Siemens-Boykott: Die Gefahren des Ökotiger-Schwanzes

Bild 1. Die von den Medien gehypten Buschfeuer in Australien haben die Klimadiskussion nochmals erheblich angeheizt (Symbolbild: Autor)

Fred F. Mueller
Deutschland hat kaum Rohstoffe und kann weder vom Export von Agrarprodukten noch vom Tourismus leben. Existenzgrundlage des Landes ist seine leistungsfähige exportierende Industrie. In deren Schatten und von deren Wertschöpfung sind seit Jahrzehnten „grüne“ pseudo-industrielle-Strukturen mit Esoterik, Bio-Produkten und Medienvermarktung erstarkt. Mit dem Siegeszug der Klimahysterie in den Regierungen, der Finanzbranche und inzwischen auch in den Spitzen der Konzerne schicken sich diese „grünen“ Kräfte jetzt an, die ihnen lästig erscheinende „Industrie“ aus dem Weg zu räumen.

Die modernen Wissenschaften in Bereichen wie Ingenieurswesen, Physik, Medizin, Biologie, Chemie und Pharmakologie ermöglichen heute eine zuverlässige, gesunde, reichhaltige und auch wohlschmeckende Vollversorgung der gesamten Bevölkerung mit Nahrung und medizinischer Versorgung. Dieser hohe Lebensstandard ermöglicht es uns, überall auf der Welt die jeweils dort erzeugten Nahrungs- und Genussmittel von Getreide und Feldfrüchten über Fleisch, Obst und Gemüsen einzukaufen. Wer es sich leisten kann, kann selbst exotischste Produkte schnell und frisch aus aller Herren Länder beziehen. Und wer meint, es „gesünder“ haben zu müssen, kann auf sogenannte Bioprodukte, Veganismus oder – im Gesundheitsbereich – auf alternative Ansätze wie Homöopathie oder Akupunktur zurückgreifen.

Bild 2. Viel Maschine, wenig Mensch: In modernen Industriebetrieben wurden schwere und gefährliche Arbeiten längst von Robotern übernommen (Foto: Autor)

Es geht um unseren Lebensstandard

Unser Wohlstand beruht auf der erfolgreichen Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse als Grundlage für den Export hochwertiger Industrieprodukte wie Fahrzeuge, Flugzeuge, Werkzeugmaschinen, Werkstoffe, Chemikalien, Pharma- und Medizintechnik-Produkte oder hochkomplexe Automatisierungen. Zu den bekanntesten Exponenten dieser Industrien gehört der Siemens-Konzern, der in der ganzen Welt als Hightech-Unternehmen und Symbol deutscher Ingenieurskunst gilt. Doch an genau diesem Unternehmen wird soeben ein Exempel dafür statuiert, wie die Vertreter der Klimawandel-Hysterie darangehen, die deutsche Industrie zu vernichten. Nach Kernenergie und Kraftwerkstechnik, wo man Siemens schon erfolgreich kastriert bzw. außer Landes getrieben hatte, ist jetzt die Eisenbahntechnik an der Reihe. Und Siemens-Chef Kaeser spielt hierbei, statt dem üblen Spiel entgegenzutreten, eine ziemlich klägliche Rolle. Schließlich war es sein Unternehmen, das – zur Stützung seiner Windenergie-Sparte – während der Jamaika-Verhandlungen des Jahres 2017 einen raschen Kohleausstieg sowie einen CO2-Mindestpreis forderte. Doch dieser Versuch, sich am Schwanz des Öko-Tigers festzuhalten, um nicht gebissen zu werden, geht jetzt nach hinten los.

Bild 3. Während noch im Jahre 1900 ein Bauer nur vier andere Menschen ernähren konnte, sind es heute dank der durch Wissenschaft und Technik ermöglichten Methoden bereits 135 (Grafik: Bauernverband.de)

