Sanktionen: Läuft alles nach Plan?

Bei aller Emotionalität, die derzeit die Medien und die Menschen beherrscht, sollte man bei geopolitischen Analysen einen kühlen Kopf bewahren, denn es gibt Meldungen, die aufhören lassen.

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15. März 2022 03:13 Uhr

Geopolitik ist ein ausgesprochen trockenes Feld, bei dem man nicht an Leid und Tod denken darf, wenn man es verstehen will. Man muss all das ausblenden und die Ereignisse (leider auch Kriege) so emotionslos sehen, wie Schachfiguren auf einem Schachbrett. Ein Geostratege denkt nicht über die Toten nach, die ein von ihm losgetretener Konflikt kostet, sondern er denkt nur darüber nach, ob der Krieg bei der Erreichung von Zielen hilft. Menschliches Leid hat in diesem Gedanken keinen Platz.

Ich habe bereits aufgezeigt, dass der Ukraine-Konflikt keineswegs überraschend gekommen ist. Dass er kommen musste, war aus geopolitischem Kalkül der USA gewollt, die Frage war nur, wann man ihn lostritt. Wenn das für Sie unglaublich klingt, lesen Sie es hier nach.

Das große Ziel der USA ist es, das zum Gegner erklärte Russland um jeden Preis zu schwächen. Die russische Militärintervention in der Ukraine ist das beste, was den USA passieren konnte, denn nun endlich haben sie Europa so weit, dass zu Sanktionen bereit ist, die die EU zwar wirtschaftlich vernichten werden, aber die EU opfert sich ja für einen guten Zweck!

Auch Russland wird dabei sicher geschwächt. Wer aber (auf den ersten Blick) kaum geschwächt wird, sind die USA. Sie haben kaum Handel mit Russland und wenn die EU auf russisches Gas verzichtet, machen die USA mit ihrem Frackinggas sogar noch ein Bombengeschäft. Ich habe die geopolitische Lage, die ich hier nur kurz zusammengefasst habe, in diesem Artikel ausführlich erklärt.

Für die USA läuft es also einerseits sehr gut, denn die EU folgt der US-Linie offenbar bis zum eigenen Untergang. Allerdings besteht die Welt nicht nur aus den USA, der EU und Russland. Wenn wir uns die Geopolitik wie ein Schachbrett vorstellen, sollten wir auch die anderen Bereiche des Schachbrettes im Auge behalten. Und darum soll es hier gehen.

China

China und Russland sind eng befreundet, die USA machen aber Druck auf China, es solle sich nicht als „Sanktionsbrecher“ betätigen und Russland helfen, die anti-russischen Sanktionen abzuschwächen. Auf Druck reagiert man in China, das ein stolzes Land ist, aber allergisch. Hinzu kommt, dass in China die Sicht eine völlig andere ist: In China steht man auf Seiten Russlands und die Menschen haben sogar Aktionen wie „kauft russisch!“ gestartet.

Die USA sind dank ihrer feindseligen Politik gegenüber China verhasst und die Chinesen verstehen, dass die USA Russland in der Ukraine in die Zwickmühle gelockt haben, entweder Atomraketen vor der eigenen Haustür zu akzeptieren, oder militärisch zuzuschlagen, um die Stationierung von Atomraketen zu verhindern. Und da die USA China ohnehin schon einen Handelskrieg erklärt haben, können die USA kaum hoffen, dass China sich ihnen nun gegen Russland anschließt, schließlich hat der Druck der USA auf Russland und China diese beiden Länder ja erst so eng zusammengeschweißt, wie sie jetzt sind.

Hinzu kommt die Taiwan-Frage, in der die USA derzeit sogar noch stärker zündeln, indem sie Taiwan Waffen verkaufen und sich offen gegen chinesische Interessen stellen. Es ist hier nicht wichtig, wie Sie oder ich zu der Taiwan-Frage stehen, wichtig sind die Interessen Chinas und der USA. China sieht Taiwan als Teil Chinas, die USA sehen Taiwan als nützlichen Stützpunkt gegen China.

