Auslieferung von Assange an die USA: Scharfer Protest des russischen Außenministeriums

Die Auslieferung von Julian Assange ist praktisch beschlossene Sache, es fehlt nur noch das OK der britischen Innenministerin. Das russische Außenministerium findet dafür deutliche Worte.

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23. April 2022 00:17 Uhr

Russland protestiert seit Jahren gegen die Behandlung von Julian Assange im Westen. Daher hat Maria Sacharova, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, zu der britischen Gerichtsentscheidung, die den Weg für die Auslieferung von Julian Assange an die USA freigemacht hat, am 20. April deutliche Worte gefunden. Ich habe die offizielle russische Erklärung übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Heute wurde bekannt, dass der Westminster Magistrates‘ Court in London die Auslieferung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange an die USA genehmigt und damit den letzten Akt der Farce, die sich „britische Justiz“ nennt, aber „die schlimmste Tradition Englands“ ist, tatsächlich aufgeführt hat. Das Timing war gut, es geschah „heimlich“, während die internationale Öffentlichkeit dank der westlichen Medien in eine völlig andere, auf Russophobie ausgerichtete Realität geführt wurde. In diesem Zustand ist alles möglich, sogar die Auslieferung von Julian Assange an die USA, trotz der Forderungen von Menschenrechtsaktivisten und öffentlicher Proteste. Für die westliche Gemeinschaft heiligt der Zweck immer die Mittel.

Es wird die britische Innenministerin Patel sein, an die das Dokument zur Bestätigung geschickt wurde, die diesem beschämenden Prozess ein offizielles Ende setzt. Die Verteidigung des Journalisten, der von der ganzen Macht der angelsächsischen Repressionsmaschinerie schikaniert wurde, will versuchen, die Ministerin umzustimmen, aber wie die traurige Erfahrung zeigt besteht kein Zweifel daran, dass das von Washington vorgegebene Szenario ohne Rückzieher durchgespielt wird.

In Amerika drohen Assange 175 Jahre Gefängnis. So viel zu den „fortgeschrittenen Demokratien“, liberalen „Werten“, Redefreiheit, Rechten des Menschen oder Menschenrechten. Die Bestrafung eines Mannes, der wegen seiner Überzeugungen bereits jahrelang isoliert war und offenkundig psychischem Druck und Folter ausgesetzt war, für völlig absurde Anschuldigungen wird fast als Akt der Gnade dargestellt. Erst wurde er schikaniert, jetzt wird er „begnadigt“ und soll 175 Jahre absitzen.

Die Möglichkeit der Auslieferung wurde weitgehend durch das Versprechen der amerikanischen Anwälte gerechtfertigt, den Delinquenten nicht zum Tode zu verurteilen. Es ist immer das gleiche System.

Diese Leute haben vor einigen Tagen einen amerikanischen Bericht über die Menschenrechte und deren Verletzung in der ganzen Welt vorgelegt, mit Ausnahme der USA. Als „Bonus“ wird Julian Assange – der seit Jahren zerstört wird – Milde in der Form versprochen, dass er nicht hingerichtet wird. Gleichzeitig erzählen dieselben Leute der ganzen Welt in ihrem Bericht, dass es auf dem ganzen Planeten Erde kein Land gibt, das nicht gegen die Menschenrechte verstößt, außer den USA. In dem Bericht findet sich kein einziges Wort über Washington. Das kann man in einem Roman schreiben.

Wie „bequem“ es für politisch Verfolgte ist, ihre Strafe in amerikanischen Gefängnissen zu verbüßen, können viele unserer Landsleute, zum Beispiel Maria Butina, im Detail erzählen. Sie sollten ihr Buch lesen, dann wird verständlich, was Gnade auf amerikanisch bedeutet. (Anm. d. Übers.: Informationen über Maria Butina, die ich mal bei einer Konferenz getroffen habe, finden Sie hier.)

Diejenigen, die Julian Assange verfolgen, haben unerbittlich versucht, ihn zu zerstören, nicht so sehr physisch, sondern moralisch und psychologisch, um ihn zu brechen und seine persönliche Einstellung zu ändern. Bei Computern gibt es den Begriff „persönliche Einstellungen.“ Wir sind davon ausgegangen, dass es ein Vorrecht des Menschen ist, seine Persönlichkeit aufzubauen, sich an etwas anzupassen, sich zu entwickeln. Wie sich herausstellt, ist das nicht so. Das liberale System ist so weit gegangen, die persönlichen Daten des Einzelnen für ihn „einzustellen“. Das System weiß besser, was der Mensch braucht, wie er sich verhalten, sprechen, denken sollte und so weiter. Das tun sie mit Julian Assange. Sie wollen ihn als Persönlichkeit verändern, ihn der Gesellschaft als andere Person präsentieren.

Seine Zerstörung, Verfolgung und alle Formen der Schikane durch den „kollektiven Westen“ begannen, weil er die Wahrheit über die Kriegsverbrechen der USA und Großbritanniens im Irak und viele andere höchst unappetitliche Seiten der „führenden“ Demokratien der Alten und Neuen Welt aufdeckte. Vielleicht sehen sie das Londoner Urteil als Triumph in ihrem unnachgiebigen Rachefeldzug an. Sie sind sich wohl kaum bewusst, dass diese Entscheidung das endgültige Urteil über die demagogische Rhetorik über Redefreiheit und Meinungspluralismus und den Anspruch auf die moralische Überlegenheit Washingtons und Londons in der modernen Welt ist.

Sie können diese Geschichte „auslöschen“, so viel sie wollen, aber sie wird in der Weltgeschichte bleiben. Sie können die Geschichte umschreiben, so viel sie wollen, aber diese Fakten bleiben bestehen und werden der Nachwelt erhalten bleiben. Sie können vorgeben, für Menschenrechte und Meinungsfreiheit zu kämpfen, so viel sie wollen, aber dieses Verbrechen wird ein Schandfleck auf dem „Körper“ der westlichen Demokratie sein.

Ende der Übersetzung

Bleibt noch eines hinzuzufügen: Ich frage mich, warum sich Russland mehr für Assange einsetzt, als Australien. Immerhin ist Assange Australier und sein Staat sollte für seinen Bürger kämpfen, der einzig dafür im Gefängnis sitzt, dass er Kriegsverbrechen der USA aufgeklärt und öffentlich gemacht hat. Aber die australische Regierung scheint sich in der Rolle eines amerikanischen Vasallen so wohl zu fühlen, dass ihr das Wohl ihres eigenen Bürgers egal ist.


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Quelle

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