Wie das russische Fernsehen über den geplanten NATO-Beitritt von Schweden und Finnland berichtet

Schweden und Finnland haben beschlossen, der NATO beizutreten. Was Medien und Politik im Westen feiern, wird in Russland anders gesehen, daher zeige ich hier, wie in Russland darüber berichtet wird.

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16. Mai 2022 02:49 Uhr

Die Entscheidung von Schweden und Finnland, der NATO beizutreten, war natürlich auch Thema im wöchentlichen Nachrichtenüberblick des russischen Fernsehens. Ich habe bereits eine eigene Analyse zu dem Thema geschrieben und ich scheine ziemlich genau getroffen zu haben, wie man in Russland darüber denkt. Man bedauert das, aber vor allem schmerzt es Russland, dass Finnland sich so entschieden hat, denn die Beziehungen zwischen Russland und Finnland waren in der Nachkriegszeit geradezu perfekt. Schweden war ohnehin schon so eng mit der NATO verbunden, dass die schwedische Entscheidung nicht wirklich überraschend kommt.

Das kann man auch an dem Beitrag des russischen sehen, denn er handelt Schweden relativ schnell ab, während er ausführlich auf die guten Beziehungen zu Finnland eingeht, die die Sowjetunion und danach Russland seit über 70 Jahren haben. Oder hatten, wie man nun wohl sagen muss.

Um aufzuzeigen, wie in Russland über das Thema berichtet wird, habe ich den Beitrag aus dem russischen Nachrichtenrückblick vom Sonntagabend übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Hunderte von Berichten zu dem Thema „Die Russen kommen!“ Das bedeutet, dass die Schweden ein offenes Ohr haben müssen, oder besser noch, sie müssen an die Tür der NATO klopfen. Und weil seit 200 Jahren niemand mehr in Sicht war, können Sie auch Ihre Fantasie spielen lassen. Denn wenn man ein wenig in der Geschichte gräbt, was jetzt aktiv getan wird, wird man feststellen, dass während des russisch-schwedischen Krieges im Jahr 1808 russische Truppen die schwedische Ostseeinsel Gotland für einen Monat in ihre Gewalt gebracht haben. Die Schlussfolgerung ist: Das ist sie, die heutige Bedrohung.

„Wenn Schweden der NATO beitritt, könnte Moskau seine Iskander-Raketen in der russischen Enklave Kaliningrad mit Atomsprengköpfen aufrüsten. Es gibt Gerüchte, dass Russland die Insel Gotland einnehmen und dort S-400-Raketen aufstellen will, um die gesamte Ostseeregion zu kontrollieren“, schrieben die westlichen Medien. Für die schwedische Bevölkerung wurden Merkblätter über das Verhalten im Kriegsfall herausgegeben.

Die Medienlandschaft in Finnland, dessen gemeinsame Grenze mit Russland mehr als tausend Kilometer lang ist, hat ihre eigenen Horrorgeschichten. Obwohl diese Grenze jahrzehntelang eine der ruhigsten der Welt war, werden die Fernsehprogramme mit Aufnahmen aus finnischen Luftschutzkellern überflutet. Einige von ihnen werden als Unterhaltungs- und Sportzentren genutzt, um nicht vollkommen nutzlos zu sein. Sie haben sogar ein unterirdisches Schwimmbad gebaut. Aber jetzt, angeblich wegen der Ukraine, sind alle bereit, das Wasser abzulassen. (Anm. d. Übers.: In Helsinki gibt es einen gigantischen unterirdischen Bunker, der die gesamte Bevölkerung der Stadt aufnehmen kann. Da er nie gebraucht wurde, sind dort aktuell tatsächlich ein Schwimmbad, Fitnessstudios und so weiter untergebracht)

Und während nichts den alten Gang des Lebens unterbricht – da musste man die öffentliche Meinung natürlich beeinflussen – ist aus einer Minderheit, die der NATO beitreten will, plötzlich eine Mehrheit geworden.

„Wir haben einen so schrecklichen Nachbarn im Osten, dass wir keine andere Wahl haben, als der NATO beizutreten“, sagt dieser Schwimmbadbesucher.

