20 Jahre EEG – Gaudi mit Claudi

Beinahe hätte ich einen wichtigen Geburtstag vergessen, denn das „Erneuerbare-Energien-Gesetz“, dessen tückischer Existenz ich schon viele Artikel gewidmet habe, wird heute 20 Jahre alt. Zeit, Bilanz zu ziehen und kräftig zu feiern. Angesichts der Energiekosten im Land bei Kerzenschein und kalter Küche, aber natürlich mit zünftiger Torte. Und falls Sie sich fragen, wer wohl aus der Torte hüpft … für diese Rolle kommt natürlich nur Claudia Kemfert infrage, Konditorin und Kaltmamsell der Energiewende, die ohne das EEG so ganz ohne Aufgabe dastünde. Hoch lebe das EEG, dem Frau Kemfert ihren Job und ich meinen Galgenhumor verdanke. Wie üblich in Interviewform – für kritische Analysen muss man bei Kemfert immer Sekundärquellen bemühen – befragt Stefan Römermann für den Deutschlandfunk Kemfert nach den Anfängen des EEG.

„Warum war das Gesetz seinerzeit so umstritten?“

Ignorieren wir die Antwort, denn diese Gefälligkeitsfrage ist suggestiv und falsch formuliert. Umstritten war das Gesetz anfangs nämlich gerade nicht wegen der hohen Vergütungen, wie Kemfert behauptet, sondern höchstens deshalb, weil man sich fragte, wozu es überhaupt gut sei. Es gab im Jahr 2000 so wenige Solar- und Windfarmer, denen man feste Einspeisevergütungen garantierte … was sollte da schon schiefgehen! Also legte man im Jahr 2000 zwei Reiskörner aufs erste Feld des Schachbretts und sah mit wachsender Sorge Jahr für Jahr den Subventionsberg wachsen. Bei etwa einer halben Billion sind wir mittlerweile schon. Die Frage hätte also lauten müssen: War das Gesetz seinerzeit so umstritten wie heute?

Exportschlager EEG

Ich will hier aber gar nicht langweilen mit den immer und immer wieder gehörten Märchen vom sinkenden Preis der „Erneuerbaren“, wenn erst mal genug davon in der Landschaft rumstehen (die ersten werden längst wieder abgeräumt). Kemfert wird nicht müde, das zu behaupten, aber genau dafür wird sie ja schließlich bezahlt. Die Branche winselt den knapper werdenden Subventionen nach, und das ist leider schon die ganze Geschichte ihres Niedergangs. Gebt uns mehr Geld, damit wir euch billigen Strom geben können, so das Mantra. Man muss beim Einmaleins nicht mal bis zur Zweierreihe gekommen sein, um zu erkennen, dass dies ökonomischer Kokolores ist. Nein, mir geht es hier um eine andere Behauptung Kemferts, welche beim Verbraucher gleichfalls durch möglichst viele Wiederholungen in Wahrheit umgewandelt werden soll. Kemfert im DLF:

„Im Übrigen ist das deutsche EEG in über hundert Ländern der Welt kopiert worden. Es wurde fast überall angewendet, und das zeigt, dass es eine sehr erfolgreiche Förderung war. Heute ist man in einer Welt, wo die erneuerbaren Energien wettbewerbsfähig sind, und das ist wirklich dank des EEG.“

Das deutsche EEG kopiert und fast überall angewendet. Diese Aussage ist in meinen Augen unmissverständlich und besagt, etwas poetischer, „am deutschen Energiewesen will die Welt genesen“. Schauen wir also mal genauer nach, wie sich das angeblich „copy & paste“ des EEG in mehr als der halben Welt (es gibt ja nur 194 Staaten) in der Realität darstellt.

Gesetze, nicht Länder

Fragen wir zunächst mal Google nach „Länder mit EEG“. Nicht Staaten, Länder. Denn Frau Kemfert benutzt dieses Wort ja auch. Die Seiten hinter der Mehrzahl der Treffer senden aus derselben politischen Bubble wie Kemfert, also klimaretter.info, windkraft-journal.de, erneuerbare-energien.de und andere Propagandaportale. Allerdings hätte ich doch gern sowas wie eine Liste dieser 100 Länder mitsamt einer nachvollziehbaren Erklärung oder Analyse, wie dort via „paste“ der deutsche Exportschlager EEG implementiert wurde. Stattdessen überall nur Jubelzahlen.

Je nachdem, wie weit man in der Zeit zurück geht, sind es 60, 70 oder eben auch 100 Länder, aber nirgends steht, was genau da passiert und wie diese Länder heißen. Ein Link zu klimaretter.info bringt uns schließlich dem Ziel näher. „Weltweit hundert Mal das EEG“ titelt man dort, Frau Kemfert muss scheinbar hier vorbeigeschaut haben. Im Text bei klimaretter.info heißt es weiter:

„Kein anderes deutsches Gesetz ist weltweit jemals so oft übernommen oder nachgeahmt worden, wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Wie die Agentur Zukunft ermittelte, gab es Anfang 2013 weltweit schon insgesamt 99 Gesetze auf nationaler oder regionaler Ebene, die das deutsche EEG zum Vorbild genommen haben.“

Merken Sie auch, wie es bröckelt? Insgesamt 99, nicht 100. Gesetze, nicht Länder. Auf nationaler und regionaler Ebene – wie regional darf’s denn sein? Vorbild, nicht Kopie – was auch immer das am Ende genau bedeutet. Ermittelt wurde die Schwammzahl noch dazu von der „Agentur Zukunft“, einem nach eigenem Claim „Büro für Nachhaltigkeitsfragen“, das sich mit „Energie, Klimaproblematik, 2°-Grenze und kohlenstoffarmer Energiewirtschaft“ befasst. Hat da etwa jemand bei Dr. Marlboro gefragt, wie gesund Rauchen ist? Doch weiter im Text der Klimaretter:

„Diese Zahlen würde auch der international anerkannte Global Status Report Renewables 2013 bestätigen. Demnach haben 71 Länder und 28 Bundesstaaten oder Provinzen irgendeine Form von Einspeisungsvergütung.“

Von „Vorbild EEG“ kann keine Rede sein

71 plus 28 macht 99, daher also die „runden Hundert“ Länder aus Kemferts Geburtstagstorte. Es sind auch Bundesstaaten und Provinzen dabei, sofern sie nur „irgendeine” Form der Einspeisevergütung haben. Wäre Trump nicht solch ein störrischer Esel, man könnte die Erfolgszahl gleich um 50 erhöhen! Der Verdacht bestätigt sich, wenn man in den erwähnten und verlinkten Global Status Report schaut. Dort wird man auf Seite 14 fündig. In einer Tabelle für das Jahr 2012 unter „States/provinces/countries with feed-in policies“. Will heißen, dass es in 99 Ländern, Staaten oder Regionen politische Regeln für die Einspeisung erneuerbarer Energien in die jeweiligen Stromnetze gibt. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

Weltweit gibt es – außer in Deutschland – keine staatlichen Fördermilliarden, elf (demnächst zwölf) Sonderposten und Haftungsumlagen auf den Stromrechnungen, keine Garantiezahlungen für Investoren in Erneuerbare Energien. Wenn jemand den Strom, den seine Solaranlage oder sein Windrad produziert, in ein Netz einspeisen will, muss es dafür selbstverständlich Regeln geben. Das ist nicht EEG, sondern logisch, wie Moritz Neumeier vielleicht sagen würde. Die Idee, die Stromversorgung durch Regulierung welcher Art auch immer halbwegs stabil zu halten, haben sich eben gerade nicht deutsche Energiewendethinktanks ausgedacht. Von „Vorbild EEG“ oder gar „Exportschlager“ kann somit keine Rede sein.

Täuschung oder Taschenspielertrick

Kemfert spricht also im Jahr 2020 von „hundert Ländern“ und benutzt somit stark aufgehübschte Zahlen, die wir schon seit 2012 kennen. Warum ging der EEG-Exporterfolg denn seitdem nicht weiter? Müssten heute, acht Jahre später, nicht mindestens 300 „Länder“ der deutschen Energiewende verfallen sein? Schwer vorstellbar, dass Kemfert keine neueren Zahlen hat. Oder lassen sich diese einfach nicht noch schöner darstellen?

In Wahrheit geht kein Land oder Staat und keine Provinz auf dieser Welt wie Deutschland am Rande einer Klippe spazieren, wenn es um die Energieversorgung geht. Sucht man bei Google nach „EEG Staaten“, kommt man sehr schnell zu einem Wikipedia-Artikel, der die Bemühungen einzelner Staaten beschreibt, die „Energiewende“ zu schaffen. In dem Artikel ist mehr Luft als in zehn bäckerfrischen Windbeuteln. Viel „streben an“, „wollen erreichen“ oder „bis zum Jahr 2050 werden“, aber außer einem ellenlangen Abschnitt über das EEG-Musterland Deutschland nichts Substanzielles, auf das man ein Solarpanel nageln könnte.

Nein, Frau Kemfert, die Kerzen auf der Geburtstagstorte „20 Jahre EEG“ müssen Sie allein auspusten. Ein Exportschlager war dieser Murks nie. Das EEG wurde vielmehr niemals irgendwo adaptiert oder gar kopiert.

Doch ich habe eine Idee, wie Sie die Situation noch retten können. Da der Strom in Deutschland mittlerweile weltweit der teuerste* ist und die halbe Welt unser EEG angeblich erfolgreich „kopiert“ hat, schlage ich einen zügigen Re-Import vor. Sie bestimmen, aus welchem Land. Denn überall in der erfolgreichen Energiewende-Welt laufen ja noch die Kernkraftwerke, die Gasturbinen und die Kohlemeiler, deren Output Ihren Aussagen zufolge nur bei uns die Netze „verstopft“. Wenn also das EEG überall erfolgreich ist und nur bei uns die Energiekosten so astronomisch hoch sind, warum sollten wir mit der Umsetzung der Energiewende nicht besser externe Fachkräfte beauftragen, statt uns auch nach so vielen Jahren immer noch Kemfert’sche Durchhalteparolen vom „morgen wird’s billiger“ anzuhören?

* Nicht ganz. Auf den Bermuda Islands ist Strom noch etwas teurer. Bermuda steht in der Liste der Pro-Kopf-Einkommen allerdings auf Rang drei (nach Monaco und Liechtenstein und vor der Schweiz), während das „reiche Deutschland” auf Rang 19 herumdümpelt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt. Foto: Roland Horn CC BY-SA 3.0 devia Wikimedia Commons

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Mühelos zertreten Bolschewistische Salamitaktik: Jetzt geraten Union und FDP ins Visier der roten „Antifaschisten“

Gewusst wie!