Nun machen die USA Druck auf China und drohen sogar harte Sanktionen gegen China an, wenn es Russland hilft. China ist das offenbar egal, denn es hat den Druck der USA zurückgewiesen. Sollten die USA in Chinas Verhalten demnächst eine Unterstützung Russlands sehen und zusammen mit ihren Satelliten in Europa auch gegen China den Handelskrieg so sehr eskalieren, wie sie es gegen Russland tun, dürfte China sich davon nicht beeindrucken lassen.

Im Gegenteil meinen manche Analysten, dass China in dem Fall die Taiwan-Frage gewaltsam lösen könnte. China wird das sicher nicht wollen, eine friedliche Vereinigung wäre China lieber. Aber die Anhänger einer gewaltsamen Lösung der Frage werden sehr starke Argumente bekommen, wenn der Westen so harte Sanktionen gegen China verhängt, wie gegen Russland. Die Argumente lauten: Erstens hätten die USA dann sowieso schon alle möglichen Sanktionen verhängt, viel mehr Druckmittel hätten sie nicht mehr, schlimmer könnte es also sowieso nicht werden. Zweitens hätte China in Sachen Taiwan dann Russland an seiner Seite, so wie China in Sachen Ukraine an der Seite Russlands steht. Darauf dürfte man in Peking noch vor kurzem nicht zu hoffen gewagt haben, aber die USA haben Russland und China mit ihrer Politik so eng zusammengebracht, dass Russland keine andere Wahl hätte, als einem Vorgehen Chinas gegen Taiwan den Rücken zu stärken.

Sollten die USA gehofft haben, China und Russland in der Ukraine-Frage spalten zu können, dürfte sich in Washington derzeit Ernüchterung breit machen.

Das liebe Öl

Wenn die EU im Falle des Übergreifen des vom Westen gegen Russland ausgerufenen Handelskrieges auf Öl und Gas nicht innerhalb von Wochen wirtschaftlich kollabieren soll, dann muss irgendwo Ersatz für das russische Öl und Gas her. Die EU bezieht 40 Prozent ihres Gases und 30 Prozent ihres Öls aus Russland.

Ein Ende der russischen Öl- und Gaslieferungen nach Europa ist möglich. Zwar wehren sich noch viele EU-Staaten dagegen, Russland aus dem SWIFT auszuschließen, weil der Gashahn dann sofort geschlossen wird, aber der Druck auf sie wächst. Aber Russland könnte den Hahn auch selbst zudrehen, denn in Russland mehren sich die Stimmen, die fordern, gegen die wirklich sehr schweren EU-Sanktionen auch endlich schweres Geschütz aufzufahren.

Die USA und die EU haben in den letzten Tagen sehr hektisch herumtelefoniert. Katar scheint bereit zu sein, mehr Gas zu liefern, aber seine Bedingungen sind hart: Die EU soll sich langfristig verpflichten, das teurere Gas aus Katar abzunehmen. Aber Katar kann die EU alleine ohnehin nicht retten.

In Washington dürfte die Enttäuschung über die arabischen Golfstaaten derzeit sehr tief sitzen, denn sie haben eine Erhöhung der Ölförderung abgelehnt und laut Medienberichten gehen die dort herrschenden Könige und Sultane derzeit nicht einmal ans Telefon, wenn US-Präsident Biden sie deswegen sprechen möchte. Und den anti-russischen Sanktionen haben sie sich auch nicht angeschlossen.

Die arabischen Staaten wollen es sich offensichtlich nicht mit ihren wichtigen Kunden in China verderben, um nur einen möglichen Grund für deren auffällige Zurückhaltung gegenüber den Plänen des Westens zu nennen.

Gescheiterte Notlösungen

Derzeit laufen die schwierigen Verhandlungen mit dem Iran über das Atomabkommen. Sollten die Verhandlungen Erfolg haben, werden die westlichen Sanktionen gegen den Iran aufgehoben und der Iran könnte Öl liefern. Aber Russland hat nun gefordert, dass die USA garantieren sollen, dass sich die westlichen Sanktionen gegen Russland nicht auf den Iran erstrecken sollen. Das bedeutet, die westlichen Sanktionen sollen sich nicht auf die Wirtschaftsverbindungen zwischen Russland und dem Iran auswirken.

