Coronakrise: Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland de facto auf über 20 Prozent gestiegen

Coronakrise: Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland de facto auf über 20 Prozent gestiegen

Gäbe es keine Kurzarbeit, würde die Arbeitslosenquote in Deutschland derzeit bei über 20 Prozent liegen. Auch wenn die Medien über die Folgen der Corona-Krise berichten, vermeiden sie es weitgehend, den ganzen Umfang der Auswirkungen beim Namen zu nennen.

Die Berichte in den Medien strotzen vor abstrakten Zahlen, mit denen niemand etwas anfangen kann. Es wird über Billionenschwere Hilfspakete für die Wirtschaft berichtet, wobei die Folgen einer solchen Geldschwemme in den Medien gar nicht bedacht werden. Aber das ist ein anderes Thema.

Es wird über die Zahl der Kurzarbeiter berichtet, aber auch da wird gerne vermieden, uns zu berichten, was das in Wahrheit bedeutet. Der Spiegel hat heute berichtet, dass in Deutschland laut Ifo-Institut 7,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit sind. Nach anderen Meldungen sind es sogar 10 Millionen. Aber nehmen wir mal die optimistische Zahl von 7,3 Millionen und schauen uns an, was sie bedeutet.

Kurzarbeit ist ein Instrument, mit dem in einer Krise Arbeitslosigkeit verhindert werden soll. Normalerweise wird es eingesetzt, wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten ist und seine Mitarbeiter einige Zeit nicht braucht oder nicht bezahlen kann. Damit sie nicht in die Arbeitslosigkeit rutschen (und damit auch in die Arbeitslosenstatistik), werden sie in Kurzarbeit geschickt. Das ist gut für die Betroffenen, die zumindest einen Teil ihres Einkommens behalten und eine Chance auf Rückkehr in ihren Job haben, und es ist gut für die Politik, weil man so die Arbeitslosenquote künstlich niedrig hält.

Die Politik hat schon viele Möglichkeiten gefunden, die Arbeitslosenquote „aufzuhübschen“. Wer krank geschrieben ist, wird nicht als arbeitslos gezählt, wer ein bestimmtes Alter erreicht hat, wird nicht als arbeitslos gezählt, wer in einer Fortbildung des Arbeitsamtes ist, wird nicht als arbeitslos gezählt. Und so weiter und so fort.

Die Zahl der tatsächlichen Arbeitslosen liegt um etwa eine Million höher, als die gemeldete Arbeitslosenquote. Im April waren in Deutschland ca. 2,7 Millionen Menschen arbeitslos, das sind offiziell 5,8 Prozent. Wenn wir die Million Menschen dazu zählen, die aus der Statistik herausgerechnet werden, wären es etwa 2 Prozent mehr.

Aber da ich in diesem Artikel bewusst die optimistischen Zahlen benutzen will, damit mir niemand „Panikmache“ vorwerfen kann, nehmen wir die 2,7 Millionen offiziell Arbeitslosen und die 7,3 Millionen Kurzarbeiter (die ja de facto ebenfalls arbeitslos sind)

Das würde bedeuten, dass in Deutschland derzeit 10 Millionen Menschen de facto arbeitslos sind. Das sind ca. 21 Prozent. Das wäre die aktuelle Arbeitslosenquote in Deutschland, wenn man die Kurzarbeiter nicht aus der Statistik heraushalten würde.

In den Medien können wir Katastrophenmeldungen aus anderen Ländern lesen, in denen die Arbeitslosigkeit in Folge der Corona-Krise auf 20 und mehr Prozent gestiegen ist und dann lesen wir in den deutschen Medien, dass es in Deutschland nur 5,8 Prozent sind. Der Normalbürger lehnt sich beruhigt zurück und ist beruhigt, dass die deutsche Regierung uns so gut durch die Krise führt. Und Merkels Umfragewerte steigen, die „Krisenkanzlerin“ hat alles im Griff.

Pustekuchen!

Es ist keineswegs sicher, dass alle Kurzarbeiter bald wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können! Viele Firmen werden pleite gehen und die Kurzarbeiter werden tatsächlich arbeitslos. Was wir erleben, ist eine „Aufhübschung“ der Arbeitslosenquote.

Auch eine Analyse der Kurzarbeit nach Branchen macht nicht optimistisch. Laut Ifo-Institut sind im Dienstleistungsbereich fast 25 Prozent der Beschäftigten betroffen. Dienstleistungen sind oft kleine Betriebe wie Friseure und so weiter, die es besonders schwer haben, die Krise wirtschaftlich zu überleben. Auch in der Industrie sieht es schlimm aus, da sind es sogar über 30 Prozent. Und dass die Nachfrage nach Industrieprodukten schnell wieder auf das Vor-Krisen-Niveau ansteigt, glaubt niemand. Jetzt rächt sich, dass Deutschland auf Export setzt, denn die weltweite Nachfrage, auf die die deutsche Industrie angewiesen ist, wird sich sicher nicht schnell erholen. Auch im Handel sind die Zahlen erschreckend, auch dort sind fast 30 Prozent der Arbeitnehmer in Kurzarbeit.

Wie dramatisch die Zahlen sind, zeigt ein Blick auf die große Wirtschaftskrise von 1929. Im Jahr 1930 war die Arbeitslosenquote in Deutschland als Folge der Krise von 1929 auf „nur“ 15,7 Prozent gestiegen. In Geschichtsbüchern lernen wir, dass das ganz schlimm war und dass das schlimmste Wirtschaftskrise der modernen Geschichte war.

Damals gab es all die „Aufhübschungen“ der Arbeitslosenquote nicht, die heute das tatsächliche Ausmaß unsichtbar machen. Die Situation heute, nur wenige Monate nach dem Beginn von Corona, ist schon schlimmer, als sie es ein Jahr nach dem Börsencrash von 1929 war.

Wir leben in einer historisch interessanten Zeit, die für viele aber auch zur schwersten Zeit ihres Lebens werden kann. Die Folgen der Krise von 1929 waren, dass Hitler an die Macht gekommen ist und dann der Zweite Weltkrieg. Wohin uns diese Krise führen wird, weiß noch niemand und ich hoffe, dass die heutigen Politiker kompetenter sind, als ihre Vorgänger es vor 90 Jahren waren.

In jedem Fall halte ich es für wichtig, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Und die Wahrheit ist: Die wirtschaftlichen Folgen von Corona sind den ersten Indikatoren zu folge schlimmer, als die Folgen des Börsencrashes von 1929. In den USA, wo es kein Kurzarbeitergeld gibt, zeigen die offiziellen Zahlen das bereits. Dort erreichen die Arbeitslosenzahlen bereits jetzt das Ausmaß der Großen Depression, die auf 1929 folgte. Und auch die Zahl der Arbeitslosen, die nun in den Innenstädten in Zelten leben, ist stark gestiegen.

Quelle

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