DER WOCHENRÜCKBLICK

Von Hans Heckel

Endlich haben wir Klarheit. Geschenkt hat sie uns der Berliner SPD-Landeschef Raed Saleh. In einem Zeitungsartikel verkündet er die neue Linie, mit welchen Kräften unsere Republik in die Zukunft marschieren soll – und vor allem: Gegen wen der Vormarsch gerichtet sein wird.
„Uneingeschränkt zur Demokratie und zum Grundgesetz stehen nur die Parteien der linken Mitte – nämlich SPD, Grüne und Linke.“ Alle anderen also nicht, auch nicht Union und FDP. Demnach hat alles nichts genützt, was FDP und CDU an Selbstgeißelung und Besserungsschwüren nach der Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten aufgeführt haben. Sie bleiben in Acht und Bann.
FDP-Chef Lindner hat Merkels Erpressung nachgegeben, sie werde die FDP aus allen Landesregierungen schmeißen, wenn er den Kemmerich nicht zum Rücktritt nötigt. Danach (und nach atemberaubenden Haken vom Glückwunsch an den Thüringer Parteifreund zur Wahl bis zum Abschuss des Beglückwünschten innerhalb von zwei Tagen) lag Linder wehrlos am Boden wie ein Käfer auf dem Rücken. Jetzt kann man ihn und seinen Laden mühelos zertreten, der Kanzlerin sei Dank. Der Berliner Obersozi hat die Einladung zum Zutreten gern angenommen.
Doch der CDU wird es dennoch nicht besser ergehen. Zwar machen sich dort die Säuberer ans Werk und schieben ihren eigenen konservativen Restflügel von der Werte-Union ins Faschistenlager („Krebsgeschwür“). Krebs ist bekanntlich viel gefährlicher als Corona, weshalb es mit Quarantäne nicht getan sein wird. Die müssen „abgeschnitten“ werden, hieß es daher ja auch im Merkel-Lager der CDU, oder wie es CDU/CSU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus ausdrückte: „Ihr gehört nicht zu uns!“ Also weg damit. Und wie? Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz empfiehlt die einfachste Lösung: einen Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU zur Werte-Union. Dennoch will Saleh die Union nicht mehr sehen, und zwar die ganze Union, wenn wir ihn recht verstehen.
Die Grün-Rot-Roten mussten eigentlich nur zugucken und die Pauke im Takt schlagen, die willigen Ruderer bei Union und FDP legten sich bei ihrer Selbstzerlegung derart willig in die Riemen, dass es eine Wonne war für die Genossen. Was wir bewundern, ist der Erfolg der alten bolschewistischen Salamitaktik des dunkelroten „Antifaschismus“. Der richtet sich nämlich nicht zuvörderst gegen echte Nazis. Die dienen bloß als Muster für das benötigte Brandmal.
Dieser Antifaschismus dient dazu, die bürgerliche Konkurrenz letztlich zur Gänze zu vertilgen. Das geht so: Erst hetzt man die einen Bürgerlichen auf diejenigen Bürgerlichen, die weiter rechts stehen, heute ist dies die AfD.
Wenn die rechten Bürgerlichen von den anderen Bürgerlichen überrannt worden sind, hetzt man die „Gemäßigten“ auf deren eigene Leute. Die Opportunisten und linken U-Boote im bürgerlichen Lager betreiben diese Hatz mit der gleichen Hingabe, mit der sie vorher die „Rechten“ zur Strecke gebracht hatten.
Schlussendlich kommen die Opportunisten selber dran, die eben noch mit „Krebsgeschwür“-Geschrei im Dienste der Linken über ihre eigenen Parteifreunde hergefallen waren. Dieses letzte Kapitel der totalen linken Machtübernahme hat Raed Saleh mit seinem Artikel gerade eingeläutet. Bislang lief also alles nach Plan. Wenn es in dem Tempo weitergeht, können wir schon bald Vollzug melden.
Und was folgt dann? Dann wird abgerechnet. Die „Faschisten“ und deren Komplizen, also jene, die nach Saleh nicht „uneingeschränkt“ zur neuen Ordnung gestanden haben, werden mit Konsequenzen rechnen müssen. Welche das sind, hat Peter Tauber, der wie Polenz auch mal Generalsekretär der CDU unter Angela Merkel war, bereits im vergangenen Jahr angekündigt: Den „Feinden“ müssten die „Grundrechte entzogen werden können“, twitterte Tauber im Juni 2019.
Überhaupt hat Tauber frühzeitig den Wind gespürt und den Boden bereitet für anlaufende Säuberungen, als er ebenfalls vergangenes Jahr dekretierte: „Die politische Rechte kann man nicht integrieren oder einbinden.“ Er sagte nicht etwa „extreme“ Rechte sondern „politische“, womit auch Konservative und Rechtsliberale gemeint sind. Walter Ulbricht hätte es nicht schneidender ausdrücken können.
Die Frage ist, ob ihn das retten wird, wenn die linken Machthaber abrechnen mit den christdemokratischen Tätern. Tauber wäre zu empfehlen, sich den neuen Herrschern in der linken Republik als Kronzeuge anzudienen. Er war immerhin mehr als vier Jahre Merkels Schleppenträger, als die noch CDU-Chefin war. In der Position erfährt man doch so einiges über seine Parteifreunde, was man vor dem Gericht der gelenkten Öffentlichkeit auspacken könnte. Sollten jedoch belastende Beweismittel über ihn selbst auftauchen, wäre selbst ein Tauber nicht zu retten. Etwa ein Foto von einem gemeinsamen Mittagessen mit Hans-Georg Maaßen. Hoffentlich ist Tauber stets vorsichtig und vorausschauend genug gewesen, um solche Schnitzer zu vermeiden. Indes, Leuten vom Schlage dieses Typen steckt die notwendige Vorsicht im Blut. Da sie davon ausgehen, dass alle so drauf sind wie sie, wittern sie überall Denunzianten – und sehen sich entsprechend vor. Wünschen wir Peter Tauber also alles Gute.
Die meisten Unionler, die sich derzeit in Willfährigkeit gegenüber Links und ganz Links überschlagen, werden dagegen enden wie Christian Lindner und seine FDP. Ihnen wird keine Gnade gewährt werden.
Für solchen Firlefanz wie „Nachsicht“ haben die Genossen auch gar keine Zeit. Denn in der EU marschiert ebenfalls der Faschismus. Jahrelang haben die EU-Länder mit den Schleppern im Mittelmeer reibungslos kooperiert, indem sie den Menschenschmugglern die illegalen Einwanderer oft schon kurz vor der afrikanischen Küste abnahmen und mit staatlichen Schiffen nach Italien weitertransportierten, es nannte sich Operation „Sophia“. Dann machte Italien frecherweise seine Häfen dicht, die Operation saß fest.
Lange schon drängten Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) darauf, „Sophia“ wieder flottzumachen. Das aber ist nun endgültig gescheitert, die EU-Partner haben den Wunsch Deutschlands nach Wiedereröffnung der Mittelmeer-Route mehrheitlich abgelehnt. Wie es heißt, hauptsächlich auf Betreiben von Österreich und Ungarn – ja, die schon wieder!
Da stellt sich doch die Frage: Zu welchem Zweck hat Merkel ihre Ursula von der Leyen eigentlich nach Brüssel geschickt, wenn die Frau so etwas nicht verhindern kann? Aber keine Sorge, den EU-Partnern zieht Berlin die Hammelbeine schon noch lang. Beflügelt vom totalen Sieg daheim war seit Generationen keine Führung Deutschlands derart durchdrungen von ihrer Sendung, es Europa und der Welt zu zeigen. Denn heute hört sie Deutschland und morgen …

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Der Spiegel über Syrien: Besonders plumpe Propaganda am Dienstag

Bei den Berichten über die Situation in Syrien zeigt der Westen – und allen voran seine Medien – sein hässliches Gesicht. Das war am Dienstag gleich in zwei Spiegel-Artikeln besonders deutlich.

Bevor wir zu den Spiegel-Artikeln und ihren Stilmitteln kommen, kurz einmal zur Situation in Syrien. In der nordöstlichen Provinz Idlib herrschen islamistische Terroristen, die aus der Al-Qaida hervorgegangen sind. Diese Gruppen sind von der UNO ganz offiziell als Terrorgruppen eingestuft worden. Es gibt also keinen Zweifel, wer dort herrscht.

Die Türkei unterstützt diese Terroristen und hat seit dem Abkommen von Sotschi vom September 2018 ca. ein Dutzend militärische und gut bewaffnete und befestigte“Beobachtungsposten“ eingerichtet. Da die Türkei ihr Militär ohne Erlaubnis der syrischen Regierung ins Land gebracht hat, ist sie dort völkerrechtswidrig aktiv.

Die Terroristen haben – entgegen der in Sotschi getroffenen Vereinbarung – ihre Waffen nicht abgezogen, dafür hat die Türkei garantiert, sondern beschießen seitdem immer wieder syrische Stellungen, aber vor allem auch zivile Ziele zum Beispiel in der Großstadt Aleppo. Dagegen ist Syrien nun – mit russischer Unterstützung – vorgegangen und hat eine Offensive gestartet.

Gegen diese Offensive protestiert der Westen vehement und die Medien überschlagen sich mit propagandistischen Artikeln. Dabei muss man doch erst einmal eine Frage beantworten, bevor man das Vorgehen der Syrer kritisiert: Was ist denn die Alternative?

Soll unmittelbar vor Europas Haustür eine unkontrollierte Terroristen-Hochburg entstehen, in der das Kalifat nach mittelalterlichen Regeln herrscht und Terroristen einen Rückzugsraum haben, um neue Terroristen auszubilden, die dann als Flüchtlinge getarnt nach Europa einreisen können? Das kann kaum jemand wollen. Also nochmal: Was ist die Alternative?

Die Frage stellen die „Qualitätsmedien“ jedoch nicht und natürlich haben sie darauf auch keine Antwort. Stattdessen fluten sie das Internet mit Artikeln über die humanitäre Katastrophe, die bei einem Angriff droht. Und ja, die droht leider wirklich. So ist Krieg nun einmal. Das hat die westlichen „Qualitätsmedien“ aber nicht gestört, als die USA die irakische Stadt Mossul mitsamt ihren Einwohnern komplett zerbombt haben, um den IS zu vertreiben. Da haben die „Qualitätsmedien“ über den notwendigen Kampf gegen den IS gesprochen und es gab keine Berichte über die unschuldigen Opfer.

Nun aber werden wir mit emotionalen Artikeln bombardiert, die die Opfer ausführlich zu Wort kommen lassen. Das wäre ja auch in Ordnung, wenn sie auch die Opfer der sogenannten „gemäßigten Opposition“, also der Al-Qaida, in Syrien zu Wort kommen lassen würden. Aber es findet sich in den deutschen „Qualitätsmedien“ kein Artikel über die Opfer des Artilleriebeschusses von Aleppo, davon hat der deutsche Leser in den „Qualitätsmedien“ noch nie etwas gehört. Das hat nichts mit Berichterstattung zu tun, es ist reine einseitige Propaganda. Aber das abstoßendste daran ist, dass das de facto Propaganda für islamistische Terroristen der Al-Qaida ist.

Der russische Außenminister Lawrow hat sich zu Forderungen des Westens, mit den Terroristen ein Abkommen zu treffen, deutlich geäußert:

„Sowohl die Nusra-Front als auch Haiʾat Tahrir asch-Scham – die aus der Nusra-Front hervorgegangen ist – werden offiziell auf den Listen der Terrororganisationen des UN-Sicherheitsrates geführt. Sie werden auch auf den nationalen Listen terroristischer Organisationen der Vereinigten Staaten geführt. Dennoch ist es nicht das erste Mal, dass Beamte aus Washington, darunter auch der US-Sonderbeauftragte für Syrien Jeffrey, Erklärungen abgegeben haben, die darauf hindeuten, dass sie Haiʾat Tahrir asch-Scham nicht als terroristische Organisation betrachten und dass es möglich sei, unter bestimmten Umständen einen Dialog mit ihnen zu führen (…) Das ist nicht das erste Mal, dass wir solche Hinweise (…) hören, und wir halten sie für absolut inakzeptabel“

Damit müsste eigentlich alles gesagt sein und es ist eigentlich ein Skandal, dass der Westen überhaupt solche Vorschläge macht. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass in Syrien noch immer Bundeswehr-Tornados im Einsatz sind, die angeblich Terroristen bekämpfen sollen. Also die gleichen Terroristen, gegen die Syrien und Russland aber auf keinen Fall vorgehen dürfen und mit denen sie einigen sollen.

Wie geht das zusammen? Und wie schaffen es die Medien, dass ihre Leser diese sehr einfachen Zusammenhänge nicht erkennen?

Die Antwort ist einfach: Durch Weglassen. Und durch emotionale Artikel, denn ein emotionalisierter Leser verliert während des Lesens zumindest einen Teil seiner analytischen Fähigkeiten. Nüchterne Analyse und Emotionen sind nicht vereinbar und Emotionen sind stärker.

Der erste Spiegel-Artikel, an dem ich das aufzeigen möchte, trägt die Überschrift „Inferno in Idlib – Vor den Augen der Welt“ und beginnt mit folgenden Worten:

„Die Weltgemeinschaft hat darin versagt, dem Krieg in Syrien Einhalt zu gebieten. Nun setzten Diktator Assad und sein wichtigster Unterstützer, Russland, zum letzten, grausamen Schlag an.“

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Artikel nicht etwa als Kommentar oder Meinungsartikel gekennzeichnet ist. Es sollen „Nachrichten“ sein, die der Leser da liest. Aber schon die Einleitung zeigt, dass der Artikel nichts mit „Nachrichten“ oder „Berichterstattung“ zu tun hat. Schon in diese wenigen Worte wurden viele Formulierungen eingebaut, die den Leser emotional in die gewünschte Richtung drängen sollen: Das Wort „Diktator“ darf dabei natürlich nicht fehlen. Und anstatt darauf hinzuweisen, dass es gegen Terroristen geht, schreibt der Spiegel lieber vom „letzten, grausamen Schlag“, damit der Leser auch wirklich weiß, was er zu denken hat.

Der Artikel beginnt dann auch gewollt martialisch:

„Da fliehen binnen zwei Monaten mehr als 900 000 Menschen aus wohlbegründeter Todesangst vor Wellen von Luftangriffen durch das Regime von Syriens Diktator Baschar al-Assad und seinem wichtigsten Unterstützer, Russland, gefolgt von einer Soldateska, die Zurückgebliebene ermordet und noch die Friedhöfe der Geisterstädte schändet. Da erfrieren bei Nachttemperaturen unter null Grad ohnehin schon abgemagerte Säuglinge. Zehntausende harren unter eisigem, freiem Himmel aus, weil es nicht einmal mehr Zelte gibt. Kranke, Verletzte sterben, weil ein Krankenhaus nach dem anderen gezielt in Trümmer gelegt wird. Selbst die Flüchtlingslager werden zum Ziel.“

Auch hier sehen wir wieder ein sehr beliebtes Propaganda-Instrument: Schmeiße mit möglichst viel Dreck, auch wenn es gelogen ist, was Du schreibst. Diese Sätze sind voller Vorwürfe, die den Leser weiter gegen Russland und Syrien aufbringen sollen. Aber es wird verschwiegen, dass Syrien und Russland humanitäre Korridore eingerichtet haben, über die Zivilisten das Gebiet verlassen können. Und es wird weiter verschwiegen, dass die Terroristen die Zivilisten daran hindern, das Gebiet über die Korridore zu verlassen und wenn es doch welche versuchen, werden sie von den Terrorgruppen mit Mörsern beschossen.

