Die Taliban verbieten den Anbau von Rauschgift

Die Taliban haben das angekündigt, was die NATO nie umgesetzt hat: Sie haben den Anbau von Rauschgift verboten. Die Medien fragen aber nicht danach, warum die NATO dem Rauschgiftanbau nicht verhindert hat.

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21. April 2022 15:00 Uhr

Der Spiegel hat am 3. April einen Artikel mit der Überschrift „Afghanistan – Taliban verbieten Rauschgiftanbau“ veröffentlicht, der ein Paradebeispiel für Desinformation gewesen ist. Das begann schon in der Einleitung:

„Lange hielten die radikalislamischen Taliban ihre schützende Hand über die Drogenproduktion. Nun strebt das Regime die internationale Anerkennung an – und belegt den Mohnanbau mit harten Strafen.“

Der Spiegel stellt es in seinem Artikel so dar, als hätten die Taliban den Rauschgiftanbau nur verboten, um ein Ende der Sanktionen und die politische Anerkennung zu erlangen. In Wahrheit waren die Taliban immer gegen den Rauschgiftanbau.

Was der Spiegel verschweigt ist, dass der Rauschgiftanbau in Afghanistan Rekordwerte erreicht hat, während das Land von der NATO besetzt gewesen ist. Der Spiegel (und auch andere Medien) stellt aber nie die Frage, warum die NATO das zugelassen hat und nicht dagegen vorgegangen ist, dass Afghanistan zum weltweit größten Produzenten von Heroin geworden ist.

Afghanistan ist ein Paradebeispiel dafür, wie unterschiedlich westliche und russische Medien berichten. Lesen Sie den oben verlinkten Spiegel-Artikel und vergleichen Sie ihn, mit einer Analyse der russischen Nachrichtenagentur TASS vom 8. April zu dem Thema, die ich übersetzt habe, und entscheiden Sie selbst, wo Sie sich besser informiert fühlen. Die Links in der Übersetzung habe ich aus dem Originalartikel übernommen.

Beginn der Übersetzung:

Das Mohngeschäft – Wird Afghanistan seinen lukrativsten „Rohstoff“ aufgeben?

Die Regierung des Emirats sendet die Botschaft an die Welt, dass sie ernsthaft gegen Drogen kämpfen will.

Anfang April hat die Taliban-Regierung in Afghanistan den Mohnanbau landesweit verboten. Werden Pflanzen gefunden, werden sie vernichtet und Zuwiderhandelnde werden nach der Scharia bestraft. Der Erlass vom 3. April verbietet auch den Gebrauch, den Verkauf, die Weitergabe, den Kauf, die Ein- und Ausfuhr von Wein, Heroin und anderen „berauschenden“ Substanzen.

Diese Entscheidung hat viele afghanische Bauern getroffen, für die Mohn eine der letzten Möglichkeiten ist, die schwere humanitäre und wirtschaftliche Krise zu überleben. Die internationale Gemeinschaft hat jedoch gefordert, dass die Taliban die Kontrolle über die Drogensituation übernehmen. Das ist neben dem Zugang von Mädchen zu Bildung und der Achtung der Menschenrechte eines der dringlichsten Themen, das Legitimierung der Radikalen verhindert. Das derzeitige Verbot könnte bei der zunehmend verarmten Bevölkerung und sogar bei den Taliban selbst erheblichen Widerstand hervorrufen.

Zunächst zu den Drogen

Nach Angaben der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2019 entfallen mehr als 80 Prozent der weltweiten Opiumlieferungen auf Afghanistan, womit das Land der größte Drogenproduzent der Welt ist. Übrigens macht Opium etwa 6 bis 11 Prozent des BIP aus.

Fast 80 Prozent des aus afghanischem Opium hergestellten Heroins gelangt über Zentralasien und Pakistan nach Europa. Vertriebskanäle gibt es auch in Russland und China. Ein großer Teil der Drogen landet im Iran, der nach Untersuchungen, die sich auf die WHO berufen, eine der höchsten Opiumabhängigkeitsraten der Welt aufweist. Trotz verstärkter Grenzpatrouillen gelingt es afghanischen Schmugglern, die Islamische Republik und andere Nachbarländer regelmäßig mit Drogen zu versorgen.