Eine außergewöhnliche Buschfeuersaison wird zum Fanal gehypt

Ein tägliches Trommelfeuer an Nachrichten hat dafür gesorgt, dass die – regelmäßig auftretenden, in diesem Jahr allerdings außergewöhnlich intensiven – Buschfeuer in Australien derzeit zum „Beweis“ und Symbol des angeblichen Klimawandels hochstilisiert werden. Tote Menschen und – optisch und emotional noch viel wirksamer – verbrannte Känguruhs und Koalas sorgen für Betroffenheit und dafür, dass viele Menschen auf die einseitige Propaganda der Klimahysteriker in unseren Medien hereinfallen. Die zahlreichen nüchternen Analysen von Einheimischen, Kennern und Fachleuten, die darauf hinweisen, dass solche Feuer schon lange vor dem Eintreffen der Europäer normal waren und sogar zur Kultur der Ureinwohner gehörten, und dass es gerade unsinnige Vorgaben der weißen Einwanderer sind, welche die Situation verschlimmern, dringen dagegen kaum durch. Stattdessen wütet im SpiegelOnline ein Herr Kurt Stukenberg (ehemaliger Chefredakteur des Greenpeace-Magazins, jetzt bei SPON stellvertretender Ressortleiter Wissenschaft), der dem australischen Premierminister Morrison vorwirft: „Die Industrie, für die Morrison offenbar bereit ist, erhebliche Teile seines Landes dem Feuer zu überlassen, ist die Kohlebranche”. Noch schlimmer treibt es bei der FAZ der seit Jahren hyperaktiv klimahysterische Redakteur Müller-Jung, der dort das Ressort „Natur und Wissenschaft“ leitet. In einem Beitrag über die Lage in Australien vom 8. Januar bezeichnet er Morrison als „Höllenfürsten“, als Kohlelobbyist mit „im Kohlebad vergoldeten“ Fingern. Die grünen Kulturfeinde in den politischen Altparteien, den Medien und den NGO´s wie Greenpeace oder WWF bis hin zu deren Sturmtruppen wie Extinction Rebellion und Fridays for Future nutzen die aktuelle Hysteriewelle, um der verhassten Industrie nicht nur in Australien, sondern weltweit einen Schlag zu versetzen. Und in Deutschland wurde Siemens als strategisches Ziel ausgewählt.

Worum es geht

Vordergründig geht es um einen für Siemens-Verhältnisse eher kleineren Auftrag über Signalanlagen für eine Eisenbahnlinie. Der einzige Haken für Siemens liegt darin, dass diese für eine Eisenbahnlinie vorgesehen ist, die eine vom indischen Adani-Konzern geplante Kohlemine im australischen Bundesland Queensland mit den Verladehäfen am Meer verbinden soll. Siemens hat demnach gar nichts mit Kohle zu tun, sondern mit der Elektrotechnik für eine Eisenbahnlinie im Wert von gerade einmal 18 Mio. Euro.

Im Vollgefühl ihrer Macht haben die Grünen dieser Welt inzwischen die amerikanischen Boykottmethoden, einem nicht genehmen Land oder Unternehmen durch Bedrohung seiner Zulieferkette die Luft abzuschnüren, in aller Konsequenz übernommen und Siemens nur deshalb zur Zielscheibe gemacht, weil man in Wirklichkeit dessen Kunden treffen will. Der Siemens-Vorstand, der eigentlich längst auf grünem Kurs liegt, befindet sich wohl nur deshalb in einer misslichen Lage, weil die eigenen, für Australien zuständigen Überwacher den Ernst der Lage nicht rechtzeitig erkannt haben. Da der Auftrag bereits unterschrieben ist, geht es jetzt grundsätzlich um die Glaubwürdigkeit des Gesamtkonzerns – mit weltweit etwa 378.000 Arbeitsplätzen – im Umgang mit Geschäftspartnern. Und damit auch um Arbeitsplätze. Das muss man wissen, wenn hierzulande Fridays for Future-Aktivisten nebst Konsorten Siemens in konzertierten Aktionen an den Pranger stellen. Nach den bisherigen Reaktionen von Siemens scheint Kaeser bereit zu sein, selbst in dieser Situation vor dem Druck einzuknicken, Zitat: „Wäre der Auftrag nicht bereits unterschrieben gewesen, wäre ich sicher schwer davon zu überzeugen gewesen, ihn anzunehmen“. Und bot in diesem Zusammenhang dem höheren Töchterchen Luisa Neubauer von FFF auch gleich einen Aufsichtsratsposten an.

Bild 4. Unbestätigte Gerüchte besagen, dass sich eine Sonderabteilung der Pressestelle eines großen deutschen Konzerns bereits mit bestimmten Schlagzeilenstudien beschäftigt hat (Grafik: Autor)

Wer orchestriert die Proteste?

Auch wenn die Kampagne gegen Siemens vordergründig bunt, fröhlich und jugendbetont daherkommt, ist sie doch Ergebnis einer von gut durchorganisierten Netzwerken sorgfältig organisierten und gesteuerten Kampagne. Es lohnt sich, einmal einen näheren Blick auf diese Netzwerke zu werfen, zu denen im weiteren Sinne auch Siemens selbst gehört. Dazu gehört aber beispielsweise auch eine Publikation namens „Forum Nachhaltig Wirtschaften“, in der „grüne“ Artikel sowie Aufrufe zu Aktionen wie der vom letzten Freitag erscheinen. Schon eine kurze Recherche offenbart, dass dahinter mit Fritz Lietsch eine Persönlichkeit steckt, die sich selbst als „Social Entrepreneur seit 25 Jahren, Visionär und Unternehmer“ bezeichnet. Herr Lietsch hat über die Gründung eines Verlags, der diverse Medien im Öko- und Umweltbereich publiziert, noch einen bunten Strauß weiterer Aktivitäten vorzuweisen. Schon während seines Studiums der BWL und der Markt- und Werbepsychologie (!) betätigte er sich als Chefredakteur zweier Fachzeitschriften, betrieb eine Werbeagentur und erstellte im Auftrag der Europäischen Kommission in Brüssel eine Innovationsstudie zu Clean Technologies. In einer Auflistung seiner Tätigkeiten bei „Kress Köpfe“ findet sich eine beeindruckende Sammlung von Begriffen: „Journalist, Ökologie, Referent, Moderator, Consulting, Ökomarketing, Beratungsarbeit & Bildungsarbeit, Medienagentur, Marketing, Umweltexperte, Werbeagentur“.

