Die unterschätzte Macht: Wie Informationskriege entstanden sind

Alle Welt redet davon, wir befänden uns in einem Informationskrieg. Aber was ist das genau, und wie und warum sind diese Inforationskriege entstanden?

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31. März 2022 07:43 Uhr

Informationskriege gibt es noch keine hundert Jahre, denn beim Informationskrieg geht es darum, die öffentliche Meinung in einem anderen Staat zu beeinflussen. Die technischen Möglichkeiten dafür, die Menschen in anderen Staaten zu erreichen, entstanden erst mit den Erfindungen von Kino und Radio. Später kamen Fernsehen und Internet (hier ganz wichtig die Internetkonzerne) hinzu. Das sind die Waffen (oder Instrumente) im Informationskrieg.

Das ist im Prinzip nicht neu, man muss es sich jedoch vor Augen führen, denn wenn neue Waffen (oder Instrumente) entstehen, mit denen man Macht erobern, erhalten oder ausbauen kann, dann werden die von den herrschenden Eliten auch eingesetzt – und zwar geplant und bewusst. Als das Internet auf der Bildfläche erschien, wurde in den USA sofort eine Kommission gebildet, die die Aufgabe hatte, zu erarbeiten, wie man dieses neue Medium Internet beherrschen und kontrollieren kann. Das Ergebnis sind die Internetkonzerne und ihre sozialen Netzwerke, Details dazu finden Sie hier.

In der russischen Zeitung Vzglyad, die mir immer wieder durch sehr fundierte Expertenkommentare auffällt, ist zum Thema Informationskriege eine sehr interessante Analyse erschienen, der ich in fast allen Punkten zustimme und die ich daher übersetzt habe und zur Diskussion stelle.

Beginn der Übersetzung:

Wie Informationskriege entstanden sind

Wir hören immer häufiger von Informationskriegen, hybriden Kriegen und Netzkriegen. Im Großen und Ganzen wissen viele Menschen bereits, worum es sich dabei handelt, aber es gibt Nuancen.

Bis zu einem gewissen Punkt war der (traditionelle) Staat eine Art hierarchischer Komplex, in dem die Eliten, in der Regel sakrale oder traditionelle, an der Spitze waren, und das Volk, die Masse, am unteren Ende war. Die Menschen in einem traditionellen Staat sind nicht die mechanische Summe der vielen Einwohner des Staates, sondern eine organische Gemeinschaft. Bei den traditionellen Eliten handelt es sich entweder um die priesterliche Kaste, den Klerus, oder später um die militante, mobilisierte aristokratische Oberschicht.

In einem solchen hierarchischen System ist alles an seinem Platz: Die Geistlichen beten, die Krieger kämpfen, der dritte Stand handelt oder pflügt. Alle zusammen bilden eine Einheit – geistig oder ideologisch – und agieren synchron, monolithisch, zumindest gegenüber einem äußeren Feind. Die Elite formuliert die Symbole, die ideologische Grundlagen, die sie an die Massen weitergibt, und die Massen konsumieren diese Vorstellungen und Bedeutungen. So wird die weltanschauliche und ideologische Einheit des Staates erreicht.

In der Neuzeit begann sich alles zu verändern. Die Revolutionen, die in Europa begannen, zerstörten diese traditionelle Ordnung und führten zur Vermischung der Stände zu einer atomaren zivilen Masse von künstlichen politischen Nationen. Mit der Entstehung des Nationalstaates anstelle des traditionellen Reichsstaates wurde die organische Gemeinschaft der Menschen durch das Konzept der Zivilgesellschaft ersetzt, die die Summe der atomaren Individuen, der Bürger, darstellt: jeder mit seinen eigenen Interessen. Hier eröffnete sich die Möglichkeit, diese Atomisierung, diese Individualisierung, die Zersplitterung der Gesellschaft zu nutzen, um sie unter Umgehung der Eliten, also über deren Köpfe hinweg, zu beeinflussen. Für die Gesellschaft werden die bürgerlichen Massen selbst zum Subjekt, zur Quelle der Macht erklärt, während die Eliten lediglich gewählt oder sogar von der Masse angeheuert werden, um ihre offiziellen Funktionen auszuüben. Das heißt, sie sind formell von den zivilen Massen abhängig, die nominell die Macht hat. Und die Eliten selbst werden wiederum nominell aus den Reihen der Massen gewählt, das heißt, sie unterscheiden sich formal in keiner Weise von ihnen.