Davon aber findet sich im Spiegel kein Wort, stattdessen hagelt es so viele (komplett unbestätigte oder sogar längst widerlegte) Vorwürfe, dass der Leser gar nicht anders kann, als sie zu glauben. Die Masse macht´s. Und natürlich die Formulierungen wie „wohlbegründete Todesangst“, „Soldateska“, „Friedhöfe schänden“, „erfrierende Säuglinge“ (ein Schelm, wer sich an die Brutkastenlüge erinnert fühlt) und natürlich „in Trümmer gelegte Krankenhäuser“. Es ist alles dabei, was den Leser in die gewünschte Richtung beeinflussen soll, aber es wird kein Beleg geliefert und es wird alles weggelassen, was nicht ins Bild passt.

Und ich wiederhole es: Das ist kein Kommentar, es ist ein Artikel, den der Leser als „Nachricht“ präsentiert bekommt.

In dem Artikel geht es dann auch nicht ohne offene Lügen:

„Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderten am Donnerstag im Telefonat mit Russlands Staatschef Wladimir Putin ein „sofortiges Ende der Kampfhandlungen“. So, wie die Regierungen der USA und Europas seit 2011 immer wieder appelliert, gefordert, gedroht haben, ohne je mehr zu erreichen als eine kleine Beruhigungspause.“

Klingt gut oder? Ist aber gelogen. Die USA selbst haben in der CIA-Operation „Timber Sycamore“ die Islamisten seinerzeit bewaffnet, um den Krieg zu entfesseln. Sie wollten Assad stürzen. Und auch die Europäer haben fleißig geholfen. Die Waffen für die Islamisten gingen zum Teil aus Osteuropa über Ramstein in die Region. Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, aber Waffen an islamistische Terroristen liefern ist nicht das, was ich mir unter „appellieren“ an ein „sofortiges Ende der Kampfhandlungen“ vorstelle.

Im Gegenteil: Der Westen hat den Krieg mit seiner offenen und verdeckten Unterstützung erst möglich gemacht. In den Medien war damals von „gemäßigten Rebellen“ die Rede und alle taten ganz überrascht, dass der IS plötzlich große Teile Syriens beherrscht hat. Und zwar mit Waffen, die die CIA mit „Timber Sycamore“ und anderen Operationen geliefert hat. Der deutsche Leser wusste ja nicht, wen der Westen da unterstützt hat und konnte gar nicht verstehen, wo quasi über Nacht der IS hergekommen ist.

Und der Spiegel muss darauf ja auch nicht eingehen, denn er hält seine Leser dumm. Geben Sie mal in die Suchfunktion beim Spiegel den Begriff „Timber Sycamore“ ein. Ergebnis: Kein einziger Artikel. Spiegel-Leser haben davon noch nie gehört, dabei sind die Unterlagen dazu in den USA schon vor Jahren freigegeben worden.

Bei den Berichten über die Situation in Syrien zeigt der Westen – und allen voran seine Medien – sein hässliches Gesicht. Das war am Dienstag gleich in zwei Spiegel-Artikeln besonders deutlich.

Bevor wir zu den Spiegel-Artikeln und ihren Stilmitteln kommen, kurz einmal zur Situation in Syrien. In der nordöstlichen Provinz Idlib herrschen islamistische Terroristen, die aus der Al-Qaida hervorgegangen sind. Diese Gruppen sind von der UNO ganz offiziell als Terrorgruppen eingestuft worden. Es gibt also keinen Zweifel, wer dort herrscht.

Die Türkei unterstützt diese Terroristen und hat seit dem Abkommen von Sotschi vom September 2018 ca. ein Dutzend militärische und gut bewaffnete und befestigte“Beobachtungsposten“ eingerichtet. Da die Türkei ihr Militär ohne Erlaubnis der syrischen Regierung ins Land gebracht hat, ist sie dort völkerrechtswidrig aktiv.

Die Terroristen haben – entgegen der in Sotschi getroffenen Vereinbarung – ihre Waffen nicht abgezogen, dafür hat die Türkei garantiert, sondern beschießen seitdem immer wieder syrische Stellungen, aber vor allem auch zivile Ziele zum Beispiel in der Großstadt Aleppo. Dagegen ist Syrien nun – mit russischer Unterstützung – vorgegangen und hat eine Offensive gestartet.

Gegen diese Offensive protestiert der Westen vehement und die Medien überschlagen sich mit propagandistischen Artikeln. Dabei muss man doch erst einmal eine Frage beantworten, bevor man das Vorgehen der Syrer kritisiert: Was ist denn die Alternative?

Soll unmittelbar vor Europas Haustür eine unkontrollierte Terroristen-Hochburg entstehen, in der das Kalifat nach mittelalterlichen Regeln herrscht und Terroristen einen Rückzugsraum haben, um neue Terroristen auszubilden, die dann als Flüchtlinge getarnt nach Europa einreisen können? Das kann kaum jemand wollen. Also nochmal: Was ist die Alternative?

Die Frage stellen die „Qualitätsmedien“ jedoch nicht und natürlich haben sie darauf auch keine Antwort. Stattdessen fluten sie das Internet mit Artikeln über die humanitäre Katastrophe, die bei einem Angriff droht. Und ja, die droht leider wirklich. So ist Krieg nun einmal. Das hat die westlichen „Qualitätsmedien“ aber nicht gestört, als die USA die irakische Stadt Mossul mitsamt ihren Einwohnern komplett zerbombt haben, um den IS zu vertreiben. Da haben die „Qualitätsmedien“ über den notwendigen Kampf gegen den IS gesprochen und es gab keine Berichte über die unschuldigen Opfer.

Nun aber werden wir mit emotionalen Artikeln bombardiert, die die Opfer ausführlich zu Wort kommen lassen. Das wäre ja auch in Ordnung, wenn sie auch die Opfer der sogenannten „gemäßigten Opposition“, also der Al-Qaida, in Syrien zu Wort kommen lassen würden. Aber es findet sich in den deutschen „Qualitätsmedien“ kein Artikel über die Opfer des Artilleriebeschusses von Aleppo, davon hat der deutsche Leser in den „Qualitätsmedien“ noch nie etwas gehört. Das hat nichts mit Berichterstattung zu tun, es ist reine einseitige Propaganda. Aber das abstoßendste daran ist, dass das de facto Propaganda für islamistische Terroristen der Al-Qaida ist.

Der russische Außenminister Lawrow hat sich zu Forderungen des Westens, mit den Terroristen ein Abkommen zu treffen, deutlich geäußert:

„Sowohl die Nusra-Front als auch Haiʾat Tahrir asch-Scham – die aus der Nusra-Front hervorgegangen ist – werden offiziell auf den Listen der Terrororganisationen des UN-Sicherheitsrates geführt. Sie werden auch auf den nationalen Listen terroristischer Organisationen der Vereinigten Staaten geführt. Dennoch ist es nicht das erste Mal, dass Beamte aus Washington, darunter auch der US-Sonderbeauftragte für Syrien Jeffrey, Erklärungen abgegeben haben, die darauf hindeuten, dass sie Haiʾat Tahrir asch-Scham nicht als terroristische Organisation betrachten und dass es möglich sei, unter bestimmten Umständen einen Dialog mit ihnen zu führen (…) Das ist nicht das erste Mal, dass wir solche Hinweise (…) hören, und wir halten sie für absolut inakzeptabel“

Damit müsste eigentlich alles gesagt sein und es ist eigentlich ein Skandal, dass der Westen überhaupt solche Vorschläge macht. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass in Syrien noch immer Bundeswehr-Tornados im Einsatz sind, die angeblich Terroristen bekämpfen sollen. Also die gleichen Terroristen, gegen die Syrien und Russland aber auf keinen Fall vorgehen dürfen und mit denen sie einigen sollen.

Wie geht das zusammen? Und wie schaffen es die Medien, dass ihre Leser diese sehr einfachen Zusammenhänge nicht erkennen?

Die Antwort ist einfach: Durch Weglassen. Und durch emotionale Artikel, denn ein emotionalisierter Leser verliert während des Lesens zumindest einen Teil seiner analytischen Fähigkeiten. Nüchterne Analyse und Emotionen sind nicht vereinbar und Emotionen sind stärker.

Der erste Spiegel-Artikel, an dem ich das aufzeigen möchte, trägt die Überschrift „Inferno in Idlib – Vor den Augen der Welt“ und beginnt mit folgenden Worten:

„Die Weltgemeinschaft hat darin versagt, dem Krieg in Syrien Einhalt zu gebieten. Nun setzten Diktator Assad und sein wichtigster Unterstützer, Russland, zum letzten, grausamen Schlag an.“

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Artikel nicht etwa als Kommentar oder Meinungsartikel gekennzeichnet ist. Es sollen „Nachrichten“ sein, die der Leser da liest. Aber schon die Einleitung zeigt, dass der Artikel nichts mit „Nachrichten“ oder „Berichterstattung“ zu tun hat. Schon in diese wenigen Worte wurden viele Formulierungen eingebaut, die den Leser emotional in die gewünschte Richtung drängen sollen: Das Wort „Diktator“ darf dabei natürlich nicht fehlen. Und anstatt darauf hinzuweisen, dass es gegen Terroristen geht, schreibt der Spiegel lieber vom „letzten, grausamen Schlag“, damit der Leser auch wirklich weiß, was er zu denken hat.

Der Artikel beginnt dann auch gewollt martialisch:

„Da fliehen binnen zwei Monaten mehr als 900 000 Menschen aus wohlbegründeter Todesangst vor Wellen von Luftangriffen durch das Regime von Syriens Diktator Baschar al-Assad und seinem wichtigsten Unterstützer, Russland, gefolgt von einer Soldateska, die Zurückgebliebene ermordet und noch die Friedhöfe der Geisterstädte schändet. Da erfrieren bei Nachttemperaturen unter null Grad ohnehin schon abgemagerte Säuglinge. Zehntausende harren unter eisigem, freiem Himmel aus, weil es nicht einmal mehr Zelte gibt. Kranke, Verletzte sterben, weil ein Krankenhaus nach dem anderen gezielt in Trümmer gelegt wird. Selbst die Flüchtlingslager werden zum Ziel.“

Auch hier sehen wir wieder ein sehr beliebtes Propaganda-Instrument: Schmeiße mit möglichst viel Dreck, auch wenn es gelogen ist, was Du schreibst. Diese Sätze sind voller Vorwürfe, die den Leser weiter gegen Russland und Syrien aufbringen sollen. Aber es wird verschwiegen, dass Syrien und Russland humanitäre Korridore eingerichtet haben, über die Zivilisten das Gebiet verlassen können. Und es wird weiter verschwiegen, dass die Terroristen die Zivilisten daran hindern, das Gebiet über die Korridore zu verlassen und wenn es doch welche versuchen, werden sie von den Terrorgruppen mit Mörsern beschossen.

Davon aber findet sich im Spiegel kein Wort, stattdessen hagelt es so viele (komplett unbestätigte oder sogar längst widerlegte) Vorwürfe, dass der Leser gar nicht anders kann, als sie zu glauben. Die Masse macht´s. Und natürlich die Formulierungen wie „wohlbegründete Todesangst“, „Soldateska“, „Friedhöfe schänden“, „erfrierende Säuglinge“ (ein Schelm, wer sich an die Brutkastenlüge erinnert fühlt) und natürlich „in Trümmer gelegte Krankenhäuser“. Es ist alles dabei, was den Leser in die gewünschte Richtung beeinflussen soll, aber es wird kein Beleg geliefert und es wird alles weggelassen, was nicht ins Bild passt.

Und ich wiederhole es: Das ist kein Kommentar, es ist ein Artikel, den der Leser als „Nachricht“ präsentiert bekommt.

In dem Artikel geht es dann auch nicht ohne offene Lügen:

„Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderten am Donnerstag im Telefonat mit Russlands Staatschef Wladimir Putin ein „sofortiges Ende der Kampfhandlungen“. So, wie die Regierungen der USA und Europas seit 2011 immer wieder appelliert, gefordert, gedroht haben, ohne je mehr zu erreichen als eine kleine Beruhigungspause.“

Klingt gut oder? Ist aber gelogen. Die USA selbst haben in der CIA-Operation „Timber Sycamore“ die Islamisten seinerzeit bewaffnet, um den Krieg zu entfesseln. Sie wollten Assad stürzen. Und auch die Europäer haben fleißig geholfen. Die Waffen für die Islamisten gingen zum Teil aus Osteuropa über Ramstein in die Region. Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, aber Waffen an islamistische Terroristen liefern ist nicht das, was ich mir unter „appellieren“ an ein „sofortiges Ende der Kampfhandlungen“ vorstelle.

Im Gegenteil: Der Westen hat den Krieg mit seiner offenen und verdeckten Unterstützung erst möglich gemacht. In den Medien war damals von „gemäßigten Rebellen“ die Rede und alle taten ganz überrascht, dass der IS plötzlich große Teile Syriens beherrscht hat. Und zwar mit Waffen, die die CIA mit „Timber Sycamore“ und anderen Operationen geliefert hat. Der deutsche Leser wusste ja nicht, wen der Westen da unterstützt hat und konnte gar nicht verstehen, wo quasi über Nacht der IS hergekommen ist.

