Der vergessene Krieg: Wochenbericht über den Beschuss der Region Donezk

Da die westlichen Medien den Beschuss der Donbass-Republiken verschweigen, veröffentliche ich hier die Auflistung des Beschusses der letzten Woche.

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21. März 2022 03:25 Uhr

Über einen Kontakt in Donezk habe ich darum gebeten, mir wöchentlich Berichte über den Beschuss der Region zu schicken. Ich werde den Bericht hier kommentarlos veröffentlichen, weil die westlichen Medien verschweigen, dass die ukrainische Armee in der Region immer noch wahllos auf zivile Ziele schießt.

An dieser Stelle habe ich noch eine Anmerkung zu dem Titelbild. Das Bild stammt von dem Beschuss von Donezk Anfang der Woche mit einer Totschka-U-Rakete. Westliche Medien haben das Bild jedoch als Beleg für Beschuss von Kiew benutzt.

Bevor wir zu dem Bericht kommen, noch eine kurze Erklärung zu den erwähnten Waffensystemen.

Die eingesetzten Waffensysteme

Die Grad (russisch „Hagel“) ist eine Weiterentwicklung der aus dem Zweiten Weltkrieg berüchtigten „Katjuscha“. Dabei handelt es sich um ungelenkte Raketen, von denen ein Werfer bis zu 40 Stück praktisch gleichzeitig abfeuern kann. Sie sind so ausgelegt, dass sie ein Gebiet komplett dem Erdboden gleichmachen. Eine Batterie von sechs Werfern deckt mit insgesamt 240 Raketen eine Zielfläche von 450 × 450 m (über 200.000 m²) ein. Das sind Waffen, die gemäß humanitärem Völkerrecht nicht gegen zivilen Gebiete eingesetzt werden dürfen, weil sie unkontrolliert töten und zerstören.

Das stört aber die ukrainische Armee nicht, denn es vergeht kaum ein Tag, an dem Donezk oder seine Vororte nicht von Grad-Raketen getroffen werden. Allerdings „nur“ von einzelnen Raketen oder von einer „kleinen“ Salve aus etwa 10 Raketen.

Die Ukraine hat aus Sowjetzeiten noch ballistische Raketen von Typ Totschka-U (NATO-Bezeichnung SS-21 Scarab), die einen fast 500 Kilogramm schweren Sprengkopf tragen. Sie können mit Atombomben, Splitterbomben oder Kassettenbomben, also Streumunition, bestückt werden. Im Donbass werden sie von der ukrainischen Armee mit Streumunition bestückt.

Streumunition ist eine Form explosiver Munition, die bei Kassettenbomben oder Schüttbomben verwendet wird. Eine solche Bombe dient als Behälter, der mehrere kleinere Bomblets oder Submunition enthält und diese nach dem Abwurf verstreut. Die Bomblets werden dabei wie Schrapnell verstreut, allerdings explodieren sie im Gegensatz zu Schrapnell, was sie wesentlich gefährlicher macht. Hinzu kommt, dass es dabei eine große Zahl von Blindgängern gibt, die auch noch lange nach dem Beschuss eine große Gefahr darstellen.

Diese Art von Waffen ist dazu ausgelegt, in einem recht großen Gebiet alles Leben zu töten. Sie töten wahl- und ziellos. Oft sind Kinder Opfer, die glauben, die nicht explodierten, teilweise knallbunten Sprengsätze seien Spielzeug. Nach UN-Angaben stellen diese Waffen eine tödliche Gefahr für die Zivilbevölkerung in rund 30 Ländern dar. Gerade in zivilen Gebieten bedeutet der Einsatz von Streumunition die Gefahr einer großen Zahl ziviler Opfer. Daher trat 2010 das Übereinkommen über Streumunition in Kraft, in dem diese Waffen verboten wurden und dem über 100 Staaten beigetreten sind.

2014 hat Kiew einige Totschka-U Raketen auf Donezk abgefeuert, danach meines Wissens aber nicht mehr. Das ist nun anders geworden. Schon am 17. Februar, also bevor die russische Militäroperation begonnen hat, hat die ukrainische Armee wieder eine Totschka-U auf Donezk geschossen, die allerdings von der Luftabwehr abgefangen werden konnte und – wie man in Donezk sagt – „nur geringen Schaden angerichtet“ hat. Man ist dort schlimmeres gewohnt, als eine ohne Explosion in die Stadt stürzende ballistische Rakete.

Der Beschuss von Donezk mit Totschka-U-Raketen wird fortgesetzt. vom 17. Februar bis zum 12. März sind insgesamt 14 Totschka-U-Raketen auf Donezk abgefeuert worden, die aber alle abgefangen werden konnten. In der letzten Woche sind weitere Totschka-U auf zivile Ziele in Donezk abgefeuert worden.

Hier nun die Übersetzung des Wochenberichtes aus Donezk, der mir per Telegram zugeschickt wurde.

