Das Narrativ von den gewalttätigen Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen

Die Demonstrationen am Wochenende

In mehreren europäischen Städten fanden Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen statt. Gleichzeitig bieten einzelne Vorfälle Politikern die Gelegenheit, ein neues Narrativ von der Radikalisierung und Gewaltaffinität der Demonstranten zu verbreiten.

IMAGO / Roland Mühlanger

Auch in Kufstein, Österreich, gingen am Wochenende Demonstranten gegen Corona-Maßnahmen auf die Straße.Am Vor-Nikolaus-Wochenende gingen in Deutschland und anderen Ländern viele tausende Demonstranten auf die Straßen zum Protest gegen die Corona-Maßnahmen, vor allem gegen die in Deutschland drohende Impfpflicht. In Frankfurt am Main gab es am Samstag zwei große Demonstrationen. Gegen 15 Uhr hatten sich rund 1.500 Demonstranten auf dem Opernplatz versammelt. Zur gleichen Zeit begann am nahegelegenen Reuterweg ein Protestzug von 700 Menschen. Wegen Verstößen gegen die städtischen Auflagen wurden beide Demos aufgelöst. Ein Mann mit einem gelben Stern mit der Aufschrift „ungeimpft“ wurde vorläufig festgenommen. Zeit zum Lesen „Tichys Einblick“ – so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen In Berlin versammelten sich am Wochenende nur einige hundert Personen zu Protesten. Womöglich hat das erst angekündigte, dann zurückgenommene 3G-Gebot für Demonstrationen den Protest in der Hauptstadt gezähmt. Hinzu kommen die harten Aktionen der Polizei bei früheren Demonstrationen, beginnend mit polizeilichen Straßensperrungen und Schikanen, endend mit Gewalt gegen Demonstranten. Im Folgenden wanderten kleinere Gruppen durch die Innenstadt und skandierten Parolen wie „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“. Das Polizeiaufgebot war im Vergleich zu den vorangehenden Wochenenden vergrößert worden, als ebenfalls mehr als 2.000 Demonstranten auf Frankfurter Straßen waren. An verschiedenen Stellen versammelten sich einige hundert Demonstranten, die bald von der Polizei zerstreut wurden. Eine Person habe eine Flasche auf einen Beamten geworfen, der dabei nicht verletzt wurde. Die Identität von 89 Personen wurde festgestellt. Das ist für solche Demonstrationen eine relativ kleine Zahl.

Am Samstag zogen kleinere Gruppen zu verschiedenen Landmarken, mit Slogans wie „Nieder mit der Corona-Diktatur“. Zugleich kam es zu Zusammenstößen in der Berliner S-Bahn, über die Bild berichtet: Unmaskierte Corona-Demonstranten fuhren mit der Bahn, als „rund 20 Vermummte“ mit dem Ruf „Antifa Maskenkontrolle!“ in den Waggon einstiegen. Die Demonstranten konnten ärztliche Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht vorlegen. Die Antifa-Vermummten kommentierten das unwillig, aber nicht ohne Pointe: „Jetzt müssen wir hier die Arbeit der Polizei machen.“ Danach drängten sie die unmaskierten Demonstranten aus der Bahn, wobei einige verletzt wurden. Auch einen offiziell angemeldeten Autokorso mit 80 Autos und mehr als 170 Teilnehmern, der im Stadtteil Friedrichsfelde startete, störten vermummte Personen.  