Dieser Abstieg der Eliten auf das Niveau der Massen, den Europa und der Westen dem Rest der Menschheit auferlegt haben, stürzt die heiligen, priesterlichen, heroischen und aristokratischen Funktionen der Eliten. Die Eliten des neuen Typs haben nicht mehr den Vorteil, nicht nur die Macht, sondern auch die Hoheit über Vorstellungen und Ideen zu besitzen. In einer solchen gemischten Gesellschaft hat es den Anschein, dass die Ideen auch aus der Masse selbst kommen und gewissermaßen durch die Institution der politischen Parteien und deren politischen Wettbewerb an die Spitze gelangen und zu herrschenden Ideologien werden, die von den Parteien selbst politisch umgesetzt werden.

Ich mache ständig Vorbehalte – „nominell“, „Anschein haben“, „formell“ -, weil all das nur die westliche Vorstellung von einem bürgerlichen, republikanischen, demokratischen, wie auch immer man es nennen will, Staatsaufbau ist. Aber das wird nur im Westen so klar und geordnet wahrgenommen, und auch nicht überall, sondern nur bei den Eliten. Der Rest der Menschheit lebt weiterhin in traditionellen Gesellschaften und nutzt oder imitiert die westliche Staatsstruktur und das politische System nur nominell und sehr oberflächlich.

Dieses System der bürgerlich-politischen Struktur bietet die Möglichkeit, direkt an die Massen zu appellieren, in der Regel, um sie zu beeinflussen, um die in einem Staat stattfindenden Prozesse von außen zu steuern. Und genau das ist die Grundlage, der Hintergrund, das Umfeld für die Führung von Informationskriegen. Es gibt keine unfehlbare Quelle für Vorstellungen und Bedeutungen, geschweige denn für Sakrales. Alles ist verstreut, vermischt und neu zu einer künstlichen politischen Gemeinschaft umgeknetet, in der alle gleich sind. Wenn solche unveränderlichen Quellen des Sakralen oder der philosophischen Ontologie irgendwo geschützt werden oder auftauchen, dann beginnt die Zivilgesellschaft gegen sie zu kämpfen und stürzt sich mit all ihrer Entschlossenheit und Intoleranz auf alles, was den Ideen dieser zivilen, desakralisierten und daher sinnfreien (Sinn, also Vorstellungen und Bedeutungen, sind verboten, weil das totalitär ist) Gesellschaft widerspricht.

Mit anderen Worten: Es gibt niemanden, der für die Vorstellungen und Bedeutungen zuständig ist, es gibt kein Monopol auf Ideen und Sakralität, alle sind gleich, alle sind gleichermaßen bedeutungslos, und wenn jemand versucht, den anderen seine Vorstellungen aufzuzwingen, ist das Totalitarismus. Wenn allerdings die Liberalen an der Macht sind, dürfen sie ihre Vorstellungen durchsetzen, denn sie haben das System erfunden – ihre Vorstellungen und Ideen werden also nicht in Frage gestellt. Der Rest ist verboten. In einem solchen System ist es nur erlaubt, die Massen jener Staaten zu beeinflussen, die noch nicht liberal genug sind, wo es also entweder eine (nicht liberale) Ideologie oder eine Philosophie (das ist bereits Faschismus, denn Platon zum Beispiel ist aus liberaler Sicht ein Faschist) oder, Gott bewahre eine Art von Sakralität herrscht (die dem liberalen Gott widerspricht).