Opiumabhängigkeit ist auch in Afghanistan selbst ein Problem. Eines der Lager für Drogenkonsumenten befindet sich in der Nähe der Pul-i-Sukhta-Brücke direkt in Kabul. Nach Angaben der Radikalen gibt es in Afghanistan 3,5 Millionen Drogenabhängige, das sind etwa 9 Prozent der Gesamtbevölkerung von 39 Millionen Afghanen.

Als die Taliban 2021 die Hauptstadt von den Amerikanern zurückeroberten, erklärten sie offiziell, sie seien „betrübt“ über das Ausmaß des Drogenmissbrauchs im Land.

Das war auch der Zeitpunkt, an dem die Taliban die Opiumproduktion formell verboten haben. Zunächst galt die Vorschrift jedoch nicht direkt für Mohnfelder. Die aktuelle Anordnung kam gerade zu dem Zeitpunkt, als in einigen Regionen des Landes die Frühjahrsernte begann. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Landwirte, die andere Feldfrüchte anbauen, kleine Flächen auf ihren Feldern für Mohn reservieren. Er ist leichter zu verkaufen und teurer.

Die Mohnernte kann für einige Zeit gelagert werden, was die Preise ankurbelt und die Nachfrage erhöht. Nach Angaben von Reuters haben sich die Mohnpreise in Afghanistan allein durch die Gerüchte über ein Verbot bereits mehr als verdoppelt. Das bedeutet, dass auch der Preis für Heroin auf den Schwarzmärkten steigen wird.

Ein weiterer Versuch

Bei ihrer ersten Machtergreifung im Jahr 1990 hatten die Taliban bereits einige halbherzige Maßnahmen zum Verbot von Mohn ergriffen. Der letzte Versuch erfolgte im Jahr 2000, kurz vor der amerikanischen Invasion. Seit dem Ausbruch des Krieges ist der Mohn jedoch eine der Möglichkeiten für die Kämpfer, den Widerstand zu finanzieren. Deshalb haben die Taliban in den letzten 20 Jahren alle Mohnbauern, die die Pflanze in den von den Kämpfern kontrollierten Gebieten anbauen, besteuert.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben die Taliban zwischen 2018 und 2019 mehr als 400 Millionen Dollar allein mit dem Drogenhandel verdient. Sie selbst bestreiten jedoch die Vorwürfe.

„Wie ist es möglich, dass es (Opium – Anm. TASS) in die ganze Welt exportiert wurde, als sie (die US-geführten Streitkräfte – Anm. TASS) die volle Kontrolle über Afghanistan hatten?“, fragte der stellvertretende Premierminister Abdul Salam Hanafi.

Auch die NATO und die USA haben den Mohn bekämpft, als sie in das Land kamen. Den Landwirten wurde finanzielle Unterstützung angeboten, damit sie den Mohn durch Weizen, Safran oder andere Feldfrüchte ersetzen konnten. Das Militär versprühte giftige Chemikalien über Mohnfeldern und griff auch Lagerhäuser und Drogenlabors an. Einem SIGAR-Bericht aus dem Jahr 2018 zufolge haben die Vereinigten Staaten von 2002 bis 2017 rund 8,6 Milliarden US-Dollar für die weitgehend erfolglose Bekämpfung der Drogenproduktion ausgegeben.

Nach Angaben der Vereinten Nationen erreichte der Mohnanbau in Afghanistan im Jahr 2017 mit mehr als 300.000 Hektar ein Rekordhoch. Das ist das Fünffache des Wertes von Mitte der 1990er Jahre. Danach ging die Zahl allmählich zurück, doch im Jahr 2020 hat die für den Schlafmohnanbau genutzte Fläche in Afghanistan im Vergleich zum Vorjahr wieder um 37 Prozent zugenommen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen liegt der durchschnittliche Ertrag bei 28 bis 45 kg pro Hektar, wobei der Durchschnittspreis für Rohopium zur Erntezeit etwa 52 Dollar pro Kilo beträgt (der Preis kann sich danach verdoppeln oder verdreifachen).

Ein Schlag für die Bauern

Das Verbot des Mohnanbaus durch die Taliban kommt zu einem Zeitpunkt, da sich die Wirtschaft Afghanistans im freien Fall befindet. Die Währungsreserven des Landes sind eingefroren und viele Menschen sind arbeitslos. Eine schwere Dürre verschlimmert die Situation. Da die Taliban keine internationale finanzielle Unterstützung erhalten, können sie sich nur auf Hilfsorganisationen verlassen. Das Ausmaß der Krise veranlasste die Vereinten Nationen im Januar dazu, 4,4 Milliarden Dollar an Hilfe für Afghanistan zu fordern, da 23 Millionen Afghanen am Rande des Hungertodes standen. Schon bald droht mehr als 90 Prozent der Einwohner des Landes ein Mangel an Lebensmitteln und lebensnotwendigen Gütern.