Als gäbe es keine andere Meinung. Dabei gelten die Beziehungen zwischen Moskau und Helsinki seit dem Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand, der im April 1948 mit der UdSSR unterzeichnet wurde, als nahezu vorbildlich. Diese Außenpolitik wurde in Finnland als Paasikivi und Keekkonen-Linie bezeichnet, nach zwei Nachkriegspräsidenten.

„Als Keekkonen finnischer Präsident war, hielt er im Dezember 1943 eine Rede in Schweden. Er sagte, dass es nicht im Interesse Finnlands sei, an seinen Grenzen zur Sowjetunion ein Vorposten des Westens zu sein. Keekkonen hatte einmal gesagt, dass Freunde so nah wie möglich an den eigenen Grenzen und Feinde so weit wie möglich von den eigenen Grenzen entfernt sein sollten. Diese Gedanken bildeten die Grundlage der finnischen Außenpolitik nach Osten, sie wurden umgesetzt, und die Finnen haben daraus großen Nutzen gezogen“, so Wladimir Baryschnikow, Leiter der Abteilung für Geschichte der Neuzeit und der Gegenwart am Institut für Geschichte der Staatlichen Universität St. Petersburg.

Finnische Werften haben mehr als zwei Dutzend Eisbrecher verschiedener Klassen für die UdSSR gebaut, ebenso wie Forschungsschiffe, darunter die berühmte „Akademik Mstislav Keldysh“ mit ihren einzigartigen Mir-Tauchbooten, die ebenfalls in Finnland hergestellt wurden. Oder Technik für die Forstwirtschaft. Die Sowjetunion baute ihrerseits das erste finnische Kernkraftwerk Loviisa auf der Insel Hästholmen, lieferte Hochöfen für finnische Stahlwerke und entwickelte Elektrolokomotiven.

Dieses nahe, aber trotzdem kapitalistische, Ausland konnte man auf unserer Seite des eisernen Vorhangs sogar probieren. Der finnische Viola-Käse wurde 1956 erstmals in die Sowjetunion eingeführt. Er galt als Delikatesse und auf der Verpackung war eine geheimnisvoll lächelnde finnische Blondine abgebildet, die bei uns sogar in Liedern besungen wurde.

Nach dem Zusammenbruch in den 1990er Jahren hat die Beziehung in den 2000er Jahren mit Dutzenden von neuen Projekten, auch im Energiesektor, einen Neuanfang gemacht. Und nach wie vor gibt es keine Bedrohung für die Sicherheit Finnlands. Das Thema eines NATO-Beitritts des Landes kam jedoch bereits vor sechs Jahren auf und zur gleichen Zeit warnte Wladimir Putin vor den Folgen eines solchen Schrittes: „Stellen Sie sich vor, dass Finnland der NATO beitritt. Das würde bedeuten, dass die finnische Armee nicht mehr unabhängig und nicht mehr souverän im vollen Sinne des Wortes wäre, sondern Teil der militärischen Infrastruktur der NATO würde, die über Nacht an den Grenzen der Russischen Föderation auftauchen würde. Wir schätzen und respektieren den neutralen Status Finnlands unbedingt, aber es ist nicht unsere Aufgabe, diese Frage zu entscheiden. Um einen meiner finnischen Freunde zu zitieren, könnte ich sagen, dass die NATO Russland wahrscheinlich gerne bis zum letzten finnischen Soldaten bekämpfen würde. Wollen Sie das? Wir wollen das nicht, aber Sie entscheiden selbst, was Sie wollen.“

Und so hat der finnische Präsident an diesem Samstag Putin angerufen, um ihm mitzuteilen, dass das Land beabsichtigt, einen Antrag auf Beitritt zur NATO zu stellen. Der russische Staatschef betonte, dass es ein Fehler wäre, die traditionelle Politik der militärischen Neutralität aufzugeben, da es keine Bedrohungen für die Sicherheit Finnlands gebe.

