Skandalchronik einer deutschen Industrieperle

Auf die von ihm postulierten ethischen Grundsätze pflegt der Wolfsburger Konzern immer wieder zu pfeifen. Eine kleine Auswahl aus der Skandal-Chronik.

Es war ein langer Weg, den Volkswagen von seinen Anfängen als Hersteller des Kraft-durch-Freude-Wagens zum heute – gemäß dem Umsatz von 250 Milliarden Euro im Jahr 2021 – größten Automobilhersteller der Welt zurücklegte. Und er ist mit Skandalen gepflastert.

Reden wir nicht von der Kübelwagen-Produktion für die Wehrmacht oder den 20.000 Zwangsarbeitern, die während der Kriegsjahre im Volkswagenwerk schuften mussten, darunter Kriegsgefangene und KZ-Insassen. Oder von der Schmiergeld-Affäre 2005, von Untreue, Betrug und Korruption, von Reisen von Betriebsräten, die, um sie sich gewogen zu machen, auf Firmenkosten Dienstleistungen des horizontalen Gewerbes in Anspruch nehmen durften. Lustig, wenn man dann in den Compliance-Regeln des Volkswagen-Konzerns liest, dass „ein professioneller Umgang mit der Arbeitnehmervertretung… Bestandteil unserer Unternehmenskultur (ist).“ Richtig ist vielmehr, dass Arbeitnehmervertreter Umgang mit Professionellen hatten.

Heute gibt sich das Unternehmen besonders „woke“, die VW-Tochter Audi etwa propagiert die „gendersensible“ Sprache und spricht ihre Mitarbeiter neuerdings als „Audianer_innen“ an. Horch, horch! Aber auch in jüngster Zeit hat der Volkswagen-Konzern mehrmals schwer gegen seine eigenen Compliance-Regeln verstoßen. Drei Beispiele.

Der Abgas-Skandal

In den Jahren 2009 bis 2015 hat Volkswagen in den USA bei den behördlichen Abgasmessungen durch eine gezielte Anpassung der Motoren-Steuerungssoftware bewusst betrogen. Die Software einiger seiner Dieselmotoren wurden so programmiert, dass sie nur in den Abgastests die strengen US-Emissionswerte für Stickoxide einhielten. Im Alltagsbetrieb stießen die Diesel jedoch ein Vielfaches der erlaubten Grenzwerte aus. Bereits 2005/2006 soll entschieden worden sein, die Manipulations-Software in die einschlägigen Dieselmotoren einzubauen, grünes Licht dafür soll aus dem Motorenentwicklungszentrum in der VW-Zentrale in Wolfsburg selbst gekommen sein. Besonders dreist: Gerade diese Fahrzeuggeneration war von VW in großen Werbekampagnen als besonders saubere „Clean-Diesel“ beworben worden.

In einem Kommentar des Redaktionsnetzwerks Deutschland hieß es, hier gehe es um „eine Form von organisierter Kriminalität, die in ihrer wirtschaftlichen und politischen Tragweite unerreicht ist.“ Über Jahre habe der Konzern mit Vorsatz seine Kunden und die Behörden betrogen. (Chronologie zum „Dieselgate“ hier.)

Das VW-Werk in China

Das „ethisch korrekte Verhalten“, das VW in seinen Compliance-Regeln anmahnt, darf infrage gestellt werden, wenn man einen Blick in die chinesische Region Xinjiang wirft. Unweit des Flughafens der Provinzhauptstadt Urumqi baut VW die Modelle Tharu und Santana. Nun verkündet das Wolfsburger Unternehmen zwar „Wir lehnen jegliche Nutzung von Kinder-, Zwangs- und Pflichtarbeit… ab“, und das gelte „selbstverständlich auch für das Verhalten von und gegenüber Geschäftspartnern“, doch weiß man, dass in Xinjiang schwere Menschenrechtsverletzungen an der uigurischen Minderheit begangen werden. In staatlichen Internierungs- und Umerziehungslagern soll Gewalt und Folter an der Tagesordnung sein.

Verständlich, dass sich Volkswagen nur ungern über sein Werk in Xinjiang äußert. Journalisten haben dort keinen Zutritt, daher muss man sich auf die Aussage von Volkswagens China-Chef Stephan Wöllenstein verlassen: „So ein Thema wie Zwangsarbeit kann es bei uns nicht geben, weil wir die Mitarbeiter alle direkt beschäftigen.“ Alles bestens also, wie in Brasilien.

Bauchschmerzen wegen des chinesischen Regimes hat Wöllenstein nicht: „Wir haben klargemacht, dass wir zu unserem Engagement in China insgesamt stehen müssen, und wir werden auch zu unserem Engagement in Xinjiang stehen, solange wir glauben, dass es aus wirtschaftlicher Sicht machbar ist.“ Geld schlägt Moral, so ist das nun mal.

Sponsoring der documenta 15

Zum fünften Mal tritt Volkswagen als finanzkräftiger Partner der documenta in Kassel auf, unterstützt nach eigener Aussage „mit vielfältigen Besucher- und Bildungsangeboten eine zentrale Idee der vom indonesischen Künstlerkollektiv ,ruangrupa‘ konzipierten Großausstellung: Nachhaltigkeit.“ Als Hauptsponsor der „weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst“ finanziert VW damit allerdings auch den Antisemitismus mit, der auf dem Ausstellungsgelände sein hässliches Haupt erhob, unter anderem waren dort Darstellungen schweinsköpfiger Mossad-Männer sowie eines Schläfenlockenjuden mit Zigarre und SS-Hut zu sehen.

Ein Skandal mit Ansage, denn dass „Mitglieder des Teams Künstler bzw. Gruppen eingeladen (haben), die für eine antizionistische bzw. israelfeindliche Politik stehen – und außerdem sich selbst als Israelgegner positioniert“, war kein Geheimnis. Entweder hat es der Hauptsponsor aus Wolfsburg versäumt, den zweifelhaften Partner darauf abzuklopfen, weil es ihn schlicht nicht interessierte, oder er hat es billigend in Kauf genommen.

Dem Mann, für den das Unternehmen das Volksauto bauen sollte, hätte es gefallen.

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