Großbritannien gegen SARS-CoV-2 vollständig immunisiert – und wir?

Gastautor / 04.04.2022 / 06:00 / Foto: Pixabay/46 /

Von Andreas Zimmermann.

England hat Wissenschaftler, Deutschland hat Christian Drosten und Lothar Wieler. Und weil dem so ist, lauschen die Deutschen sinnbefreiten Podcasts, während die Engländer wissen, welcher Prozentsatz der Bevölkerung mittlerweile Antikörper gegen SARS-CoV-2 entwickelt hat. Aber vielleicht wollen die deutschen Politdarsteller und ihre Wissenschaftslakaien das auch gar nicht so genau wissen, weil dann nämlich wirklich für jeden offensichtlich würde, was die Spatzen ohnedies schon von den Dächern pfeifen. Nämlich, dass es weder für irgendwelche „Basisschutzmaßnahmen“ noch für das immer noch dreimal wöchentlich stattfindende, sinnlose Nasebohren bis zum Hirn unschuldiger Schüler noch für irgendeinen Impfzwang, egal ob ab 18, ab 50, einrichtungsbezogen oder sonst irgendwie auch nur den Hauch einer wissenschaftlichen Begründung gibt. 

Das britische „Office for National Statistics“ (ganz sicher Querdenker und Schwurbler) hat gerade veröffentlicht, welcher Prozentsatz der Bevölkerung in Großbritannien in relevanter Konzentration Antikörper gegen SARS-CoV-2 aufweist. Ich zitiere hier einfach mal wörtlich aus dem Bericht:

„Das Vorhandensein von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 deutet darauf hin, dass eine Person zuvor mit COVID-19 infiziert oder geimpft worden ist. In der Woche ab dem 28. Februar 2022 beträgt der Prozentsatz der Erwachsenen, die schätzungsweise Antikörper im Bereich von 179 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) aufweisen, 99,0 % in England, 98,9 % in Wales, 98,8 % in Nordirland, 99,0 % in Schottland“. (The presence of antibodies against SARS-CoV-2 suggests that a person has previously been infected with COVID-19 or vaccinated. In the week beginning 28 February 2022, the percentage of adults estimated to have antibodies at the 179 nanograms per millilitre (ng/ml) threshold is: 99.0% in England, 98.9% in Wales, 98.8% in Northern Ireland, 99.0% in Scotland.) 

Das eine Prozent der erwachsenen Bevölkerung, das keine Antikörper aufweist, ist vermutlich nicht in der Lage, Antikörper gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln beziehungsweise entwickelt diese nur in niedriger Konzentration, weil die Infektion so mild verläuft, dass der Körper sich schlicht nicht die Mühe macht, Antikörper zu bilden. Mit anderen Worten, die Bevölkerung in Großbritannien ist gegen SARS-CoV-2 vollständig immunisiert – zumindest so vollständig, wie dies bei einem schnell mutierenden Atemwegsvirus eben möglich ist. 

Ganz nebenbei räumt der Bericht auch gleich noch mit dem in Deutschland hartnäckig verbreiteten Mythos auf, Schulen bzw. Schüler wären „Pandemietreiber“ – was ohnedies immer nur Ausdruck einer von einem Teil der deutschen Gesellschaft in dieser Situation offen ausgelebten und zutiefst abstoßenden Kinderfeindlichkeit war. Die einzigen beiden Altersgruppen mit messbar niedrigerer Antikörperrate sind nämlich die Kinder von 8 bis 11 Jahren (80,9 Prozent) und die von 12 bis 15 Jahren (bereits 96,4 Prozent). Und wer jetzt aus diesen Zahlen schließen möchte, dass also Kinder unter 11 Jahren unbedingt „geimpft“ werden müssten, dem sei die Lektüre des Epidemiologischen Bulletins 1/2022  des Robert-Koch-Instituts (ganz sicher ein weiterer Hort von Querdenkern und Schwurblern) empfohlen. Hier findet sich auf Seite 40 zu Kindern im Alter von 5 bis11 Jahren die eindeutige Aussage:

„Während der gesamten bisherigen Pandemie sind in Deutschland bei Kindern dieser Altersgruppe ohne Vorerkrankungen keine COVID-19-bedingten Todesfälle aufgetreten.“

Für diejenigen, die etwas schwer von Begriff sind, „keine“ bedeutet Null, Zero, Nulla. Und was die sieben (!) Todesfälle in dieser Altersgruppe mit Vorerkrankungen betrifft, dazu finden sich Informationen auf Seite 28:

COVID-19-bedingte Todesfälle im Kindes- und Jugendalter sind sehr selten. Mit Datenstand vom 09.12.2021 wurden an das RKI 7 COVID-19-bedingte Todesfälle im Alter von 5–11 Jahren übermittelt. Fünf Mädchen und 2 Jungen waren betroffen. Alle 7 Kinder litten bereits vor der SARS-CoV-2-Infektion an schweren Grunderkrankungen (z.B. frühkindliches Fehlbildungssyndrom, schwere kardiale oder neurologische Erkrankungen, Immundefizienz).“ Hervorhebungen im Original.

Fast noch interessanter ist die direkt folgende Aussage:

„Bei den übrigen Todesfällen im Kindes- und Jugendalter bestanden ebenfalls schwere Vorerkrankungen, ein Fall befindet sich noch in Abklärung und bei 3 Fällen handelte es sich um Totgeburten.“

Es werden also sogar positiv getestete Totgeburten als „Covid-19-Todesfälle gezählt“.

Mehr muss man zum RKI nun wirklich nicht mehr wissen.

Ach ja, Großbritannien hat übrigens mit 72,43 Prozent eine niedrigere „Impfquote“ als Deutschland mit 75,25 Prozent und mit 56,85 Prozent auch eine niedrigere „Boosterquote“ als Deutschland mit 58,04 Prozent. Deshalb braucht Deutschland auch unbedingt einen Impfzwang… Man könnte über all dies lachen, wenn es nicht so gefährlich und ja, eigentlich auch schlicht kriminell wäre. 

Andreas Zimmermann ist promovierter Naturwissenschaftler und lehrt an einer deutschen Hochschule. Er schreibt hier unter Pseudonym. 

Foto: Creative Commons CC0 Pixabay

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