Und der Spiegel muss darauf ja auch nicht eingehen, denn er hält seine Leser dumm. Geben Sie mal in die Suchfunktion beim Spiegel den Begriff „Timber Sycamore“ ein. Ergebnis: Kein einziger Artikel. Spiegel-Leser haben davon noch nie gehört, dabei sind die Unterlagen dazu in den USA schon vor Jahren freigegeben worden.

In dem Artikel geht es in der gleichen Machart weiter. In langen Absätzen werden Russland und Syrien in martialisch-emotionalen Formulierungen verteufelt, bis dann dies kommt:

„Nachdem der damalige US-Präsident Barack Obama seine „rote Linie“ gegen den Einsatz von Chemiewaffen erklärt hatte, setzte das Regime immer wieder Sarin in winzigen Dosen ein, als Testlauf, wie die Welt reagiert, bis zum großen Angriff im August 2013 mit knapp 1000 Toten.“

Schade nur, dass noch keine Untersuchung bisher die syrische Regierung als Urheber der Angriffe identifizieren konnte, aber viele Giftgas-Angriffe eindeutig von den „gemäßigten Rebellen“ durchgeführt wurden. Aber das muss der Spiegel-Leser ja nicht wissen. Hier finden Sie eine Analyse der Giftgas-Vorfälle in Syrien.

Und dass der Spiegel selbst auch schon das eine oder andere Mal erwähnt hat, dass die „Rebellen“ Giftgas eingesetzt haben, hat er anscheinend schnell wieder vergessen. Auch das muss der Spiegel nicht schreiben, denn er verschweigt seinen Lesern ja auch komplett, dass mehrere Whistleblower der OPCW Fälschungen in mindestens einem ihrer Untersuchungsberichte vorwerfen. Davon hat der Spiegel-Leser auch noch nie etwas gehört.

Wie abstrus der Spiegel argumentiert, fällt dem nach der Lektüre des emotionalen Artikels schon gar nicht mehr auf. Denn weiter unten kann man lesen:

„Selbst ab 2017 hätte es noch die Möglichkeit gegeben, zumindest den kurdischen Nordosten und Idlib zu schützen. Die US-Regierung unter Donald Trump bat wieder und wieder um europäische Truppen im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Bis auf eine winzige Entsendung aus Frankreich kam niemand.“

Man beachte: Plötzlich geht es wieder gegen den IS und nun möchte der Autor des Artikels, dass die Europäer Truppen schicken. Dabei ist es der IS und andere Terrorgruppen, gegen die Syrien und Russland vorgehen, was aber dem Spiegel in diesem Artikel nicht gefällt. Ja was denn nun? Soll man gegen die Terroristen kämpfen, oder nicht?

Dann, noch später in dem Artikel, bestätigt der Autor sogar, dass Russland und Syrien tatsächlich gegen die Al-Qaida kämpfen:

„Im September 2017 schloss die Türkei mit Russland ein Abkommen, das einen Waffenstillstand für Idlib im Austausch mit einer Entwaffnung der al-Qaida-nahen Radikalenmiliz HTS, vormals Nusra-Front, vorsah. Anstatt sich zu bemühen mit Druck und Hilfe, dass die Türkei HTS auch entwaffnet (was sie nicht tat) und das Abkommen als Basis zu nutzen, den Schutz der heute um ihr Leben Fliehenden zu sichern, geschah das Gegenteil: Selbst zivile Hilfe wurde fast völlig eingestellt, denn die Partnerorganisationen könnten ja in Kontakt mit den Dschihadisten kommen. Was denen am Ende half.“

Wer in Spiegel-Artikeln einen Schatten der Wahrheit sucht, muss ganz bis zum Ende lesen. Und dabei aufmerksam bleiben. Nachdem der Autor in einem sehr langen Artikel Russland und Syrien verteufelt hat, gibt er am Ende selbst zu, dass die Al-Qaida-Ableger nicht entwaffnet sind. Ich frage nochmal: Soll man schwer bewaffnete Al-Qaida-Kämpfer gewähren lassen oder was möchte uns der Autor mit diesem Artikel sagen? Dass es die Al-Qaida ist, gibt er ja schließlich sogar selbst zu.

Und wenn die Türkei die zivile Hilfe einstellt, kann man das kaum Syrien oder Russland zum Vorwurf machen. Die Türkei hat ja ihre Armee Seite an Seite mit der Al-Qaida aufgestellt und kann sich im Terroristengebiet frei bewegen, ganz im Gegensatz zu Syrien und Russland, die keinen Zugang zu dem Gebiet haben.

Und um davon abzulenken, kommen dann wieder Lügen:

„Zusätzlich sorgte vor allem Moskaus Propagandaapparat dafür, dass Massaker oder Chemiewaffeneinsätze geleugnet, den Rebellen angelastet, zu Unfällen erklärt wurden, egal, was. Es genügte, Zweifel zu säen. Zuletzt verkündete Moskau, es seien ja gar keine Hunderttausenden Menschen in Idlib auf der Flucht – allen Berichten, Videos, Fotos von dort zum Trotz.“

Ich übersetze laufend Berichte der russischen Medien wortwörtlich und Moskau hat nie bestritten, dass dort Hunderttausende Menschen auf der Flucht sind. Im Gegenteil: Moskau hat das bestätigt und die humanitären Korridore eingerichtet, die die Islamisten den Zivilisten jedoch versperren. Aber das braucht der Spiegel-Leser ja nicht zu wissen.

Und um das gewollte Narrativ weiter zu befeuern, ist am gleichen Tag noch ein weiterer Artikel erschienen, aus dem ich aber nicht zitieren werde. Unter der Überschrift „Stimmen aus Idlib – „Ein bis zwei Kinder sterben jeden Tag in unserem Krankenhaus““ kommen vier Leute zu Wort, die alle das gewollte Narrativ weiter befeuern. Das wäre ja noch OK, wenn der Spiegel auch die Menschen in Aleppo zu Wort kommen ließe, die vom Artilleriebeschuss der Terrorgruppen betroffen sind. Oder die Opfer der Terroristen in Idlib selbst, wo Menschen enthauptet werden, wenn sie nicht der radikalen Ideologie der Islamisten zustimmen.

So aber ist dieser Artikel nur ein weiteres Propaganda-Machwerk, dass dem Spiegel-Leser einhämmern soll, was er zu denken hat.

Die Wahrheit ist dem ehemaligen Nachrichtenmagazin ja schon lange nicht mehr wichtig.


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen Buches lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2019 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

Quelle

Coronavirus und Grippewelle – Die aktuellen Zahlen und bekannten Fakten

Der Coronavirus beherrscht die Schlagzeilen und sogar in Europa wurden schon ganze Städte unter Quarantäne gestellt. Ist die Panik gerechtfertigt?

Der Coronavirus breitet sich aus und eine weltweite Epidemie ist wohl kaum noch zu verhindern. Das zeigt sich an der Anzahl der Neuinfektionen. Nachdem es vor zunächst fast nur China betroffen hat, sind nun auch in Ländern wie Südkorea (aktuell 1.146 Infizierte), Italien (aktuell 322 Infizierte) und Japan (aktuell 170 Infizierte) die Zahlen schnell gewachsen. Und sie werden weiter wachsen, denn die Inkubationszeit beträgt bis zu 14 Tage. Das bedeutet, dass ein Mensch, der schon infiziert ist, tagelang andere anstecken kann, ohne dass er selbst Symptome zeigt. Das macht die Eindämmung des Virus so schwierig.

Aktuell sind weltweit 81.005 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, davon 78.064 in China. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass an der aktuellen Grippewelle alleine in Deutschland über 79.000 Menschen erkrankt sind. Dazu gleich mehr.

Aber Grund zur Panik besteht – in meinen Augen – nicht, denn der Coronavirus selbst ist nicht sehr gefährlich. Die ersten Zahlen der WHO auf Basis von 44.000 Erkrankten kommen zu folgendem Ergebnis: Etwa 80 Prozent der Erkrankten haben nur eine leichte Form der Erkrankung, 14 Prozent haben einen schweren Verlauf, bei 5 Prozent ist der Verlauf kritisch und bei „nur“ 2 Prozent ist der Krankheitsverlauf tödlich. Von denen, bei denen die Krankheit tödlich endete, hatten die meisten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen. Für gesunde Menschen ist die Krankheit in den allermeisten Fällen also sicher unangenehm, aber sie stellt keine ernste Gefahr dar.

Ein weiteres Problem der Krankheit ist die Dauer. Manche Patienten brauchen Wochen, um als geheilt zu gelten. Man sieht das auch an den Todesfällen. Im Schnitt trat der Tod bei den wenigen, bei denen die Krankheit tödlich endete, 14 Tage nach den ersten Symptomen ein, aber es sind auch Fälle bekannt, die 41 Tage krank waren, bevor die daran gestorben sind.

Aber nochmal: Für die meisten Menschen ist die Krankheit nur unangenehm und sie hat einen leichten Verlauf.

An der aktuellen Grippe sind nach Angaben des Robert-Koch-Institutes bereits 79.263 Menschen alleine in Deutschland erkrankt und es hat bereits mindestens 130 Tote gegeben. In den USA geht die Gesundheitsbehörde CDC für diese Saison von 29 Millionen Infektionen aus, von denen 280.000 im Krankenhaus behandelt werden müssen, und von 16.000 Toten aus. Und das sind nur die geschätzten Zahlen der aktuellen Grippewelle für die USA.

Die Sterberate beim Coronavirus ist also wohl höher, als bei der jährlichen Grippewelle, aber ist sie mit zwischen einem und drei Prozent so hoch, dass sie eine solche Panikmache rechtfertigt? Vielleicht. Nehmen wir die Schätzungen aus den USA und nehmen wir an, es würden sich an dem Coronavirus genauso viele Menschen infizieren, wie an der Grippe, also 29 Millionen Menschen. Bei einer Sterberate von zwei Prozent wären das fast 600.000 Tote. Das wäre – im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der USA – zwar weniger als 0,2 Prozent, aber es wäre andererseits eine sehr große Zahl an Toten.

So zynisch es klingen mag, aber man muss auch diese Zahlen einordnen. Die wohl schlimmste Pandemie der jüngeren Geschichte war die Spanische Grippe, die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gewütet hat. Damals starben von ca. 1,1 Milliarden Menschen auf der Welt etwa 50 Millionen. Damals gab es aber auch keinerlei Behandlungsmöglichkeiten für eine solche Krankheit, daher war die Sterberate weit höher, als die zwei Prozent, die wir beim Coronavirus bisher sehen.

Als Fazit kann man sagen: Das Coronavirus hat das Potenzial, viele Todesopfer zu fordern, aber trotz der großen Zahlen stellt es für die meisten Menschen nach den bekannten Informationen keine wirkliche Gefahr dar. Die Ausbreitung der Krankheit dürfte aufgrund der recht langen Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen jedoch kaum zu verhindern sein, es sei dann man führt einen zwangsweisen Test aller Menschen ein, um die Infizierten zu isolieren. Das dürfte aber weder technisch noch organisatorisch machbar sein.

Wie wären die Auswirkungen einer Corona-Epidemie auf Deutschland?

Die Auswirkungen wären im schlimmsten Fall wahrscheinlich vergleichbar mit der großen Grippewelle von 2017/18. Damals gab es wegen der Grippe 9 Millionen Arztbesuche und es sind alleine in Deutschland 26.000 Menschen an der Grippe gestorben. Aber die meisten haben davon wohl nicht viel mitbekommen. Die Welt ist nicht untergegangen und auch wenn die Ärzte und Krankenhäuser am Limit gearbeitet haben, hat das Gesundheitssystem weiterhin funktioniert.

Der Spiegel hat einen guten Artikel (auch das kommt manchmal vor) über die Vorbereitungen auf die Corona-Welle in Deutschland veröffentlicht und dort werden die Auswirkungen auf Deutschland so beschrieben:

Nach allem, was momentan über den Erreger bekannt ist, verhält er sich ähnlich wie Influenzaviren. Aus diesem Grund gehen Experten davon aus, dass ein großer Covid-19-Ausbruch das deutsche Gesundheitssystem ähnlich stark belasten würde wie eine sehr schwere Grippewelle. Konkret bedeutet das: volle Wartebereiche in Arztpraxen und Kliniken.
„Es wird dann schwierig, die normale Versorgung aufrechtzuerhalten“, sagte Christian Drosten von der Berliner Charité bei einer Pressekonferenz vor wenigen Tagen. Geplante Operationen müssten möglicherweise verschoben werden, weil die Intensivbetten voll sind. Auch Patienten mit anderen Erkrankungen müssten sich angesichts überfüllter Arztpraxen auf Wartezeiten einstellen.
Problematisch ist, dass die Gefahr durch den neuen Erreger in den Winter fällt, in dem Ärzte und Kliniken aufgrund der Grippewelle bereits stark ausgelastet sind. „Unsere Häuser sind im Mittel zu 85 Prozent belegt“, sagte Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité in Berlin, ebenfalls vor ein paar Tagen. Auch er rechnet damit, dass planbare Operationen bei einem größeren Ausbruch in Deutschland zurückgefahren werden müssten.
Lothar Wieler, Präsident des RKI, wies in diesem Zusammenhang bei einer Pressekonferenz auf die sehr schwere Grippewelle 2017/2018 hin. Damals habe es zehn Millionen Arztbesuche gegeben. „Alle Kliniker, die in Krankenhäusern unterwegs waren, wissen, dass das eine Situation war, in der der normale Krankenhausbetrieb nicht mehr so stattfand“, sagte Wieler. Damals sei natürlich auch Krankenhauspersonal an der Influenza erkrankt und es habe viele Arbeitsausfälle gegeben. „Das heißt also“, so der RKI-Chef, „die Fähigkeit, solche Situationen zu managen und die Patienten zu versorgen, die hat das System.“

Nach meiner Recherche über die bekannten Zahlen und Fakten über das Coronavirus ist das eine sehr treffende Beschreibung.

