Wie in Russland über die Lage in der Ukraine berichtet wird

Natürlich beherrscht die Ukraine auch die russischen Medien. Hier habe ich einen der sehr vielen Berichte über die Ukraine übersetzt.

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13. März 2022 03:38 Uhr

Auf den russischen Nachrichtensendern gibt es natürlich kein anderes Thema als die Ereignisse in der Ukraine. Es gibt Berichte aus dem Donbass, von der Front, von humanitären Hilfskonvois für Flüchtlinge, über Sanktionen und auch über die Lage in der von Kiew beherrschten Ukraine. Ich kann gar nicht alles übersetzen, was berichtet wird. Um trotzdem einen Eindruck von der russischen Berichterstattung zu vermitteln, habe ich einen Beitrag aus den Abendnachrichten des russischen Fernsehens vom Samstag übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die Regierung in Kiew hat die Ukrainer aufgefordert, wieder zur Arbeit zu gehen. Das Präsidialamt bezeichnete das Umfeld, in dem die Menschen im Zentrum und Westen des Landes jetzt leben, als „Regime des ungehorsamen Urlaubs“ und forderte die Menschen auf, dieses Regime zu verlassen und die Wirtschaft wieder anzukurbeln. In Kiew selbst gibt es jedoch nichts als endlose Diskussionen über den Zustand von Wladimir Selensky, der abwechselnd zu Verhandlungen aufruft und dann fordert, die Ukraine bis an die Zähne zu bewaffnen. Hört ihm überhaupt irgendwer zu? Eine Reportage über die Lage in der Ukraine.

Nach den zahlreichen Videobeweisen zu urteilen, liegt die wahre Macht in Kiew derzeit bei den Einheiten der Territorialen Verteidigung, die über Zehntausende von unregistrierte Waffen verfügen und bereit sind, sie zu benutzen, zum Beispiel gegen Kiewer Verkehrspolizisten. Die Kämpfer behaupten, dass die Verkehrspolizisten gegen eine neue Verordnung verstoßen haben, die es ihnen verbietet, ihre festen Posten zu verlassen. De facto vertrauen sie den Polizeibeamten einfach nicht. Die zeigen gehorsam ihre Dokumente, ohne Widerspruch zu wagen, und begeben sich gehorsam auf ihren Posten.

An einem anderen Kontrollpunkt wurde in dieser Nacht der Rada-Abgeordnete Kunitsky hart angefasst, weil er angeblich sein Handy gezückt und versucht hat, Fotos zu machen. Abrechnungen mit denen, die mit dem Staatsstreich von 2014 nicht einverstanden waren, haben begonnen. Nach Angaben örtlicher Journalisten in Odessa hat der SBU die Tochter des im Gewerkschaftshaus verstorbenen Michail Wjatscheslawow verhaftet. Ihr wird vorgeworfen, an Gedenkkundgebungen am Kulikov-Feld teilgenommen zu haben und ihre gesellschaftliche Position zu vertreten. In sozialen Medien rief sie dazu auf, den Krieg im Donbass zu beenden und normale Beziehungen zu Russland aufzubauen. Und heute war sie gezwungen, dies zu sagen: „Odessa ist eine ukrainische Stadt, entschuldigen Sie, was ich in sozialen Medien gepostet habe. (Pause und Seufzen) Heil Ukraine!“ (Anm. d. Übers.: Warum ich den ukrainischen Schlachtruf mit „Heil Ukraine“ übersetze, habe ich in diesem Artikel erklärt und alle Details über die Tragödie von Odessa aus dem Jahr 2014 finden Sie hier)