Beginn der Übersetzung:

Nach Angaben der DNR feuerten ukrainische bewaffnete Verbände während dieser Woche Granaten, Handfeuerwaffen, 82- und 120-mm-Mörser, 122- und 152-mm-Artillerie sowie BM-21 Grad, Totschka-U-Raketen und mit Panzern auf das Gebiet der DNR.

In der vergangenen Woche wurden 31 Zivilisten getötet und 139 Zivilisten verletzt, darunter 80 aus Gebieten, die zuvor von den DNR-Streitkräften befreit worden waren.

160 Gebäuden und 58 zivilen Infrastruktureinrichtungen wurden beschädigt.

Im Laufe der Woche wurden 2.256 Menschen, darunter 499 Kinder, aus Mariupol und Siedlungen in den Vororten nach Bezymnoye im Bezirk Novoazovsky evakuiert.

Das DNR-Notfallministerium räumte 82,968 Hektar und 27.620 Quadratmeter von Kampfmitteln und fand 10.608 Sprengkörper.

Eine Reihe von Siedlungen in der Republik geriet unter Beschuss. Dazu gehörten Donezk, Horliwka, Makejewka, Jasinowataja, Dokuchajewsk, Werchnetorezke (südlich), Mineralnoje, Panteleimonowka, Oserjaniwka, Zalizna Balka, Michailowka, Alexandrowka, Zaitseve (südlich), Olenowka, Holmowski, Krasny Partizan, Kremenets, Dolomitne, Alexandrinowka, Jasne, Schiroka Balka, Staromichailowka, Wassiliewka, Signalne, Luhanske.

Donezk:
1 Totschka-U-Rakete
95 Raketen der BM-21 Grad
13 Geschosse des Kalibers 152 mm
113 Geschosse des Kalibers 122 mm
109 120-mm-Minen

Verkhnetoretskoye (südlich):
10 Geschosse aus einem Panzer
58 Geschosse des Kalibers 122 mm

Yasinovataya:
139 Geschosse des Kalibers 122 mm
12 Minen mit einem Kaliber von 120 mm

Mineralnoe:
10 Granaten des Kalibers 122 mm

Panteleymonovka:
10 Raketen der BM-21 „Grad“
26 Geschosse des Kalibers 122 mm
14 Minen mit einem Kaliber von 120 mm

Ozeryanivka:
10 Granaten des Kalibers 122 mm

Zhelesnaya Balka:
40 Minen des Kalibers 120 mm
3 RPG-Granaten

Mikhailovka:
11 Raketen der BM-21 Grad
36 Geschosse des Kalibers 122 mm
35 120-mm-Minen

Alexandrowka:
18 Geschosse des Kalibers 122 mm
8+6 120-mm-Minen

Zaitsevo (Süden):
5 Geschosse im Kaliber 122 mm
39 Minen mit einem Kaliber von 120 mm
36 82-mm-Minen
4 Granaten aus Granatwerfern SPG-9

Olenivka:
40 Raketen der BM-21 „Grad
12 Panzergranaten
81 Geschosse des Kalibers 122 mm
35 Minen mit einem Kaliber von 120 mm

Golmovsky:
20 Raketen der BM-21 „Grad
31 Geschosse des Kalibers 122 mm
13 120-mm-Minen

Horlivka:
30 Raketen der BM-21 Grad
36 Geschosse des Kalibers 122 mm
35 120-mm-Minen
2 82-mm-Minen

Krasny Partizan:
9 Geschosse des Kalibers 122 mm
6 Minen mit einem Kaliber von 120 mm

Kremenets:
10 Raketen der BM-21 „Grad“
19 Geschosse des Kalibers 122 mm
10 Minen mit einem Kaliber von 120 mm
27 82-mm-Minen

Dolomitnoje:
5 Minen mit einem Kaliber von 120 mm
3 Salven aus RPG-7

Aleksandrinovka:
10 Granaten im Kaliber 122 mm

Makejewka:
Totschka-U
5 Geschosse mit einem Kaliber von 122 mm

Wassiljewka:
10 BM-21 Grad-Raketen
7 Geschosse des Kalibers 122 mm

Luganske:
5 Granaten des Kalibers 152 mm
7 Geschosse des Kalibers 122 mm
54 120-mm-Minen

Schirokaja Balka:
7 Geschosse des Kalibers 122 mm
8 120-mm-Minen

Staromikhailovka:
5 Minen mit einem Kaliber von 120 mm

Dokuchaievsk:
8 Granaten des Kalibers 122 mm
40 Raketen der BM-21 Grad
9 120-mm-Minen

Yasnoye:
16 Geschosse des Kalibers 122 mm
5 120-mm-Minen

Signal:
15 Patronen des Kalibers 122 mm
5 120-mm-Minen
5 Granaten aus einem Panzer

Veseloe:
5 Minen vom Kaliber 120 mm

Lozovoye:
4 Minen vom Kaliber 120 mm

Ende der Übersetzung

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Quelle

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