Zum Schluss noch eine wichtige Information: Atemschutzmasken gelten recht wirkungslos gegen den Coronavirus. Man infiziert sich am ehesten, indem man den Virus auf den Händen hat und sich mit den Händen den Virus in die Schleimhäute im Gesicht wischt, wenn man sich zum Beispiel an der Nase kratzt oder wenn das Auge juckt. Daher ist die wichtigste Vorsichtsmaßnahme, sich oft und sehr gründlich die Hände zu waschen und die Schleimhäute im Gesicht möglichst nicht mit den Händen berühren.

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Klimavorhersagen

Hadmut 25.2.2020 19:32

Das ist jetzt aber auch dumm gelaufen.

Hieß es nicht, die Arktis taut ab und schmilzt und so?

Wir haben doch gerade das Forschungsschiff „Polarstern” dort oben, dass sich da einfrieren lassen und die Eisbewegung und -dicke und sowas messen wollte.

Dumm gelaufen, wie die FAZ schreibt:

Das Forschungsschiff „Polarstern“ steckt im arktischen Winter fest. Dichtes Meereis verzögert den geplanten Personalwechsel an Bord, der regelmäßig alle zwei Monate stattfinden soll. Nun wächst der Unmut an Bord.

Alles war eigentlich gut geplant. Mitte Februar sollte die derzeitige Mannschaft an Bord des deutschen Forschungsschiffes „Polarstern“ abgelöst werden. Doch jetzt stockt der Ablauf: Dichtes Meereis in der zentralen Arktis verzögert den Austausch um Wochen. Der Versorgungseisbrecher „Kapitan Dranitsyn“ kommt kaum vorwärts. „Die Stimmung an Bord der „Polarstern“ ist sehr angespannt“, sagt Fahrtleiter Professor Christian Haas. „Es herrscht Unsicherheit, wie es weiter geht.“ Die Kollegen seien enttäuscht, dass eine baldige Heimkehr nicht abzusehen sei. Die Versorgung der Crew ist allerdings nicht gefährdet, die „Polarstern“ hat genügend Verpflegung und Treibstoff an Bord. […]

Doch seit dieser Zeit ist das Meereis in der winterlichen Arktis stetig gewachsen, es ist bis zu 160 Zentimeter dick und durch stürmische Winde mit vielen dichten Presseisrücken versehen. Offene und dünne Stellen sind rar.

Kommt davon, wenn man sich auf die Klimaheinis verlässt. Hoffentlich geht denen das dort so richtig auf die Nüsse, damit sie es sich auch gut merken. Günstig, dass es ein Forschungsschiff ist. Dann haben sie jetzt ein Forschungsergebnis. Hat ja auch nicht jeder.

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Morde und die Wut weißer Männer

Von Hadmut Danisch 25.2.2020 22:22

Der Tagesspiegel schrieb heute über den Auto-Attentäter vom Rosenmontagszug in Volkmarsen: „Womöglich einer aus der Kategorie sozial isolierter weißer Männer“

Da wird halt immer gern spekuliert. Gerade eben lief im ZDF in Frontal 21 noch ein Bericht über den Attentäter von Hanau. Letzte Woche, also vor der Wahl in Hamburg, da lag das alles noch an der AfD. Heute hat sich das Narrativ gewendet, da war von AfD keine Rede mehr. Jetzt heißt es, dass er psychisch krank war, und man wirft der Bundesanwaltschaft, bei der er eine wirre Strafanzeige eingereicht hat, vor, ihm bei der Gelegenheit nicht gleich die Waffen abgenommen zu haben, obwohl die sagten, dass sie keine Einsicht in das Waffenregister hätten. Man könnte natürlich die Frage stellen, ob man nicht gleich jedem, der einen blöden Brief an eine Behörde schreibt, gleich Waffenschein, Führerschein und das Sorgerecht für die Kinder abnimmt, vorsorglich. Neulich nämlich war das Narrativ noch, dass man Bürger – Vorratsdatenspeicherung und so – nicht verfolgen dürfte, bevor sie einer konkreten Straftat verdächtig sind, kein Generalverdacht. Es ist nämlich auch nicht so, dass die Staatsanwaltschaft außerhalb eines förmlichen Ermittlungsverfahren einfach mal Bürgern hinterherschnüffeln dürfte. Es ist nicht so, dass der Staatsanwaltschaft die Straße entlangläuft und sieht, dass da einer blöd guckt, und den dann vorsorglich mal durchcheckt und ihm alles wegnimmt, was gefährlich sein könnte. Staatsanwälte sind keine Sittenwächter oder sowas.

Aber: Sobald es opportun ist, dreht die Presse, hier Frontal 21 bei der Gelegenheit Hanau, sofort die Windrichtung und wetter mal los. Fehlt nicht viel und sie befürworten die Stasi und inoffizielle Mitarbeiter in allen Vereinen.

Zurück zu Tagesspiegel und Volkmarsen.

Der Schrecken ist groß, außerdem gibt es immer noch keine Klarheit über das mögliche Motiv des Täters: Nach der Amokfahrt des 29-jährigen Deutschen Maurice P. beim Rosenmontagsumzug im nordhessischen Volkmarsen rätseln die Sicherheitsbehörden weiterhin, was den Mann getrieben haben könnte. „Womöglich ist er einer aus der Kategorie sozial isolierter weißer Männer mit psychischen Krankheiten“, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte am Dienstag dem Tagesspiegel. Ein Mensch „mit einer Wut auf die Gesellschaft, mit einem Frust über alles“.

War nicht genau das seit Jahren Ziel und Hauptthema linker Politik, den „Weißen Mann” dauerzubeschuldigen, auszugrenzen, loszuwerden, zum Jahrhundertschuft seit der Kolonialiserung über Weltkrieg, Frauenelend und Klimakatastrophe, selbstverständlich auch Kapitalismus und Durchfallerkrankungen aller Art zu erklären? Ist es nicht so, dass der Weiße Mann hier der Hauptarbeiter, Hauptsteuerzahler, Hauptfinanzier unserer Gesellschaft ist, arbeitet wie ein Berserker, und ihm unter der Flagge der Gleichmachung alles wegenommen wird? Dass es überall heißt, man müsse den „weißen Mann” „überwinden”, und alles per Quote mit Frauen, anderen Geschlechtern, Migranten, weiß der Kuckuck was nicht alles, ausfüllen und ihn verdrängen, natürlich nicht ohne sein Konto zu plündern, ihm die Wohnungen und Arbeitsplätze wegzunehmen, ihn aus Fernsehen und von Werbetafeln zu verbannen oder zum Universalidioten und Loser zu erklären, und ihm nichts anderes zu lassen als „über seine Privilegien nachzudenken”?

Und dann wundert man sich, dass da eine Kategorie „weißer Männer” entsteht, die „sozial isoliert” sind (also ob nicht genau das seit Jahren Bundes- und Landespolitik wäre), die eine Wut auf die Gesellschaft haben, Frust über alles?

Geliefert wie bestellt?

Bei dem Attentäter von Hanau (falls er es denn überhaupt war, das leuchtet mir – wie beschrieben – noch nicht so ganz ein) zeichnet sich ja nach den Informationen, die mir zugespielt wurden, auch ab, dass der am unteren Ende angekommen war, und man ihn noch Hartz IV gestrichen habe, weil er irgendeine Fortbildung nicht mitgemacht habe, und wie ich aus verschiedenen Quellen erfahren habe, soll sich dessen Streiterei schon seit Jahren so hingezogen haben, während man umgekehrt die ganze Welt einlädt und denen Flüchtlingshilfe oder Hartz IV bedingungslos gibt. Hier in Berlin sieht man dann viele dieser Leute mit dicken neuen Luxusschlitten rumfahren, AMG Mercedes und sowas, und die auch mal zu Spaß demolieren und darüber noch lachen, häufig der Motorenlärm röhrender Mindestens-6-Zylinder all der Hartz-IV-Empfänger. Hier auf dem Supermarktparkplatz driften sie häufig mal ein paar Runden mit quietschenden Reifen, gerne auch nachts um drei. Mit Kollateralschäden an der Parkplatzausstattung.

Und gleichzeitig melkt, drangsaliert und beschimpft man „Weiße Männer” pausenlos?

Mich erinnerte neulich ein Leser an den Messerangriff auf den Bürgermeister von Altena. Täter: Weißer Mann, Deutscher. Der beklagte, dass ihm sogar noch das Wasser abgestellt worden war. Während man gleichzeitig die unbegrenzte Migration fordert, und allen Migranten Flüchtlingshilfe in Höhe von Hartz IV bedingungslos gewährt.

Und dann wundert man sich, dass es frustrierte weiße Männer gibt, stinksauer und aggressiv?

Und letzte Woche war ausgerechnet die AfD dran schuld, als die, die mit der Situation eigentlich am wenigsten zu tun haben.

Diese Woche war es in Volkmarsen einer, der laut irgendeinem Zeitungsartikel noch nie irgendwas gearbeitet habe, aber stark drogenabhängig sei und seine Drogen von den Eltern finanziert bekommen habe. Also so ein Paradelinker. Leben auf Kosten anderer. Drogen. Es ist jetzt aber nicht so, dass man den den linken Parteien anrechnet, der wird gleich unter geisteskrank abgelegt, bevor man auch nur irgendwas weiß. Ohne Umweg über die Parteiausschlachtung.

Befürchtet wird zudem, Maurice P. könnte durch den rechtsextremen Anschlag in Hanau animiert worden sein, eine spektakuläre Tat zu begehen, auch wenn er vermutlich kein Extremist sei.

Durch den Anschlag in Hanau, der ja noch gar nicht mal richtig aufgeklärt und beschrieben wurde, oder die perverse Berichterstattung vor der Hamburg-Wahl?

War es das, was ich oben beschrieben habe, eine Folge linker Politik, linken Gesellschaftsdrucks, nur im Schnelldurchlauf, innerhalb von vier Tagen? Dass der sich dachte „So eine Presse will ich auch, was der kann, kann ich schon lange… endlich mal zur Kenntnis genommen werden”?

Folge des perversen öffentlich-rechtlichen Fernseh-Wahlkampfes?

Ich habe das schon oft geschrieben, dass Sozialismus nicht funktionieren kann, weil bei einer Gesellschaftsform des Wegnehmens, bei der die, die leisten, bestraft werden, und die, die nichts leisten belohnt werden (was dem hier ja noch halbwegs zugute gekommen wäre), dies aber vom Individuum auf ganze Bevölkerungsgruppen verallgemeinert wird, irgendwer der Dumme ist, das merkt, und nicht mehr mitspielt.

Gewalt ist da nicht zu rechtfertigen. Mord, ob nun mit Knarre oder Auto ist überhaupt nicht zu rechtfertigen. Geht nicht. Schon gar nicht an Kindern.

Aber vielleicht könnte man solches Einzelüberkochen verhindern, wenn endlich mal mehr „weiße Männer” das Maul aufmachten und sagten, dass sie bei diesem Misthaufen aus linker Politik und öffentlich-rechtlichem Schundfernsehen nicht mehr mitmachen.

Ich kenne das eigentlich aus den meisten Städten, München, Berlin und so weiter so, dass die Presse über Selbstmorde nicht oder nur minimal informiert, weil man weiß, dass Nachrichten über Selbstmörder, die sich beispielsweise vor den Zug geworfen haben, Nachahmer erzeugen. Dann springen immer mehr. Deshalb versucht man das möglichst, nicht zu berichten. Vor ein paar Tagen, Samstag oder Sonntag, tauchte kurz eine Meldung auf, dass hier in Berlin eine Person vor die S-Bahn geraten und getötet worden sei (später hieß es schwer verletzt). Keine große Meldung wie sonst bei Unfällen oder absichtlicher Tötung. Da kann man dann vermuten, dass es ein Suizid(-versuch) war, weil es weggeschwiegen wird.

Wenn man das als Presse aber schon weiß, dass sowas Nachahmer findet, war es dann nicht verantwortungslos und menschenverachtend, der bevorstehenden Wahl wegen pausenlos, dauerfeuerhaft und hemmungslos drauf einzuprügeln? Der Wahlkampf muss der Grund gewesen sein, denn seit Sonntag ist die Luft raus, stellt das kaum noch jemand in einen politischen Zusammenhang. Zumal ja der Vater für die Grünen kandidiert hatte.

