Leichenhalle der LMU, was sicher nicht erlaubt ist, beschimpft ihren Arbeitgeber unter anderem als „hirnrissig“ und spricht von einer geplanten Pflicht für ungeimpfte Mitarbeiter von Kliniken und Universitäten, auf eigene Kosten PCR-Tests durchführen zu lassen. Das ist laut Spiegel.de „so nicht richtig“ (man beachte das „so“). Focus schreibt: „Demnach müssten ungeimpfte Mitarbeiter künftig einen PCR-Test vorweisen – die Kosten müssten selbst getragen werden. Auf welche Verordnung genau sie sich dabei bezieht, bleibt unklar.“Die Lage ist unübersichtlich, möglicherweise bezieht sie sich auf diese Verordnung, möglicherweise aber auch auf eine andere oder schlicht auf Gerüchte, wobei die ja inzwischen dazu tendieren, zu Fakten zu werden. Wir geben zu: Wir wissen es nicht. An der evidenten Richtigkeit ihrer Kernaussage „Wir haben den Notstand in Deutschland nicht wegen dem Coronavirus, sondern wegen dem Fachkräftemangel“ ändert das allerdings nichts.Die fristlose Kündigung ist bereits ausgesprochen, und eine neue Legende geboren, eine würdige Nachfolgerin des JetBlue Airways Flugbegleiters, der 2010 nach einem Streit mit einer renitenten Passagierin eine kurze wütende Ansprache über das Durchsagesystem hielt, noch zwei Bier vom Rollwagen schnappte, seine Uniformkrawatte wegwarf und das Flugzeug mit Hilfe der Evakuierungsrutsche verlies. Kleine Leute aller Länder wehrt euch, im Zweifel, indem ihr euch selbst entlasst. @samiisamuraii wünsche ich, im Arbeitszeugnis-Jargon, „für die Zukunft beruflich und persönlich alles Gute und weiterhin viel Erfolg“.Manchmal gibt es bei den Ausgestoßenen der Woche keinen herausragenden einzelnen Fall, der besonders heraussticht. Vielmehr haben wir es mit einer Art Tötung von Vernunft und Freiheit durch 1000 kleine Schnitte zu tun (im alten China nannte man diese besonders grausame Hinrichtungsart Lingchi, wortwörtlich: „Schlechtbehandlung langsam“). Daher ist diese Ausgabe der Ausgestoßenen eine schlichte Aufstellung der aktuellen Fälle in alphabetischer Reihenfolge.

Humphrys, Mark

An der irischen Dublin City University (DCU) wird der Assistenzprofessor für Informatik Dr. Mark Humphrys wegen politischer Äußerungen auf seinem privaten Blog stark unter Druck gesetzt. Es geht vor allem um Statements über die Black-Lives-Matter-Bewegung (BLM) und das Thema Polizeigewalt und -rassismus in den USA. So bezeichnete Humphrys BLM unter anderem als „auf Sand gebauten Unsinn“. Die Bewegung habe „die Situation für die Armen in den amerikanischen Städten nicht verbessert, sondern verschlechtert“. Der 2020 von weißen Polizisten getötete Afroamerikaner George Floyd sei „ein weiterer nutzloser Krimineller, der sich sein eigenes Grab geschaufelt hat“. Bei der US-Polizei gäbe es „kein Rassenproblem“. Und so weiter und so fort.Aufgebrachte Studenten meldeten diese und ähnliche Inhalte dem Kanzler der Universität. Das Studentenwerk der DCU forderte die Unileitung auf Facebook auf, „schnell zu handeln, denn das ist völlig inakzeptabel“. Tatsächlich hat sich die DCU von den privaten Äußerungen ihres Dozenten distanziert. In einer aktuellen Stellungnahme schreibt die Unileitung unter anderem: „Wir sind uns bewusst, dass einige Personen Teile dieses Blogs beleidigend finden werden. […] Die in diesem Blog geäußerten Ansichten werden von der Universität nicht befürwortet und spiegeln nicht die Ansichten der Universität, ihrer Mitarbeiter oder der Studentenschaft wider.“ (Woher genau will man letzteres wissen? Hat man alle Mitarbeiter und Studenten befragt? Bilden sie einen weltanschaulich homogenen Korpus?)Humphys bloggt bereits seit 20 Jahren über politische und religiöse Themen und bringt zu seiner eigenen Verteidigung vor, dass er mit Studenten nie über Politik diskutiert und in der Lehre nie auf seinen privaten Blog hingewiesen habe. „Meine Gedanken, ob verrückt oder klug, oder beides, sind meine eigenen. Sie haben nichts mit der DCU zu tun. Wenn Sie denken, dass ich verrückt bin oder einige Fakten falsch wiedergegeben habe, ist es nicht schwer, mit mir zu diskutieren. Aber lassen Sie DCU aus dem Spiel“, schreibt der Assistenzprofessor in einer eigenen Stellungnahme.

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