Eine Reportage des russischen Fernsehens aus Mariupol

In Mariupol hat das Nazi-Bataillon Asow die Menschen an der Flucht gehindert und sie als menschliche Schutzschilde missbraucht. Nun konnte ein Filmteam in die fast vollständig befreite Stadt.

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18. März 2022 22:07 Uhr

Dass die Neonazis des Asow-Regiments die Menschen in Mariupol an der Flucht gehindert und sie als menschliche Schutzschilde benutzt haben, habe ich schon berichtet. Das russische Fernsehen hat am 18. März eine Reportage aus dem fast vollständig befreiten Mariupol gebracht, die ich übersetzt habe. Sollten Sie die Möglichkeit haben, den Beitrag anzuschauen, dann tun Sie das, denn ohne die Bilder ist der Text weit weniger verständlich und mit meiner Übersetzung ist er auch ohne Russischkenntnisse verständlich.

Beginn der Übersetzung:

Mariupol ist kaum wiederzuerkennen

Einheiten der Donezker Volksrepublik, die vom russischen Militär unterstützt werden, sind bereits in das Zentrum von Mariupol vorgedrungen und haben die Stadt systematisch von Neonazis gesäubert. Nationalistische Kämpfer besetzen die oberen Stockwerke von Wohngebäuden und beschießen alle, die versuchen, Menschen aus den Kellern zu holen.

Die humanitäre Lage ist schwierig. Aber ein sicherer Korridor kann genutzt werden, um aus den befreiten Stadtteilen herauszukommen. Auch mehrere Asow-Kämpfer versuchten heute, ihn zu benutzen, wurden aber festgenommen. Eine Reportage aus der Stadt.

Immer mehr Menschen verlassen die Stadt und der Buschfunk funktioniert. Immer mehr Menschen erfahren, dass man die Stadt hier gefahrlos verlassen kann. Ganze Familien gehen hier in die völlige Ungewissheit. Schließlich gibt es in der Stadt keine Kommunikation oder zentrale Informationen.

„Schrecklich. Wir haben tagelang mit den Kindern in Kellern gesessen. Das ist nicht zu ertragen. Das ist schrecklich“, sagt diese Frau.

„Den Welpen haben wir gefunden“, sagte diese Frau.

„Den wollen sie jetzt tragen?“, frage ich.

„Was tun? Er tut uns leid.“

Sie nehmen ihre Haustiere mit, aber es gibt hier bereits eine Berühmtheit, den Hatiko von Mariupol. Der Labrador geht seit mehreren Tagen von dem Auto weg, in dem sich seine toten Besitzer befinden. Er schläft im Gras, erschreckt vor Explosionen, kommt aber immer wieder zu den auf der Straße verstreuten Dingen, die so vertraut riechen, und wedelt mit dem Schwanz.

„Er lässt niemanden an sich ran. Wir haben versucht, ihn zu füttern, aber er nimmt nichts an“, sagt dieser Mann.

Alle, die die Stadt verlassen, durchlaufen mehrstufige Kontrollen. Täglich werden verkleidete ukrainische Militärs und Nationalisten gefasst. Oft benutzen sie Frauen und Kinder als Tarnung. Es gibt Möglichkeiten, sie zu erkennen, dazu sind Geheimdienste da.

Wir fahren tiefer in die Stadt, zum Boulvard Schewschtschenko. So sehen die Ausfallstraßen aus. Sie sind mit Fahrzeugen der Stadtreinigung blockiert. Da kann man nicht durchfahren. Und hier standen Busse, die sind inzwischen ausgebrannt und einer wurde zur Seite geschoben, aber das passierte erst, als die Panzer kamen.

In einem Innenhof verteilen russische Soldaten humanitäre Hilfe. Es bildet sich sofort eine Warteschlange, denn die Menschen haben nichts zu essen und es sind viele. Die Stadt steht am Rande einer massiven humanitären Katastrophe und es müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden.

„In jedem Karton sind die wichtigsten Dinge: Lebensmittel und Wasser. Die Menschen haben darauf gewartet“, sagt der Soldat

Die Soldaten und wir werden mit Fragen bombardiert: Wie geht es weiter und wie sollen sie leben? Die Stadt ist jetzt natürlich kaum wiederzuerkennen.

Das ist das Erbe der abtretenden Ukraine.

„Die Schweine! Sie haben Schulen und Kindergärten besetzt. Wir mussten mit Frau und Kind verschwinden, weil wir neben einer Schule wohnen, nicht dass da noch was passiert“, sagte dieser Mann.

Jeder Mensch auf diesen Straßen ist ein eigenes Leben und eigenes Schicksal. Viele Schicksale wurden auf tragische Weise abrupt beendet. Hier ist ein erschossenes Ehepaar in einem Auto verbrannt. Sie versuchten zu fliehen, aber man ließ sie nicht gehen.

Der verwaiste Labrador wurde von besorgten Freiwilligen gerettet. Die Tierärztin Anna untersucht seine Wunde. Der Hund, der bereits den Spitznamen Marik trägt, verlässt Mariupol zu Leuten, die ihn aufnehmen wollen. Er fährt dahin, wo es schön und friedlich ist, wo die Menschen fröhlich sind.

Ende der Übersetzung

Quelle

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