Die Regierung meint jedoch, dass es immer noch zu wenige Bewaffnete auf den Straßen der Stadt gibt. Hier werden Studenten im Umgang mit Waffen ausgebildet, und zwar direkt im Hörsaal. Und diese Rekruten aus einer Reportage des deutschen Fernsehens bekamen Sturmgewehre aus Holz. Das ist allerdings nicht überraschend. Viele standen für eine kostenlose AK-47 Schlange, um schnelles Geld zu machen. Es gibt immer mehr Anzeigen im Internet. Hier verkauft ein gewisser Mykola ein automatisches Gewehr ohne Papiere und verspricht, alles, was auf dem Foto ist, dem Ersten zu geben, der anruft, und als Bonus gibt es mehr als tausend Patronen dazu. Übrigens zu einem guten Preis: Es ist genug, um nach Lwiw zu fahren – wie es viele Kiewer getan haben – und dort ein paar Monate leben zu können, ohne zu arbeiten.

Die Wirtschaft des Landes ist völlig zum Erliegen gekommen. Auch im ukrainischen „Hinterland“, wie der Berater des Präsidialamtes Arestowytsch diesen Teil des Landes nannte: „Meinen Sie nicht, dass es in der West- und Zentralukraine an der Zeit ist, aus dem Regime des ungehorsamen Urlaubs herauszukommen und die Wirtschaft in Gang zu bringen, weil wir 17 Tage lang fröhlich herumspringen, wie Kinder, wenn alle Erwachsenen weg sind und sie nichts zu tun brauchen? Aber wenn wir so weitermachen, wird die Wirtschaft zusammenbrechen.“

Arestowytsch fordert die Wiedereröffnung kleiner und mittlerer Unternehmen – die meisten Großunternehmen sind nach 2014 in Konkurs gegangen -, doch in Lwiw sieht ein Teil der Bevölkerung die eigene Rolle anders. Hier stellen sie weiterhin Molotowcocktails her und werfen sie an Wände. Der Bürgermeister von Lwiw äußert unterdessen seinen Unmut über das Verhalten der Flüchtlinge, die hierher gekommen sind. Offensichtlich sind die städtischen Parkplätze nicht für eine so große Zahl von Besuchern ausgelegt, und die Autos werden wahllos abgestellt, so dass der Bürgermeister damit droht, sie zu enteignen: „Wir versuchen in Lwiw immer, uns an die Regeln zu halten, also entfernen Sie Ihre Autos bitte selbst. Wenn nicht, werden wir sie abschleppen. Und ich schließe nicht aus, dass wir einige Autos den Streitkräften übergeben werden, denn es herrscht Kriegsrecht“

Selensky forderte den Westen heute erneut auf, eine Flugverbotszone einzurichten, bekräftigte dann seine Bereitschaft zu Verhandlungen und schlug Israel als Verhandlungsort vor. Während dieses Treffens mit der westlichen Presse wurde Selenskys seltsames Verhalten wieder sichtbar. Der Gesichtsausdruck des ukrainischen Staatschefs wechselte ständig und fast unkontrolliert: Freude, Angst, Verwirrung… Ist der Präsident zurechnungsfähig? Diese Frage stellen sich in diesen Tagen viele. (Anm. d. Übers.: Die letzten Pressekonferenzen von Selensky sind tatsächlich sehr seltsam. Er stammelt teilweise wirres Zeug, anders kann man es nicht bezeichnen, und er hat Zuckungen und lallt manchmal, als wäre er auf Drogen. Das ist keine russische Propaganda, die Pressekonferenzen sind ja auf ukrainischen Seiten online und teilweise versteht man sogar ohne Sprachkenntnisse, dass der Mann sich nicht mehr unter Kontrolle hat)

Einige Minister stehen ihm jedoch in nichts nach. Verteidigungsminister Reznikov veröffentlicht danach etwas sehr Merkwürdiges auf dem Account der Luftwaffe: ein russisches Flugzeug soll ein weißrussisches Dorf bombardiert haben. Es ist sogar ein Video beigefügt, auf dem aber nichts zu sehen ist. Das weißrussischen Verteidigungsministerium bezeichnete die Informationen als „völligen Quatsch.“

Ende der Übersetzung

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