Das haben die USA abgelehnt und dem Iran angeboten, ein Atomabkommen ohne Russland abzuschließen. Das wäre für den Iran verlockend, weil dann endlich die Sanktionen fallen und der Westen sofort das iranische Öl abnehmen würde. Aber der Iran erinnert sich an die „Vertragstreue“ der USA, die das letzte Atomabkommen einfach so gebrochen haben, die Details finden Sie hier.

Während der Westen vertragsbrüchig war, haben Russland und China ihre Vertragstreue bewiesen und anders als der Westen weiterhin Handel mit dem Iran getrieben. Der Iran hat also keinen Grund, den USA zu trauen und sich gegen die Länder zu stellen, die ihn unterstützt haben, als der Westen ihn sanktioniert hat.

Das hat der Iran – in meinen Augen – gerade deutlich gezeigt, als er eine Rakete auf den Irak abgefeuert hat, die anscheinend amerikanischen Zielen dort gegolten hat. Passiert ist nicht viel, aber das war ein deutliches Signal an die USA, was der Iran von deren Vorschlägen hält.

Auch gegenüber dem ölreichen Venezuela haben die USA nun neue Töne angeschlagen und eine Normalisierung der Beziehungen in Aussicht gestellt, vor allem eine Aufhebung des Ölembargos, wenn Venezuela sich der westlichen Politik gegen Russland anschließt. Der venezolanische Präsident Maduro hat den USA als Antwort mitgeteilt, Russland sei ein strategischer Partner Venezuelas. Im Klartext: Er hat Washington den Mittelfinger gezeigt.

Beide Länder – der Iran und Venezuela – haben sich daran gewöhnt, unter Sanktionen zu leben und sie werden den Teufel tun, sich nun gegen die Länder zu stellen, die sie in Zeiten der Sanktionen am Leben gehalten haben, also gegen Russland und China. Sie wissen sehr genau, dass eine unter diesen Umständen geschaffene Normalisierung der Beziehungen zu den USA nur vorübergehend wäre und dass sie später alleine dastehen würden, wenn sie sich jetzt gegen Russland und China stellen.

Fazit

Zumindest bisher haben die USA und die EU keine Wege gefunden, wie sie einen totalen Handelskrieg gegen Russland überleben sollen, wenn der sich auf Öl und Gas ausweitet. Das kann sich natürlich noch ändern, aber für die USA läuft es anscheinend derzeit nicht rund.

Und das war nur das Thema Öl, es gibt noch mehr Themen, bei denen dem Westen der Handelskrieg mit Russland auf die Füße fallen könnte. So dürfte das vom Westen verkündete Exportverbot für Mikrochips ein Eigentor werden, weil Russland bei einigen wichtigen Rohstoffen für deren Herstellung der einzige Lieferant weltweit ist. Sollte Russland den Export dieser Rohstoffe einstellen, könnte der Westen keine Chips mehr produzieren. Der lachende Dritte wäre China und wenn das dann seinerseits ein Exportverbot für Chips gegen den Westen ausspricht, wäre das Eigentor perfekt.

Auch bei Lebensmitteln dürfte es schwierig werden. Russland und die Ukraine gehören zu den größten Getreidexporteuren der Welt. Russland und Weißrussland sind bei Düngemitteln weltweit marktbeherrschend. Was wäre, wenn Russland und Weißrussland den Export von Getreide und Düngemitteln stoppen und die ukrainische Ernte dem Westen ebenfalls nicht zur Verfügung steht?

Der Westen hat zwar den Dollar und den Euro, aber was tun mit dem bunten Papier, wenn man damit die nötigen Waren nicht kaufen kann? Russland kann heizen und Lebensmittel produzieren. Auch China hätte damit aufgrund von Lieferungen aus Russland keine Probleme und könnte mit seiner Industrie darüber hinaus viele Defizite in anderen Bereichen abschwächen, die Russland wegen der Sanktionen drohen.

Dem Westen hingegen dürfte das Fehlen chinesischer Waren sehr weh tun, denn der Westen hat kaum noch eigene Produktion, die hat der Westen aus Kostengründen ja nach China ausgelagert.

Der vom Westen erklärte Wirtschaftskrieg, der mit einem vom Westen provozierten Militäreinsatz Russlands begründet wird, könnte ein böser Bumerang werden.

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