Kinder an die Macht? Bloß nicht

Nicht erst der Auftritt der 22-jährigen grünen Abgeordneten Fester zeigt, was davon zu halten ist, wenn die Jugend zum politischen Maßstab wird. Sollten demnächst schon Sechzehnjährige wählen dürfen, wird die Politik dadurch sicher nicht intelligenter.

IMAGO/photothek

Emilia Fester, Bundestagsabgeordnete der Grünen, am 17. März im Bundestag

„Gebt den Kindern das Kommando“ ist so ziemlich das dümmste Lied von Herbert Grönemeyer. „Sie berechnen nicht, was sie tun“ – eben! Wer in höherem Alter noch in der Lage ist, sich an die eigenen jugendlichen Verirrungen zu erinnern, wird dankbar sein, dass damals niemand auf ihn gehört hat. Irgend jemand muss nämlich das Rechnen übernehmen, sonst wird die Sache teuer, und zwar in jeder Hinsicht.

Denn Kinder und Jugendliche sind aufs Wunderbarste zu manipulieren, wenn man ihnen nur vorgaukelt, sie täten all das, was man ihnen nahelegt (oder abfordert), für eine bessere, lichtere, leuchtende Zukunft. Man denke an die Roten Garden in China, die für den Sieg der Revolution zerstörten, terrorisierten und mordeten. Auch unter Stalin und Pol Pot spielten fanatisierte Jugendliche eine Rolle beim Kampf für eine bessere Welt. Wir dürfen also froh sein, wenn sie sich heute nur ein bisschen aufs Pflaster kleben. 

Idealismus und Tugendterror passen bestens zusammen. Eine durch keinerlei Erfahrung gemilderte Radikalität ist zum Fürchten – furchtbar, wenn sie auch noch bewundert wird.

Das mit dem Ende gelang ihr

Danke, Frau Merkel! Wir sind bedient Gewiss: Jugendirresein ist ein Menschenrecht. Es ist gottlob ein Zustand, der vorübergeht. Doch seit „Die Jugend hat das Wort“ sich in der Erwachsenenwelt immer größerer Beliebtheit erfreut, neigt der eine oder die andere offenbar dazu, die Lebensphase, in der man mit dem Fuß aufstampft und „ich will aber“ ruft, immer weiter auszudehnen. 

Man erinnere sich daran, wie erwachsene Menschen andächtig nickend der kleinen Greta zuhörten, die sie beschuldigte, ihr die Träume und ihre Kindheit geraubt zu haben. „How dare you!“

Applaus!

Schon etwas älter ist mit ihren 22 Jahren Emilia Fester, die jüngste Abgeordnete im deutschen Bundestag. Auch ihr wurde die Jugend gestohlen, in den letzten zwei Jahren, ruft sie. Aus Rücksicht habe sie sich keinen Urlaub gegönnt, sei nicht zur Uni gegangen und habe „nichtmal eine Person, die ich noch nicht kannte, geküsst“. Nun will sie ihre Freiheit zurück, die ihr genommen wurde – von Menschen, die sich nicht hätten impfen lassen. Deshalb Impfpflicht! Für alle ab 18! Payback für „Milla“!

So ganz stimmt das alles wohl nicht, für ein Studium hätte sie sich einschreiben müssen und eine Reise nach Dänemark gilt gemeinhin als Urlaub – aber egal: Die „starke junge Frau“ hat für ihren schrillen Wutausbruch begeisterten Applaus nicht nur aus der Fraktion der Grünen geerntet. Von Erwachsenen, nehmen wir mal an. 

Misstrauische Menschen könnten auf die Idee kommen, dass der ichbezogene Fanatismus einer jungen Frau den eigenen autoritären Wünschen alter weißer Männer nach einer Fortführung des Maßnahmenregimes plus Impfzwang entgegenkommt. Karl Lauterbach hat ihr bereits zugejubelt.

Prof. Karl Lauterbach

Eine überzeugende und mutige Rede zur Impfpflicht im Bundestag. Ihr Angriff auf die AfD war weder polemisch noch unsachlich. Hass dagegen ist Zeichen von Schwäche.