Ich finde allein den Gedanken, dass die Presse Hanau wie bekloppt aufgekocht hat, und deshalb einer mit dem Auto in Kinder fährt, einen Hammer. Sollte sich dann noch herausstellen, dass das in Hanau anders war und das alles nur Fake News waren…

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GERUCHLOS, FARBLOS, UNSCHULDIG

Wüste, Bild Hans Hoffmann-Reinecke

Von Dr. Hans Hoffmann-Reinecke
Wasser und Luft sind in permanentem Wechselspiel. Die Luft lädt sich mit Feuchtigkeit auf, und wenn es kalt wird, dann kondensiert das Wasser. Es bilden sich Wolken oder Nebel, Regen oder Tau. Dieser Prozess stellt einen großen Teil dessen dar, was als Wetter bezeichnet wird, und er ist ein perfekter natürlicher Thermostat für unseren Planeten. In der Klimadebatte wird dieses alltägliche Phänomen allerdings kaum erwähnt, und vielleicht auch nicht verstanden.

Nachts in der Wüste

Wann waren Sie zum letzten Mal nachts in der Wüste? Ich war vor ein paar Monaten in der Karoo, einem Landstrich, den man mit viel Wohlwollen auch als „Halbwüste“ bezeichnen könnte, weil alle paar Kilometer ein dürres Grasbüschel steht (das Bild ist übrigens nicht die Karoo, die wäre nicht fotogen genug) . In Südafrika gelegen ist sie mit 400 000 km2 etwas größer als die Bundesrepublik. Je nach Gemütslage wird man diese Gegend entweder als großartig oder als trostlos bezeichnen. Falls ich Sie jetzt neugierig gemacht haben sollte, so soll mir das recht sein. Aber bitte verbringen Sie dort nicht Ihre Flitterwochen.

Als ich in mein Zimmer eincheckte, zusammen mit meinem Hund Snoopy, gab man mir den Tipp, lieber abends als in der früh zu duschen. Warum? Weil die Wasserleitungen während der Nacht regelmäßig einfrieren. Das erstaunte mich, denn tagsüber hatte es gut und gerne 30 ˚C, es war immerhin Spätsommer. Aber tatsächlich, trotz elektrischer Heizlüfter sank die Temperatur mit jeder Minute nach Sonnenuntergang drastisch ab, und ich stieg schließlich mit allen Klamotten, die ich dabei hatte ins Bett und fror trotzdem noch wie ein Schneider. Snoopy, der wuschelige Kerl, kam allerdings recht gut mit der Kälte zurecht.

Ursache für diese drastische Abkühlung ist der Mangel an Wassermolekülen in der Wüstenluft. Schauen wir uns das mal genauer an.

Luft von beispielsweise 20 ˚C kann bis zu 17 Gramm Wasser pro Kubikmeter aufnehmen. Diese maximale Menge hängt stark von der Temperatur ab: je wärmer, desto mehr. Bei 25° sind es immerhin schon 23 Gramm. Meist wird die Feuchtigkeit unter diesem Wert liegen, man spricht dann von der „relativen Feuchtigkeit“, die kleiner als 100% ist. Da fliegen die Wassermoleküle dann einzeln in der Gegend herum und stoßen sich mit den Luftmolekülen. Die Luft – sofern sie sauber ist – ist dabei total transparent. Bei 100% sind wir zwar noch nicht unter Wasser, aber die H2O Moleküle treffen so häufig auf Artgenossen, dass sie sich zu winzigen Tröpfchen zusammenrotten – sie kondensieren – und schweben in der Luft umher.

Wasser und Luft sind in unserer Atmosphäre in einem permanenten Wechselspiel. Über Ozeanen, Seen oder feuchtem Gelände lädt sich die Luft mit Wasser auf, und wenn die Temperatur fällt, dann kondensiert das Wasser, es bilden sich Wolken oder Nebel, Regen oder Tau. Dieser Prozess ist für unser tägliches Leben von großer Bedeutung. Er stellt einen großen Teil dessen dar, was als Wetter bezeichnet wird.

Das unkondensierte Wasser in der Atmosphäre ist zwar nicht sichtbar, aber es ist ein „Treibhausgas“, d. h. es lässt die Sonnenstrahlen zwar ziemlich ungehindert durch, aber es absorbiert die von der Erde abgegebene, langwellige Wärmestrahlung. Das führt dazu, dass diese nicht weit kommt: Sie bleibt in den Wassermolekülen hängen und heizt die Atmosphäre auf bzw. sorgt dafür, dass sich die Luft nachts weniger abkühlt. Ist die Luft aber sehr trocken, so wie in der Wüste, dann geht die Wärmestrahlung von der Erdoberfläche ungebremst in den Weltraum und es wird nach Sonnenuntergang saukalt. Das beobachten wir übrigens nicht nur in der Wüste. Auch in unseren Breiten kann es, etwa im Herbst, solch klaren Nächte geben, bei denen das Thermometer unter null Grad sinkt. Die Wetterfrösche reden dann von „Strahlungsfrost“.

Kontrastprogramm

Wenn Sie von der erwähnten Halbwüste 1000 km nach Osten reisen, dann landen Sie am indischen Ozean und, wenn Sie Glück haben, in den St. Lucia Wetlands.  Hier sind Sie als Flitterwöchner wesentlich besser aufgehoben: die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass keine Wärmestrahlung in den Weltraum entweicht, es bleibt auch bei Dunkelheit angenehm warm, und Sie können auf der Terrasse nach Mitternacht noch Ihre Piña Colada genießen.

Als aufmerksame Leserin oder Leser haben Sie jetzt natürlich eine Frage: Warum führt das Wasser in der Luft dann nicht zu einer grenzenlosen Erwärmung der Erde? Warum steigt die Temperatur in den Feuchtgebieten dieser Erde dann nicht beliebig hoch? Höhere Temperaturen führen doch dazu, dass mehr Wasser in der Luft ist, mehr Wasser in der Luft führt zu stärkerer Absorption der langwelligen Wärmeabstrahlung, das führt zu höheren Temperaturen etc. Warum findet dieser Teufelskreis nicht statt?

Das liegt daran, dass, egal wie warm es ist, sich früher oder später Wolken bilden. Je wärmer es wird, desto wasserreicher werden diese Wolken. Wenn Sie auf einer tropischen Insel schon mal in den typischen nachmittäglichen Regen gekommen sind, dann können Sie das vielleicht bestätigen. Nach 5 Sekunden sieht man aus, als würde man an einem „Wet-T-Shirt-Contest“ teilnehmen und nach 10 Minuten ist der Wolkenguss vorbei.

Vom Flugzeug aus sind diese Wolken blendend weiß, solange wir noch „on Top“ sind. Das deutet darauf hin, dass sie das Sonnenlicht reflektieren, die Wolken sorgen also dafür, dass so gut wie keine Sonnenenergie mehr zur Erde vordringt; sie wird in den Weltraum zurückgelenkt. Sobald der Flieger aber in die Wolken taucht wird es stockfinster und bleibt so bis zum Boden, allerdings haben sich die Augen dann schon adaptiert und es kommt uns weniger dunkel vor.

Also: Wasser in Form von Wolken bremst tagsüber die Aufwärmung der Erde, Feuchtigkeit in der Luft bremst nachts die Abkühlung. Das in der Luft verteilte Wasser ist einerseits ein potentes Treibhausgas, andererseits dank Wolkenbildung ein gigantischer Sonnenschirm. Dieser natürliche Kreislauf ist ein perfekter Thermostat.

Noch ein Treibhausgas

Lassen Sie uns noch nach anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre suchen. Das sind also Gase wie Wasserdampf, welche das sichtbare Sonnenlicht so ziemlich ungehindert durchlassen, die aber die infrarote Strahlung, die von der warmen Erde emittiert wird, absorbieren. Offensichtlich sind die beiden Hauptbestandteile der Luft, nämlich Stick- und Sauerstoff, keine Treibhausgase; sie lassen die Wärmestrahlung der Erde ungehindert in den Weltraum entweichen. Darum wird es ja in der Wüste nachts so kalt.

Stickstoff wird von den Chemikern N2 geschrieben, Sauerstoff ist O2 und Wasser bekanntlich H2O. Stickstoff tritt in der Luft als Molekül auf, das aus zwei identischen Atomen besteht, und mit dem Sauerstoff ist es nicht viel anders. Das Wassermolekül dagegen besteht aus drei Atomen. Die Erfahrung zeigt nun, dass Moleküle von Treibhausgasen aus mindestens drei Atomen bestehen, oder aber aus zwei Atomen, die nicht identisch sind.

Ja, natürlich, CO2, Kohlendioxid ist so ein Kandidat. Das Molekül besteht offensichtlich aus drei Atomen und kommt in der Luft mit einer Konzentration von 0,04 % vor. Wenn wir hier von Prozenten reden, dann beziehen wir uns nicht auf das Gewicht, sondern auf die Zahl der Moleküle. 0,04 % heißt, dass von 100 Molekülen in der Luft durchschnittlich 0,04 CO2 wären. Das ist wenig anschaulich, man rechnet daher besser mit ppm = parts per million, dann bekommen wir eine Konzentration von 400 ppm. In einer Million Luftmoleküle wären dann etwa 400 Moleküle CO2. Das ist nicht viel. Es ist etwa so, wie wenn 400 Schlachtenbummler einer Provinzmannschaft in die Millionenstadt München einziehen, wo ihr Verein gegen Bayern spielt. Die paar Schlachtenbummler gehen in der Menge unter, zumindest solange sie noch nüchtern sind.

Vergleichen wir die Konzentration von CO2 mit der von H2O: Wir hatten gesagt, dass Luft von 20° maximal 17 g Wasser pro m3 aufnehmen kann. Wenn man das umrechnet, dann sind das etwa 2 % oder 20.000 ppm. Das wäre dann vergleichbar mit den 20.000 Fans von Bayern München, die ebenfalls in der Stadt umherziehen. Die fallen schon mehr auf. Warum spielt dann das relativ seltene CO2 angeblich so eine große Rolle?

Viel Lärm um nichts?

Seit Jahrzehnten dreht sich so ziemlich alles um CO2 oder auch Carbon, wie es manchmal etwas unwissend genannt wird. Es bedrohe das Überleben der Menschheit und bereits jetzt suchen Klimaflüchtlinge Schutz vor der Erderwärmung in der Bundesrepublik. Von Greta, die das Gas angeblich sehen kann, werden wir aufgefordert in Panik zu geraten und die Politik in Deutschland dient fast nur noch der Vermeidung von CO2.

Nach besagter Nacht in der Wüste kommt mir das alles etwas übertrieben vor. Wo war das verdammte CO2 als ich dort wie ein Schneider gefroren habe? Schließlich ist das Zeug ja gleichmäßig über den Globus verteilt, ganz anders als das Wasser. Über mir in der Karoo war also auch damals der allgegenwärtige, mörderische Schirm aus CO2, der angeblich die nächtliche Abkühlung der Erde behindert. Davon habe ich absolut nichts bemerkt. Durch Studium der einschlägigen Literatur wurde mein subjektives Erlebnis mehr als bestätigt: In der Sahara kann es tagsüber sogar 40°C haben und dann Nachtfrost.

Stimmt das denn überhaupt mit dem CO2 als Treibhausgas? Ich antworte mit Radio Eriwan: „Im Prinzip ja.“

Die Physik beschreibt die Wirkung der CO2 Moleküle auf die von der Erde abgestrahlten Wellen ganz eindeutig. Es zeigt sich aber auch, dass der Effekt auf die globalen Temperaturen durch die Messdaten nur mit sehr viel Zureden und gutem Willen zu beobachten ist. Es gibt offensichtlich andere Faktoren, welche die Temperatur wesentlich stärker beeinflussen als CO2.

Und noch etwas: der Abschirmungseffekt durch ein Treibhausgas tritt sofort auf. Wenn die Luft trocken ist, dann wird es in derselben Nacht kalt und wenn sie feucht ist, dann bleibt es in genau dieser Nacht warm. Die globale Erwärmung sollte also  mit dem Anstieg von CO2 Schritt halten. Die beiden über die Jahre erstellten Datenreihen zur CO2 Konzentration und zur globalen Temperatur sollten deutlich korrelieren. Das ist aber nicht der Fall. Zwischen 2000 und 2015 gab es keinen systematischen Anstieg, sondern nur Schwankungen anderen Ursprungs von etwa +- 0,1°C, siehe www.wattsupwiththat.com/global-temperature/. Es gab dann auch den Namenswechsel von „Global Warming“ zu „Climate Change“. Honi soit qui mal y pense.

Es mag natürlich sein, dass Sekundärfolgen des CO2 Anstiegs erst lange verzögert einsetzten, die Erwärmung aber muss mit ihm synchron gehen.

Lassen Sie uns zur Antwort des Senders Radio Eriwan zurückkommen. Es bleibt bei „im Prinzip ja“. Die Theorie fordert es, dass CO2 das Klima beeinflusst. Die Erfahrung aber zeigt, dass dieser Einfluss nicht zweifelsfrei zu messen ist. Vermutlich spielt das Thema Wasser in seinen verschiedenen Aggregatszuständen eine viel zu dominante Rolle bei der Feinabstimmung der Energiebilanz auf Erden.