Gleichzeitig mit Finnland ist das benachbarte Schweden im Begriff, seine militärische Neutralität aufzugeben, die es seit mehr als zweihundert Jahren, seit der napoleonischen Ära, aufrechterhalten hat. Dem Land gelang es, die Teilnahme am Ersten und Zweiten Weltkrieg zu vermeiden. Ein hochrangiger Berater unserer Botschaft in Schweden, die damals von der legendären Alexandra Kolontai und dem späteren stellvertretenden Außenminister der UdSSR, Wladimir Semjonow, geleitet wurde, erinnerte sich wie folgt: „Schwedens Neutralität war für uns wichtig, weil sie eine geringere Anzahl von Truppen an der schwedischen Überseegrenze und an der sowjetisch-finnischen Front ermöglichte. Schweden war während des Krieges eines der wenigen neutralen Länder und Stockholm wurde als „eine kleine Stadt mit großen Intrigen“ beschrieben. Es war wichtig, nicht nur über die Lage in Schweden, sondern auch über die Pläne und Absichten der feindlichen Koalition und der Kriegsparteien informiert zu sein. Die weitreichenden Kontakte des Botschafters zu allen möglichen Kreisen der schwedischen Gesellschaft – vom Palast bis zu linksradikalen Kreisen – halfen ihm bei der Lösung dieser Fragen. Dabei handelte es sich um hochrangige Personen, manchmal aber auch um unauffällige, wie den Leibarzt des Königs oder einen Journalisten mit Zugang zu den richtigen Kreisen.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg formulierte der schwedische Außenminister Unden das Konzept der schwedischen Außenpolitik als „Bündnisfreiheit in Friedenszeiten, um im Kriegsfall die Neutralität zu wahren.“ Die Zeit hat gezeigt, dass dies die optimale Lösung für die gesamte nordische Region ist.

„Man nannte es das ’nördliche Gleichgewicht‘. Das heißt, in der Mitte das neutrale Schweden, an der Grenze zur Sowjetunion Finnland, das seine Politik in der Nachkriegszeit auf der Grundlage des Freundschaftsvertrages betrieb. Auf der anderen Seite, im Westen, befand sich Norwegen, das 1949 der NATO beitrat. Dieses nördliche Gleichgewicht war ein stabilisierender Faktor in der globalen Konfrontation zwischen den beiden Supermächten. Doch als die Welt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion unipolar wurde, begann genau diese Neutralität zu ‚erodieren’“, betont Alexej Komarow, Leiter des Zentrums für die Geschichte Nordeuropas und des Baltikums am Institut für Allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Jetzt gibt es eine radikale Kursänderung. Und zwar ohne die in solchen Fällen üblichen Verfahren der direkten Demokratie. Als Schweden 1955 darüber entschied, ob der Rechtsverkehr eingeführt werden sollte, gab es eine Volksabstimmung. Jetzt ist es möglich, sich einfach auf die aktuellen Meinungsumfragen zu beziehen und der NATO beizutreten und damit die militärische Neutralität aufzugeben, die seit Jahrhunderten sogar zu einem Element der schwedischen Identität geworden ist. So wie in Finnland, wo es heißt, die Situation in der Ukraine habe alles verändert.

„Die können sagen, was sie wollen. Doch die Bearbeitung dieser beiden Staaten begann schon lange vor 2014. Die Vereinigten Staaten haben die Bedeutung der arktischen Region bereits in den frühen Nullerjahren erkannt und beschlossen, die beiden neutralen Staaten Finnland und Schweden um jeden Preis zu ihren NATO-Verbündeten zu machen, um ihre militärische Präsenz in der arktischen Region sicherzustellen. Das war der Hauptgrund dafür, Finnland und Schweden in ihren aggressiven anti-russischen Militärblock zu ziehen. Und die Ukraine wird jetzt medial benutzt. Wenn es die Ukraine nicht gäbe, hätten sie etwas anderes erfunden“, sagte Senator Konstantin Kossatschow.

Die Folgen sind unvermeidlich, denn im Laufe der fünf Erweiterungswellen hat sich bereits ein Muster herausgebildet: Je mehr die NATO in Europa präsent ist, desto weniger Sicherheit gibt es auf dem Kontinent.

Ende der Übersetzung


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