Der Dreamboy des Niedergangs. Vom Glück, ein Habeck zu sein.

Inzwischen hat Herr Habeck bewiesen, dass er noch ganz andere Wunder bewirken kann. Er wandelt den Wein des Wohlstands in Wasser. Und gilt noch immer als Erlöser. Es lohnt sich, zurückzublättern.

Von Wolfgang Herles

Bereits als er vor vier Jahren zum Bundesvorsitzenden seiner Partei gewählt wurde, und ihn außerhalb Schleswig-Holsteins noch kaum einer kannte, wurde Herr Habeck von den meisten Medien wie ein Messias empfangen. Er verströmte das schimmernde Licht der Hoffnung auf der öligen Oberfläche einer verkommenen politischen Kultur. Über dies modrige Wasser gegangen ist er zwar nicht, aber man traute es ihm zu. Inzwischen hat Herr Habeck bewiesen, dass er noch ganz andere Wunder bewirken kann. Er wandelt den Wein des Wohlstands in Wasser. Und gilt noch immer als Erlöser. Es lohnt sich, zurückzublättern.

I.

Als Redner ohnegleichen erschien Habeck den wendegierigen Bürgern von Beginn an. Als leibhaftige „Zeitenwende“ wurde er begrüßt. Jetzt, mitten in der Energiewende, der Pflugscharen-zu-Schwertern-Wende, der Wachstum-zu-Schrumpfung-Wende, klingt das einstige Hosianna-Singen geradezu prophetisch. Ein angesehenes bürgerliches Blatt formulierte es damals so: „Er kam einfach locker daher und schrieb auch noch ein Buch, das davon erzählte, wie sehr Politik eine fröhliche Sache sei.“ Die einst gutbürgerliche Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte ihn mit der Fanfare begrüßt: „Was für ein Anfang! Wie spannend. Und vielleicht: Wie erleichternd.“ Wirklich, so stand es da. Ein anderer rühmte seine „Frische“ und belehrte die Leser: „Verantwortung kann auch Spaß machen. Das war seine Botschaft.“ Der Dreamboy des neuen Biedermeiers war dieser Herr, und jetzt, da die Zeitenwende überhaupt keine fröhliche Sache mehr ist und nur noch Bußpredigern Spaß macht, ist er es wohl noch immer. Weil self-fulfilling prophecy. Weil, ja, genau deshalb: weil er eine Illusion verkörpert. Die Illusion, einem Land gut zu tun, das vergessen hat, was ihm gut tun würde. Dafür kann der Herr Habeck nichts. Für Habeck können die etwas, die ihre apolitischen Träumereien auf ihn projizieren.

II.

Habeck zog nach Berlin. Dort hatte er Glück. Dreimal sogar. Das erste Mal, als er mangels rechtzeitiger Geschlechtsumwandlung nicht Kanzlerkandidat werden durfte, und nur wegen Frau Baerbocks nassforscher Beschränktheit alle glaubten, er könnte und wüsste alles besser. Dann, als nur dank eines Herrn Laschet unvermutet ein Herr Scholz Kanzler wurde, und schon wieder alle glauben, der Herr Habeck könnte das besser, ohne dass er dafür irgendeinen Grund gegeben hätte außer siehe I. Das dritte Mal, als die Energiesorglosigkeit des Landes jäh in ruinösem Energiemangel mündete. Als Mangelmanager erntet Herr Habeck erneut den Beifall ahnungsloser Adoranten. Und er wirkt sein nächstes Wunder: Als lebendes Zeichen der Hoffnung und des Untergangs zugleich predigt er Wasser und Blut zugleich – die seine Deutschen bald schwitzen werden. Sollte man ihn nicht besser zum Papst wählen? Die Gläubigen der Habeck-Kirche trauen es ihm längst zu. Dann könnte er nicht halb so viel Schaden anrichten.

III.

In dieser Woche lauschte ihm die „Elite“ in Davos. Zugegeben, die Wirtschaftselite ist vor allem in Deutschland schon immer vor allem durch Konformismus aufgefallen. Nur weil sie investieren, haben Unternehmer meist kein Gran mehr politischen Verstand im Kopf als gewöhnliche Stammtischbrüder. Ob einst unter den Nazis oder heute unter den chinesischen Machthabern: Immer haben sich Wirtschaftsführer am schamlosesten und schnellsten unterworfen und sich dabei für besonders weitblickend gehalten. Die kaputte Elite scharwenzelt nun auch um Habeck herum. Bloß warum? Sie will keinen Ärger, ist sich für politische Konflikte zu fein, Hauptsache der Rubel, pardon, die Subventionen rollen, und der Staat sozialisiert die Risiken auf dem Rücken der kleinen Leute. Habeck fördert die Planwirtschaft nach Kräften, behindert die Technologieoffenheit einer verfehlten Energiepolitik. Er vergisst noch immer, dass er Wirtschafts-, nicht bloß Energieminister ist. Das Land rauscht in die tiefste Krise, die schärfste Geldentwertung seiner Geschichte. Herr Habeck schaut mit Wohlgefallen zu, wie der Wohlstand der breiten Massen zerbröselt, und salbadert dazu gescheit herum. Kaum jemand will zur Kenntnis nehmen, dass er ein führender Ideologe des erwünschten Niedergangs der Automobilwirtschaft ist, dem früheren Rückgrat des Industrielands. Er vergreift sich am Eigentum der kleinen Eigenheim- und Wohnungsbesitzer mittels erzwungener Sanierung und sinnloser Wärmepumpen. Er zerstört das materielle Fundament der Mitte – und niemand fällt ihm in den Arm.

IV.

Aber noch immer wird Herr Habeck für einen Glücksfall gehalten. Nur weil er so tut, als könne man ihm beim Denken zuschauen. Ja, täte man’s nur! Nähme man ihn nur beim Wort! Die gläserne Politikmanufaktur Habeck produziert Sprüche wie für die Sendung mit der Maus. Er profitiert vom Unvermögen des Kanzlers und dessen lachhafter Damenriege. Und Christian Lindner, der ihm Paroli bieten müsste, ist nicht einmal mehr ein Schatten seiner selbst und fällt selbst auf Habecks „liberales“ Getue herein. Auch in graue Anzüge gesteckt, ist dieser Herr nur ein Wolf im Wolfspelz, der mehr Kreide frisst, als in ihn hineinpasst. Nein, er reißt die Lämmer nicht, er lässt sie scheren. In drei Jahren, wenn das Fell der lammfrommen Deutschen geschoren ist, wird er das Wollespinnen noch immer als Zukunftsprojekt, als fällige Umstrukturierung verkaufen. Dann koaliert er eben mit den Schwarzen. Verantwortung kann auch Spaß machen.

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