In diesem Sinne wäre es aus wissenschaftlicher Sicht sowohl töricht diese zu Zusammenhänge zu leugnen, als auch sie als gesichert hinzustellen. Global Warming ist weder ausgeschlossen noch gesichert – mit anderen Worten, es ist möglich. Das soll die Politiker nicht daran hindern im Sinne der Risikovorbeugung geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Und das tun sie ja seit Jahrzehnten voller Aufopferung und mit grandiosem Erfolg – wenn man den Medien Glauben schenken darf.

Vielleicht stellt sich aber eines Tages heraus, dass wir das arme CO2 grundlos verdächtigt haben und dann werden wir ein neues Urteil fällen: geruchlos, farblos, unschuldig.

Dieser Artikel erschien zuerst bei www.think-again.orgund im Buch „Grün und Dumm“ https://think-again.org/product/grun-und-dumm/

Quelle

Die Verkehrs­wende müssen wir angehen, um die Klimakrise und den damit verbun­denen Anstieg des Meeres­spiegels zu bekämpfen …

So stellen sich die Grünen offenbar ihre „Verkehrswende“ vor! Bild: rudolf ortner / pixelio.de

Die Verkehrs­wende müssen wir angehen, um die Klimakrise und den damit verbun­denen Anstieg des Meeres­spiegels zu bekämpfen …

26. Februar 2020 Chris Frey Allgemein 2

So stellen sich die Grünen offenbar ihre „Verkehrswende“ vor! Bild: rudolf ortner / pixelio.de

… sage Dr. Anton Hofreiter auf einer Wahlveranstaltung seiner GRÜNEN [1].
Helmut Kuntz
Heutzutage gilt schon andauerndes Wiederholen einer falschen Behauptung als deren Belegung.
Herr Anton Hofreiter hat durch seine Promotion die Bestätigung zur Befähigung wissenschaftlichen Arbeitens. Allerdings wohl nicht solchen, in denen bereits so schwierige Formeln wie ein Dreisatz zur Belegung erforderlich wird. Denn in seiner Dissertation sind die höchste Stufe an Mathematik Therme der „mathematischen Höhe“ wie „A=12“.
Nur so kann wohl erklärt werden, dass sich Herr Hofreiter auf ein Podium stellt und seine in der Überschrift zitierte Aussage im Brustton der Überzeugung vorträgt.

Der aufwendige Kampf gegen nichts

Sowohl den Schildbürgern wie auch Don Quichotte muss man zugutehalten, dass ihr sinnloser Kampf gegen Imaginäres die übrigen Bürger und dem Land kaum Geld gekostet hat. Für den Schildbürgerstreich „Kampf gegen den Klimawandel“, lässt sich das allerdings nicht behaupten.

Hier geht es jedoch um den Einfluss des Individualverkehrs von Deutschland und die Fragestellung, wie weit dessen Abschaffung und Umbau die Temperatur und damit den globalen Meerespegel wohl beeinflussen könnte, und ob man den Kampf dagegen – wie von den GRÜNEN (und leider unisono allen etablierten Parteien) behauptet – wirklich durchführen muss.

Der Verkehr in Deutschland

Die Abgase des Verkehrs machen rund ein Fünftel der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland aus. Sollen 95 % vom Straßenverkehr kommen.

Mittels Dreisatzrechnung lassen sich anhand dieser Angaben die Temperatureinflüsse des Verkehrs grob bestimmen:

Tabelle: Abschätzung des Einflusses Verkehrs-bedingter C02-Emission auf das globale Klima

Nach dieser Abschätzung hat der gesamte Verkehr Deutschlands bis zum Jahr 2100 einen Temperatur-Erhöhungseinfluss (falls er überhaupt einen hat) von irgendwo zwischen 0,0047 … 0,014 Grad.

Nun ist der Meerespegel zwischen 1900 … 2000 um etwas unter 20 cm gestiegen, während sich die Temperatur in dieser Zeit um ca. 0,7 … 1 Grad erhöht hat [2].
Nehme man nun an, dass dazwischen ein direkter Zusammenhang besteht, der linear weitergeschrieben werden kann. Dann führt die emissionsbedingte Temperaturerhöhung des Verkehrs von Deutschland bis zum Jahr 2100 – abhängig vom angenommenen Forcing – zu einer anteiligen Pegelerhöhung von 0,134 … 0,4 cm.

Es mag viele GRÜNE Gründe für das in Deutschland inzwischen angesagte „Wenden“ und damit Verbieten und Verteuern alles Bewährten geben. Retten des angeblich schlimm ansteigenden Meerespegels als Begründung anzuziehen, ist aber nur dämlich.

Leider ist das eine bei den GRÜNEN (sofern es um Klima und Energie geht), geradezu bejubelte Eigenschaft.

Quellen

[1] Lokalausgabe der Nürnberger Nachrichten vom 22. Feb. 2020

[2] WIKIPEDIA: Globale Erwärmung

Quelle

Was bleibt, ist Merkel

Die Kieker (Die Spoekenkiekerei )

Wenn man die meisten konservativen Analysen der derzeitigen CDU-Probleme nach dem Scheitern der Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer liest, ergibt sich ein Schluss: Das Problem heißt Angela Merkel – und wenn sie weg ist, beginnt sich das Problem zu lösen. Ausdruck dieses Denkens ist etwa eine Überschrift aus der Jungen Freiheit: „Wann geht sie endlich?“ Und selbst die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) springt zu kurz, wenn sie meint, die Probleme hätten unter Merkel begonnen.

Doch kein Problem ist gelöst, wenn sie „endlich“ geht und durch Armin Laschet oder Friedrich Merz oder Jens Spahn ersetzt wird. Was wir erleben, ist der Untergang der CDU (die CSU wird mit Verspätung folgen), der aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen stattfindet. Die SPD ist ebenfalls im Verfall begriffen; nur geht es bei den aus einem anderen Milieu stammenden Genossen noch schneller.

Um die Ursachen des Untergangs der CDU zu sehen, hilft ein Blick zurück: Die CDU-Idee beruht auf…

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Über einen möglichen Zusammen­hang zwischen winter­lichem Polarwirbel und Winter­kälte in Mittleren Breiten

von Dipl.-Met. Christian Freuer (aka Hans-Dieter Schmidt)
Man hört immer wieder, dass bei einem besonders gut ausgeprägten Polarwirbel die arktische Kaltluft in seinem Inneren quasi „gefangen“ ist und Ausbrüche derselben in südlichere Breiten damit kaum möglich sind. Mögliche entsprechende Zusammenhänge sollen hier zur Diskussion gestellt werden.

Zunächst einmal muss definiert werden, was mit dem Terminus „Polarwirbel“ – oder „Polar Vortex PV“ – eigentlich gemeint ist. Nicht jedes Tiefdruckgebiet in polaren Gebieten ist ein Polarwirbel, und natürlich ist ein Polarwirbel außerhalb polarer Breiten ein Widerspruch in sich.

In der angelsächsischen Literatur ist mit PV immer der winterliche Polarwirbel in der Stratosphäre gemeint. Ein Beispiel desselben zeigt Abbildung 1:

Abbildung 1: Klassisch ausgeprägter Stratosphärischer Polarwirbel, hier im 50-hPa-Niveau (ca. 20 km Höhe), und zwar als numerische Simulation über eine Woche im Voraus. Quelle: NOAA

Der winterliche Polarwirbel in der Stratosphäre ist natürlich eine Folge der winterlichen Abkühlung der Troposphäre. Grob vereinfacht erklärt: Die einzelnen atmosphärischen Schichten sacken bei Kälte so zusammen, dass in der Höhe ein Defizit, also „Tiefdruck“, entsteht.

Es gibt aber noch einen zweiten wichtigen Grund: Die Ozonbildung kann in der Polarnacht nicht mehr stattfinden – sie ist aber der Grund, warum es in der Stratosphäre ansonsten relativ warm ist (der kurzwellige Teil des UV wird bei der Ozonbildung in Wärme verwandelt).

So klassisch Breitenkreis-parallel wie in dieser Graphik zeigt er sich nun aber keineswegs immer. Die Beispielgraphik ist eine numerische Simulation vom 23. Februar 2020, 00 UTC (1 Uhr MEZ) für 168 Stunden im Voraus, also für genau eine Woche. Aktuell erscheint er nämlich deformiert:

Abbildung 2: Stratosphärischer Polarwirbel mit Deformation, aktuell vom 23. Februar 2020, 00 UTC. Quelle: NOAA

Derartige Deformationen sind nun allerdings normal, und die klassisch runde Ausprägung wie in Abb. 1 ist eher die Ausnahme. Im bisherigen Winterverlauf jedoch war er fast durchweg in dieser Form ausgeprägt.

Nun gut, das ist alles ziemlich weit oben. Steigen man jetzt ein paar Etagen ab, z. B in die mittlere, Troposphäre (500-hPa-Niveau, ca. 5000 m Höhe), sieht das Bild natürlich anders aus. Die folgende Graphik zeigt die Topographie des 500-hPa-Niveaus vom 23. Februar 2020, 06 UTC:

Abbildung 3: Zirkumpolare Topographie 500-hPa-Niveau vom 23. Februar 2020, 06UTC. Quelle: Wetteronline.de

Man erkennt grob integrierend betrachtet eine ähnliche Struktur wie in der Stratosphäre, jedoch mit viel mehr Mäandern. Das ist normal. Hinzuweisen ist hier aber auf die ebenfalls fast Breitenkreis-parallele Strömung von Neufundland bis nach Russland hinein. Es liegt auf der Hand, dass unter diesen Umständen winterliche Kaltluft aus Osten keine Chance hat, sich westwärts bis nach Mitteleuropa auszubreiten. Dazu später noch mehr.

Der Vollständigkeit halber hier noch die zirkumpolare Strömungsverteilung am Boden:

Abbildung 4: Bodendruck zirkumpolar am 23. Februar 2020, 06 UTC. Quelle wie Abb. 3

Da sich am Boden aber lediglich die „Spur des Schlittschuhläufers“ abbildet und der Schlittschuhläufer selbst weiter oben seine Kreise zieht, steigen wir jetzt wieder hinauf.

Zusammenfassung dieses Abschnitts: Der Polarwirbel bezeichnet das Phänomen der Bildung einer zirkumpolaren Zirkulation in der höheren Troposphäre und der Stratosphäre. Im Sommer verschwindet der Polarwirbel oder ist zumindest sehr schwach ausgeprägt. Belegt werden soll das mit der Zirkulation im 50-hPa-Niveau über der sommerlichen Antarktis:

Abbildung 5: Geopotential im 50-hPa-Niveau vom 23. Februar 2020, 00 UTC auf der Südhalbkugel. Quelle: NOAA

Und damit kommen wir zurück zur eigentlichen Frage: Ist an der in der Überschrift dieses Beitrags aufgestellten Behauptung etwas dran? Gibt es einen Zusammenhang?

Da es dem Autor nicht gelungen ist, historische Reanalysen der Stratosphäre zu finden, beschränken wir uns hier auf den atlantisch-europäischen Bereich. Wie aus den Abbildungen 1 bis 3 hervorgeht, geht ein kräftig ausgeprägter zonaler Grundstrom im 500-hPa-Niveau einher mit einem ausgeprägten stratosphärischen Polarwirbel, so wie es in diesem und auch den vergangenen Wintern fast durchweg der Fall war.

Nun kann der PV aber auch ein ganz anderes Verhalten zeigen. Man betrachte noch einmal die Abbildung 2 mit der aktuellen Deformation des PV. Sie soll sich den Simulationen zufolge wieder zurückbilden zum Zustand in Abbildung 1. Das ist aber nicht immer so. Im Extremfall deformiert sich der PV so stark, dass er sich ähnlich einer sich am Strand brechenden Meereswoge in zwei Teile aufspaltet – es kommt zu einem sog. „Major Warming“. In diesem Falle erscheint der PV nicht nur stark abgeschwächt, sondern auch mit zwei weniger stark ausgeprägten Zentren.

Bekannt ist, dass ein solcher Vorgang in Mittleren Breiten auf der gesamten Nordhemisphäre gravierende Kälteperioden zur Folge hat, so wie letztmalig im Spätwinter 2018. Vergleicht man ein solches „Major Warming“ nun mit der aktuellen Lage, scheint sich die Behauptung aus der Überschrift zu bestätigen.

Betrachten wir noch einmal die im Subheader erwähnte „gefangene“ Kaltluft im Falle stark ausgeprägter PV. Kann man das irgendwie mit Bodendaten belegen?

Das Winterindiz schlechthin ist neben der Meereisbedeckung die Schneedecke, und zwar sowohl deren Ausdehnung als auch deren Volumen. Bei in Mittleren Breiten milder Witterung macht sich die dort fehlende Schneedecke sicher durch eine vergleichsweise geringe Ausdehnung bemerkbar. Das war während der vergangenen Winter auch so. Betrachten wir also die Ausdehnung der Schneedecke auf der Nordhemisphäre:

Abbildung 6: Größe der schneebedeckten Fläche auf der Nordhemisphäre. Quelle.

Man sieht, dass die Ausdehnung in diesem Winter eher noch geringer ist als während der vorangegangenen Jahre. Das überrascht nicht, denn in fast ganz Europa liegt derzeit kaum oder gar kein Schnee.