Demonstration in Wien gegen die Impfpflicht

Besonders großen Zulauf hatten die Demonstrationen am Samstag in Wien. Laut Einschätzung der Polizei kamen 42.000 Menschen zusammen, um gegen die in Österreich bereits beschlossene Impfpflicht und den erneuten Lockdown (seit dem 22. November geltend) zu protestieren. Daneben waren 1.200 Polizisten auf Wiener Straßen im Einsatz, viele von ihnen in Schutzkleidung. Sechs Versammlungen waren von der Landespolizeidirektion untersagt worden, zum Teil weil sie am selben Ort hätten stattfinden sollen. Die Brennpunkte waren im Südosten der Innenstadt, im Bereich des Stadtparks. Der Hauptzug wurde am Ring gestoppt, was zu Unmutsbekundungen und Zusammenstößen führte. Als Absperrungen durchbrochen wurden, setzte die Polizei Pfefferspray ein. https://platform.twitter.com/embed/Tweet.html?dnt=true&embedId=twitter-widget-0&features=eyJ0ZndfZXhwZXJpbWVudHNfY29va2llX2V4cGlyYXRpb24iOnsiYnVja2V0IjoxMjA5NjAwLCJ2ZXJzaW9uIjpudWxsfSwidGZ3X2hvcml6b25fdHdlZXRfZW1iZWRfOTU1NSI6eyJidWNrZXQiOiJodGUiLCJ2ZXJzaW9uIjpudWxsfSwidGZ3X3NwYWNlX2NhcmQiOnsiYnVja2V0Ijoib2ZmIiwidmVyc2lvbiI6bnVsbH19&frame=false&hideCard=false&hideThread=false&id=1467245771867185166&lang=de&origin=https%3A%2F%2Fwww.tichyseinblick.de%2Fkolumnen%2Faus-aller-welt%2Fwerden-corona-demonstrationen-wirklich-gewalttaetiger%2F&sessionId=2724fc23690551262c1e46f995534cf76ced3534&theme=light&widgetsVersion=9fd78d5%3A1638479056965&width=550px

Auch in Wien war das Demonstrationsgeschehen vielstimmig. So hatten die Identitären um Martin Sellner unter den Parolen „Uns kriegt ihr nie“ und „Wir sind das Volk“ einen Protestzug organisiert, der von der Polizei anscheinend problemlos in den Bezirk Landstraße umgeleitet wurde. Eine „linke Gegendemo“ unter dem Motto „Mund-Nasen-Schutz aufsetzen. Gegen Nazis, Staat und Kapital“ konnte am Stephansplatz starten, wenn auch nur mit 1.500 Teilnehmern. 

Auch eine Gruppe „Katholischer Widerstand“ rief zum Protest gegen staatliche Maßnahmen und Impfpflicht auf. Die Piusbruderschaft ruft in Österreich zum wöchentlichen öffentlichen Rosenkranzgebet auf, bis „die aktuelle Gesellschaftskrise sich friedlich gelöst hat und die Regierenden auf ihre Zwangspläne definitiv verzichtet haben“. Die Oppositionspartei FPÖ unterstützt die Proteste, ohne sich an ihrer Organisation zu beteiligen.  

In Benelux bleibt die Lage angespannt: „Keine Impfung für unsere Kinder“

Besonders heftig waren die Zusammenstöße zwischen Ordnungshütern und Protestierenden in der belgischen und EU-Hauptstadt Brüssel mit Bildern, die knapp hinter den jüngst aus Benelux gesehenen zurückbleiben. Schon vor ein und zwei Wochen war es in Brüssel und anderswo zu teils heftigen Protesten gekommen.

Der Virus-Eraser Lauterbach-Lobpreisung bei Hart aber Fair: „Nun hat das Coronavirus seinen Angst-Gegner gefunden“ Auch in Belgien ist es „Ungeimpften“ seit einigen Tagen verboten, Restaurants und Bars zu besuchen. Insgesamt waren es diesmal laut offiziellen Angaben etwa 8.000 Demonstranten und Protestler, zuvor waren es bis zu 35.000 gewesen. Die meisten Demonstranten blieben friedlich, doch zum Teil wurden Gegenstände, auch Feuerwerkskörper, auf die Polizei geworfen. Die reagierte mit Tränengas und Wasserwerfern. Am Sonntag wurden sechs Personen in der belgischen Hauptstadt verletzt, daneben gab es 20 Festnahmen.

Zu den Parolen der Demonstranten gehörte „Keine Impfung für unsere Kinder“. Am Gebäude der EU-Kommission machte sich eine Gruppe von etwa 100 Protestierenden mit Rufen nach „Liberté“ (Freiheit) bemerkbar. Angeblich kam es dort zur Eskalation an einer von Bereitschaftspolizei gesicherten Absperrung. Einer der Redner sagte: „Wenn du alles über deine Regierung weißt, dann heißt das Demokratie. Aber wenn die Regierung alles über dich weiß, dann bedeutet das Tyrannei.“