Geht es um Artikel 5? Die Logik hinter dem Beschuss des AKW Saporischschja

USA spielen mit dem Feuer

Alle paar Tage wird das AKW in Saporischschja von der ukrainischen Armee mit Einverständnis der USA beschossen. Geht es dabei um das Auslösen von Artikel 5 des NATO-Vertrages?

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29. August 2022 04:00 Uhr

Dass die Ukraine das AKW in Saporischschja alle paar Tage beschießt ist bekannt, auch wenn westliche Medien Russland beschuldigen. Aber Russland hätte davon keinerlei Vorteil, denn erstens würde dabei russisches Land verstrahlt und zweitens wären die geopolitischen und militärischen Folgen nicht in Russlands Interesse. Wenn es gelingt, eine Atomkatastrophe in dem AKW den Russen anzuhängen, könnte Kiew hingegen auf einen Eintritt der NATO in den Krieg hoffen, denn eine von Russland verursachte (oder Russland auch nur „untergeschobene“) Katastrophe, die auch NATO-Länder verstrahlt, könnte Artikel 5 des NATO-Vertrages, also den Kriegsbeitritt der NATO, auslösen, was Kiews oberstes Ziel ist.

Da Kiew das AKW mit aus den USA gelieferten Waffen beschießt und dazu auch HIMARS-Raketenwerfer benutzt, bei deren Zielauswahl die USA das letzte Wort haben, ist auch die Rolle der USA sehr besorgniserregend. Darum ging es am Sonntag in einem Kommentar im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens, den man durchaus als Warnung an die USA verstehen kann. Ich habe den Kommentar übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Amerika spielt den atomaren Joker

Der Rat der Staatsduma hat am Donnerstag eine Erklärung zu den Gefahren durch den Beschuss des Kernkraftwerks Saporischschja durch die ukrainischen Streitkräfte abgegeben:

Der Rat der Staatsduma der Föderalen Versammlung der Russischen Föderation verurteilt den anhaltenden Beschuss des größten europäischen Kernkraftwerks in Saporischschja durch ukrainische Militäreinheiten in den letzten Wochen auf das Schärfste. Die Folgen des rücksichtslosen Handelns Kiews, das den Beschuss der Anlage in Saporischschja angeordnet hat, könnten verheerend werden. Der Rat der Staatsduma bestätigt die Bereitschaft der russischen Seite, alles Notwendige zu tun, um eine internationale IAEO-Mission zum AKW Saporischschja zu organisieren, damit die Spezialisten der Agentur die Gefahren, die von den anhaltenden ukrainischen Angriffen auf das Kernkraftwerk ausgehen und die tragische Folgen für die gesamte Menschheit haben können, vor Ort bezeugen können.“

Saporischschja ist das größte Kernkraftwerk Europas und eines der drei leistungsstärksten der Welt. In dem Werk sind über zehntausend Menschen beschäftigt. Die Reaktoren sind gut geschützt. Ein direkter Treffer kann sie nicht beschädigen. Gelingt es jedoch, die Anlage vom Strom abzutrennen, werden die Reaktoren weiterhin enorme Mengen an Wärme erzeugen. Derzeit gibt es drei Kühlschleifen, um sie abzuleiten. Es handelt sich um Pumpen, die beträchtliche Wassermassen umwälzen. Das gesamte Kakhovka-Reservoir liegt zu diesem Zweck in der Nähe. Wenn also das Wärmeabfuhrsystem ausfällt, schmilzt der Reaktorkern durch Überhitzung und der übermäßige Dampfdruck lässt die Schutzkuppel von innen explodieren. Genau das ist 2011 in Fukushima, Japan, passiert. Die Erfahrung gibt es. Genauso wie die Erfahrung von Tschernobyl im Jahr 1986.

Eine Katastrophe im Kernkraftwerk Saporischschja wird ganz Europa in eine völlig neue Situation bringen. Ukrainische Streitkräfte beschießen ein atomares Objekt. Die Vereinigten Staaten haben die Waffen und die Munition geliefert und – das Wichtigste – die Aufgabenstellung. Und da kann man nicht mehr einfach sagen: „Ihr Idioten, versteht ihr nicht, wie das enden wird?“ Sie sind keine Idioten. Sie verstehen es. Und sie beschießen es absichtlich. In Wirklichkeit sind es die Amerikaner, die das AKW Saporischschja beschießen. Sie haben einfach Ukrainer damit beauftragt. Amerika hat hier Makroziele.

Um das Ausmaß des amerikanischen Spiels und die Höhe des Einsatzes, den die USA setzen, besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück in die Geschichte. Hier ist die Einschätzung und sehr genaue Vorhersage des unermüdlichen Revolutionärs und Lenin-Kollegen Lew Trotzki interessant. Nachdem Trotzki während der Revolution von 1905 den Petrosowjet angeführt hatte, wurde er zur Zwangsarbeit nach Sibirien geschickt. Von dort aus floh Trotzki ins Ausland. Während des Ersten Weltkriegs war er in Europa. Im Januar 1917 kam er mit dem Schiff in New York an, wo er beim Studium Amerikas eine verblüffende Entdeckung machte, über die er 1930 schrieb:

Die Zahlen über das Wachstum der amerikanischen Exporte während des Krieges haben mich verblüfft. Sie waren eine echte Offenbarung für mich. Diese Zahlen bestimmten nicht nur die amerikanische Intervention im Krieg, sondern auch die entscheidende Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt nach dem Krieg. Von da an gehörte das Problem „Amerika und Europa“ dauerhaft zu meinen Hauptinteressen. Um das kommende Schicksal der Menschheit zu verstehen, gibt es kein wichtigeres Thema als dieses.“

Das heißt, Trotzki war erstaunt darüber, wie sehr Amerika vom Krieg in Europa profitiert hatte. Schon damals war klar, dass Amerika keine Sympathien für Europa hegte. Der Krieg ist für Amerika weit weg und verändert das Gleichgewicht in der Welt zu seinen Gunsten. So war es auch im Ersten Weltkrieg. Und im Zweiten Weltkrieg. Das Gleiche passiert auch jetzt. Schauen Sie, Trotzkis Worte vom Januar 1917 klingen wie von heute:

Die größte wirtschaftliche Tatsache ist, dass Europa in den Grundlagen seiner Wirtschaft bankrott geht, während Amerika immer reicher wird. Und während ich neidisch auf New York City schaue, frage ich, der ich mich immer noch als Europäer fühle, mich ängstlich: Hält Europa das durch? Wird es sich nicht in einen Friedhof verwandeln? Wird das wirtschaftliche und kulturelle Gravitationszentrum der Welt von hier nach Amerika gehen?

Das ist genau das, was die Amerikaner wollen. Zur Hölle mit Europa! America first. Deshalb müssen sie das Chaos in der Ukraine noch vergrößern. Soll es doch durch eine nukleare Katastrophe passieren. Wenn es auf dem Schlachtfeld nicht klappt, dann eben der atomare Joker! Trifft die Strahlung auch NATO-Länder? So ist es. Beschuldigen wir Russland und schlagen wir militärisch zurück. Ich denke mir das nicht aus. Das ist schriftlich formuliert. So schreibt der britische Abgeordnete Tobias Elwood auf Twitter:

„Jede vorsätzliche Beschädigung, die zu einem möglichen Austritt von Strahlung in einem ukrainischen Atomreaktor führt, wäre ein Fall für Artikel 5 der NATO.“

In den USA sagt der Kongressabgeordnete Adam Kinzinger das Gleiche:

„Jeder Austritt, der Menschen in NATO-Ländern tötet, ist automatisch Artikel 5.“

Artikel 5 des Nordatlantikvertrags besagt, dass ein Angriff auf einen NATO-Staat von allen anderen Mitgliedern des Bündnisses als bewaffneter Angriff gegen sie selbst betrachtet wird. Das heißt, die Katastrophe im AKW Saporischschja ist ein Casus Belli, ein Kriegsgrund. Und wenn die Amerikaner die Ukrainer mit der Bombardierung des Kernkraftwerks beauftragen, schaffen sie mit ihren Händen genau diesen Casus Belli. Schließlich ist ein großer Krieg in Europa für sie profitabel. Auch zum dritten Mal ist das für sie profitabel. Das ist zynisch? Ja, das ist zynisch.

In diesem Zusammenhang sehen die Europäer wie – wie soll ich es vorsichtig ausdrücken? – wie komplette Idioten aus. Sie haben nicht nur solche Sanktionen verhängt, dass sie nicht mehr wissen, wie sie selbst weiterleben sollen, sondern sie riskieren auch eine atomare Katastrophe und einen anschließenden Krieg mit Russland. Wen in der Alten Welt macht das glücklich? Und das alles zum Wohle der USA? Die Leichtigkeit des Umgangs mit der Aussicht auf einen nuklearen Zusammenstoß mit Russland zeigt sich natürlich auch der Satz von Liz Truss, der britischen Premierministerkandidatin. Bei einem Treffen vor der Wahl antwortete Liz Truss auf die Frage, was sie von der Notwendigkeit halte, den nuklearen Knopf zu drücken, emotionslos, ich würde sogar sagen mit der Stimme eines gefrorenen Kabeljaus. Und hier ist der Satz der Woche:

„Ich denke, das ist eine wichtige Verantwortung des Premierministers. Ich bin bereit, das zu tun.“

Das sind auch für Russland keine guten Aussichten. Aber dann kommt diese Logik: Wozu brauchen wir eine Welt, wenn es auf ihr kein Russland gibt? Nun, so ist es doch? Ist es nicht an der Zeit, dass die Amerikaner aufhören? Kurz gesagt, hört auf, das Kernkraftwerk in Saporischschja zu beschießen. Das ist ein schlechtes Spiel.

Ende der Übersetzung


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Quelle

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Ein Kommentar zu “Geht es um Artikel 5? Die Logik hinter dem Beschuss des AKW Saporischschja

  1. Hat dies auf Märchen von Wurzelimperium S1 SunShinE rebloggt und kommentierte:
    Wenn die IDIOTEN endlich msl treffenwürden, dann hätten wir es schneller hintr uns und das mir dabei am besten gefällt: Unsere Kinderifckenden Bundestagler und Landesminister würden auch einen guten Teil abkriegen und wenn die Ratten hoffen man würde sie dekontaminieren … dann verrecken sie eben so dumm wie sie geboren wurden

    Gefällt mir

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