Mohn ist die Haupteinnahmequelle für Millionen von Kleinbauern und Tagelöhnern, die mit der Ernte und der Gewinnung von Opium bis zu 300 Dollar im Monat verdienen können. Wir sprechen hier von einem ganzen Wirtschaftszweig: Landbesitzer verpachten Felder, jemand verkauft das Saatgut. In einigen Fällen wird sogar eine Vorauszahlung für die Ernte geleistet, bevor sie reif ist.

Nach Angaben von Reuters rechnen die Taliban mit starkem Widerstand gegen diese Entscheidung, auch innerhalb der Gruppe selbst. Es ist noch schwer vorstellbar, was die Bauern stattdessen anbauen sollen. Der Anbau alternativer Kulturen würde viel Geld erfordern und die Einnahmen aus diesem Geschäft wären gering. Es ist unwahrscheinlich, dass ein sanktioniertes Land ohne jegliche Infrastruktur in der Lage sein wird, seine Ernten ins Ausland zu verkaufen.

Die Entscheidung, den Mohnanbau zu verbieten, wurde jedoch in Washington unterstützt. Der US-Beauftragte für Afghanistan, Ian McCurry, schrieb auf Twitter, er halte das Dekret der Taliban für einen positiven Schritt.

„Das Verbot der Drogenproduktion in Afghanistan ist ein erster positiver Schritt, aber die Durchsetzung wird entscheidend sein. Ein gesunder und legaler Agrarsektor wird der afghanischen Wirtschaft und letztlich auch dem afghanischen Volk helfen“, betonte Ian McCurry.

Auf dem Feld oder auf dem Papier

Die größten Fragen wirft jedoch die Umsetzung des Gesetzes auf. Die Regierung des Emirates beraubt Millionen von Menschen ihres letzten Einkommens. Es sind nicht nur die einfachen Arbeiter und Bauern, die Geld verlieren, sondern auch viele der Bandenmitglieder, die jahrzehntelang vom Drogenhandel profitiert haben. Allerdings könnte die Situation für sie sogar profitabel sein. Aufgrund des offiziellen Verbots von Mohn in Afghanistan wird der Preis der Droge weiter steigen, so dass sie zu neuen und höheren Preisen verkauft werden kann. Werden sich die Taliban unter diesen Bedingungen für ein echtes Verbot einsetzen?

Schon im letzten Jahr, als die Taliban ein hartes Vorgehen gegen Heroin ankündigten, vertrat die amerikanische Forscherin Gretchen Peters, Autorin des Buches „Seeds of Terror: How Heroin Finances the Taliban and Al-Qaeda“, die Ansicht, dass der bisherige Kampf der Taliban gegen Mohn eher taktischer Natur war.

„Das war ein Trick, denn sie hatten bereits einen großen Vorrat. Sie haben eine Menge Geld verdient, als sich der Preis aufgrund des Verbots verzehnfachte“, wird sie von der South China Morning Post zitiert.

„Afghanistan kann ohne Opium nicht überleben. Opium tötet das Land und hält gleichzeitig eine große Anzahl von Menschen am Leben“, sagte Peters.

Diesmal könnte die Situation jedoch ganz anders sein, ebenso wie die Motivation der Taliban selbst. Sie führen keinen harten Krieg mehr gegen eine ausländische Macht und sind gezwungen, an das langfristige Wohl Afghanistans zu denken.

Einigen Medienberichten zufolge haben sich die Taliban gegenüber China verpflichtet, den Drogenhandel einzudämmen, da Peking beabsichtigt, Kabul in seine Initiative „One Belt, One Road“ einzubinden. Einige der im Rahmen dieses Projekts vorgesehenen Bahnstrecken würden genau durch Regionen (die Provinzen Helmand und Kandahar) führen, die von Mohnfeldern bedeckt sind. Die reale Aussicht auf ausländische Investitionen könnte die Taliban dazu zwingen, den Kampf gegen die Drogen ernsthaft zu führen, obwohl dieser Krieg wahrscheinlich noch länger dauern könnte als der Krieg mit den Amerikanern.

Ende der Übersetzung


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Quelle:Antispiegel

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