Exkurs: Gibt es auf der NH vielleicht einen allgemeinen Trend zur Abnahme der Schneedecken-Ausdehnung? Dazu folgende Graphik:

Abbildung 7: Überraschung: Es zeigt sich neben der üblichen Variation eher ein steigender Trend! Quelle

Ende Exkurs

Nun sollte man aber erwarten, dass wenn schon die Kaltluft irgendwie „gefangen“ ist, wenigstens das Volumen der Schneedecke relativ hoch sein sollte, sorgt doch diese Konstellation für große Temperaturgegensätze im Bereich der jeweiligen Frontalzone und damit für mehr Niederschlag, der auf der kalten Seite als Schnee fällt. Dazu betrachte man jetzt Abbildung 8:

Abbildung 8: Volumen der winterlichen Schneemenge. Quelle

Und siehe da: Das Volumen der Schneemenge dieses Winters liegt deutlich über dem Mittel der Jahre 1982 bis 2012 und sogar noch deutlich über dem Band der Standardabweichung 1.

Nun aber zur Frage, ob ein ausgeprägter Polarwirbel (PV) routinemäßig zu milder Winterwitterung in Mitteleuropa führt?

Es wurde schon erwähnt, dass die Temperaturgegensätze zwischen warm und kalt bei stark ausgeprägten PV sehr hoch sein können, während sie bei schwächer ausgeprägten oder gar geteilten PV nicht so groß ausfallen. Große Temperaturgegensätze bedeuten aber in der Troposphäre auch besonders starke Wettervorgänge, hier in Gestalt der Tiefdruckgebiete im Bereich der Polarfront. Da zeigt sich Verschiedenes, was sehr bemerkenswert ist. Zunächst aber einige Anmerkungen zum Kältepol dieses Winters, der praktisch den ganzen Winter über im kanadisch-grönländischen Gebiet zu finden war. Dieser war in diesem Winter so extrem stark ausgeprägt, dass hier in einem Exkurs näher darauf eingegangen werden soll.

Exkurs: Der kanadische Kältepol des Winters 2019/20

Weil es im Zuge der Mainstream-Klimapropaganda keine Kälterekorde geben darf, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass in Kanada in diesem Winter gleich reihenweise Kälterekorde gebrochen wurden. Sogar auf der sonst stramm alarmistisch ausgerichteten, sonst aber eigentlich sehr guten Site von Wetteronline.de wurde schon darauf hingewiesen. Temperaturwerte unter -50°C sind nicht so ganz ungewöhnlich in den kanadischen Nordwest-Territorien, aber dass das so wiederholt und regelmäßig in diesem Winter vorkam, ist schon bemerkenswert. Nun ist es dort natürlich in jedem Winter sehr kalt, aber wenn die Temperatur statt der „normalen“ -30°C wiederholt unter -50°C sinkt, ist das selbst für die dortigen kältegewohnten Bewohner beachtlich.

Dazu gibt es auch einen Beitrag, in welchem Ausbrüche aus diesem kanadischen Kaltluft-Reservoir in Richtung USA bis hinunter nach Florida beschrieben werden. Das ist Wetter, nicht Klima, und wird hier nur nebenbei erwähnt. Aber am Ende jenes Beitrags folgen ein paar Bemerkungen, die hier übersetzt werden sollen:

Ersten aktuellen Modellrechnungen zufolge dürfte sich die Lage im März zunächst kaum bessern – und all diese anomale Kälte bedeutet, dass sich im Jahre 2020 der substantielle Abkühlungstrend fortsetzt, der während der letzten 5 Jahre zu verzeichnen war.

Der eigenen, zum Warmen verzerrten und den UHI-Effekt ignorierenden Temperatur-Datensätze der NOAA zufolge kühlte es sich in Nordamerika seit dem Jahr 2015 mit einer Rate von 2,03°C pro Dekade ab*(das ist 29 mal schneller als die Rate der Erwärmung vor dem Jahr 2015):

[*Verdeutlichung: wäre die Abkühlung in dieser Größenordnung 10 Jahre lang erfolgt, würde sie 2,03°C betragen. Während der 5 Jahre aktuell war es also die Hälfte]

Abbildung E1: Nordamerika, Abkühlung um 2,03°C pro Dekade. Quelle

Die kalten Zeiten kehren wieder – und das schnell – was auf einer Linie steht mit der historisch geringen Sonnenaktivität, der stärkeren, Wolken erzeugenden kosmischen Strahlung (hier) und meridionalen Strömungsanteilen des Jet-Streams.

Man falle nicht auf falsche politische Agenden herein – unsere Zukunft ist eine der fortwährenden Abkühlung.

Link: https://electroverse.net/wave-after-wave-of-brutal-arctic-cold-set-to-engulf-north-america-over-the-next-10-days/

Ende Exkurs

Auswirkungen dieser Extremkälte in West- und Mitteleuropa

In dem ausschnittsweise übersetzten Artikel wird wie erwähnt vor zwei gefährlichen Kaltluftausbrüchen bis in den Südosten der USA gewarnt. Das kommt aber seltener vor als Ausbrüche nach Osten auf den Atlantik hinaus. Und hier tut sich in der Tat Bemerkenswertes und etwas, das für uns Synoptiker und Wetterfreaks immer wieder aufs Neue faszinierend ist: Es bilden sich Orkanwirbel der absoluten Spitzenklasse (man sehe dem Autor die etwas überschäumende Wortwahl nach). Am 16. Februar 2020 erreichte diese Entwicklung einen einsamen Höhepunkt: Es bildete sich ein Orkanwirbel mit einem Kerndruck unter 930 hPa! Das ist zwar kein Weltrekord, sinkt doch der Luftdruck im Auge tropischer Wirbelstürme häufig noch tiefer. Aber im Nordatlantik dürfte das schon in die Nähe von Rekordwerten reichen. Die Wetterlage zeigt Abbildung 9:

Abbildung 9: Wetterlage vom 16. Februar 2020, 00 UTC. Weiße Linien: Bodendruck in hPa, bunt: Geopotential der 500-hPa-Fläche. Quelle

Vermutlich wird auch Laien schnell klar, dass bei einem solchen Giganten-System, das ja entgegen dem Uhrzeigersinn umweht wird, für Mitteleuropa nur die Südwest-Komponente gelten kann. Kälte ausgeschlossen.

Dieser Wirbel war aber nur die (höchste) Spitze des Eisbergs der Bildung großer Orkanwirbel. Seit Anfang Januar entwickelte sich über dem Nordatlantik ein Wirbel mit Kerndruck unter 950 hPa nach dem anderen. Das ist zwar auch nicht ungewöhnlich, kommt aber auch nicht in jedem Winter vor.

Derartige Entwicklungen sind also im Mittel an einen ausgeprägten Kältepol über Kanada-Grönland gekoppelt. Aber sind so starke Entwicklungen schon ein Indiz, dass es immer so weitergeht, bis dem Kältepol aus jahreszeitlichen Gründen die Puste ausgeht?

Nein! Dem Autor ist nämlich ein ziemlich drastisches Gegenbeispiel erinnerlich. Am 15. Dezember 1986 bildete sich im Seegebiet zwischen Island und Grönland ebenfalls ein Orkanwirbel der Spitzenklasse mit einem Kerndruck deutlich unter 930 hPa:

Abbildung 10: Wetterlage vom 15. Dezember 1986, 00 UTC. Weiße Linien: Bodenluftdruck, bunt: 500-hPa-Geopotential. Quelle

Tatsächlich waren die ersten beiden Dekaden des Dezember 1986 außerordentlich mild ausgefallen. Die damals 1-jährige Tochter des Autors konnte Anfang Dezember 1986 bei tiefblauem Himmel und einer Temperatur über 15°C leicht bekleidet im Garten herumkrabbeln. Wie jedoch erinnerlich, folgte dann der sehr kalte Winter 1986/87. Auf der Suche nach Unterschieden zur diesjährigen Situation wird man denn auch schnell fündig.

Im Gegensatz zu derzeit lag nämlich damals über Nordosteuropa ebenfalls ein ausgeprägter Kaltluftkörper, dem auch die Mega-Entwicklung bei Grönland nichts anhaben konnte. Kaum hatte sich der Wirbel bei Grönland nämlich stark abgeschwächt, wurde dieser Kaltluftkörper angezapft – der erforderliche hohe Luftdruck über dem nördlichen Mitteleuropa war jedenfalls auch schon vorhanden.

Leider ist es dem Autor wie gesagt nicht gelungen, historische zirkumpolare Stratosphärenkarten zu finden. Dann könnte man schauen, wie der stratosphärische PV zu jener Zeit ausgesehen hat. Falls jemand aus der geneigten Leserschaft hier helfen kann, wäre er dankbar für einen entsprechenden Kommentar mit Links.

Aber zurück zur derzeitigen Lage. Sie ist nämlich gekennzeichnet durch einen „Rekord“, der sich aber nur Fachleuten offenbart, der aber hier kurz erläutert werden soll.

West- und Mitteleuropa sind jedenfalls gegen Kaltluftvorstöße der Art, wie sie derzeit für die USA prognostiziert werden, nachhaltig geschützt, und zwar in Gestalt des Atlantischen Ozeans mit seinen vom Golfstrom erwärmten Gewässern. Momentan kommt noch die AMO-Warmphase im Zentralen Nordatlantik hinzu, welche den Temperaturgegensatz noch etwas steigern könnte. Die aus Kanada auf den Atlantik hinaus advehierten Kaltluftmassen werden auf dem langen Weg über dieses warme Wasser nach Europa so weit aufgeheizt, dass sie hier ihre winterlichen Eigenschaften weitgehend eingebüßt haben – jedenfalls normalerweise. Die Luftmassen, welche vom nordöstlichen Nordamerika aus als extrem kalte Kontinentale Arktikluft (cA) starten, erreichen West- und Mitteleuropa hinter den Kaltfronten der durchziehenden Sturm- und Orkanwirbel nur noch als subpolare Meeresluft (mP), die in den untersten Luftschichten dann meist 3 bis 8°C mild geworden ist. In diesem Winter war es jedoch so, dass es in diesen Luftmassen trotz des langen Weges über die warme Unterlage in Irland zu Schauern kam, die trotzdem noch als Schnee fielen. Auch in den höheren, deutschen Mittelgebirgslagen kam es dann häufig zu Schneeschauern. Natürlich wird es bei einer Nord- oder Ostlage auf der Insel noch sehr viel kälter, aber dass der lange Weg über den Atlantik nicht ausreicht, die kanadische Luftmasse auf das übliche Niveau aufzuwärmen, hält der Autor für bemerkenswert. Im schottischen Hochland, wo sich der wärmende Einfluss der tiefen Luftschichten verliert, wird man vielleicht ein Lied davon singen können.

Abbildung 11: Temperatur und Geopotential im 850-hPa-Niveau über dem Atlantik und Europa. Quelle.

Es hängt von drei Faktoren ab, mit welchen Eigenschaften eine von Westen kommende Kaltluftmasse aus Kanada in Westeuropa ankommt. Faktor 1: Das Temperaturniveau im Ursprungsgebiet, Faktor 2: Die Länge des Weges über das warme Wasser und Faktor 3: Die Zeit für das Überströmen. Zu Letzterem wird aus Abbildung 11 ersichtlich, dass die Strömung aus den o. g. Gründen sehr stark war und die Luftmasse die Strecke schneller zurücklegen konnte, d. h. dass die Zeit für eine stärkere Aufheizung gar nicht gereicht hat. Da aber dieser spezielle Kaltluftausbruch nun wirklich nicht der einzige dieses Winters war, könnte es sein, dass sich das Wasser des Nordatlantiks durch die gigantischen, zum Aufheizen benötigten Wärmemengen ebenfalls etwas stärker als gewöhnlich abgekühlt hat:

Abbildung 12: Wassertemperatur-Anomalien, 20. Februar 2020. Man erkennt die deutliche Abkühlung im Nordatlantik. Quelle

Fazit der Abbildung 12: Das Wasser war gar nicht mehr warm genug, um eine stärkere Aufheizung zu bewirken.

Zum Abschluss dieses Beitrages soll noch auf einen Punkt hingewiesen werden, der natürlich im Mainstream nie erwähnt wird. Die sehr milde Witterung dieses Winters in Mitteleuropa (die übrigens Kämpfe (2019) bereits aufgrund statistischer Auswertungen hier im November 2019 zutreffend prognostiziert hatte!), gab natürlich den Alarmisten jedweder Couleur hierzulande Auftrieb. Allerdings ist es grob falsch, aus der milden Witterung zu schließen, dass es „hier keine Winter mehr gibt“. Denn: Das würde bedeuten, dass man glaubt, dass die Strömung bei uns nie mehr aus einer andere Richtung als West oder Südwest kommen soll. Außerdem haben Kowatsch & Kämpfe in verschiedenen Arbeiten die Häufung winterlicher Westwetterlagen in Mitteleuropa nachgewiesen. Man kann wohl getrost davon ausgehen, dass diese Häufigkeit auch mal wieder abnimmt.

Wenn man wirklich die gegenwärtige Lage im Zusammenhang mit irgendwelchen Klima-Fluktuationen bringen will, dann muss man immer in die Ursprungsgebiete schauen: Wie kalt ist es im Zentrum der hemisphärischen Kältepole geworden? Und nur dann lassen sich Äpfel mit Äpfeln vergleichen!

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Quelle