Grüne im Bundestag

@GrueneBundestag

Gestern hat @emiliafester als jüngste Abgeordnete ihre erste Rede im Bundestag gehalten. Seitdem bekommt sie extrem viel Hass ab. Liebe Milla, du bist genau da, wo du hingehörst und wir stehen ALLE hinter dir

Die Bundestagsabgeordnete Emilia Fester steht am Redepult des Deutschen Bundestags.

1:26 vorm. · 19. März 2022

Nebenbei: Wir wollen ja gar nicht groß beklagen, dass sich junge „starke“ grüne Frauen danebenbenehmen und mit dem Fäustchen aufs RednerInnenpult hämmern. Demnächst dann mit den Schuhen. Im Bundestag gelten ja schon lange nicht mehr die altertümlichen Sitten und Gebräuche eines „hohen Hauses“. Doch die Verzückung, mit der die alten Säcke und Säckinnen die jugendlichen Anschuldigungen über sich ergehen lassen, hat pathologische Züge. Gewiss, je älter die Bundesbürger im Durchschnitt sind, desto stärker werden die wenigen Jungen vergöttert und vergötzt.

 

Verteidigung Die 180-Grad-Wende der Bundesregierung ist wenig glaubwürdig Woran liegt’s, dass keiner mehr zu sagen wagt: „Leiste doch erstmal etwas, und wenn es wenigstens das Einschalten des Gehirns ist, bevor du die Klappe aufreißt?“ Weil man das in der eigenen Jugend zu oft gehört hat, woraus jenes Trauma entstanden ist, unter dem heutzutage jeder zu leiden hat, der es zum begehrten Opferstatus bringen will?Die Antwort liegt womöglich näher. Im Bundestag sitzen viele Menschen, die in ihrem Leben wenig geleistet haben – außer sich in einer Partei mit List, Tücke und Quote nach oben zu kämpfen. Wie will man da einem Mädel, das allein schon dafür belobhudelt wird, dass es die jüngste Bundestagsabgeordnete ist, vorhalten, dass nicht Corona schuld daran ist, dass sie nichts weiß und nichts kann, sondern dass sie womöglich im Zustand des unschuldigen Unwissens nicht in den Bundestag gehört? Und dass es schwerlich intelligenter in der Politik zugehen wird, sollten demnächst schon Sechzehnjährige wählen dürfen? Wäre es nicht womöglich weit zuträglicher, Menschen könnten erst ab 30 wählen und gewählt werden, weil es hilft, Kontakt mit der Wirklichkeit gehabt zu haben, bevor man sich anschickt, sie zu „gestalten“?Das hätte uns manche der vielen Fehlentscheidungen der letzten Jahre womöglich erspart. Doch wieso lassen sich erwachsene Menschen erzählen, dass sie wohlstandsverwöhnten Kindern, denen sie Freiheit und Wohlstand zu Füßen gelegt haben, die Zukunft nehmen? Bei allem Verständnis für das jahrtausendealte urjugendliche Bedürfnis, die Altvorderen aus dem Weg zu räumen, um selbst ihre Plätze anzunehmen: Keiner dieser Spätpubertären wird es danken, wenn ihm dafür auch noch untertänigst applaudiert wird.

Quelle

2 Kommentare zu „Kinder an die Macht? Bloß nicht

  1. Schöner Artikel, vollste Zustimmung.

    Ich hatte mal einen Ü50 Arbeitskollegen, der die Idee gut fand, dass Kinder ab 16 Jahren wählen sollten. Diese hätten schließlich Mitspracherecht, was die Politik angeht. Das mag kurzgedacht vielleicht richtig sein. Etwas länger darüber nachgedacht, sollte man ebenfalls zu dem Schluss kommen, den die obigen Zeilen darlegen.
    Dieser Arbeitskollege meinte allerdings auch, dass Merkel eine „hervorragende Kanzlerin“ sei. Soviel dazu….

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