In solchen illiberalen Gesellschaften darf man alles tun, was man will, denn sie sind totalitär, faschistisch und von vornherein schlecht. Zum Beispiel kann man die Massen mit allen Mitteln beeinflussen, indem man über die Köpfe der Eliten an sie appelliert und so die Eliten selbst – die Entscheidungen, die sie treffen – beeinflusst. In einem Nationalstaat will die Elite wissen, was in den Köpfen der Massen vorgeht, sie bittet stets um Feedback, führt statistische Erhebungen durch und versucht zu verstehen, was in den Köpfen der Massen vorgeht, um auf dieser Grundlage Entscheidungen auf staatlicher Ebene zu treffen. Aber die Massen haben in ihren Köpfen, was die Eliten in ihre Köpfe pflanzen. Und wenn die Eliten nichts (außer dem erlaubten Liberalismus) in die Köpfe pflanzen, dann kommt jemand von außen und pflanzt etwas ein: den erlaubten Liberalismus. Das bedeutet, wenn man die Massen beeinflusst, so dachten die Theoretiker der neuen Ansätze zur Kriegsführung, kann man durch die Beeinflussung der öffentlichen Meinung die Eliten dazu zwingen, sich dem Willen eines externen Akteurs zu unterwerfen, der, indem er an die Massen appelliert, dadurch die Eliten beeinflusst. Das ist die ursprüngliche Prämisse der Informationskriegsführung.

Diese Entdeckung war eine Art Ausgangspunkt für die Entstehung eines (in jeder Hinsicht) revolutionären Ansatzes zur Neubetrachtung der Kriegsführung insgesamt. Auf dieser Grundlage entstanden Konzepte wie zum Beispiel das Konzept der Kriegsführung „von innen nach außen“ von John Warden, das zunächst ausschließlich unter dem militärischen Aspekt betrachtet wurde, also zuerst die militärisch-industrielle Infrastruktur (militärische Anlagen, Fabriken, Reparaturwerkstätten) durch gezielte Raketenangriffe zu vernichten und dann die Kommunikationsmittel auszuschalten. Das alles zusammengenommen entzieht der Armee den Rückhalt, den inneren Zusammenhalt. Im Ergebnis ist die geschwächte Armee nicht in der Lage, Widerstand zu leisten. Und erst danach kommt es zum Zusammenstoß mit einer geschwächten und ausgebluteten Armee, als letzte, abschließende Etappe.

Dasselbe Konzept der Kriegsführung von „innen nach außen“ wurde später auf den Bereich der Information, der Ideen, Vorstellungen und Bedeutungen übertragen. Es entstand der logische Gedanke, dass man auf genau dieselbe Weise, aber eben auf semantische, ideologische Weise, zuerst die nationalen, staatlichen Eliten vernichten kann, dann die ihnen dienenden wissenschaftlichen und intellektuellen Kreise, dann die Fachwelt und schließlich den medialen Raum. Der mediale Raum beeinflusst die Massen und die Bevölkerung, die die Grundlage und die Quelle der Rekrutierung für die Armee bilden. Auf diese Weise kann man nicht nur den Staat selbst, seine Eliten, Wissenschaft, Bildung, Kultur und Medien, sondern auch die Armee zersetzen. Erinnert Sie das nicht an etwas?

Am wichtigsten ist, dass diese Zersetzung auf der Ebene der Vorstellungen und Bedeutungen, auf der Ebene der Ideen stattfindet. Die neue Methode der Kriegsführung, zu der auch die Informationskriegsführung gehört, legt den Schwerpunkt auf Ideen, auf Ideologie, auf die „Eroberung der Vorstellungskraft“, wie es die Theoretiker des „Great Reset“ ausdrücken. Auf diese Weise wird eine Gesellschaft erobert, was sich folglich auf die Armee als Derivat dieser Gesellschaft auswirkt.

So kann ein Staat ausschließlich durch die Sphäre der Ideen, durch ideologische Beeinflussung, durch die Bildung von Ideologemen, ohne den Einsatz von konventionellen Waffen erobert werden. Aber in der Informationskriegsführung ist es nicht nur wichtig, über die Kriegsmittel – Netze, Medien, Kommunikation – zu verfügen. Das Wichtigste ist die Frage, was durch sie verbreitet werden soll, welche Ideen, welche Bedeutungen sie vermitteln sollen. Mit Hilfe von Ideen und Bedeutungen wird eine Gesellschaft ohne einen heißen Krieg erobert. Und dann kann man mit ihr machen, was man will.

Ende der Übersetzung

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