Die von ihm aufgebaute Verlags- und Vertriebsgesellschaft widmete sich von Anfang an allem, was als „Alternative zur Industriegesellschaft“ vermarktet werden konnte. Neben diversen Zeitschriften und Internet-Portalen gab es auch ein „alternatives Branchenbuch“, eine Sonderschau für „umweltbewusstes Bauen und Wohnen“, ein „Nachschlagewerk für nachwachsende Rohstoffe“ sowie Internetportale für „Eco-Wellness“ oder „Naturkosmetik“. Nicht fehlen durfte die Förderung von Solarinitiativen, von Regionalprodukten oder von Onlineangeboten für „corporate social responsibility“. Natürlich fehlte auch nicht die Zusammenarbeit mit kirchlichen Kreisen, Messegesellschaften und der öffentlichen Hand.

Mit seinen Werbe- und Marketingmaßnahmen sorgte er für die enge Vernetzung einer Community aus über 20.000 Anbietern, zahlreichen Konsumenten sowie NGO´s, die „ihre Einkaufsmacht bewusst einsetzen“. Als Referent und Moderator beeinflusst er viele Menschen bei wichtigen Veranstaltungen wie dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis, dem Vision Summit, dem Entrepreneurship Summit, dem Münchner Corporate Citizen Gipfel u.v.m.

Mit anderen Worten: Herr Lietsch ist ein klassischer Vertreter jener „bunten, alternativen“ Schattenökonomie, die sich neben der und gegen die etablierte Industriegesellschaft etabliert hat und vor allem „Wohlfühlbotschaften“ samt dazugehöriger Produkte und Dienstleistungen für Besserverdienende vermarktet. Dass man dabei von den Reichtümern zehrt, welche die verachtete Industrie mitsamt der normalen Landwirtschaft seit jeher für das ganze Land erzeugt, wird in der Gedankenwelt solcher Menschen bequemerweise ausgeblendet.

Bild 5. Auch bei sogenannten Bio-Produkten sind Risiken und Nebenwirkungen nie ausgeschlossen. Allerdings ist dort kein Beipackzettel vorgeschrieben (Grafik: Autor)

Die Parole lautet: Weg mit der Industrie

Selbst die Tatsache, dass auch die Biobranche ihre Skandale hat, trübt in den Augen dieser Menschen weder die eigene Wohlfühlblase noch mindert es deren immer feindseligere Haltung gegenüber den etablierten Erzeugern des Mehrwerts, von dem wir alle leben. Schon längst verdrängt hat man dort z.B. den Bio-Lebensmittelskandal mit Bockshornkleesamen, der in der Presse als „EHEC“-Epidemie bezeichnet wurde. Im Jahr2011 erkrankten daran über 4.300 Menschen, von denen 50 starben. Selbst noch zwei Jahre später brauchten einige der Patienten wegen der Spätfolgen noch ärztliche Behandlung. Die wirtschaftlichen Schäden lagen in oberer zweistelliger Millionen-Größenordnung. In diesem Zusammenhang ist übrigens auffällig, dass die NGO Foodwatch, sonst bei jeder Gelegenheit vorneweg, wenn es darum geht, die konventionelle Landwirtschaft und die Lebensmittelbranche anzuprangern, die Rolle der von Fachleuten als Auslöser identifizierten Bockshornkleesamen als mögliche Ursache vehement leugnet.

Dem Bio-Boom hat dieses Ereignis trotz der zahlreichen Toten nicht geschadet, wie das jetzige Beispiel mit der Siemens-Erpressung beweist. Man gibt sich stattdessen noch mehr Mühe, den verachteten Wirt „Industriegesellschaft“ immer weiter zu schädigen. Jetzt scheint man in diesen Kreisen sogar zu glauben, dass man „die Industrie“ trotz deren Kotaus nicht mehr braucht und nach Belieben fertigmachen kann, wie exemplarisch am Beispiel Siemens zu erkennen. Bis irgendwann einmal alles zusammenkracht…

Kleine Anekdote am Rande: Herr Lietsch scheint es in der Frage seines eigenen CO2-Fußabdrucks eher mit den Priestern des Mittelalters zu halten, die ihren Schäfchen Wasser predigten, während sie selbst genussvoll Wein schlürften. Zu seinen Hobbys gehören u.a. Reisen, Bergsteigen, Tauchen und Segeln. Selbstverständlich erledigt er dies alles CO2-frei per Fahrrad direkt vor der Haustür. Oder vielleicht doch nicht?

Quelle

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